Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 45
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Das Chorgestühl in St. Burkard in Würzburg (2. Serie), 1698/99 AD

Johannes Daniel von Haggen (von Hagen) Friedrich Gottfried Freiherr von Pfirt, Pfürdt, Pfirdt (Wappen gewendet)
Franz Dieter von Guttenberg Johann Adam Freiherr von und in Hoheneck
Wilderich Freiherr von und in Hoheneck Adam Adolf von Thüngen

Franz Rudolph von Hettersdorf

Johann Wolfgang von Wallenfels (Wappen gewendet)

Johann Friedrich von Bastheim

Lucas Philipp Alberich von Dietz (nicht verwechseln mit den Grafen von Dietz) (Wappen gewendet)

Erklärungen zu einzelnen Rittergeschlechtern und ihren Wappen:

von Bastheim:
Wappen: In Rot ein von Schwarz und Silber im Wolkenschnitt geteilter Querbalken. Helmzier ein geschlossener roter Flug, darauf ein schrägrechter von Schwarz und Silber im Wolkenschnitt geteilter Balken. Helmdecken rot-silbern.

Die Freiherren von Bastheim hatten als Würzburger Lehnsleute ihren Stammsitz im Dorf Bastheim bei Neustadt an der Saale am Ufer der Els, wovon allerdings nichts mehr vorhanden ist. Das bedeutendste Familienmitglied ist Christoph Karl von Bastheim, Würzburger Geheimer Rat, Kriegsrat und Generalfeldmarschell-Lieutenant (geb. 1648). Im 17. Jh. teilte sich die Familie in die beiden Linien "Schloß Bastheim" und "Haus Bastheim". 1848 starb die Familie aus.

von Guttenberg:
Wappen: In Blau eine goldene meist fünfblättrige Rose mit goldenem Butzen. Helmzier: Ein hermelingestulpter roter Hut, aus dem fünf rotbraune (natürliche) Rohrkolben wachsen. Helmdecken rot-silbern.

Die von Guttenberg sind eine der wichtigsten und prominentesten Familien Frankens, die stets eine Rolle als Bischöfe, Kanoniker, Gelehrte, Diplomaten und Heerführer gespielt haben. Und sie sind auch eine der ältesten Familien, sie stammen wie auch die Künsberg von den von Blassenberg (Plassenburg) ab, einem Ministerialengeschlecht der Andechs-Meranier, einst Vögte auf der Plassenburg bei Kulmbach. Die von Guttenberg gaben sich den neuen Namen mit dem Bau ihrer Stammburg, die ebenfalls in der Nähe von Kulmbach liegt. Im Kanton Gebirg stellten sie mit Achatz v. G., 1607, Georg Enoch v. G. 1660 und Marquard Carl Ludwig v. G. 1743 drei Ritterhauptleute. Mitglieder der Familie waren im Dienste von Kurmainz, Würzburg, Bamberg, Pfalz-Sulzbach und Brandenburg-Kulmbach tätig. Neben dem herausragendsten Mitglied der Familie, dem Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg, gab es viele kirchliche Würdenträger, Deutschordensritter, Malteserritter. Christoph Ernst v. G. tritt als Abt von St. Michael in Bamberg (1653-1729) hervor. Zwischen 1454 und 1847 stellten sie allein in Würzburg 26 Domherren. Sie waren ferner Erbmarschälle des Herzogtums Ostfranken. Die Burg Salzburg bei Neustadt ist heute im Besitz der Familie, wobei das angrenzende Rhön-Klinikum dem Engagement der Familie sehr viel verdankt.

von Thüngen:
Wappen: In seiner älteren Form zeigt der Schild in Silber einen roten Querbalken, darin drei schrägrechte goldene Wellen. Später wurden daraus nach rechts ausgebogene Pfähle, und in späterer Zeit nahm man es mit der Anzahl der Linien nicht mehr so genau oder tauschte die Farben, meistens wird in Silber ein mehrfach mit rechts oder links ausgebogenen Linien gold-rot gespaltener Balken gezeigt. Hier sind es beispielsweise drei links ausgebogene rote Pfähle auf einem goldenen Balken. Die zugehörige Helmzier ist ein wachsender Männerrumpf, rot gewandet, auf dem bärtigen Haupte ein roter Spitzhut mit silbernem Aufschlag, an dessen Spitze ein Hahnenfederbusch steckt. Helmdecken rot-silbern.

