Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 42
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Schlußsteine im Gewölbe von St. Burkard in Würzburg

An der reichen Ausstattung mit Wappen an Schlußsteinen und im Chorgestühl wird der besondere Charakter von St. Burkard deutlich: Es war einst ein adliges Kollegiatstift, ein Ritterstift. Früher ein Benediktinerkloster, gab 1464 Papst Pius II dem Wunsche der Konventualen nach Umwandlung in ein Kollegiatstift statt. 1467 wurde es zwar widerrufen, aber 1470 von Papst Sixtus IV als Chorherrenstift erneut bestätigt. Es wurde nicht mehr von einem Abt, sondern von einem Propst geführt, der stets eine enge Verbindung zum Domkapitel hatte, weil er aus der Reihe der Domherren zu wählen war. So kommt es, daß wir in St. Burkard viele schöne Wappen finden, die sich wie das Who's who der Reichsritterschaft lesen. Erst 1803 wurde das Stift aufgehoben. Das nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges 1664 wiederaufgebaute Gewölbe des Ostchores trägt etliche Wappenschlußsteine.

Blick auf das Chorgewölbe mit insgesamt dreizehn Wappen-Schlußsteinen. Rechts ist der Bogen zum tiefer gelegenen Hauptschiff angeschnitten, links im Bild befindet sich der Chorabschluß. Links in der mittleren Reihe befindet sich an prominenter Stelle das Wappen des 1664 amtierenden Fürstbischofs, daneben ist das Wappen des Ritterstiftes selbst als östlichster Abschluß der Reihe. Alle anderen Schlußsteine außer diesen beiden sind mit einem auf drei Seiten umlaufenden Schriftband namentlich zugeordnet und auf 1664 datiert.

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn (amtierte 1642-1673) stammt ebenfalls von 1664 und besitzt eine Form, wie sie 1663-1673 verwendet wurde, denn der Amtsinhaber war in drei Bistümern Fürstbischof, in Würzburg ab 1642, in Mainz ab 1647 und in Worms ab 1663 (vgl. Siebmacher Band: Bi Seite: 118 Tafel: 197). 1663 ist zugleich das Jahr der Erhebung in den Reichsfreiherrenstand. Das Wappen ist wie folgt aufgebaut:

Das Wappen des Grafen und Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn hat insgesamt 5 Elemente, davon zwei doppelt. Nur bei dem aufgelegten Herzschild handelt es sich um das eigentliche Familienwappen der Grafen von Schönborn, alle anderen Felder, nämlich der gesamte geteilte und zweimal gespaltene Hauptschild, enthalten heraldische Symbole für die kirchlichen Würden und Ämter. Im Grunde kommt jedes Bistum damit doppelt vor, punktsymmetrisch im Hauptschild angeordnet. Nur weil Würzburg zwei verschiedene Symbole einbringt, ist die Symmetrie scheinbar durchbrochen.

 

Den östlichsten Abschluß der mittleren Schlußsteinreihe bildet das Stiftswappen von St. Burkard. Hinter dem Schild wächst eine Darstellung des ersten Würzburger Bischofs empor, mit Mitra und Umhang, mit der Heiligen Schrift in der Rechten und einem Krummstab in der Linken. Das Stiftswappen zeigt in Silber eine blaue Lilie, was eigentlich eine inkorrekte Farbgebung ist, denn noch 1861 wird in Blau eine goldene Lilie beschrieben, was die historisch korrekte Farbfassung wäre. Angeblich bezieht sich dieses Motiv auf das französische Königswappen, und ebenso angeblich wird dieses Wappen dem Bischof Burkard zugewiesen, was beides jeder rationalen Grundlage entbehrt.

