Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 510
Schloß Wernstein bei Mainleus (Oberfranken)

Schloß Wernstein, Teil (3): Rundturm der Vorburg

Georg Siegmund von Künsberg war der große Bauherr auf Wernstein. Vorangegangen waren die Verwicklungen des Markgräflerkrieges mit seinen Zerstörungen. Die Burg war als Sitz einer bekannten Markgrafen-Partei stark in Mitleidenschaft gezogen worden und praktisch nicht mehr verteidigungsbereit. Georg von Künsberg war, es, der die angeschlagene Burg in eine Renaissance-Schloß verwandelte. Burg Wernstein war sein hauptsächlicher Wohnsitz, obwohl er auch Ganerbe auf dem Rotenberg war. Georg von Künsberg baute die gesamte Vorburg in den Jahren 1587-1593 neu. Weiterhin erweiterte er die von seinen Vorgängern schon begonnene Rüstkammer. Aber nicht nur an seinem eigenen Schloß tritt er als Bauherr auf, er ist auch der Bauherr des neuen Pfarrhauses in Veitlahm (erbaut 1578) und einer neuen Kirche. Er gehörte dem protestantischen Bekenntnis an wie auch die Landesherren, die Markgrafen von Kulmbach. Georg von Künsberg starb 1618 zu Wernstein.

Die Vorburg hat nach außen einen wuchtigen Rundturm zur Verteidigung des unteren Tores und zwei halbrunde Türme am Gebäude selbst. Die beiden hier besprochenen Wappensteine befinden sich am zweigeschossigen Rundturm im Hintergrund, erbaut 1588. Der obere ist ein Allianzwappen Künsberg-Förtsch mit darüber befindlicher Inschrift. Das untere Wappen sei später besprochen.

"GEORG VON KINDSBERG ZVM WEHRNSTEIN & VRSVLA VON KINDSBERG ZVM WEHRNSTEIN GEBORNE FORTZSCHIN ZV DVRNNAW 1588" - Georg von Künsberg zu Wernstein und Ursula von Künsberg zu Wernstein geborene Förtsch zu Thurnau.

Allianzwappen des Georg Siegmund von Künsberg und der Ursula geborene von Förtsch-Thurnau, verwitwete von Künsberg.

Das heraldisch rechte Wappen des Georg von Künsberg ist: In Blau eine silberne eingebogene Spitze. Helmzier ein silbern gestulpter flacher roter Hut, aus dem zwei rote Büffelhörner wachsen, an der Spitze meist (wie hier) jeweils mit einer Eichel besteckt. Helmdecken rot-silbern.

Das heraldisch linke Wappen der Ursula von Förtsch, Ehefrau des Hans Friedrich von Künsberg, ist: Im Kerbschnitt von Rot und Silber schrägrechts geteilt. Die Helmzier sind zwei schwarze aufgereckte Bärentatzen mit zwei goldenen Querbalken, Helmdecken rot-silbern.

Hintergrund 6: Die Verflechtungen mit den Förtsch von Thurnau:
1564 sterben die Förtsch im Mannesstamme aus, erst Wolff Förtsch von Thurnau 1551, 1564 dann Georg Förtsch zu Peesten, vermutlich in Ungarn. Die Nachfolge auf dem Besitz treten drei Schwiegersöhne des letzten Förtsch zu Thurnau gemeinsam an: Hans Georg von Giech, Hans Friedrich von Künsberg und Siegmund Fuchs von Rügheim waren alle drei mit einer Tochter des letzten Förtsch verheiratet. Hans Georg von Giech hatte beispielsweise Barbara von Förtsch geehelicht. Hans Friedrich von Künsberg war mit Ursula Förtsch-Thurnau verheiratet. Deren beider Allianzwappen ist am inneren Torturm mit der Zugbrücke angebracht. Von den drei Schwagern blieben nur zweie übrig, die Fuchs verkaufen ihren Anteil an die beiden anderen Schwager. Schloß Thurnau und der zugehörige Besitz wird geteiltes Eigentum zwischen den Giech und den Künsberg, das Condominium beginnt mit dem Jahr 1565 und dauert bis 1731, dann wird Thurnau alleiniger Besitz der Reichsgrafen von Giech. Hans Friedrich von Künsberg starb ohne Erben. Der Anteil der Künsberg an Thurnau gelangte von Johann Adam über Georg Wilhelm (1589-1643) und Valentin Georg (1617-1667) sowie Hans Christoph (1657-1696) schließlich an Euchar Karl Ferdinand, geb. 1695, der seinen Anteil 1731 an die Grafen von Giech verkaufte, die dadurch zum alleinigen Besitzer von Thurnau wurden.