Später wurden die Wappen der beiden Linien variiert, die Lutzische Linie verwendet das Stammwappen, manchmal in verwechselten Farben hinsichtlich des Balkens, und ergänzt die Helmzier durch zwei Banner mit schwarzem Doppeladler in Gold. Die ältere, sog. Andreasische Linie nimmt das Stammwappen als Herzschild auf einem gevierten Schild (Feld 1 und 4: von Rot und Silber geteilt und fünfmal gespalten in verwechselten Farben, Feld 2 und 3: In Blau ein gekrönter silberner Sparren, begleitet von 3 (2:1) goldenen Sternen).

Die von Thüngen waren Erbküchenmeister des Herzogtums Franken sowie Untertruchsessen des Hochstiftes Würzburg. Friedrich von Thüngen wurde 1303 mit der Stammburg Thüngen belehnt. Die Familie erwarb den Stammsitz 1406 als Eigengut. In der Rhön und im Werntal erwarben sie ein relativ geschlossenes Herrschaftsgebiet (z. B. Burgsinn, Gräfendorf, Heßdorf, Thüngen, Völkersleier, Detter, Weißenbach, Zeitlofs, Rupboden, Dittloffsroda, Windheim, Adelsberg, Kloster Schönau, Büchold, Waizenbach etc. zählten zu ihrem Besitz). Die Familie war eng mit Würzburg und Fulda verbunden und hatte unzählige Mitglieder in wichtigen Ämtern im Dienste der Kirche. Allein in Würzburg stellte die Familie zwischen 1319 und 1681 insgesamt 29 Mitglieder des Domkapitels: Dekane, Landrichter, Scholastiker, Pröpste etc. Sowohl in Bamberg als auch in Würzburg stellte die Familie je einen Fürstbischof, Konrad in Würzburg (1519-1540) und Neithard in Bamberg (1591-1598). Dazu kommt noch Nikolaus von Thüngen, Bischof von Ermland (1467-1489). Aber auch in weltlichen Diensten waren sie hochangesehen. Sie stellten vier Ritterhauptleute im Kanton Rhön-Werra und einen im Kanton Steigerwald. Andere wichtige Familienmitglieder waren Adam Hermann von Thüngen, Kammerpräsident Württembergs, 1706 in den Freiherrenstand erhoben, sowie Johann Karl von Thüngen, Kommandant in Würzburg, Generalwachtmeister der fränkischen Truppen, 1708 in den Reichsgrafenstand erhoben. In neuerer Zeit ist Karl Freiherr von Thüngen bekannt geworden in Zusammenhang mit dem 20.7.1944.

von Hettersdorf:
Wappen: In Silber ein ausgerissener schwarzer Baum, z. T. als Lindenbaum mit Blättern an den Enden der fünf Äste dargestellt, hier mit anderer Blattform, zu finden aber auch mit fünf Eicheln auf die dürren Äste aufgesteckt. Schildbild sehr variabel. Helmzier: Der Baum aus dem Schild zwischen zwei einwärts gebogenen Bärentatzen mit je zwei silbernen oder wie hier goldenen Spangen. Helmdecken schwarz-silbern.

