Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 55
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Wappen in der Marienburg zu Würzburg, Teil 1: Scherenberg-Wappen

Wappen des Bischofs Rudolf II von Scherenberg (1466-1495). Geviert. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 2 und 3: Stammwappen von Scherenberg, in Gold eine rote nach oben geöffnete Schere. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Helmzier eine Kombination aus den Helmzieren aller drei Wappen. Die Scherenberg-Helmzier ist ein rotgekrönter und rotgezungter silberner Löwenrumpf (Kopf und Hals), die Standarten und Federn gehören zum Hochstift Würzburg, die Büffelhörner zum fränkischen Rechen. Hier wurde bei der Wappenvereinigung eine Kombinations-Helmzier gebastelt. Zu späterer Zeit wurden stattdessen drei Helme nebeneinander auf den Schild gesetzt. Helmdecken von Scherenberg rot-golden.

Weitere Abbildungen des Scherenberg-Wappens. Die Abbildung unten links mit der Jahreszahl 1482 ist am sog. Scherenbergtor, dem innersten Tor der Festung Marienberg, dem letzten verbliebenen Torbau aus mittelalterlicher Zeit.

Die Familie von Scherenberg ist ein uraltes fränkisches Reichsrittergeschlecht, das bereits 1212 erwähnt wird (Hartmut von Scherenberg). Das Geschlecht hat verschiedene Linien (Scherenberger, Zabelsteiner, Donnersdorfer). Die Stammburg war schon 1436 zerstört. Der einzige bedeutende Vertreter der Familie ist der hier erwähnte Würzburger Fürstbischof, der auf dem väterlichen Besitz in Frankenwinheim geboren wurde. Mit ihm starb das Geschlecht aus. Die Familie hatte Grundbesitz im Grenzbereich Unterfranken/Oberfranken.

Festung Marienberg, Blick auf das Scherenbergtor und die mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Unter dem ersten Blendbogen von links befindet sich das Scherenberg-Wappen. Die Brüstungsmauer verdeckt den tiefen trockenen Graben rings um die alte Festung, der noch einmal so tief heruntergeht wie das Tor hoch ist.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
(Markiert sind die, deren Wappen sich im innersten Schloßhof der Marienburg befinden)

Gerhard von Schwarzburg 1372-1400
Johann I. von Egloffstein 1400-1411
Johann II. von Brunn 1411-1440
Sigismund von Sachsen 1440-1443
Gottfried IV. Schenk von Limpurg 1443-1455
Johann III. von Grumbach 1455-1466
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

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