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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 617
Neckarsteinach
am Neckar
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Die
ev. Pfarrkirche in Neckarsteinach:
Epitaph für Hans III Landschad von Steinach (gest. 1531) und
seine Gemahlin Margarethe von Fleckenstein (gest. 1530)
Ein Textepitaph mit dreispaltiger Laudatio für: "Epitaphium Herr Hansen Landtschaden von Steinnach Ritters Vnd Seiner leczten hausfrawen Margrete landschedin Geborn von Fleckensteyn. 1572". Seiner letzten Hausfrau? Richtig, denn Hans III war zweimal verheiratet: In erster Ehe mit Lucia von Nippenburg (gest. 1503), in zweiter Ehe dann mit Margarethe von Fleckenstein (gest. 1530). Ingesamt hatte er 5 Kinder, aus erster Ehe zwei Söhne und 1 Tochter, aus zweiter Ehe zwei Söhne. Das Grabmal im Stil der Spätrenaissance selbst ist 41 Jahre später entstanden, wohl vom Enkel gestiftet worden.
Hier haben wir einen der ganz wichtigen Landschad von Steinach: Ritter Hans war in vielfältigen Kriegsdiensten, erst für den ungarischen König, dann für Kaiser Maximilian I, er wurde in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Danach sehen wir ihn in Militärdiensten der Pfälzer. Ab 1504 befehligte er im Bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieg die Pfälzer Truppen. Pfalzgraf Ludwig ernannte Hans III. zu seinem Berater und bis 1514 zu seinem Hofmarschall. Er war Burggraf in Alzey, Rat und Marschall in pfälzischen Diensten. Danach zog er sich weitgehend auf die Vorderburg zurück, durch schlimme Gicht zeitweise fast gelähmt. Was aber ungeachtet seiner militärischen Leistungen viel bedeutungsvoller war: Er war ein großer Reformator, führte sehr früh (1522) die Reformation in Neckarsteinach ein, offensichtlich unter dem Eindruck der Heidelberger Disputation Luthers 1518, und berief mit Jakob Otter 1524 den ersten evangelischen Pfarrer. Damit war er einer der ersten Ritter der Pfalz, die sich für die Sache der Reformation stark machten.
Sowohl sein Vater Blicker XIV als auch sein Sohn Hans IV und sein Enkel Hans Ulrich I sind in der Kirche ebenfalls mit Epitaphien vertreten.

Vollwappen der Landschad von Steinach: In Gold eine schwarze Harfe. Die Helmzier ist ein gekröntes Männerhaupt mit wild wucherndem Haupt- und Barthaar, auch als Davidshaupt bezeichnet, das Haar die Helmdecke ersetzend.
Vollwappen der Herren von Fleckenstein: In Grün drei silberne Balken, Helmzier ein Jungfrauenrumpf in grünem Gewand, statt der Arme zwei wie der Schild mit drei silbernen Balken belegte grüne Büffelhörner. Helmdecke grün-silber. Rheinisches und elsässisches Geschlecht, treue Anhänger der Hohenstaufen, Stammburg Fleckenstein bei Niederbronn, günstig in der Nähe zur Kaiserpfalz Haguenau gelegen. Mit der Ausdehnung der Kurpfalz lehnten sich die Fleckensteiner an diese neue Territorialmacht an, bewahrten so die Integrität ihres Territoriums und nahmen auch Dienste bei den Kurfürsten an. 1467 Erhebung in den Reichsfreiherrenstand.

Auf der optisch rechten Seite die acht Wappenschilde der Ehefrau (Ahnenprobe):
von Fleckenstein: In Grün drei silberne Balken, Helmzier ein Jungfrauenrumpf in grünem Gewand, statt der Arme zwei wie der Schild mit drei silbernen Balken belegte grüne Büffelhörner. Helmdecke grün-silber.
von Ratsamhausen: In Rot ein silbernes Schildchen, das mit einem grünen Balken belegt ist. Kleinod wäre Kopf und Hals einer silbernen Bracke mit rotem Halsband. Helmdecken wären rot und silbern. Uradel aus dem Elsaß, Stammburg gleichen Namens bei Schlettstatt gelegen. Gehörten auch zur schwäbischen reichsfreien Ritterschaft. 1773 Anerkennung des Freiherrenstandes durch Frankreich.