Dieser Schlußstein ist Joachim Konrad von Seckendorff (-17.11.1674) zugewiesen. Er war 1663-1674 Dekan des Ritterstifts St. Burkard, also genau zur Entstehungszeit dieses Gewölbeschmuckes. Joachim Konrad war der Sohn von Georg Friedrich von Seckendorff zu Ottengrün und dessen Frau Anna Maria von Beulwitz, er stammt damit aus der Linie Gutend-Langenfeld, war eigentlich Protestant und konvertierte zur katholischen Konfession, wie seine Grabinschrift an der Nordwand in St. Burkard hervorhebt. Er profitierte davon, daß Wolfgang Dietrich Capler von Oedheim gen. Bautz am 12.2.1650 zu seinen Gunsten sein Kanonikat resignieren ließ. Am 26.2.1650 wurde Joachim Konrad Domizellar, am 16.7.1651 immatrikulierte er sich an der Universität Würzburg, zog aber zwei Jahre später, am 12.7.1653, zum üblichen Biennium ins Collegium Germanicum für zwei Jahre nach Rom, um dort seine Studien fortzusetzen. Das Biennium beendete er laut Testat am 24.2.1656, und danach setzte er seine Klerikerlaufbahn in Franken fort: Am 31.5.1656 wurde er Kapitular, am 3.7.1663 wurde er Dekan von St. Burkard. Der selben Würzburger Universität, an der er 1651-1653 studierte, stand er 1663/64 als Rektor vor. Daneben hatte er noch in Bamberg ein Eisen im Feuer, indem er dort seit 1644 Domherr war, dazu war er Oberpfarrer der Kirche Unserer Lieben Frau in Bamberg. Übrigens war auch Joachim Konrads Neffe, Heinrich Wilhelm von Seckendorff, in St. Burkard 1666-1674 Kanoniker, und dieser ist auch in St. Burkard bestattet. Sein Wappen zeigt in Silber zwei zu einer Acht verschlungene, rote Lindenzweige mit nach außen gekehrten Blättern, vier auf jeder Seite. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein roter, silbern oder in Hermelin gestulpter, niedriger Hut, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Der Hut ist hinsichtlich seiner Form sehr variabel. Die Helmdecken wären rot-silbern.

Die von Seckendorff sind ein bekanntes und weit verzweigtes Reichsrittergeschlecht, das ursprünglich aus Seckendorf bei Cadolzburg stammt. Der erste greifbare Vertreter ist Rudigerus de Saccendorf im 12. Jh. Bald darauf entstanden die drei Hauptlinien Aberdar, Gutend und Rinhofen, später in viele weitere, allesamt erloschene Nebenlinien. Die von Seckendorff waren ursprünglich im Dienste der Burggrafen von Nürnberg, später der Markgrafen von Ansbach; sie hatten das Schenkenamt des Burggrafentums Nürnberg inne. Ihre Besitzungen waren weitläufig und lagen in den Kantonen Odenwald, Steigerwald, Gebirg und Altmühl, dazu später noch Gebiete in Württemberg. Viele Mitglieder waren im Dienste der fränkischen Hochstifte aktiv. In Eichstätt stellte die Familie mit Kaspar v. S. einen Fürstbischof (1590-1595). In kaiserlichen Diensten erwarb die Familie weiteres Ansehen und wurde in mehreren Speziallinien in den Grafenstand erhoben, so der kaiserliche Feldmarschall und Diplomat Friedrich Heinrich v. S. im Jahre 1719 und der württembergische Staatsminister Johann Karl Christoph v. S. im Jahre 1810. Viele Mitglieder nahmen Führungspositionen in der Reichsritterschaft ein, sie stellten neun Ritterhauptleute in verschiedenen Kantonen. Johann Wilhelm Friedrich von Seckendorff (1756-1763) war sogar Spezialdirektor aller sechs Orte zu Franken und Generaldirektor der gesamten reichsunmittelbaren Ritterschaft. Im 20. Jh. ist Rudolph v. S. als Präsident des Reichsgerichts in Leipzig (1905-1919) bekannt geworden.

