Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 66
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Schönborn-Kapelle

Die Schönborn-Kapelle
1721-1736 baute Balthasar Neumann an die Nordwand des Querhauses die Grabkapelle für die Bischöfe aus dem Hause Schönborn im barocken Stil an. Mit ihrer barocken Kuppel mit Laterne kontrastiert sie mit dem dahinter liegenden romanischen Querhaus. Dem Herrschaftsverständnis des barocken Fürstbischofs entspricht es, daß er vom stadtseitigen Balkon seiner Residenz auf die Grablege blicken konnte. Der Bau fand unter Mitwirkung von Maximilian von Welsch statt, einem Mainzer Barockbaumeister. Innen begleiten zwei ovale Seitenräume die von Wandsäulen getragene Mittelkuppel, eine gemessen am zur Verfügung stehenden Platz sehr aufwendige Grundrißgestaltung. Die vergoldeten Stukkaturen stammen von Antonio Giuseppe Bossi. Rudolf Byss fertigte 1733-1734 die Fresken im Mittelgewölbe (Auferstehung und Weltgericht) und über dem Hauptaltar (Auferstehung Christi) an. Innen herrscht schwarzer Marmor vor, düsterer Stein für eine Grablege. Claude Curé fertigte Grabdenkmäler, Seitenaltäre und eine Pietà. Insgesamt sind hier drei Altäre und vier Grabdenkmäler:

Über den beiden Eingängen befindet sich jeweils eine prächtige Kartusche mit dem Schönborn-Wappen:

 

Die Einzelbestandteile des Wappens
Das Wappen des Grafen und Fürstbischofs von Schönborn hat insgesamt 14 Elemente. Es handelt sich um das Familienwappen der Grafen von Schönborn, wie es seit dem frühen 18. Jh. geführt wurde, mit 10 Elementen, bereichert um 4 Elemente der kirchlichen Würden und Ämter. Im einzelnen sind das:

Feld 1 Feld 2 Feld 3
Feld 4 Herzschild Feld 6
Feld 7 Feld 8 Feld 9

Die Schönborns
Schönborn – wer hätte da nicht sofort die Assoziation zu glanzvoller Hofhaltung des Barocks, zu Schlössern und Prachtentfaltung, zu Trier, Mainz, Bamberg, Wien, Pommersfelden und Bruchsal, zu Geisenheim, Gaibach und Heusenstamm. Ein Geschlecht des rheinischen Uradels stieg auf zu einer der bedeutendsten Familien, die wichtige und wichtigste Ämter an den Schaltstellen der Macht und der Kirche besetzte, und die, was noch bedeutender für uns heute ist, durch ihr beispielloses Mäzenatentum zur Schaffung einiger der bedeutendsten Kunstwerke der Architektur beitrugen. Barock und Schönborn – in Süddeutschland eine fast untrennbar zu nennende Einheit. Auch in Würzburg und Franken steht der Name Schönborn für eine Zeit des Friedens, des Wohlstandes und der Blüte der Kunst. Seit 1633 waren die von Schönborn Reichsfreiherren, 1701 wurden sie in den Reichsgrafenstand erhoben.

Johann Philipp von Schönborn (1605-1673)
Geb. 6.8.1605 in Eschbach im Westerwald, Vater: Georg von Schönborn (kurmainzischer Amtmann), Mutter: Barbara von der Leyen
1619 niedere Weihen in Mainz
1621 Domizellar in Würzburg
1625 Domizellar in Mainz
1629 Domkapitular in Würzburg
1630 Domkapitular in Worms
1631-1634 Aufenthalt in Köln, Bekanntschaft mit Friedrich Spee
16.8.1642 Wahl zum Fürstbischof von Würzburg, Politik der Friedenssicherung, der Toleranz und des Ausgleichs, war mit seinen Gedanken zu einer katholisch-protestantischen Glaubensunion seiner Zeit weit voraus. Beendigung der Hexenverfolgungen.
1647 Wahl zum Erzbischof und Kurfürst von Mainz
1648 maßgeblich am Westfälischen Frieden beteiligt
1663 Wahl zum Bischof von Worms
gest. 18.2.1673

