Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 602
Prüm - abgelegene Pracht

Die Fürstabtei Prüm - Teil (3)

1721 ließ der Trierer Erzbischof und Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1716–1729) die Klosterkirche von Johann Georg Judas (Hofbaumeister in Trier) neu errichten, denn am Vorgängerbau waren irreparable Schäden aufgetreten. Nur ein Turm der bisherigen Kirche wurde weiterverwendet, der linke Eckturm. Judas war eigentlich gelernter Zimmermann, arbeitete in Trier mit Sebastiani und Ravensteyn zusammen, und erst später gab er das Zimmerhandwerk auf, um sich ganz der Architektur zuzuwenden. 1723 löste er Ravensteyn als Hofbaumeister in Trier ab. Er erneuerte in Trier die Moselbrücke und baute 1717 den Dom nach dem Brand wieder auf.

Judas starb bereits 1726, aber die neue Kirche war noch unvollendet. Sein Nachfolger als Baumeister wurde 1727 Paul Kurz, ein Franziskanerbruder aus Luxemburg, der neue Hofbaumeister. 1729 wurde die Abteikirche fertiggestellt, 1731 kehrte Kurz in sein Kloster in Andernach zurück.

Beide Baumeister sind rein für den architektonischen Teil verantwortlich, die Innenausstattung ist nicht von ihrer Hand. Beide Architekten haben zwar gute Arbeiten geleistet, zählen aber kunsthistorisch nicht zur allerersten Garde. Es war eine Zeit, in der das Kurfürstentum, mangels Interesse und auch weil andere Sorgen vordringlicher waren, ein bißchen den Anschluß an die Entwicklung der Baukunst verloren hatte. Entsprechend ist der Formenkanon - gemessen an der Bauzeit - ein wenig altbacken.

Doch das sollte sich ändern: Franz Georg von Schönborn (1729–1756) berief später Balthasar Neumann nach Prüm, er und sein Schüler Johannes Seitz sind für die weiteren Arbeiten, insbesondere an den Abteigebäuden und dem angegliederten kurfürstlichen Schloß, verantwortlich, und mit diesen beiden Architekturgenies kam auch der heiter-prunkliebende Geist des mainfränkischen Barocks nach Prüm. Prüm ist gewissermaßen ein Alterswerk von Balthasar Neumann, die Konzepte sind ruhiger geworden und zeigen nicht mehr die dynamische Durchformung seiner anderen Gestaltungen, aber gerade deshalb um so mehr seine Souveränität im Erzeugen architektonischer Höhepunkte. Da war die Abteikirche aber schon fertig.

Johann Georg Judas hat in seinem Leben nur eine einzige Kirche gebaut: St. Salvator in Prüm. Die Fassade ist für barocke Verhältnisse sehr platt, fast wie eine Tafel, ohne die neue Bewegtheit auszuprobieren, die woanders in Deutschland atemberaubende Fassaden schuf. Ein breites Mittelfeld, zwei schmale Seitenteile, Pilaster mit ionischen Kapitellen, oben ein doppelt geschwungener Giebel auf dem Mittelteil, zwei Türme, zu deren Oktogon einfach geschwungene Giebel über den Seitenteilen überleiten. Drei Portale führen ins Innere, deren Konzeption stark an Bauten Ravensteyns in Koblenz erinnert. Das mittlere Portal ist das größte, es wird von einem Segmentgiebel überhöht, der im mittleren Teil geöffnet ist und das Abteiwappen zeigt, gehalten von zwei widersehenden Löwen.

Hauptschild: Kurtrier: In Silber ein rotes, durchgehendes Kreuz. Amtswappen des regierenden Bischofs/Erzbischofs/Kurfürsten von Trier. Herzschild: Fürstabtei Prüm: In Rot auf grünem Grund ein silbernes, hier nicht nimbiertes Lamm, das ein silbernes Fähnchen trägt, dieses mit rotem Kreuz belegt (sog. Prümer Lamm). Da Trier und Prüm in Personalunion regiert wurden, gingen beide Wappen diese Verbindung ein, die bis zum Auflösen der geistlichen Fürstentümer bestehen blieb.

Abb.: Während die Nordseite die absolute Prunkfront darstellt, ist die Westseite mit insgesamt 5 Eingängen und der Hinwendung zum Hauptplatz des Städtchens zur Hauptfront geworden. Von den vielen Portalen ist aber nur das ganz links (nicht mehr im Bild) mit einem Prunkwappen geschmückt, die anderen haben einfache Kartuschen mit gemaltem Marmorimitat.

Wappen im Kircheninneren:
Auch das Kircheninnere hat schöne Wappendarstellungen:

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
http://www.basilika-pruem.de/mainframe.asp
http://www.regino-gym.de/
Franz Josef Faas: Prüm in der Eifel.Hrsg.: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz, Rheinische Kunststätten: Heft 1/1966.
Franz Josef Faas: Prüm / Eifel, Kath. Pfarrkirche St. Salvator, Schnell Kunstführer Nr. 981, Verlag schnell & Steiner GmbH Regensburg, 9. Auflage 2005, ISBN 3-7954-4717-8

Abtei Prüm - Nordfassade - Westfassade - St. Salvator

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