Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 512
Romantisches Dinkelsbühl

Dinkelsbühl, Stadtbefestigung

Rothenburger Tor
Dinkelsbühl verfügt über einen fast vollständig erhaltenen Stadtmauerzug rings um die Altstadt mit insgesamt 4 Toren und vierzehn zusätzlichen Türmen (Henkersturm, Krugsturm, Hagelturm, Dreigangsturm, Bäuerlinsturm, Hertlesturm, Salwartenturm, Weißer Turm, Haymarsturm, Wächtersturm, Dreikönigsturm, Grüner Turm, Berlinsturm, Faulturm). Das Rothenburger Tor ist das nördlichste Stadttor Dinkelsbühls mit vorgebauter Barbekane mit Walmdach aus dem 16. Jh. Im Kern mittelalterlich (AD 1380-1390), wurde dem Torturm in der Renaissance ein mit Lisenen verzierter Treppengiebel aufgesetzt. Pechlöcher in der spitzbogigen Durchfahrt zeugen von der Wehrhaftigkeit des Baus. Im zweiten Obergeschoß des Turmes waren winzige Gefängniszellen eingerichtet. Im Norden grenzt hier der Gaulweiher an die Stadtbefestigung.

Über dem unteren Fensterpaar des Torturmes sind die Wappen von Stadt und Reich angebracht. Das Wappen des Reiches ist der schwarze Reichsadler in goldenem Feld, wie in all den alten Reichsstädten anzutreffen. Das Stadtwappen von Dinkelsbühl zeigt in Rot auf einem silbernen Dreiberg drei goldene Dinkelhalme mit Ähren nebeneinander. In dieser Form ist es schon auf einem Stadtsiegel von 1341 nachweisbar. Ein noch älteres Siegel von 1291 - ebenfalls mit den Ähren - nennt einen "vicillus" - Verwalter.

Aus dem Jahre 1334 gibt es noch ein Siegel mit einem Adler, der aus einem Hügel wächst und beiderseits von vier Dinkelähren beseitet ist. Als Reichsstadt erscheint auch der Adler alleine. Eine weitere Variante der Siegelbilder ist ein Adler, der in seinen Fängen den Schild mit den Ähren auf dem Dreiberg hält. Später wird ihm dieser Schild auf die Brust gelegt. Seit dem 19. Jh. wird allein der Ährenschild benutzt. Der Ährenschild alleine wird auch "Bürgerwappen" genannt.

Wörnitz-Tor
Das Wörnitztor liegt in der Mitte des nordöstlichen Mauerzuges der Stadt. Hier verläuft der Stadtmühlgraben direkt an den Stadtmauern und gibt der Stadt zusätzlichen Schutz. Es ist das älteste der vier Dinkelsbühler Tore und stammt im Unterbau aus dem späten 13. Jh.

Über der Tordurchfahrt sind die Wappen von Stadt und Reich angebracht. Dinkelsbühl hat auf den ersten Blick ein redendes Wappen. Bühl = Bühel = Hügel, durch den Dreiberg dargestellt, und die Getreidesorte Dinkel als Ähren. Doch ist das wirklich die Wurzel des Namens Dinkelsbühl? Mitnichten. Es handelt sich hier um ein falsch redendes Wappen. "Hügel des Dingold" ist die historisch korrekte Wurzel, denn Dinkelsbühl leitet seinen Namen von dem Eigennamen Dingold (auch Thingolt) ab. Die Mär von dem frommen Dinkelbauer, der seinen Hof den Karmelitermönchen schenkte, wird dadurch nicht richtiger, daß sie seit Jahrhunderten so erzählt wird. Das Mißverständnis ist uralt, schon 1291 (ältestes Siegel) glaubte man, der Name hätte was mit Dinkel zu tun - und so entstand das Stadtwappen.

Nördlinger Tor
Das Südost-Tor von Dinkelsbühl liegt am Ende der Nördlinger Straße. Der Unterbau des Torturmes stammt aus dem 14. Jh, als nach einer Stadterweiterung die südliche Vorstadt von der neuen Stadtmauer eingeschlossen wurde. Die heutige Bausubstanz stammt hauptsächlich von 1490-1495. Ein hübscher Staffelgiebel mit Halbmuschel-Elementen wurde dem Turm in der Renaissance um 1600 aufgesetzt. Vor dem Turm war einst noch eine verstärkende Rundbastion, die aber abgebrochen wurde. Im Gewölbe der Durchfahrt befinden sich Pechnasen.

Hoch oben über dem untersten Fenster befindet sich das Reichsstädtische Adlerwappen. Dinkelsbühl wurde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa ca. 1180 auf Königsgut als Marktort gegründet. 1188 findet die erste urkundliche Erwähnung als "Burgum Tinkelspuhel" statt. Der Kaiser schenkte Dinkelsbühl nebst anderen Orten seinem Sohn Konrad von Rothenburg als Heiratsgut. Die staufische Stadtgründung wurde von einem "königlichen Minister", der erstmals 1235 genannt wird, verwaltet. 1251 noch wird Dinkelsbühl von Konrad IV an Graf Ludwig von Oettingen verpfändet. 1274 wird Dinkelsbühl Reichsstadt und untersteht ab jetzt dem Kaiser direkt. 1341 kauft sich Dinkelsbühl von den Oettingern frei. 1398 wird der Reichsstadt auch noch der Blutbann verliehen.

Stadtmühle am Nördlinger Tor, links der Torturm, rechts die befestigte Radstatt mit Wehrgang und Ecktürmchen von 1490 AD, Teil der Stadtbefestigung. Die fast vollständige Erhaltung der Wehranlagen ist König Ludwig I von Bayern zu verdanken. Er ließ das Abbrechen der Stadtmauern und Türme verbieten und rettete damit die überkommenen Befestigungsanlagen Dinkelsbühls.

Das vierte und jüngste Stadttor, das Segringer Tor (ohne Abb.) im Westen, stammt von 1655 ff.

Literatur und Quellen:
Willi Sauer, W. Kootz, Stadtführer Romantisches Dinkelsbühl, Verlag Edm. von König, Heidelberg 1979.
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner, Reclams Kunstführer Deutschland I, 2, Bayern Nord, Franken, Oberpfalz, 9. Auflage, Philipp Reclam Verlag Stuttgart, 1956, ISBN 3-15-010318-5, S. 150 ff.

Dinkelsbühl: Deutschordensschloß - Stadtbefestigungen

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