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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 495
Schloß
Thurnau in Thurnau (Oberfranken)
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Schloß Thurnau - Teil (1b): Wappen über dem Torhaus:
Beide Höfe von Schloß Thurnau haben eine eigene Toreinfahrt, die des oberen Hofes ist prächtig als eigenständiges Torhaus ausgebildet. Dazu sind beide Höfe mit einer weiteren Tordurchfahrt verbunden. Das Torgebäude zum oberen Hof und damit zum Giechschen Teil des von zwei Familien gemeinsam bewohnten Schlosses ist relativ groß, dreigeschossig, darüber ein Satteldach mit drei Gauben zu jeder Seite, und es wirkt dennoch klein im Vergleich zu dem hoch aufragenden Kemenatenbau der Burg, der buchstäblich alle anderen Gebäude in den Schatten stellt. Mit diesem ist das Torgebäude durch einen überdachten hölzernen Laufgang verbunden, der am Schneckenturm seinen Ausgang nimmt und auf der hofwärtigen Seite am Torhaus in Höhe zwischen erstem und zweitem Obergeschoß entlang läuft. Das Torhaus ist nach 1580 unter Hans Georg von Giech entstanden. Zwischen den Fenstern des zweiten Obergeschosses befindet sich der Wappenstein mit einem Allianzwappen Giech/Förtsch.

Blick auf den Schloßeingang durch das Torhaus zur Linken und auf den hochaufragenden Bau der Kemenate (Hus uf dem Stein) von Nord-Osten her. Im Hintergrund erkennt man den galerieartigen Übergang aus Holz mit dreien seiner Stelzen, der von dem vorderen Treppenturm (der vorderen Schnecken) entlang dem Torhaus zum Hans-Georgen-Bau nach links führt.

Abb.: Allianzwappen der Giech und Förtsch mit jeweils einer Vierer-Ahnenprobe an der Seite. Diese Ehe begründete die eine Hälfte des Condominiums, in dieser Ehe wurde der Besitzwechsel Förtsch - Giech vollzogen.

Wappen der Herren von Giech in Form des vermehrten Wappens von 1482. Das Wappen ist geviert:
Dazu zwei Helmzieren:
Die Ahnenprobe an der optisch linken Halbsäule zeigt von oben nach unten die Wappen

