Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 60
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Hofgarten zu Würzburg

Nicht nur die Gebäude, sondern auch die schmiedeeisernen Gitter des Residenzgartens sind eine Fundgrube heraldischer Darstellungen. Sie wurden von Hofschlosser und Kunstschmied Johann Georg Oegg hergestellt, in opulentem Rokoko.

Wappen des Fürstbischofs Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths im Giebel. Geviert. 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. 2 und 3: von Greiffenklau-Vollraths, jeweils geviert, 1 und 4: Silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad, 2 und 3: In Schwarz ein silberner Schräglinksbalken). 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Fürstenhut. Das Wappen ist so angebracht, daß man es von innen, vom Hofgarten her, richtig herum betrachtet. Dieser Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths ist nicht zu verwechseln mit einem Vorgänger gleichen Familiennamens, der noch in der Marienburg residierte.

Das Stammwappen Greiffenclau zu Vollraths zeigt nur ein goldenes Glevenrad in silbern-blau geteiltem Feld. Das vermehrte Wappen zeigt zusätzlich den silbernen Schräglinksbalken in schwarzem Feld der Herrschaft Ippelbrunn.

Die Familie von Greiffenclau zu Vollraths ist ein uraltes rheinisches Rittergeschlecht im Dienste der rheinischen Stifte. Seit 1337 sind sie als Besitzer von Vollraths (Vollrads) nachgewiesen. Durch Heirat kamen weitere Güter hinzu, so um die Wende zum 15. Jh. durch Heirat der Erbtochter die Herrschaft Ippelbrunn, worauf der Schild wie oben erwähnt geviert wurde. Im 18. Jh. kamen die Güter der Freiherren von Dehren hinzu, ebenfalls durch Heirat. Weiterer Grundbesitz liegt in Franken, v. a. im Kanton Baunach, mit Schloß in Gereuth. Den Domkapiteln waren die Greiffenclau zu Vollraths sehr verbunden, allein in Würzburg stellten sie zwischen 1666 und 1805 vierzehn Mitglieder desselben. Ähnlich aktiv sind sie in den Hochstiften Mainz, Speyer, Trier, Worms, Bamberg. Nach der Reformation blieben die Greiffenclau zu Vollraths den Stiften treu und erlangten noch einen Bedeutungszuwachs, indem sie viele vakant gewordene Stellen einnahmen. Bedeutende Vertreter der Familie sind Richard von Greiffenclau, Erzbischof zu Trier (1511-1531), Georg Friedrich von Greiffenclau, Fürstbischof in Worms (1616-1629) und Mainz (1616-1629), Johann Philipp II von Greifenclau, Fürstbischof in Würzburg (1699-1719) sowie in gleicher Position der hier erwähnte Karl Philipp von Greiffenclau (1749-1754). Mit Johann Erwein Freiherr von Greiffenclau zu Vollraths hat die Familie einen Erbtruchseß des Erzbistums Mainz, er stieg zum kurmainzischen Geheimrat und Vicedomus im Rheinland auf, weiterhin war er Ritterhauptmann im Kanton Mittelrhein und Burggraf zu Friedberg (gest. 1727). Das Geschlecht erlosch 1860 im Mannesstamme. Sophie von Greiffenclau zu Vollraths heiratete Hugo Graf Matuschka von Toppolezau, Freiherr von Spätgen, beider Wappen wurden 1862 vereinigt. Das Stammgut Volrads war bis 1997 noch in Familienbesitz.

Wappen des Fürstbischofs Anselm Franz von Ingelheim gen. Echter von Mespelbrunn(1746-1749). Herzschild: Stammwappen Ingelheim, in Schwarz ein rot-golden geschachtes Kreuz. Geviert. 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. 2 und 3: In Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen (Echter von Mespelbrunn). 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Fürstenhut. Das Wappen ist so angebracht, daß man es von innen, vom Hofgarten her, richtig herum betrachtet.

Das Wappen der Echter von Mespelbrunn ging eine Liaison mit dem von Ingelheim ein. Die letzte Echterin und Erbin des Titels war Maria Ottilia. Sie heiratete 1648 Philipp Ludwig von Ingelheim, Oberstleutnant und Amtmann zu Miltenberg im Dienste von Mainz, aus einem später in den Grafenstand erhobenen alten Freiherrngeschlecht.

Die von Ingelheim sind ein uraltes Adelsgeschlecht aus der Rheinpfalz. Sie waren Erbkämmerer von Nassau. Die erste Erwähnung ist 1140, aber die eigentliche Stammreihe kann ab 1192 (Johann von Ingelheim) nachvollzogen werden. Es gab zwei Linien, die eine, die Beusser von Ingelheim, starb 1580 aus. Die andere Linie wurde bedeutsam für Franken. Erst nach der Reformation kam die Familie nach Franken, faßte durch die Heirat mit der Erbtochter der von Echter zu Mespelbrunn Fuß im Maingebiet, stellte dann aber zwischen 1623 und 1784 neun Domherren am St. Kilians-Dom zu Würzburg und einen Fürstbischof.

Mit kaiserlicher Erlaubnis durften die von Ingelheim sich ab 1698 namentlich und wappenmäßig mit den Echter von Mespelbrunn vereinen. Der zukünftige Name der Familie lautete "Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn". Unter diesem Namen besteht die Familie noch heute. 1703 erfolgte die Erhebung in den Freiherrenstand, 1737 die in den Reichsgrafenstand (mit Franz Adolf Dietrich von Ingelheim). Bedeutende Vertreter der Familie sind Anselm Franz von Ingelheim, Erzbischof von Mainz 1679-1695, sowie der gleichnamige Fürstbischof von Würzburg 1746-1749, und Graf Franz Adolph Dietrich von Ingelheim gen. Echter von Mespelbrunn, Präsident des Wetzlarer Reichskammergerichtes.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724 - Baubeginn der Würzburger Residenz 1720
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746 - Vollender des Rohbaus der Würzburger Residenz 1744
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779 - Vollender der Würzburger Residenz incl. Ausstattung
Franz Ludwig von Erthal 1779-1795

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Würzburg: Stift Haug - Hof Neulobdenburg - Hof z. Hl. Gallus - Haus Conti - alte Mainbrücke - Hof Erhard von Liechtenstein - Juliusspital - Festungstore 1 - Festungstore 2 - Festung Marienburg: Scherenberg - Festung Marienburg: Bibra, Wirsberg - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 1 - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 2 - Alte Universität - Hofgarten - Neumünster - Residenz - Palais 1 - Palais 2 - Neubaukirche - Bürgerspital - Stadtbefestigung - St. Peter - Priesterseminar - Grafeneckart

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

Oestrich-Winkel (Rheingau): Schloß Vollrads, Wohnturm - Schloß Vollrads, Herrenhaus - Schloß Vollrads, Nebengebäude

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