Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 41
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Wappen-Darstellungen im Würzburger Dom, Sepultur der Domherren (2. Teil), 15. Jh.

Abb.: Truchseß von Wetzhausen (in Gold zwei in zwei Reihen silbern-rot geschachte Balken, Helmzier: Zwei wie der Schild bez. Büffelhörner (Balken als Spangen), dazwischen ein Jungfrauenrumpf in roter Gewandung mit goldenem Zopf und ebensolcher Krone. Helmdecken rot-golden), Gedenkstein für einen Domkapitular. Beschreibung der Familie auf der vorigen Seite.

Abb.: Wappen von Kosbod (vermutlich das thüringische Geschlecht von Kospoth): in Blau drei (2:1) silberne Sterne. Helmzier zwei blau-silbern geteilte Büffelhörner. Helmdecken blau-silbern. Inschrift; "...art von Kosbod Domherr und Erzpriester zu Würzburg". Die in Frage kommenden von Kospoth aus Thüringen werden im Siebmacher jedoch mit anderer Helmzier gelistet. Ringsaußenherum sind vier weitere beschriftete Wappenschilde als Ahnenprobe.

Abb.: von Künsberg, in Blau eine silberne eingebogene Spitze. Helmzier ein silbern gestulpter flacher roter Hut, aus dem zwei rote Büffelhörner wachsen, an der Spitze jeweils mit einer Eichel besteckt. Helmdecken rot-silbern. Gedenkstein für den Domkapitular Georg von Künsberg.

Später führte die Familie von Künsberg ein vermehrtes Wappen. Die eingebogene Spitze wurde nur noch als Herzschild aufgelegt. Der Schild darunter wurde geviert: 1 und 4: in Gold ein gekrönter blauer Löwe, 2 und 3: in Blau ein gekrönter goldener Löwe mit einer goldenen Fußangel (?) in der rechten Pranke. Die Löwen sind oben einander zugewendet, unten voneinander abgewendet. Die von Künsberg sind ein oberfränkisches Rittergeschlecht. Seit 1622 hatten sie in der Wernsteiner Linie das Erbmarschallamt der Nürnberger Burggrafen inne. 1690/91 wurde ihnen der Freiherrenstand bestätigt. Weitere Dienstherren sind das Hochstift Bamberg und die Markgrafen von Bayreuth-Kulmbach. Zwischen 1476 und 1676 finden wir 8 Mitglieder der Familie als Angehörige des Würzburger Domkapitels. Im Johanniterorden findet man ebenfalls Vertreter der Familie - insgesamt ein Geschlecht in äußerst angesehenen Stellungen der Verwaltung der Hochstifte und der Markgrafen. Heute gibt es in Bayern die Linien Weidenberg und Ermreuth-Obersteinbach. Bedeutende Vertreter sind der Würzburger Domkapitular Georg Heinrich von Künsberg, Landrichter des Herzogtums Ostfranken, gest. 1676, und Karl-Dietrich von Künsberg zu Schernau, Kammerherr in Diensten von Kurmainz und Bamberg, Hofrat, Oberstallmeister und Hofmarschall sowie Ritterrat in zwei Ritterkantonen.

Abb.: Wappen der von Brende, Gedenkstein für Arnold von Brend, von Brende, von Brenden (in Silber ein schwarzes Hirschgeweih, Helmzier zwei Hirschstangen oder ein ganzes Hirschgeweih, Helmdecken schwarz-silbern).

Die von Brend waren fränkische Reichsritter des Kantons Rhön-Werra und Ministerialen des Würzburger Hochstiftes. Zwischen 1331 und 1525 stellten die von Brende insgesamt vier Domkapitulare in Würzburg. Erste urkundliche Erwähnung findet die Familie 1156 mit Guntram von Brend. Ihr Stammhaus ist Brendlorenzen. Die Familie Brend gehörte auch zu den Ganerben in der Burg Salzburg bei Neustadt. Im 14. Jh. erweiterten sie ihren Besitz nach Westen vor allem ins Sinntal und bauten diesen reichlich aus. Das Geschlecht stirbt (vermutlich mit dem Domkapitular Martin von Brend 1525) im 16. Jh. aus.

Abb.: von Scherenberg (in Gold eine nach oben geöffnete rote Schere). Helmzier: Auf dem gekrönten Helm Kopf und Hals einen gekrönten silbernen Löwen. Helmdecken rot-golden (hier abweichend). In der heraldisch rechten oberen Ecke befindet sich noch ein einzelner Scherenberg-Schild.

Die Familie von Scherenberg ist ein uraltes fränkisches Reichsrittergeschlecht, das bereits 1212 erwähnt wird (Hartmut von Scherenberg). Das Geschlecht hat verschiedene Linien (Scherenberger, Zabelsteiner, Donnersdorfer). Die Stammburg war schon 1436 zerstört. Der einzige bedeutende Vertreter der Familie ist der Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg, der auf dem väterlichen Besitz in Frankenwinheim geboren wurde. Mit ihm starb das Geschlecht aus. Die Familie hatte Grundbesitz im Grenzbereich Unterfranken/Oberfranken (Donnersdorf, Eberbrunn, Eberhartsbrunn, Altmannsdorf, Frankenwinheim, Dingolshausen, Oberschwappach, Bimbach, Neuses, Kleingressingen etc.).

Abb.: Voit von Rieneck (in Rot ein schreitender silberner Widder, Helmzier auf einem flachen roten Hut mit Aufschlag der silberne schreitende Widder. Helmdecken rot-silbern), Gedenkstein für Ulrich Voit von Rieneck.

Später hatten die Voit von Rieneck ein vermehrtes Wappen, wo das Stammwappen nur noch als Herzschild geführt wurde. 1 und 4 des gevierten Hauptschildes: in Rot 5 goldene Balken (Grafen von Rieneck), 2 und 3: in Rot ein goldenes Schragenkreuz. Der mittlere Helm war der Stammhelm, Helm 2 und 3 (die beiden flankierenden Helme also) hatten als Zier einen wachsenden Schwan mit erhobenen Flügeln (Grafen von Rieneck). Helmdecken rechts rot-silbern, links rot-golden.

Die Familie Voit von Rieneck trägt die Amtsbezeichnung, die sie als Vögte im Dienste der Grafen von Rieneck innehatten. Erste Erwähnungen 1272 und 1349. Im Raum Karlstadt am Main hatten sie im 14. Jh. Grundbesitz. In kirchlichen Ämtern gelangte die Familie zu hohem Ansehen. Es gibt viele Angehörige des Würzburger Domkapitels, mit Philipp Valentin Voit von Rieneck einen Fürstbischof von Bamberg (1653-1672), mit Carl Friedrich Voit von Rieneck einen Dompropst in Würzburg und Bamberg sowie Propst zu St. Burkard in Würzburg. Letzterer wurde 1679 zum Reichsgrafen erhoben. Ihr Wappen wurde um die Komponenten der Grafen von Rieneck erweitert und vermehrt. Die Familie, deren letzte Angehörige in Traustadt residierten, starb 1823 aus.

Literatur, Links und Quellen:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Der Dom zu Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 232, 11. Auflage 1997, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4194-3.
Herrn N. Sack ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariates, Presse- und Informationsstelle, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, vom 24.01.2007.

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