
Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 524
Bischofsstadt
Eichstätt

Eichstätt:
Das Mortuarium - Teil (3): Deckenfelder 12-17
Gewölbefeld
12:

- Hauptwappen: von Jahrsdorf.
Geviert von Rot und Kürsch. Helmzier ein gestulpter
hoher Spitzhut, von Rot und Kürsch geviert, Stulp von
Rot und Kürsch gespalten, oben mit einer
hahnenfederbesteckten Kugel besetzt. Helmdecken
rot-silbern.
- Vier Begleitwappen:
- Ganz links: von
Jahrsdorf (wie das Hauptwappen)
- Links vom Hauptwappen: Stain
vom Rechtenstein. In Gold drei schwarze
Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, die
Spitzen abwärts.
- Rechts vom Hauptwappen: von
Jahrsdorf (wie das Hauptwappen)
- Ganz rechts: "Seuburg",
in Silber drei (2:1) rote Ringe. (sic, ohne
Beleg)
Gewölbefeld
13:

- Hauptwappen: Blarer von
Wartensee. In Silber ein roter Hahn, gold
bewehrt. Helmzier Kopf und Hals eines roten und golden
bewehrten Hahnes wachsend. Helmdecken rot-silbern.
- Vier Begleitwappen:
- Ganz links: Blarer von
Wartensee (wie das Hauptwappen)
- Links vom Hauptwappen: von
Hausen. In Silber auf einem grünen
Dreiberg ein schwarzer Widder.
- Rechts vom Hauptwappen: "Diesbach".
In Schwarz ein goldener Doppelsparren resp.
Zickzackbalken, oben und unten begleitet von je
einem goldenen schreitenden Löwen, hier
abgewendet. (sic, ohne Beleg)
- Ganz rechts: von
Hundpiss (Hundbiss, Humpis). Das Wappen
ist geviert. Felder 1 und 4: In Schwarz drei
silberne Hunde übereinander. Felder 2 und 3: In
Silber ein schwarzer Bocksrumpf.
Gewölbefeld 14:

- Hauptwappen: Herzöge von
Bayern. Geviert: Feld 1 und 4: Blau-silbern
schräg geweckt. Feld 2 und 3: In Schwarz ein goldener
Löwe, rot bewehrt. 2 Helme. Helm 1: Zwischen einem mit
blau-silbernen schrägen Wecken tingierten Adlerflug ein
goldener rotbewehrter, gekrönter Pfälzer Löwe auf
gekröntem Helm. Helm 2: Zwischen einem blau-silbern
geweckten Paar Büffelhörnern, an den Seiten und in den
Mundlöchern mit goldenen Lindenzweiglein besteckt, ein
goldener gekrönter und rot bewehrter Pfälzer Löwe.
- Vier Begleitwappen:
- Ganz links: Herzogtum
Bayern (wie das Hauptwappen)
- Links vom Hauptwappen: Herzogtum
Lothringen. In Gold ein roter
Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen
Alerions.
- Rechts vom Hauptwappen: Österreich.
In Rot ein silberner Balken.
- Ganz rechts: Dänemark.
In mit roten Herzen bestreutem goldenen Schild
drei blaue schreitende Löwen übereinander
Zu dieser Wappenkombination paßt folgende
Genealogie: Wilhelm V. Herzog v. Bayern (29.9.1548 - 1626) hatte
Renata v. Lothringen (20.4.1544 - 22.5.1602) geheiratet. Die vier
Großeltern sind Albrecht V. Herzog v. Bayern (29.2.1528 -
24.10.1579) und Anna v. Österreich (7.7.1528 - 1590)
väterlicherseits sowie Franz I. Herzog v. Lothringen (1517 -
12.6.1545) und Christine von Dänemark (1521 - 1590)
mütterlicherseits. Die Söhne von Wilhelm und Renata waren
Maximilian I., der spätere Kurfürst v. Bayern (17.4.1573 -
27.9.1651), Philipp Wilhelm, der spätere Kardinal und Bischof
von Regensburg (22.9.1576 - 1598), Ferdinand, der spätere
Erzbischof von Köln (6.10.1577 - 13.9.1650) und Albrecht VI. v.
Bayern Landgraf v. Leuchtenberg (13.4.1584 - 5.7.1666). Von
diesen kommt hier nur Ferdinand in Frage, denn er war u. a.
1592-1602 auch in Eichstätt Domherr. Weitere Domherrenpfründen
hatte er 1585 in Würzburg, 1585-1638 in Salzburg, 1586-1612 in
Köln, 1587 in Trier und 1588-1609 in Passau, schließlich 1609
in Münster. Sein weiterer Aufstieg: 1591 Domthesaurarius zu
Köln, 1591-1618 Dompropst zu Straßburg, 1593 päpstlicher
Hausprälat, 1594 Fürstpropst von Berchtesgaden, 1595 Koadjutor
von Köln, 1596-1612 Propst zu St. Cassius in Bonn, 1598
Dompropst zu Köln, 1601-1604 Kanoniker an St.Lambert in
Lüttich, 1602 Koadjutor von Lüttich, 1611 Koadjutor von
Münster, 1612 Koadjutor von Paderborn, so daß er in vier
Bistümern gleichzeitig in Wartestellung für den Bischofsthron
stand, 1612 wurde er nach dem Tod seines Onkels schließlich
Erzbischof von Köln, gleichzeitig auch Bischof von Lüttich,
Münster und Hildesheim, Abt zu St. Stablo und Malmedy, 1618/1619
wurde er auch noch Bischof von Paderborn und Administrator von
Corvey, eine beispiellose Ämterakkumulation in der Kirche. Seine
Amtszeit steht für das Aufblühen der Jesuiten und Erstarken der
Gegenreformation.
Gewölbefeld 15:

- Hauptwappen: Grafen von
Oettingen. Golden-roter Eisenhutfeh in vier
Reihen, darin ein blauer Herzschild, alles belegt mit
einem silbernen Schragen. Helmzier ein wachsender
goldener Brackenrumpf mit roten Ohren, die mit einem
silbernen Schragen belegt sind. Helmdecken rot-golden.
- Vier Begleitwappen:
- Ganz links: Grafen
Oettingen (wie das Hauptwappen)
- Links vom Hauptwappen: Grafen
von Hohenzollern. Geviert mit
Herzschild. Herzschild: In Rot zwei
schräggekreuzte goldene Szepter. Hauptschild:
Geviert. Feld 1 und 4: Silbern-schwarz geviert
(hier andersherum, Stammwappen der Zollern). Feld
2 und 3: Nach Siebmacher in Blau, hier in Rot auf
einem grünen Dreiberg ein goldener schreitender
Hirsch von zehn Enden.
- Rechts vom Hauptwappen: Grafen
von Oettingen (wie das Hauptwappen)
- Ganz rechts: Markgrafen
von Baden. Das Wappen ist geviert mit
Herzschild. Herzschild: Markgrafen von Baden. In
Gold ein roter Schrägrechtsbalken. Hauptschild:
Geviert. Feld 1: In Silber ein roter Löwe (hier
gewendet), golden gekrönt, bewehrt und gezungt.
Markgrafen von Hachberg. Hachberg kam 1415 durch
Kauf zu Baden. Feld 2: Herren von Sausenberg. In
Blau ein silberner Flügel. Die Sausenburg war
Sitz der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, ehe
sie nach Rötteln zogen. Die Landgrafschaft
Sausenberg kam 1232 durch käuflichen Erwerb zu
den Grafen von Hachberg (Hochberg) und 1503
mittelbar mit dem gesamten Markgräflerland zu
Baden. Feld 3: Herren von Badenweiler: In Rot ein
goldener Pfahl, belegt mit drei schwarzen
Sparren. Kam 1444 an die Markgrafen von
Hachberg-Sausenberg (Gründung des
Markgräflerlandes). 1503 kommt das gesamte
Markgräflerland zu Baden. Feld 4: Herren von
Rötteln: Geteilt, oben in Gold ein wachsender
roter Löwe, unten blau-silberner Wolkenfeh (hier
mit einem nicht dahingehörenden roten Zeichen
unterlegt). Kam Anfang des 14. Jh. durch
Erbheirat an die Markgrafen von
Hachberg-Sausenberg, wurde deren Sitz und kam
1503 mittelbar an Baden. Ausführliche
Erläuterungen hier.
Das Vollwappen in der Mitte folgt
und der einzelne Schild links folgen dem gleichen
Gestaltungsschema, während der Schild optisch rechts einem
abweichenden Farbschema folgt. Die Eltern des Probanden sind
Wilhelm II. Graf zu Oettingen-Wallerstein (1544 - 14.10.1602) und
Johanna v. Hohenzollern (23.6.1543 - 22.2.1604), die vier
Großeltern sind Friedrich V. Graf zu Oettingen-Wallerstein
(6.11.1516 - 2.2.1579), Euphemia v. Oettingen zu Flochberg (1523
- 16.3.1560), Karl I. Graf v. Hohenzollern (1516 - 8.3.1576) und
Anna v. Baden-Durlach (1512 - 1579). Mit dieser Genealogie gibt
es sogar zwei Brüder, die beide Domherr in Eichstätt waren:
Wolfgang Graf zu Oettingen-Wallerstein (1573 - 5.9.1598) war
1587-1593 Domherr zu Eichstätt, 1590 Student zu Ingolstadt, 1592
Student zu Freiburg, 1593 Domherr zu Bamberg, danach resignierte
er. Und sein Bruder Martin v. Oettingen-Spielberg (7.3.1574 -
14.1.1587) war 1585 Domherr zu Eichstätt.
Gewölbefeld 16:

