Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 451
Bad Kissingen (Franken)

Kissingen-Hausen: Obere Saline (Bismarckmuseum)

Die Obere Saline in Hausen (seit 1972 zu Bad-Kissingen gehörig, ca. 3 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Bad Kissingen) war einst fürstbischöfliche Kurresidenz. Der Quaderbau mit Mittel- und Eckpavillons wurde in den Jahren 1767-72 unter Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim errichtet, und sein Wappen ziert den Mittelrisalit zur Durchgangsstraße hin. Später logierte hier Otto von Bismarck insgesamt 14mal anläßlich seiner Kuraufenthalte, deswegen hat man hier heute ein Bismarck-Museum eingerichtet. Das sog. Kissinger Diktat erfolgte auch hier, am 15.6.1877, ein Vorgang gewisser weltpolitischer Bedeutung, in dem die Prinzipien seiner außenpolitischen Bündnispolitik vor dem Hintergrund der Balkankrise niedergelegt wurden. Es gibt auch eine Untere Saline, die wurde aber erst 1788 errichtet und trägt kein Wappen.

Früher wurde hier tatsächlich Salz gewonnen, aus einer der dort befindlichen Solequellen. Dazu gehört auch das sog. Gradierwerk, ein System zur Aufkonzentrierung der Sole durch Verdunstung durch Überleiten bzw. Verrieseln der Sole über Reisigbündel mit dem Ziel der Verteilung über eine möglichst große Oberfläche.

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1757-1779) ist geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Zu diesem Seinsheimer Wappen würden folgende zwei Helmzieren gehören:

Dazu hätte er die Helme beider Fürstbistümer beanspruchen können. Stattdessen sind hier zwei Fürstenhüte übereinander gewählt worden.

Die Familie von Seinsheim ist ein fränkisches Ministerialengeschlecht mit zwei Lehnherren, der Bischof von Würzburg und der Abt des Klosters Michelsberg. Die Stammreihe beginnt mit Siegfried von Seinsheim (Sifridus de Sowensheim), 1172-1209 erwähnt. Zu dem ausgedehnten Besitz der Familie in Franken gehörten Erlach, Schwarzenberg, Astheim bei Volkach, Burg Kottenheim, Burg Hohenlandsberg, Seehaus, Hörblach, Wässerndorf etc. Die Familie ist in zwei Linien aufgespalten, von Seinsheim-Seinsheim und von Seinsheim-Schwarzenberg. 1429 erhielt ein Angehöriger der zweiten Linie den Freiherrentitel; der Stamm lebt in den Fürsten von Schwarzenberg fort. Die Linie von Seinsheim-Seinsheim erwarb den Besitz Sünching im Jahre 1572. Das liegt in der Oberpfalz. Anläßlich ihrer Erhebung in den Reichsfreiherrenstand 8 Jahre später vierten sie ihren Schild mit dem Wappen der ausgestorbenen Familie von Sünching, auf deren Gütern sie saßen. So kam die Wildsau ins Wappen. Die Familie von Seinsheim ist heute im Mannesstamm erloschen, der letzte war Maximilian Graf von Seinsheim (1844-1917). Die letzte Seinsheimerin, Gräfin Gabriele von Seinsheim, heiratete Johann Freiherr von Hoenning O'Carroll; ihnen gehört heute noch der Besitz Sünching. In der Fürstenfamilie von Schwarzenberg lebt der andere Zweig jedoch fort.

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Bamberg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein - Der Bamberger Löwe

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