von Müllenheim: In golden bordiertem roten Feld eine silberne Rose mit goldenem Butzen. Die verbindliche Angabe einer Helmzer, selbst mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, ist sinnlos, denn im Siebmacher sind allein 24 verschiedene Varianten gelistet, die sich substantiell unterscheiden. Wohl kaum eine andere Familie hat eine so hohe Variabilität aufzuweisen. Helmdecken wären jedenfalls rot-silbern oder rot-golden je nach Linie. Die Linie Rechberg jedenfalls führt auf gekröntem Helm eine wachsende, runde, rote Scheibe, mit einer silbernen Rose mit goldenem Butzen belegt, oben mit einem Pfauenwedel besteckt, dazu rot-goldene Helmdecken. Die Familie von Müllenheim gehört zum elsässischen Uradel. Viele Familienmitglieder bekleideten einst städtische Ämter in Straßburg.
von Ochsenstein: In Rot zwei silberne Balken. Kleinod wäre ein rot gewandeter Männerrumpf mit nach hinten abhängender, silbern aufgeschlagener Spitzmütze (auch als Heidenhut angesprochen), Gewand und Hut jeweils mit den zwei silbernern Balken belegt. Helmdecken wären rot-silbern. Elsässisches Freiherrengeschlecht.
von Andlau: In Gold ein rotes durchgehendes Kreuz. Helmzier wäre ein gekrönter Mannesrumpf mit goldenem und hermelinverbrämten Umhängemantel. Helmdecken rot-golden. Uradel aus dem Elsaß, Stammhaus bei Bar. Mitglieder der Reichsritterschaft in Schwaben und im Elsaß. Georg von Anlau war erster Rektor der Universität Basel. 1676 Erhebung in den Reichsfreiherrenstand, 1773 von Frankreich bestätigt, 1802 französische Grafenwürde. Drei Linien, die zu Kleinlandau im Elsaß, die zu Birseck in Baden und die zu Homburg in Baden. Das gräfliche Wappen hatte in Gold einen schwarzen Doppeladler, auf der Brust ein Schildchen mit dem Stammwappen, Oberwappen identisch mit dem des Stammwappens.
von Ramstein: In Gold zwei schräggekreuzte rote Lilienstäbe (Glevenstäbe). Helmzier ein rotgekleideter Mannesrumpf, auf dem Kopf ein roter Spitzhut mit goldenem Aufschlag, an der Spitze drei Straußenfedern in den Farben rot-blau-gold. Helmdecken rot-golden. Bei den Herren von Ramstein handelt es sich um ein Geschlecht aus dem Baseler Raum, dessen Stammsitz Ramstein bei Bretzwil lag und 1303 zerstört wurde. Ihr altes Herrschaftsgebiet war Bretzwil, Brislach, Zwingen, Nunningen, weiterhin waren sie Burgherren auf Gilgenberg. Die Orte Bretzwil und Brislach führen ein identisches Ortswappen. Der ursprüngliche Name war sogar "von Brislach". 1459 ausgestorben. Das Wappen ist zwar nicht im Siebmacher, aber im Rietstap verzeichnet.
von Haus: Der Schild wird der Familie von Haus zugeordnet. In Silber ein vermutlich schwarzer Balken. Weitere Quellen gesucht.
von Efringen: Der Schild wird der Familie von Efringen zugeordnet, ein Geschlecht dieses Namens kam im Schwarzwald vor. In Silber ein schwarzes Paar Büffelhörner mit Grind. Weitere Quellen gesucht.

