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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 553
Trier - in der
ältesten Stadt Deutschlands
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Trier: St. Paulin
Die katholische Pfarrkirche St. Paulin zu Trier, ehemalige Stiftskirche, im Norden der Innenstadt außerhalb der römischen Stadtmauer in der Vorstadt gelegen, ist eigentlich eine uralte Kirche. Der erste Bau entstand Ende des 4. Jh. (!) unter Bischof Felix. Um 400 wurden dorthin die Gebeine des Hl. Paulinus (einstiger Missionar und Bischof von Trier, der in Phrygien verstarb, wohin er verbannt worden war) überführt. Der frühe Bau hatte beachtliche Ausmaße und diente bis 1093 als Gotteshaus, als ein verheerender Brand die Kirche zerstörte. Der zweite Bau entstand im 12. Jh. und wurde 1148 geweiht. 1674 wurde die Kirche durch französische Truppen gesprengt.
Was wir heute sehen, ist der dritte Bau, ab 1734 unter Kurfürst Franz Georg von Schönborn als vollständiger Neubau im spätbarocken Stil errichtet. Der Kurfürst ließ die Kirche aus eigenen Mitteln wieder errichten. Der Baumeister ist eine Berühmtheit des Barocks, Balthasar Neumann. Ausgeführt wurden seine Pläne vom Augustinermönch Joseph Walter. Die Beteiligung von Christian Kretschmar wird kontrovers diskutiert. Geweiht wurde der Neubau 1754. 1802 wurde das Stift aufgelöst, die barocke Kirche wurde Pfarrkirche. 1979 fand eine umfassende Außenrestaurierung statt, bei der das ursprüngliche gelb-weiße Farbkonzept wiederhergestellt wurde.
Im Außenbau fallen die schönen Proportionen einfacher Formen auf, mit der Einturmfassade und eingezogenem Chor reiht sich der Bau konzeptionell in die einschiffigen Landkirchen des Barockbaumeisters ein, hier betont schlank umgesetzt. Besonders ausgeprägt ist der Höhendrang des vorgelagerten Turmes, der in drei sich verjüngenden Geschossen aufstrebt, optisch unterstützt durch die höhere Anordnung des Mittelfensters über dem Portal in Relation zu den seitlichen Fenstern, durch das Einschwingen der ihn quasi umfassenden Fassadenflanken geschmeidig in den Baukörper des Langhauses eingebunden, Voluten mildern den Übergang vom Hauptbau zum Turm in der Höhe.
Innen zeigt sich das ganze konzeptionelle Geschick Balthasar Neumanns, trotz der Vorgabe der Nutzung älterer Grundmauern des romanischen zweiten Baus ein System miteinander verbundener Raumkompartimente subtiler gegenseitiger Durchdringung zu schaffen, wie es für sein Werk typisch ist. Seine virtuosen Grundrißkonzepte erzeugen dynamische Räume, wie sie nur der Barock hervorbrachte. Innen wird auch mit optischen Mittel getrickst, um die Kirche länger erscheinen zu lassen, z. B. durch den schrägen Übergang vom Schiff zum eingezogenen Chor, was Länge suggeriert, die leichte Erhöhung des Chorniveaus bei gleichzeitiger Senkung der Gewölbehöhe im Chor, was wiederum zentralperspektivische Effekte gezielt übertreibt, um Länge vorzutäuschen (ein Trick, der schon in der Konstantinsbasilika zu Trier angewandt wurde), dazu kommt die entsprechende Lichtführung. Insgesamt ein ziemlicher Kontrast zum schlichten Rhythmus der Außengliederung von Langhaus und Chor. Balthasar Neumann entwarf auch die Innenausstattung von St. Paulin.
Das Portal wird von zwei Säulen-/Pilasterpaaren begleitet, in der Mitte durch die vorgezogene Stellung der Säulenvorlagen einen konkaven Raum um den Eintretenden schaffend, seitwärts abknickend durch die nach außen gerichteten Pilastervorlagen. Über dem Portal befindet sich ein Prunkwappen des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten, hier zudem noch der Stifter der Kirche:

