Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 601
Prüm - abgelegene Pracht

Die Fürstabtei Prüm - Teil (2)

Geschichte (6) - Säkularisation und neue Nutzung:
Unter der französischen Besetzung wurde das Kloster 1802 säkularisiert, die Mönche wurden vertrieben, ein Teil floh bereits 1794 über den Rhein, kehrte aber 1795 zurück, aber nicht für lange, denn 1802 wird das Kloster aufgehoben; die Mönche werden in der Pfarrseelsorge verwendet. Das Klostergebäude wurde Sitz verschiedener Ämter. Seit 1802 ist die Klosterkirche Pfarrkirche. 1944 wurden die Klostergebäude und die Kirche stark beschädigt, Teileinsturz. Wiederaufbau der Kirche bis 1950, der Abteigebäude bis 1952. 1950 wird die Pfarrkirche in den Rang einer Basilica minor erhoben. Letzte Schäden wurden bis in die 70er Jahre des 20. Jh. hinein beseitigt, dabei wurde auch der ehemalige Fürstensaal im Innern aufwendig wiederhergestellt, so daß er heute im alten Glanz mit frischem Stuck neu erstrahlt. Die ehemaligen Konventsgebäude beherbergen heute das Regino-Gymnasium.

Blick auf die Abteigebäude von Nordosten. Die Gebäude umschließen zwei Innenhöfe. Die Lage ist eine wenig übliche, denn normalerweise wurden Abteigebäude vorzugsweise an der Südseite einer Klosterkirche angebaut, hier liegen sie im Norden derselben.

Das Wappen von Franz Georg von Schönborn:
Dieses Wappen befindet sich an der Westfassade, ganz links, über dem Seiteneingang zum kurfürstlichen Schloß. Genau diese Ecke blieb im 18. Jh. im Sockelgeschoß stecken und wurde erst später vollendet. Die Türumrahmung ist nicht am ursprünglichen Ort, sie war früher im kleinen Innenhof. Das Wappen wurde von Joseph Feill gehauen. Der Name ist auch aus Engers und Koblenz-Ehrenbreitstein vertraut.

Wappenbestandteile des Schönborn-Wappens:
Dies ist eines der opulentesten Schönborn-Wappen überhaupt: Wir haben 13 Felder in insgesamt 3 verschiedenen Ebenen, zwei widersehende Löwen als Schildhalter und dazu noch zwei Fahnen als heraldische Prunkstücke, die eine mit dem schwarzen Reichsadler auf goldenem Grunde auf der heraldisch rechten Seite, die andere mit der habsburgischen Fahne, auf rotem Grund ein silberner Balken. Weitere Prunkstücke sind die Amtsinsignien, das Schwert für die weltliche Macht des Fürstbischofs, der Krummstab für die geistliche Macht, und über allem kennzeichnet der Fürstenhut den Rang des Fürstabtes als selbständiger Herrscher, nur dem Kaiser untertan, mit Sitz und Stimme im Reichstag. Wie alle Prunkwappen dieses Kurfürsten aus dem Hause Schönborn hat der Schild drei Ebenen:

Der Herzschild (3. Ebene) enthält das Stammwappen der Familie von Schönborn:

Grafen von Schönborn: In Rot auf drei aufsteigenden silbernen Spitzen schreitend ein goldener, gekrönter und rotgezungter Löwe.

Der Mittelschild (2. Ebene) enthält sämtliche Ämter des Kurfürsten:

Feld 1: Kurtrier: In Silber ein rotes, durchgehendes Kreuz. Amtswappen des regierenden Bischofs/Erzbischofs/Kurfürsten von Trier.
Feld 2: Fürstbistum Worms, hier: Im schwarzen, mit 8 (2x 4) silbernen Schindeln belegten Feld ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel. Häufigere Variante: Silberner Schlüssel und goldene Schindeln. Das Bistum Worms ist 1805 erloschen.
Feld 3: Fürstpropstei Ellwangen: In Silber eine goldene Prälatenmütze. 1460-1802 (Säkularisation) eigenständiges Fürstentum mit der reichsunmittelbaren Abtei in Ellwangen im Zentrum und mit zugleich geistlicher und weltlicher Macht der Fürstpröpste.
Feld 4: Fürstabtei Prüm: In Rot auf grünem Grund ein silbernes, hier nicht nimbiertes Lamm, das ein silbernes Fähnchen trägt, dieses normalerweise mit rotem Kreuz belegt (sog. Prümer Lamm).