Auf der optisch linken Seite die acht Wappenschilde des Ehemannes (Ahnenprobe):
Landschad von Steinach: In Gold eine schwarze Harfe. Die Helmzier wäre ein gekröntes Männerhaupt mit wild wucherndem Haupt- und Barthaar, auch als Davidshaupt bezeichnet, das Haar die Helmdecke ersetzend.
von Sachsenheim: In Silber zwei rote Stierhörner mit Grind. Helmzier wären zwei rote Stierhörner, Helmdecken wären rot-silbern. Vaihingische, später württembergische Vasallen, kommen 1100 erstmalig vor und sind 1561 ausgestorben.
von Rosenberg: Geteilt und 5x in verwechselten Tinkturen von Rot und Silber gespalten. Die Helmzier wären ein roter und ein silberner Schwanenhals, voneinander abgewendet, dazwischen eine rote Rose mit goldenem Butzen, bisweilen mit grünen Kelchblättern dargestellt. Die Helmdecken wären rot-silbern. Die Familie von Rosenberg ist eine der angesehensten Rittergeschlechter Süddeutschlands. Stammburg ist Burg Rosenberg zwischen Osterburken und Boxberg. Im Odenwald spielten sie eine wichtige Rolle in der Reichsritterschaft. Sie starben 1632 aus.
Speth von Zwiefalten: In Rot schräg übereinandergelegt drei silberne Schlüssel mit gezähntem Bart. Die Helmzier wäre ein rotgewandeter Männerrumpf mit Spitzbart, mit einer roten, gestulpten, spitzen Mütze und den drei silbernen Schlüsseln auf der Brust und auf dem Hut. Helmdecken wären rot-silbern. Die Speth (Zwiefalten ist Stammsitz) sind oberschwäbischer, turnierfähiger und stiftsmäßger Uradel im Freiherrenstand. Sie zerfallen in mehrere Linien.
von Helmstatt: In Silber ein schwarzer auffliegender Rabe. Kleinod wäre ein schwarzes und ein silbernes Büffelhorn. Helmdecken wären schwarz-silbern.
von Zeiskam (Zaiskam): Zaiskam wird im neuen Siebmacher beschrieben als von Silber und Blau fünfmal geteilt (hier abweichend). Helmzier zwei wie der Schild bez. Flügel. Helmdecken blau-silbern. Im alten Siebmacher auf Tafel 118 abgebildet. Pfälzischer uralter Niederadel, Inhaber des Lehens Böchingen seit 1408. 1604 mit Wolf Christopf Zaiskam zu Dürkheim an der Hart ausgestorben.
von Weingarten: In Silber drei blaue Balken, darüber ein fünflätziger roter Turnierkragen. Helmzier wäre (nach dem alten Siebmacher Tafel 122) ein rotes Kissen mit silbernen Troddeln, darauf ein silbernes Hifthorn mit goldenen Beschlägen und ebensolchem Band. Helmdecken sind dort rot-silbern abgebildet. Die Herren von Weingarten sind ab 1226 bezeugt und seit 1478 Lehensmänner der Kurfürsten von der Pfalz und besaßen zeitweise die Burgen Diemerstein bei Kaiserslautern und die Burg Berwartstein. Es handelt sich selbstverständlich um das Weingarten in der Pfalz und nicht um das bei Ravensburg, nach dem die Familie benannt ist.
von Leonrod: In Silber ein roter Balken, Helmkleinod bestünde aus zwei wie der Schild bez. Büffelhörner, Decken wären rot-silbern. Die von Leonrod sind ein uradeliges fränkisches Rittergeschlecht und gehörten zur reichsunmittelbaren Ritterschaft. Die Familie wird den Ministerialen der Burggrafen von Nürnberg zugerechnet. Sie bekleideten dort das Erbschenkenamt. 1733 wurden die von Leonrod in den Freiherrenstand erhoben, 1745 in den Grafenstand. Diese gräflichen Linien starben im 18. und 19. Jh. aus. Die freiherrliche Linie erlangte im Zusammenhang mit dem 20.7.1944 und Ludwig Freiherr von Leonrod Bekanntheit. Endgültig ist die Familie wohl 1951 erloschen.

Literatur
und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Anneliese Seeliger-Zeiss, Evangelische Pfarrkirche
Neckarsteinach, Schnell Kunstführer Nr. 1401, 1. Auflage 1983,
Verlag Schnell & Steiner GmbH, München, Zürich, Regensburg.
Stammbaumtafel und auf vorbildliche Weise erläuternde
Hinweisschilder im Innern der evangelischen Pfarrkirche
http://www.neckarsteinach.com/barrierefrei/html_bf/stadt_einrichtungen_evkirche.html
http://www.ekhn.de/
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Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007
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Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Frau Pfarrerin Marion Rink, Neckarsteinach, vom 18.7.2007
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