 

Der Schlußstein in der linken Abb. ist Franz Ludwig Faust von Stromberg (15.8.1605-22.10.1673) zugeordnet, und die Inschrift weist ihn als "Praepositus" (Propst) aus, ein Amt, welches er von seiner Wahl am 28.11.1650 bis zu seinem Tod im Jahre 1673 bekleidete. Dieser Kleriker begegnet uns mit seinem Epitaph an der Westwand des nördlichen Querschiffes im Würzburger Kiliansdom (siehe auch dort). Franz Ludwig Wilhelm Freiherr Faust von Stromberg, Sohn von Johann Paul Faust von Stromberg und dessen Frau Magdalena von Warsberg, bekam die Stelle als Würzburger Domherr am 20.7.1626, nachdem sie durch das Ableben von Sebastian von Stauffenberg frei wurde. Im Jahre 1630 wurde er als Domkapitular aufgenommen. Die erste Position war eine Art Anwärtertum (Domicellar), und 1630 bekam er dann die vollwertige Aufnahme in das Domkapitel. Im Jahre 1649 wurde er Domcustos, schließlich am 25.3.1651 Dompropst in Würzburg. 1638 wurde er Propst zu Wetzlar und kam in das Comburger Kapitel, und 1640-1673 amtierte er als sechzehnter Dekan des Stifts Comburg. Dazu war er noch in Worms Domkapitular und seit dem 30.5.1636 auch noch Domherr in Bamberg. Mit dieser Häufung von Ämtern und Pfründen darf er als typischer Vertreter der adeligen Reichskirche zu Zeiten des Barocks gelten. Das Wappen der Faust von Stromberg ist golden-rot geschacht, im ersten Platz ein schwarzer Stern. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu rot-goldenen Decken ein roter Turnierhut, in dessen Hermelinstulp zwei golden-rot geteilte Fähnchen stecken und der oben mit einem schwarzen Stern besetzt ist. Die Faust von Stromberg, eine rheinländische Niederadelsfamilie, sind ursprünglich ein illegitimer Zweig der Grafen von Sponheim. Zur Differenzierung wurden sowohl andere Farben als auch der Stern als Minderung verwendet. So wurde zwar die Abstammung von dem im Hunsrück begüterten Grafenhaus, aber auch gleichzeitig die soziale Distanz ausgedrückt. Nach dem Aussterben der Faust von Stromberg erfolgte Vereinigung des Wappens mit dem der Grafen von Eltz.

Der nächste Schlußstein, in der Abb. oben rechts zu sehen, ist Adolph Hund von Saulheim (-29.4.1668) zugeordnet. Die Inschrift weist ihn als Senior und Jubiläus aus. Es handelt sich um einen ehemaligen Dekan des Ritterstifts, dieses Amt hatte er 1624-1639 bekleidet. Adolph war der Sohn von Johann Christoph Hund von Saulheim, fürstlich-Speyerischer Amtmann zu Mergentraut, und dessen Frau Christine von Dienheim. Dem Wappenbesitzer begegnen wir am Bassenheimer Hof in Kiedrich, den er 1660 erbauen ließ, und seinen Eltern begegnen wir in St. Martin in der Pfalz am Alten Schlößchen. Adolph Hund von Saulheim war Domherr zu Würzburg und Dompropst in Mainz. Außerdem war er Domherr in Speyer. Von Adolfs Brüdern wurden zwei weitere geistlich, Johann Philipp Hund von Saulheim wurde Domherr in Mainz, und Johann Reinhard wurde Domdechant in Speyer (gest. 1630). Am 4.4.1609 bekam Adolph die Tonsur und die niederen Weihen, und noch am selben Tag wurde er Domizellar. 1613 ging er zum Studium nach Köln, 1618 nach Mainz, außerdem studierte er in Ingolstadt. Am 4.11.1618 wurde er Kapitular, und am 16.1.1624 wurde er Dekan des Ritterstifts St. Burkard. Am 19.8.1639 resignierte er und gab das St. Burkarder Dekanat ab. Zuvor schon hatte er am 19.2.1639 das Stiftskanonikat zurückgegeben, weil er die Reitpfründe bekommen hatte, und das vertrug sich nicht gleichzeitig. Er hatte zudem etwas Besseres in der Hand, denn er war am 22.6.1638 zum Domdekan in Mainz gewählt worden. Dort hatte er schon länger ein Eisen im Feuer, 1610 war er in Mainz Domherr geworden, 1634 Domscholaster. Und es ging weiter, denn am 10.12.1652 wird er in Mainz zum Dompropst gewählt. Seit dem 17.10.1654 war er in St. Burkard Jubiläus. Sein Wappen zeigt in Silber einen schwarzen, sechsstrahligen Stern zwischen drei (2:1) roten, linksgewendeten Mondsicheln.