- Hauptwappen: Freiherren von
Muggenthal. In Gold ein aufspringender
natürlicher Marder. Helmzier: Auf dem gekrönten Helm
ein natürlicher Marder wachsend zwischen einem goldenen
und einem schwarzen Flügel (auch als gänzlich golden
bzw. außen schwarz, innen golden in der Lit. bez.).
Helmdecken schwarz-golden.
- Vier Begleitwappen:
- Ganz links: Freiherren
von Muggenthal (wie das Hauptwappen)
- Links vom Hauptwappen: Stain
vom Rechtenstein. In Gold drei schwarze
Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, die
Spitzen abwärts.
- Rechts vom Hauptwappen: "Ducingen".
Geviert. Feld 1 und 4: In Rot ein silberner
linker Seitensparren. Feld 2 und 3: In Silber ein
blauer Schräglinksbalken, belegt mit drei
goldenen Sternen. (sic, ohne Beleg)
- Ganz rechts: von
Weitingen, von Wittingen. Von Rot und
Silber geteilt, oben ein silberner Arm mit
ausgestreckter Hand.
Gewölbefeld 17:

- Hauptwappen: Freiherren von
Prasberg-Sumerow, gt. Vögte von Sumerau. In
Gold eine schwarze, im Siebmacher nach rechts, hier und
im Schöler nach links gebogene Hirschstange. Kleinod ein
silberner Brackenrumpf wachsend, rotgezungt, mit
schwarzem Halsband und goldenem Ring daran. Der
Siebmacher beschreibt das Ohr einmal als mit drei (2:1)
Blutstropfen belegt und das Halsband als rot, an anderer
Stelle als schwarz. Helmdecken schwarz-silbern.
Eigentlich haben die Freiherren von Sumerau und Prasberg
noch eine zweite Helmzier, nämlich die schwarze gebogene
Hirschstange mit schwarz-goldenen Decken. Hier handelt es
sich um den Eichstätter Domkapitular Johann Rudolf Vogt
von Altensumerau, Sohn von Hugo Vogt von Altensumerau und
Prasberg (Erbmarschall der gefürsteten Abtei Kempten)
und Walburga II, verwitwete von Stadion, geborene von
Cronheim.
- Vier Begleitwappen:
- Ganz links: Freiherren
von Prasberg-Sumerow, gt. Vögte von Sumerau (wie
das Hauptwappen). Die Vögte von Sumerau waren
ein Ministerialengeschlecht der Welfen. Sie
besaßen die Burg Altensumerau, nach 1262 kam
Liebenau hinzu und 1337 die Herrschaft Prasberg.
Auf Prasberg lebte die Familie bis 1731. Die
Familie erlosch 1817 in einem österreichischen
Zweig.
- Links vom Hauptwappen: von
Cronheim. In Rot ein Paar goldener
Büffelhörner. Dieser Schild steht für Hans
Georg von Cronheim, Großvater des Eichstätter
Domkapitulars Johann Rudolf Vogt von
Altensumerau.
- Rechts vom Hauptwappen:
von Klingenberg. Schwarz-silbern
geteilt, oben mit goldenen Lindenblättchen
besät (Siebmacher Württemberg, Tafel 4).
- Ganz rechts: "Schinav".
In Blau über einem goldenen Dreiberg
ein goldener sechsstrahliger Stern. Dieser Schild
steht für Maria Jakobea von Schienen zu
Schienerberg (geb. ca. 1515/1520), die
Ehefrau des Hans Georg von Cronheim und
Großmutter des Eichstätter Domkapitulars Johann
Rudolf Vogt von Altensumerau. Maria Jakobea von