Hintergrund 7: Rettung des Besitzes durch erneute Heirat
Georg Siegmund, Sohn von Adam von Künsberg, erhielt bei dem Güterteilungsvertrag zwischen den Brüdern 1574 das Gut Wernstein. Er hatte die Witwe Ursula von Förtsch geehelicht (das sind die beiden Allianzwappen am unteren Schloß), nachdem deren Mann Hans Friedrich von Künsberg 1571 ohne Erben gestorben war und die Markgrafen Wernstein als heimgefallenes Lehen zu betrachten neigten. Das war im Detail noch etwas komplizierter: Als Hans Friedrich von Künsberg starb, übernahm sein Bruder Adam von Künsberg seine Rechte unter Zahlung einer hohen Ablösesumme an die Witwe Ursula von Förtsch, die sein Sohn Georg Siegmund durch Heirat der begünstigten Witwe wieder hereinholte. Der Neffe heiratete also die Witwe seines Onkels. Nicht gerade Staatsräson, wohl aber Besitzräson oder Finanzräson. Besagte Ursula von Förtsch starb 1593 zu Wernstein und liegt in Veitlahm begraben; die Ehe war ebenfalls kinderlos. Seine Güter erbten seine Neffen Georg Wilhelm und Hans Heinrich.

Linke Abb.: Zweigeschossiger Rundturm von 1588 neben der Toreinfahrt. Über dem Forsythienbusch der untere Wappenstein, zwischen Sims und Fenster der obere. Rechte Abb.: Ein besonders reizvolles Detail des unteren Schlosses sind die beiden halbrunden Ziertürme mit Renaissance-Dekor und Brustbildnissen einer rein fiktiven Ahnenreihe.

Hier am Rundturm das letzte Wappen auf Schloß Wernstein und das jüngste von allen, leider auch das am meisten verwitterte. Hier haben wir statt der sonstigen auf das Stammwappen beschränkten Darstellungen das vermehrte Wappen der Freiherren von Künsberg (Freiherrendiplom vom 11.9.1691), es stammt also aus der Zeit nach 1691:

Die Löwen sind oben einander zugewendet, unten voneinander abgewendet dargestellt. Es gibt auch Varianten je nach Quelle (Siebmachers Wappenwerk Band: Bad Seite: 60 Tafel: 36, Sa Seite: 12 Tafel: 11, Bay Seite: 43 Tafel: 42, Pr Seite: 51 Tafel: 64), wo nur die Löwen in den Feldern 2 und 3 den Doppelhaken haben. Ferner variiert die Farbe des Doppelhakens, je nach Quelle ist er schwarz oder golden. Und es gibt Abbildungen, in denen alle vier Löwen einwärts gerichtet sind.

Zu dem vermehrten Wappen der Freiherren von Künsberg gehören drei Helme (Helmdecken überall rot-silbern):

Je nach Quelle gibt es auch Varianten, in denen der Löwe von Helm 2 den Doppelhaken hält. Der Flug von Helm 3 wird in der Lit. ohne den Doppelhaken angegeben. Wir begegnen hier einer erheblichen Variationsbreite.

Hintergrund 8: Kurze Geschichte der von Künsberg und weitere bedeutende Familienmitglieder
Als oberfränkische Familie findet man die Künsbergs in den Diensten der Markgrafen von Kulmbach-Bayreuth und des Burggrafenamtes zu Nürnberg einerseits und in den Diensten des Bistums Bamberg andererseits, eben den beiden mächtigsten Nachbarn ihres Stammlandes. In den Domkapiteln zu Bamberg und Würzburg ist die Familie vertreten. Hier verdient besondere Erwähnung:

Die Künsbergs stellten bekannte Mitglieder in den Ritterkantonen Steigerwald, Gebirg und Vogtland. Durch die enge räumliche Nähe waren die Künsberg traditionell wichtige Vasallen der Markgrafen in Kulmbach, hatten dort wichtige Ämter inne und leisteten Heeresfolge in den Heerzügen der Markgrafen. Mitglieder der Familie kämpfen im Markgräflerkrieg auf der Seite des Markgrafen Albrecht Alcibiades.

Seit 1623 hatten die Künsberg beginnend mit Hans Heinrich von Künsberg zu Wernstein das Erbmarschallamt im Nürnberger Burggrafenamt inne. Eigentlich hatten früher die Förtsch dieses Amt inne, das ist aber nach dem Tod von Jörg Förtsch an das Haus Brandenburg zurückgefallen und blieb erst einmal unbesetzt. Erst 1623 verlieh Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach das Amt neu und begünstigte die Familie von Künsberg. Der Titel war an den Besitz Wernstein gebunden und wurde mit diesem vererbt.

Weiter wichtige Vertreter der von Künsberg (im Detail sei auf die im Literaturverzeichnis genannten hervorragenden Aufsätze und die Arbeiten von Dr. Elstner verwiesen):

Auch später waren die von Künsberg in angesehenen Positionen der Zivilverwaltung und des Militärs, herausragend sind z. B.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: http://worldroots.com
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Friedrich-Wilhelm Krahe: Burgen des Deutschen Mittelalters, Grundriß-Lexikon, Bechtermünz Verlag, Lizenz-Ausgabe im Weltbild-Verlag 1996, ISBN 3-86047-219-4
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder, 6. Auflage 1999, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Originalausgabe Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1988
http://www.mainleus.de
Dr. Albert Elstner, Geschichte der Freiherren von Künsberg: http://www.art-connection.de/Pages/kuensberg.history.1.html, http://www.art-connection.de/Pages/kuensberg.history.2.html, http://www.art-connection.de/Pages/kuensberg.history.3.html

Wernstein (Oberfranken): Schloß, Tor der Vorburg - Inneres Tor - Rundturm

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