 

Dieser Schlußstein ist gemäß Inschriftenband für Johann Philipp Baron von Walderdorff, Senior des Kapitels (-4.3.1689). Das Wappen zeigt in Schwarz einen golden gekrönten, silbernen Löwen mit roter Mähne und rotem Kopf. Das hier nicht dargestellte Kleinod der rheinländischen Familie wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einem golden gekrönten, silbernen Löwen mit roter Mähne und rotem Kopf. Johann Philipp von Walderdorff war der Sohn von Johann Peter von Walderdorff zu Molsberg und Isenburg, kurtrierischer Rat und Amtmann zu Montabaur, und dessen Frau Maria Magdalena von Greiffenclau-Vollraths. Johann Philipp wurde am 16.6.1629 Domizellar und immatrikulierte sich 1639/40 an der Universität Würzburg. Seine Studien verliefen nicht so glatt wie erwartet, vor allem schluderte er mit seinem Biennium, so daß am 10.11.1640 seine Rückmeldung an der Uni erst einmal abgelehnt wurde. Schließlich leistete er 1642-1645 sein Biennium am Collegium Germanicum in Rom ab. Am 20.3.1645 wurde er Kapitular, und am 22.3.1655 bekam er die Reitpfründe. Johann Philipp setzte seine Studien 1660 ff. in Mainz fort. 1668 dient er in Mainz als kurtrierischer Gesandter. Von seiner Wahl am 17.1.1675 bis 1689 war er Dekan von St. Burkard. Jubilar wurde er am 18.10.1685, und zeitgleich gab er die Reitpfründe zurück. Neben seinen Jobs in Mainz und in Würzburg war Johann Philipp auch noch Domherr und später Dompropst in Speyer sowie Domherr, Domscholaster und schließlich Domdekan in Trier - ein vielbeschäftiger Mann auf kurzem Zwischenstop im Gewölbe, denn er verstarb auf dem heimatlichen Schloß in Molsberg.

 

Nun folgen insgesamt drei Schlußsteine mit Wappen der Familie von Franckenstein, jeweils mit identischem Wappenschild, nur durch die Beschriftung differenziert. Der erste (Abb. oben links) ist für Johannes Eustachius von Franckenstein, der noch im Jahre der Anfertigung der Schlußsteine verstarb. Er war der Sohn von Johann Eustach von Franckenstein, kurmainzischer Amtmann in Höchst und Hofheim, und dessen Frau Anna Margarethe Brendel von Homburg. Am Stift St. Burkard war der ca. 1625 geborene Sohn von seiner Wahl am 1.8.1656 bis zu seinem Tod am 27.9.1664 Scholaster, nachdem er am 28.2.1640 Domizellar wurde, in Mainz, Leuven und Rom studierte und am 16.11.1649 Kapitular wurde. Neben seiner Würzburger Karriere pflegte er noch seine Domherrenstellen in Mainz und Bamberg. Zum Priester war er erst 1657 geweiht worden.