Ursprünglich waren die von Hettersdorf Vasallen des Erzstiftes Mainz, verbreiteten sich dann aber auch neben dem Kanton Rheinstrom in den Kantonen Rhön-Werra und Odenwald. In den Domkapiteln von Mainz, Fulda und Würzburg finden wir Mitglieder der Familie. Wie viele katholische rheinische Familien wandten sie sich nach der Reformation erst nach Franken. 1829 starb die Familie im Mannesstamme aus, Namen und Wappen wurden anläßlich der Heirat von Alexis von Buddenbrock mit der Tochter des Freiherrn Franz Philipp von Hettersdorf mit dem von Buddenbrock vereinigt.

von Pfirt:
Die Herren von Pfirt sind ein Ministerialengeschlecht aus dem Sundgau, einst eine Ministerialenfamilie der 1324 erloschenen Grafen von Pfirt, mit denen sie nicht verwechselt werden dürfen. 1660 wurde die Familie mit Johann Reinhard von Pfirt in den Freiherrenstand erhoben. Sie hatten Besitz im Oberelsaß, und Bad Krozingen wurde zum Schwerpunkt ihrer Besitzungen im Breisgau. Das Wappen Pfirt zeigt in Schwarz einen silbernen, doppelschwänzigen, golden gekrönten Löwen (hier gewendet). Die Helmzier ist ein wachsender, gekrönter, hier silberner, in anderen Fällen auch nackt dargestellter Frauen- oder Mannesrumpf, bisweilen auch als Mohr dargestellt, oft mit schwarz-silbernen abflatternden Bändern um den Kopf, die Helmdecken sind schwarz-silbern (vgl. Siebmacher Band: Bad Seite: 66 Tafel: 40 und Band: Els Seite: 17 Tafel: 21, auch Pfyrdt oder Pfürt oder gar französisch abgewandelt unter dem Namen Ferrette oder Ferrette de Florimont, Pfirt von Blumberg).

von Hoheneck:
Das Wappen der von Hoheneck zeigt in Rot einen silbernen Pfahl, beiderseits begleitet von aufrechten goldenen Schindeln. Der Stammhelm mit rot-silbenen Decken trägt einen wie der Schild tingierten Brackenrumpf als Kleinod. Es handelt sich bei den von Hoheneck um rheinischen Uradel, der von der gleichnamigen Burg Hohenecken bei Kaiserslautern stammt, ein Kaiserslauterer Ministerialengeschlecht, das die Burg (bemerkenswert der fünfseitige Bergfried und die gewaltige Schildmauer aus der Stauferzeit) zu Lehen hatte und sich nach ihr nannte. Die zugehörige Herrschaft Hohenecken umfaßte die Dörfer Hohenecken (heute zu Kaiserslautern), Erfenbach, Espensteig, Siegelbach und Stockweiler. Anläßlich um 1560 durchgeführter Erneuerungsarbeiten entstand das untere Burgtor, wo auf dem Schlußstein das Hoheneck-Wappen zu sehen ist. Im Jahre 1668 wurden Burg und Herrschaft Hohenecken an die Herzöge von Lothringen veräußert, im gleichen Jahr wurde die Burg durch kurpfälzische Truppen belagert und zerstört, später durch französische Truppen gesprengt. Freiherrendiplome für die Familie datieren von 1654 und 1716, Grafendiplome von 1713 und 1776. Die Reichsministerialenfamilie starb 1806 mit Philipp Karl von Hoheneck aus. Das Wappen wird beschrieben im Alten Siebmacher von 1605, im Neuen Siebmacher Band: Pr Seite: 175 Tafel: 223 (dort Decken rot-golden angegeben), Band: SchwA Seite: 15 Tafel: 9, bei Zobel auf Tafel 147.

Literatur:
St. Burkard Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 251, 2. Auflage 1989, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg.
Siebmachers Wappenbücher
Aschaffenburger Wappenbuch

Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Hohenecken:
http://www.burg-lemberg.de/ger/burgreg/hohenecken/
Burg Hohenecken:
http://www.kimmle.de/Hauptseiten/Hohenecken.html
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.

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© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2006
Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz

Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Ernst Bach, Kath. Pfarramt St. Burkard, Burkarderstraße 40, 97082 Würzburg, vom 15.02.2007

Links: http://www.st-burkard.de/