Schienen war das achte und letzte Kind der Eltern
Sixt II von Schienen und Walburga von Stadion.
Die Familie von Schienen besaß auf dem
Schienerberg die 1441 zerstörte Burg
Schrotzburg, im Ort Schienen ein heute nicht mehr
bestehendes Schloß, dazu Gamerschwang bei
Ehingen. Der Letzte im Mannesstamm der im
30jährigen Krieg völlig verarmten Familie war
Georg Rudolf von Schienen (gest. 1638).
Übrigens: Als die Vögte von Sumerau und
Prasberg 1674 in den österreichischen
Freiherrenstand erhoben wurden, wurde ihr Wappen
gebessert und um das Sternwappen der von Schienen
vermehrt.
Literatur
und Links:
Siebmachers Wappenbücher,
bes. Band Bistümer
Eugen Schöler, Historische
Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch
Otto Gruber: Wappen des
mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl.
Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen
Jahrgängen der "landeskundlichen
Vierteljahresblätter".
Ein herzliches Dankeschön an Frau Siglinde Buchner für
wertvolle Hinweise.
Siglinde Buchner, Cronheim und sein gleichnamiger Ortsadel, in:
Alt-Gunzenhausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt und
Umgebung, Heft 58/2003
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und
Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag -
Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher
Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Dr. Claudia Grund, Der Dom zu Eichstätt, Hrsg. Domkapitel
Eichstätt, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2007, ISBN
978-3-89870-293-5
http://www.bistum-eichstaett.de
http://www.bistum-eichstaett.de/dom/domfuehrung/mortuarium.htm
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf
CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Wenn eine Wappenbeschreibung
als "ohne Beleg" bezeichnet ist, ließ sich bis zum
gegebenen Zeitpunkt kein Literaturbeleg in den mir zur Verfügung
stehenden Quellen finden. Wer hierzu eine Quelle oder einen
anderen Nachweis oder sonstige Hinweise hat, schreibe mir bitte.

Eichstätt: Mortuarium
(1): Decke 1-5 - (2):
Decke 6-11 - (3):
Decke 12-17 - (4):
Decke 18-23 - (5):
Decke 24-28 - (6):
Bistum und Domkapitel
- (7): Heltpurg - (8): Seckendorff - (9): Adelshausen - (10): Reichenau - (11): Gemmingen - (12): Suntheim - (13):
Adelmannsfelden
Die Wappen der Markgrafen, Kurfürsten
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Die Wappen der Grafen und Fürsten
von Oettingen
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der Innenaufnahmen aus dem Mortuarium mit freundlicher Erlaubnis
des Herrn Domkapitular Manfred Winter, Summus Custos, als
Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, vom
07.05.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
©
Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007
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