Der zweite Schlußstein dieser Serie ist Johannes Philipp von Franckenstein d. Ä. (1646-25.2.1711) zugeordnet. Dieser war der Sohn von Johann Peter von Franckenstein, kurmainzischer Hofrat und Oberamtmann in kurmainzischen Diensten in Lohr, und dessen Frau Sophia von Baumbach. Johann Philipp wurde am 20.11.1655 Domizellar. Das Biennium absolvierte er in Mainz 1658-1660. Danach setzte er seine regulären Studien erst in Mainz und dann in Würzburg ab 1664 fort, um bereits 1666 nach Frankreich zu gehen, wo er seine Studien in Bourges fortsetzte. Am 12.11.1671 wird er Kustos, am 16.10.1679 Koadjutor des Dekans, nach Walderdorffs Tod wurde er Dekan des Ritterstifts, nachdem er die Kustodie am 2.5.1689 zurückgegeben hatte, aber das Dekanat gab er, kaum erlangt, am 16.7.1689 wieder zurück. Er blieb bis auf weiteres einfacher Kanoniker, bis er am 17.2.1696 auch sein Kanonikat zurückgab. Dafür engagierte er sich in Bamberg, wo er seit 1670 Domherr und ab 1683 Domkantor und später auch Domkustos war und wo er auch nach seinem Tod in Staffelstein begraben wurde, und in Mainz, wo er in St. Alban Kanoniker war. Ferner war er kurfürstlich bambergischer und kurmainzischer Geheimer Rat und Hofratspräsident.

Das Stammwappen der Herren von Franckenstein zeigt in Gold ein schräggestelltes rotes Axteisen mit quergestellter Stielöffnung, aber ohne Stiel (auch als Schabeisen bezeichnet oder nur als Axt, dann stünde die Grifföffnung aber falsch; im Grunde wäre es eine Queraxt ohne Stiel). Die Helmzier ist zu rot-goldenen Decken ein Flug, beiderseits mit dem Schildbild belegt, die Axteisen schräggestellt und mit den Klingen einander zugeneigt. Hier wird das erste vermehrte Wappen von allen drei Familienmitgliedern verwendet, geviert, Feld 1 und 4: Stammwappen, in Gold ein schräglinks gestelltes rotes Axteisen mit hier untypischerweise geschlossener Stielöffnung, Feld 2 und 3: in Gold drei mit den Stielen dreipaßförmig zusammengestellte Kleeblätter oder herzförmigen Blättern, Wappen des erloschenen Geschlechtes von Klee (von Cleen).

 

Das dritte hier vertretene Familienmitglied ist Johannes Carolus von Franckenstein (1610-29.9.1691), Sohn von Johann Eustachius von Franckenstein (-1632) und Anna Margaretha Brendel von Homburg und damit Bruder des zuerst erwähnten Johannes Eustachius von Franckenstein, dem er im Amt des Scholasters nachfolgte. Ein dritter Bruder war Johann Richard von Franckenstein, dessen Epitaph in der Sepultur des Würzburger Domes zu finden ist. Johann Karl studierte in Köln und in Freiburg und danach noch in Bourges. Er wurde am 16.10.1656 Domizellar und am 5.7.1664 Kapitular, und als solchen bezeichnet ihn die Inschrift. Am Stift war er vom 15.10.1667 bis 1683 Scholaster. Dieses Amt gab er am 7.12.1683 auf, weil er am 17.8. des Jahres zum Fürstbischof von Worms gewählt wurde. Auch das Kanonikat gab er am 7.6.1684 zu Gunsten seines Neffen Johann Friedrich Adolph von Franckenstein auf.