Wappenbestandteile:
Zum einen ist dieses komplexe Wappen ein Musterbeispiel für die
Staffelung von mehreren Ebenen, um die vielen Ansprüche
unterzubringen und zu ordnen. Einem Hauptschild (1. Ebene) liegt
ein Mittelschild (2. Ebene), diesem ein Herzschild (3. Ebene)
auf. Zum anderen ist dieses Wappen ebenfalls ein Musterbeispiel
dafür, daß die Schönheit klassischer Heraldik bei
übertriebenem Repräsentationsbedürfnis empfindlich leiden
kann. Die Feldereinteilung hat mit klassischen Schildteilungen
nichts mehr zu tun, radial ausstrahlende geschwungene Linien
erzeugen die einzelnen Feldergrenzen.
Der Herzschild enthält das Stammwappen der Person:
Der Mittelschild enthält sämtliche Ämter des Kurfürsten:

Und der Hauptschild schließlich enthält alle sonstigen Komponenten des Familienwappens und hat nichts mehr mit Ämtern zu tun. Viele der Besitztümer, Ansprüche und Titel in den übrigen Feldern kamen erst im späten 17. und frühen 18. Jh. zur Familie. Im einzelnen sind das:
Das kurfürstliche Wappen wird von zwei widersehenden Löwen als Schildhaltern gehalten, alles ist heute von einem Netz zum Schutz vor Luftratten (Tauben) überspannt.

Alle Fenster des vierjochigen Langhauses, sich mit ihren weiß gestrichenen Gewänden markant von den honiggelben (oder wie der Trierer Volksmund sagt: "roniggelben") Wänden absetzend, haben auf dem Schlußstein ihres bogenförmigen Abschlusses ein weiteres Wappen des Kurfürsten. Dieses ist eine Besonderheit, denn es vereinigt das Schönbornwappen mit dem des Fürstbistums zu einem vollkommen neuen Bild, das beider Bestandteile ohne Feldgrenzen übereinander legt. Die Blasonierung müßte lauten: In Silber mit rotem durchgehenden Kreuz auf drei schwebenden, aufsteigenden silbernen Spitzen schreitend ein goldener, gekrönter und rotgezungter Löwe.

Eine solche Wappenvereinigung ist in der Heraldik unüblich, vielmehr als barocke Inszenierung des Kurfürsten zu sehen, der sich so stark mit dem Fürstbistum gleichsetzt, daß buchstäblich die Grenzen zwischen Person und Amt verwischen. Eine barocke Apotheose des Bauherrn, der das Bischofsamt als so untrennbar mit seiner Person verbunden sieht, daß die klassischen Grenzen überflüssig werden.

Franz Georg von Schönborn - Erzbischof und
Kurfürst von Trier
geboren 15.6.1682 in Mainz,
als Sohn von Graf von Schönborn, Staatsminister in Kurmainz. Er
und seine nächsten Verwandten zählten zu den bedeutendsten
barocken Kirchenfürsten in Süddeutschland und sorgten für ein
beispielloses künstlerisches Schaffen unter ihrer
repräsentationsbedürftigen Herrschaft. Sein Onkel ist der
Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (Mainz, Bamberg), seine
Brüder sind die Fürstbischöfe Johann Philipp Franz von
Schönborn (Würzburg), Friedrich Carl von Schönborn (Würzburg,
Bamberg) und Hugo Damian von Schönborn (Speyer, Bruchsal,
Konstanz), alles klingende Namen als große Auftragggeber
barocker Kunst, hinter denen Franz Georg nicht zurückstand, es
muß sogar gesagt werden, daß er sich während der späteren
Jahre seiner Regierung im wesentlichen um seine Bauprojekte
kümmerte (Ellwangen, Koblenz, Dirmstein etc.).
1729 Wahl zum Kurfürsten von Trier
1732 Fürstbischof von Worms
1732 Fürstprobst von Ellwangen
gest. 18.1.1756 in Schloß Philippsburg in
Koblenz-Ehrenbreitstein, beigesetzt im Trierer Dom.
Literatur,
Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Reclams Kunstführer, Deutschland VI, Rheinland-Pfalz/Saarland,
Philipp Reclam Verlag 1980, S. 484 ff.
Wilfried Hansmann: Balthasar Neumann, Leben und Werk, DuMont
Taschenbücher, Köln 1986, ISBN 3-7701-1814-6
Doris Fischer: Die St. Paulinuskirche in Trier, Studien zu
Architektur, Bau- und Planungsgeschichte, Wernersche
Verlagsgesellschaft 1994.
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Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn
Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms
- Teil (1) - Teil (2)
Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von
Trier - Teil (1) - Teil
(2)
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