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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 53
Würzburg
- ein heraldischer Leckerbissen
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Die Tore zur Würzburger Festung, Teil 1

Das Neutor, viertinnerstes Tor beim Aufgang von Norden, Blick von innen auf das Tor mit dem Wappen des Fürstbischofs von Schönborn. Von den drei verschiedenen dieses Namens war es der Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673), der den Bau zahlreicher Befestigungen und Bastionen initiierte, sowohl auf der Festung Marienburg, die von 1253 bis 1719 die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe war, als auch rings um die Stadt, um militärisch auf der Höhe der Verteidigungstechnik zu sein. Sein Wappen begleitet uns den gesamten Nordaufstieg von der Stadt zur Festung. Es ist von den anderen Schönbornwappen leicht zu unterscheiden, denn Johann Philipp war zugleich Erzbischof von Mainz und führt das Mainzer Rad im Wappen, später auch den Wormser Schlüssel, der hier an der Festung aber noch nicht auftaucht. Johann Philipp Franz von Schönborn hat zwar den längsten Namen, aber keine anderen Titel, und Friedrich Karl zeigt noch Bamberg.

Hier wird das Wappen von zwei Engeln als Schildhaltern gehalten - wir sind schließlich auf der Innenseite, gut behütet durch dicke Festungswälle und vor allem durch die Anwesenheit des Fürstbischofs...

Außen zur Stadt hin, über der hölzernen Brücke, die über den tiefen trockenen Festungsgraben führt, befindet sich ein inhaltsgleiches Wappen in gleicher Aufmachung, doch hier sind die Schildhalter zwei Löwen! Wehe dem Angreifer!
Der Fürstbischof war
auch Erzbischof von Mainz, daher in Rot das
silberne Mainzer Rad (Feld 1 und 4)
Der Fränkische Rechen (von
Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt) in Feld 2 steht bei allen
Fürstbischöfen Würzburgs für das Herzogtum
zu Franken. Wann taucht das Symbol "fränkische Rechen"
auf? Der erste Fürstbischof, in dessen Zusammenhang uns der
"fränkische Rechen" begegnet, ist Wolfram von Grumbach
(gest. 1333) mit seinem Grabmal im Würzburger Dom. Dort ist der
"fränkische Rechen" erstmals zu sehen. Doch ab wann
wurde er im täglichen Gebrauch, im Siegel- und Münzwesen
erstmals verwendet? Das ist etwas später anzusetzen, zu Ende des
14. Jh. bzw. zu Anfang des 15. Jh. So findet er sich z. B. auf
den Denaren des Gerhard von Schwarzburg (1372-1400), sowohl
isoliert als auch als Belegung seines Familienwappens. Ebenso
findet sich der "fränkische Rechen" bei seinem
Nachfolger in Gebrauch, Johann I. von Egloffstein (1400-1410)
zeigt ihn auf seinen Hellern und Pfennigen, entweder in Form
zweier separater Schilde, Rechen neben Familienwappen, oder als
Kombination, Rechen als Herzschild dem Familienwappen aufgelegt.
Und Johann I. von Egloffstein (1400-1410) war es auch, der
erstmals den "fränkischen Rechen" in seinen Bischofs-
und Vikariatssiegeln zeigt. Ab da wurde das Symbol unverzichtbar
für die Würzburger Fürstbischöfe. Von 1168 bis 1802 trugen die Fürstbischöfe von
Würzburg zugleich den Titel des Herzogs zu Franken. Seit Einführung des bayerischen Staatswappens unter
König Ludwig I. im Jahre 1835 dient der fränkische Rechen als
Gemeinschaftssymbol und Identität Frankens auch in der
kommunalen Heraldik.
Die rot-silbern gevierte, schräggestellte Standarte mit goldenem
Schaft in Blau ist das alte Banner des Hochstifts
Würzburg. Hier ist
sie in Feld 3 repräsentiert. Auch dieses Symbol ist in allen
Wappen der Fürstbischöfe zu finden. Viele verschiedene
Bezeichnungen hat das Rennfähnlein: Sturmfahne, Rennfahne,
Rennfähnlein, Standarte, Banner. Davon sind Rennfahne oder
Rennfähnlein die besten Begriffe, weil sie an das Zeremoniell
einer Belehnung der Bischöfe erinnert, bei dem eine
"Berennung" stattfand. Andererseits wurde die Fahne
auch im Feld dem Bischof als Landesherrn vorangetragen, so daß
die anderen Ausdrücke nicht ganz von der Hand zu weisen sind.
Diese Standarte darf nicht verwechselt werden mit dem heutigen
Stadtwappen der Stadt Würzburg: Es ist zwar das selbe Motiv,
besitzt aber andere Farben: Das Stadtwappen von Würzburg zeigt
in Schwarz eine schrägrechts gestellte Standarte mit rot-golden
geviertem Tuch und silberner Stange.
Das Schönbornsche Stammwappen ist im Herzschild
zu finden, in Rot auf drei silbernen Spitzen schreitend ein
goldener bekrönter Löwe.
5 Helme, dazu rechts außen Schwert und links außen Krummstab hinter den Helmdecken:

Das gleiche Wappen erwartet uns auf der Innenseite des drittinnersten Festungstores (Schönborntor), leicht gestaucht und von einem einzelnen Engel gehalten. Außen ist das selbe Wappen ohne Schildhalter, in einer einfachen Kartusche mit Rollwerk.
Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
Rudolf II. von Scherenberg
1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp
von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von
Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg)
1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg)
1755-1779
Literatur,
Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher,
insbesondere Band Bistümer
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg
Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN
3-87191-309-X
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe.
Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer
Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger
Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und
Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag -
Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher
Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
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