Die Herren von Franckenstein gelten als Abkömmlinge der Lützelbach-Breuberg und haben ihren Ursprung im Odenwald, von wo aus sie sich in Rheinhessen ausbreiteten. Die Stammburg der Ritter und Herren von Franckenstein liegt nicht in Franken, sondern in Hessen im Gebiet der Grafen von Katzenelnbogen und wurde später von Hessen-Darmstadt übernommen. Im Rheinland gehören sie zum Uradel, eines der ältesteingesessenen Rittergeschlechter. Später finden wir sie in den Ritterkantonen Rhön-Werra, Steigerwald und Ortenau, sowie Mittelrheinstrom. Mitglieder der Familie sind zahlreich in den rheinischen Stiften Mainz, Worms und Speyer als Domherren vertreten. Die Familie stellte viele Kirchenmänner, allen voran Rudolf v. F., Fürstbischof von Speyer (1522-1560), und Johann Karl v. F., Fürstbischof von Worms (1683-1691). Dazu finden wir viele Vertreter im Johanniterorden und im Deutschen Orden. In Franken profitierten die von Franckenstein von der Reformation, indem sie als katholische Familie durch Konversionen freigewordene Stellen besetzten. Nach Verkauf der Besitzungen im Odenwald erwarben die von Franckenstein 1662 die Herrschaft Ullstadt und ließen dort ihr Wasserschloß von Johann Dientzenhofer in den Jahren 1718-1725 errichten, das heute noch in Familienbesitz ist.

Der nächste Schlußstein führt uns zu Franz Theobald (Diepold) von Reinach (-15.7.1681), Cantor und Kapitular. Seine Wahl zum Kantor im Jahre 1663 beendete eine 30 Jahre währende Vakanz für dieses Amt. Sein Vorgänger als St. Burkarder Kantor war Johann Rudolph von Pelkofen, der 1629-1632 das Amt ausübte. Der Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn mahnte 1662 an, daß endlich mal jemand gewählt werden müsse. Aber erst am 12.10. des Folgejahres wählte man den Kapitular von Reinach, der das Amt bis 1681 ausübte. Der Betreffende wurde am 26.11.1640 Domizellar und studierte in Würzburg und Bamberg (Biennium), danach ab 1653 zwei weitere Jahre in Frankreich. Am 15.5.1655 wurde er Kapitular. Neben seiner Pfründe in Würzburg war er auch noch seit 1644 in Bamberg Domherr, wo er verstarb. Sein Wappenschild zeigt in Gold einen roten Löwen mit blauer Mähne. Meist wird der Löwe jedoch mit gänzlich blauem Kopf dargestellt oder mit einer blauen Kapuze. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein wachsender, goldener, blau bewehrter und rotgezungter Löwe mit einem roten Rückenkamm, dessen Spitzen mit natürlichen Pfauenspiegeln besetzt sind. Das Wappen wird beschrieben im Wappenbuch der Stadt Basel und im Siebmacher Band: Els Seite: 18 Tafel: 22, in Band: Bad Seite: 70 Tafel: 42 und in Band: Bay Seite: 53 Tafel: 55, alle zeigen auch ein vermehrtes Wappen.

 

Ein randständiger Schlußstein in der Nähe des Chorbogens trägt ein Wappen für Johann Philipp Joachim Forstmeister von Gelnhausen (27.2.1648-), Sohn von Ludwig Forstmeister von Gelnhausen und dessen Frau Ursula Katharina von Franckenstein. Dieser Johann Philipp Joachim ist 1660-1670 als Kanoniker in St. Burkard belegt. Nach Studien am päpstlichen Seminar in Fulda wurde er am 13.5.1660 Domizellar. Danach setzte er seine Studien in Bamberg (Biennium) und Fulda fort. Am 29.12.1670 resignierte er von seiner Pfründe in St. Burkard. 1662-1674 war er Domherr in Bamberg und 1674 auch in Würzburg. Irgendwann gab er sein Klerikerleben auf, resignierte auch von den beiden anderen Pfründen und heiratete Anna Amalie Gremp von Freudenstein. Das Wappen der Forstmeister von Gelnhausen zeigt in blauem (hier geht die Farbe fälschlicherweise ins Grüne), mit goldenen Schindeln bestreuten Feld einen pfahlweise gestellten, goldenen Widerhaken, oben mit einem Vogelkopf versehen, oben rechts begleitet von einem roten Kreuzlein (kann auch fehlen). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu blau-goldenen Decken ein goldener Widerhaken, oben mit einem Vogelkopf versehen, zwischen zwei mit goldenen Schindeln und einem roten Kreuzlein bedeckten Adlerflügeln. Die Forstmeister von Gelnhausen waren ein altes, ehemals zur unmittelbaren mittelrheinischen Reichsritterschaft zählendes Geschlecht, das seinen Besitz im Rheinland erwarb.