Und der Hauptschild (1. Ebene) schließlich enthält alle sonstigen Komponenten des Familienwappens und hat nichts mehr mit Ämtern zu tun. Viele der Besitztümer, Ansprüche und Titel in den übrigen Feldern kamen erst im späten 17. und frühen 18. Jh. zur Familie. Im einzelnen sind das:

Feld 2: Kaiserlicher Doppeladler. In Gold ein schwarzer Doppeladler, oben begleitet von einer goldenen Krone. Wurde mit der Verleihung der Reichsgrafenwürde als Gnadenzeichen angenommen. In den Fängen rechts ein goldenes Szepter und links ein blauer und golden beschlagener Reichsapfel mit goldenem Kreuz.
Feld 8: Dieses Feld enthält das Wappen des Erzherzogtums Österreich auf einem kleinen Schild: In Rot ein silberner Balken. Die Darstellung variiert, hier ist es von einem außen roten, innen mit Hermelin gefütterten Wappenmantel umgeben und zusätzlich von einem Fürstenhut überhöht. Es handelt sich hierbei um ein besonderes Gnadenzeichen, das zusammen mit dem Titel der von Buchheim von den Schönborns übernommen wurde.
Feld 1: Reichsständische Herrschaft Reichelsberg. Diese wurde 1671 vom Hochstift Würzburg erworben. Damit waren Sitz und Stimme im Fränkischen Grafenkollegium verbunden. In Rot drei (2:1) silberne Schildchen.
Feld 3: Herrschaft Heppenheim, von Heppenheim genannt von Saal. Selbige Familie erlosch in direkter Linie im Jahre 1684 und fiel an die Verwandtschaft namens Grafen von Schönborn. In Blau ein silberner Balken, begleitet von 3 (2:1) silbernen Rauten.
Feld 4: Erbtruchsessen-Amt in den österreichischen Landen ob und unter der Enns, Anspruch ab 1712. In Hermelin auf einem roten und mit goldenen Troddeln verzierten Kissen ein meist goldener, hier blauer und golden beschlagener Reichsapfel mit goldenem Kreuz. Das Hermelinfell ist hier reichlich kreuzförmig geworden, normalerweise werden die oberen drei Teile relativ kurz abgebildet, das untere umso länger. Denn tatsächlich soll es ja wirklich ein stilisiertes Element des Felles sein.
Feld 6: von Buchheim. Die Güter derer von Buchheim kamen im Jahre 1711 zur Familie der Grafen von Schönborn, sie befinden sich in Österreich. In Schwarz 3 (2:1) goldene aufrechte Getreidegarben.
Feld 7: Grafen von Wolfsthal. Die Familie erlosch, und im Jahre 1717 erbten die Schönborns Besitzungen und Titel und vermehrten ihr Wappen um den Wolf. In Gold ein schwarzer Wolf (hier gewendet).
Feld 9: Wappen der Truchsess von Pommersfelden (nicht zu verwechseln mit dem Truchsessen-Amt in Feld 4). Im Jahre 1710 fielen die Besitztümer und Titel der Truchsess von Pommersfelden an die Grafen von Schönborn. In Silber ein blauer Löwe, belegt mit zwei roten Balken.

Hier nocheinmal eine Vergrößerung des mustergültig restaurierten Wappenschildes von Franz Georg von Schönborn mit allen oben besprochenen Feldern.

Äbte und Fürstäbte von Prüm ab dem späten 12. Jh.:
Gregor I aus Geldern (1174-1184)
Gerard von Vianden (1184-1212)
Caesarius von Milendonk (1212-1216)
Kuno von Ahr (1216-1220)
Friedrich I von Fels (1220-1245, ab 1222 Fürstabt)
Gottfried II von Blankenheim (1245-1274)
Walter von Blankenheim (1274-1322)
Heinrich I von Schönecken (1322-1342)
Diether von Katzenelnbogen (1342-1350)
Johann I Zandt von Merl (1350-1354)
Dietrich von Kerpen (1354-1397)
Friedrich II von Schleiden (1397-1427)
Heinrich II von Are-Hirstorff (1427-1433)
Johann II von Esche (1433-1476)
Robert II von Virneburg (1476-1513)
Gregor II von Homburg (1513)
Wilhelm von Manderscheid-Kayl (1513-1546)
Christoph von Manderscheid-Kayl (1546-1576)

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
http://www.basilika-pruem.de/mainframe.asp
http://www.regino-gym.de/
Franz Josef Faas: Prüm in der Eifel.Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz, Rheinische Kunststätten: Heft 1/1966.
Franz Josef Faas: Prüm / Eifel, Kath. Pfarrkirche St. Salvator, Schnell Kunstführer Nr. 981, Verlag schnell & Steiner GmbH Regensburg, 9. Auflage 2005, ISBN 3-7954-4717-8

Abtei Prüm - Nordfassade - Westfassade - St. Salvator

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Trier - Teil (1) - Teil (2)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (1) - Teil (2)

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