Das Wappen der Förtsch von Thurnau ist im Kerbschnitt von Rot und Silber schrägrechts geteilt. Hierbei ist interessant, welch optische Nähe das Schildbild zum fränkischen Rechen aufweist. In der Tat hat man Grund zur Annahme, daß das Motiv des Wappens der Herzöge von Ostfranken eine gewisse Anziehung auf Adelsfamilien dieses Umkreises hatte, die die Idee in veränderter Form für sich aufgriffen. Die Helmzier sind zwei schwarze aufgereckte Bärentatzen mit zwei goldenen Querbalken, die Sohle bisweilen rot, Helmdecken rot-silbern. Hier sind die Tatzen mit einer Beweglichkeit nach außen umgeklappt, die ein echter Bär wohl nie erreichen würde.
Es sei angemerkt, daß die Bärentatzen vermutlich nicht die ursprüngliche Helmzier sind, im Siebmacher findet sich ein Grabdenkmal zu Himmelkron beschrieben, das einen Bärenrumpf als Kleinod hat.
Die Ahnenprobe an der optisch rechten Halbsäule zeigt von oben nach unten die Wappen
Die Inschrift unter dem Wappenstein lautet: "THURNAW DAS ALTE EDEL HAUS / IN DER BAVRN AVFRVR BRENNET AVS / WELCHES DER EDLE VND EHRVEST / WOLFF FORTSCH WIDER ERBAVT VFS BEST / WEILN DAS HIEVOR GESTANDEN WAR / UF SEIM GESCHLECHT VBER SECHSHVNDERT IAR / BEWOHNT DAS BIS ER SELIG STARB / HANS GEORG VON GIECH DASSELB ERWARB / SAMBT BARBARA SEINER HAVSFRAV ZART / DI GMELTS FORTSCHN ELICHE TOCHTER WARDT / BESITZEN DAS IN EHREN STANDT / GOTT HELF IN INS EWIG VATTERLANDT / ANNO DOMINI MDLXXXII"
Also in Kurzform die Geschichte: Thurnau war über 600 Jahre lang Stammsitz der von Förtsch. Im Bauernkrieg 1525 wurde das Schloß zerstört und von Wolff Förtsch wiederaufgebaut. Dessen Tochter wurde von Hans Georg von Giech geheiratet und brachte Schloß Thurnau nach dem Tod ihres Vaters mit als Erbin in die Ehe, das Geschlecht der von Förtsch erlosch 1564 im Mannesstamme, und jener Hans Georg von Giech hat AD 1582 diesen Wappenstein anläßlich seiner Erweiterungen der Anlage anbringen lassen.
Die Förtsch - Aufstieg und Untergang
Die Förtsch sind ein altes
Ministerialengeschlecht im Dienste der Andechs-Meranier, erst der
Herzöge von Meran, dann der Grafen von Orlamünde, und schon im
12. Jh. überliefert. Damals nannten sie sich noch nach anderen
Orten, z. B. Förtsch von Preuschwitz oder Förtsch von Menchau.
Sie gehören zum fränkischen Uradel, und andere bedeutende
Adelsgeschlechter wie die Waldenfels oder die Wallenrodt sind auf
die Förtsch zurückzuführen. Andererseits waren die Förtsch in
ihrer regionalen Verbreitung eindeutig auf Franken als Kerngebiet
beschränkt. Besitz hatten die Förtsch in Peesten, Buchau,
Thurnau, Menchau, Maineck, Heimburg usw., alles im Bereich
Bamberg-Bayreuth-Kulmbach-Lichtenfels-Staffelstein-Ebern-Neumarkt.
1167 wird bereits urkundlich erwähnt, daß Burg Thurnau sich im Besitz der Förtsch von Menchau befindet, der alte Beiname wird erstmalig 1237 greifbar in Förtsch von Thurnau geändert, in den Urkunden wird ein Eberhard Forsco von Turnowe erwähnt. Rahrbach schreibt ein noch früheres Datum, die Förtsch würden sich schon 1205 erstmalig nach Thurnau benennen. Wie dem auch sei, ca. sechs Jahrhunderte lang ist die Burg Thurnau Besitz der Förtsch. Der Aufbau der Adelsherrschaft durch Zuerwerb von Grundbesitz erforderte einiges Geschick, denn man befand sich genau zwischen zwei übermächtigen Territorialherren, dem Hochstift Bamberg auf der einen Seite und den Markgrafen von Kulmbach-Bayreuth auf der anderen Seite. Diese Situation führte auch dazu, daß Thurnau in gewissem Maße auch ein Bamberger Lehen wurde, denn Theoderich der Berner, aus einer Nebenlinie der Förtsch, verkaufte seinen Anteil an den Bischof von Bamberg, der mit dieser Begründung im 13. Jh. einen Burghut- und Öffnungsvertrag durchgesetzt hatte. Im Gegenzug erkannte der Bischof Lamprecht 1392 die Hochgerichtsbarkeit der Förtsch von Thurnau an, was die Markgrafen von Kulmbach gar nicht gerne sahen, und ein Privileg, das später von Kaiser Friedrich III bei der Erneuerung des Lehensbriefes von 1475 wieder eingeschränkt wurde und um das sich die Giech später lange bemühen sollten, bis sie es endlich gegen eine hohe Summe von den Markgrafen erhielten.
Die Förtsch waren in den Ritterkantonen Rhön und Werra inkorporiert, sie tauchen ferner im Deutschen Orden auf mit Albrecht Förtsch, 1431 Komtur des Deutschen Ordens, mit Eberhard Förtsch im Domkapitel zu Würzburg, gest. 1522.
Im 16. Jh. sterben die Förtsch im Mannesstamme aus. Zuerst stirbt der letzte Thurnauer Förtsch, Wolff Förtsch von Thurnau im Jahre 1551, dann erlischt das Geschlecht 1564 gänzlich mit dem Tod von Georg Förtsch zu Peesten, vermutlich in Ungarn gestorben. Die Nachfolge auf dem Besitz treten die drei Schwiegersöhne des letzten Förtsch zu Thurnau gemeinsam an: Hans Georg von Giech, Hans Friedrich von Künsberg und Siegmund Fuchs von Rügheim waren alle drei mit jeweils einer Tochter des letzten Förtsch verheiratet. Hans Georg von Giech hatte beispielsweise Barbara von Förtsch geehelicht. Von den drei Schwagern blieben nur zweie übrig, die Fuchs verkaufen ihren Anteil an die beiden anderen Schwager. Schloß Thurnau und der zugehörige Besitz wird geteiltes Eigentum zwischen den Giech und den Künsberg, das Condominium beginnt mit dem Jahr 1565.

Abb.: Blick vom oberen Hof auf die Rückseite des Torhauses und den gestelzten Gang, der die Kemenate (links im Bild angeschnitten) mit dem Hans-Georgen-Bau verbindet.
Literatur
und Quellen:
http://www.schlossthurnau.de/historie.html
http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Heimatpf/Schloss-Geschichte.htm
http://www.thurnau.de/
http://www.fimt.uni-bayreuth.de/schloss.html
Uta von Pezold, Die Herrschaft Thurnau im 18. Jahrhundert;
Plassenburg, Band 27, Kulmbach 1968
Thurnau 1239-1989, Festschrift, herausgegeben 1989 anläßlich
der 850-Jahrfeier des Marktes Thurnau
Uta von Pezold, Thurnau, ein kleiner Führer durch seine
Geschichte, Thurnau 1987
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: http://worldroots.com
Eugen Schöler, Historische
Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und
Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag -
Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher
Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
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Thurnau (Oberfranken): Schloß, Teil (1a): Bauzustand und Wappenübersicht - Schloß, Teil (1b): Torhaus - Schloß, Teil (2): Vordere Schnecke - Schloß, Teil (3): Hohe Schnecke - Schloß, Teil (4): Außenmauer - Schloß, Teil (5): Gebetserker - Schloß, Teil (6a): Lapidarium - Schloß, Teil (6b): Lapidarium - Schloß, Teil (7): Zwingermauer - Museum - St. Laurentius, Teil (1): Chorbogen - St. Laurentius, Teil (2): Herrschaftsstand Giech - St. Laurentius, Teil (3): Herrschaftsstand Künsberg - St. Laurentius, Teil (4): Epitaph Giech/Förtsch
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