Der nächste Schlußstein ist Friedrich Frey von Dehrn zugeordnet, Sohn von Hans Hartmann Frey von Dehrn, kaiserlicher Oberstleutnant, und dessen Frau Maria Barbara von der Lippe gen. Huhn. Friedrich war am Stift St. Burkard 1662-1676 Kanoniker. Am 9.2.1662 wurde er Domizellar, er studierte u. a. in Straßburg, und 1676 starb er bei der Belagerung von Philippsburg als Hauptmann. Das Wappen zeigt unter einem silbernen (gemäß Literatur auch goldenen) Schildhaupt in Blau drei (2:1) goldene Getreidegarben. Wolfert gibt als Kleinod auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein Paar blauer Büffelhörner an, Gruber hingegen zwei blau-golden übereck geteilte Büffelhörner mit daranhängenden Ohren.

Der letzte hier vorgestellte Schlußstein ist Wilderich von Walderdorff zugewiesen. Philipp Wilderich von Walderdorff (4.11.1647-31.7.1699), Sohn von Georg Friedrich von Walderdorff zu Molsberg und Isenburg und dessen Frau Johanna Elisabeth von Dehrn, war 1657-1690 Kapitularkanoniker in St. Burkard. Er wurde am 14.4.1657 Domizellar und studierte in Würzburg und Rom, dort am Collegium Germanicum. 1670 war er zurück in Würzburg, seine Rückkehr von seinen Romstudien hatten sich durch einen bösen Sturz vom Pferd verzögert. Danach studierte er noch in Reims und in Paris. In Würzburg zurück, wurde er am 28.3.1673 Kapitular, nachdem er drei Tage zuvor die niederen Weihen und zwei Tage zuvor die Subdiakonsweihe empfangen hatte. Er hatte daneben noch Pfründen in Mainz und in Trier: Seit 1658 war er Domherr in Mainz, und seit 1662 war er Domherr in Trier. 1686 wurde er in Trier Domkantor. Seit 1670 war er noch Kanoniker an St. Alban in Mainz. Das St. Burkarder Kanonikat gab er am 26.6.1690 zurück, von seiner Resignation profitierte Johann Kaspar von Bicken. Das Wappen zeigt in Schwarz einen golden gekrönten, silbernen Löwen mit roter Mähne und rotem Kopf. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einem golden gekrönten, silbernen Löwen mit roter Mähne und rotem Kopf.

Literatur, Links und Quellen:
St. Burkard Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 251, 2. Auflage 1989, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 Seiten.
St. Burkard:
http://www.st-burkard.de/
Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Ernst Bach, Kath. Pfarramt St. Burkard, Burkarderstraße 40, 97082 Würzburg, vom 15.02.2007
Alfred Wendehorst, Germania sacra, NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 6, die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg, Berlin/New York 2001, S. 20-21, 109, 256-257, 314, 319. Online: http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F, http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F/NF%2040%20Wendehorst%20St.%20Burkhard.pdf, S. 62, 217, 225, 227, 238-239, 245-246, 308-310, http://personendatenbank.germania-sacra.de/books/view/54, http://personendatenbank.germania-sacra.de/index/browse/index:familienname/term:franckenstein etc.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein
Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn
Die Wappen der Herren, Freiherren und Grafen von Walderdorff

Ortsregister Photos von Wappen - Namensregister
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