Johann Philipp Franz von Schönborn (1673-1724)
Geb. 15.2.1673 in Würzburg, Vater: Melchior Friedrich von Schönborn, kurmainzischer Oberhofmeister, Staatsminister und kaiserlicher Geheimrat, Mutter: Maria Sophia von Boineburg
Ab 1681 Jesuitengymnasium in Aschaffenburg
1682 Domizellar in Würzburg
1687 Domizellar in Bamberg
1687-1690 Studium in Würzburg und Mainz
1690-1693 Studium am Collegium Germanicum in Rom
1694 Kanonikat im Bamberger Domkapitel
1696 niedere Weihen
1699 Kanonikat im Würzburger Domkapitel
1699 Propst am Sankt Bartholomäus-Stift in Frankfurt
1714 Wahl zum Dompropst in Mainz
18.9.1719 Wahl zum Fürstbischof von Würzburg
22. und 25.Juli 1720 Diakonats- und Priesterweihe
10.11.1720 Bischofsweihe durch seinen Großonkel Lothar Franz von Schönborn
1720 Einführung einer neuen Handwerksordnung
1720 Grundsteinlegung für die Würzburger Residenz
1721 Beginn der Schönbornkapelle am St. Kilians-Dom
Bedeutung: Großzügiger Förderer der Künste und der Architektur, rigorose Durchsetzung von Reformideen, Steuererhöhungen und erhöhter Verteidigungsetat, dadurch Erzeugung erheblichen Widerstandes gegen seine Regierung. Förderer der Wirtschaft.
Gest. 18.8.1724

Friedrich Carl von Schönborn (1674-1746)
Geb. 3.3.1674 in Mainz, Vater: Melchior Friedrich von Schönborn, kurmainzischer Oberhofmeister, Staatsminister und kaiserlicher Geheimrat, Mutter: Maria Sophia von Boineburg
Ab 1681 Jesuitengymnasium in Aschaffenburg
1683 Domizellar in Würzburg
1685 Domizellar in Bamberg
1687-1690 Studium in Würzburg und Mainz
1690-1693 Studium am Collegium Germanicum in Rom
1701 niedere Weihen in Frankfurt
1704 Mitglied im Würzburger Domkapitel
1705 Mitglied im Bamberger Domkapitel
diplomatische Tätigkeiten, Reichsvizekanzler, Vermittlung zwischen Kaiser und Papst im Spanischen Erbfolgekrieg, 1714 Schaffung des Friedens von Rastatt und Baden, Beilegung der Differenzen zwischen Kaiser und Papst
1727 Dompropst zu Würzburg
1729 Fürstbischof von Bamberg
18.5.1729 Fürstbischof von Würzburg. Unter seiner Regierung wirtschaftliche Blüte, kultureller Höhepunkt. Bau und Renovierung von rund 100 Kirchen allein im Bistum Würzburg. Neuordnung des Theologiestudiums. Reformen in Justiz, Verwaltung und Wirtschaft. Einer der bedeutendsten Fürstbischöfe Würzburgs.
26.7.1746 gestorben.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779
Franz Ludwig von Erthal 1779-1795

 
Fürstenhut und Kaiserkrone übereinander   Bischofsstab

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 1: Der Aufstieg
Der Aufstieg der Familie Schönborn ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Einst ein reichsritterschaftliches Geschlecht aus dem Taunus und dem Westerwald, Burgleute und Amtmänner, schafften sie es in bedeutende Regierungspositionen und an die Spitzen bedeutender geistlicher Fürstentümer und prägten ihre Zeit nachhaltig. Man ist direkt geneigt, von einer Schönbornzeit zu sprechen, denn rund ein halbes Jahrhundert prägen die Schönborns die Geschichte des Reiches, der katholischen Kirche und der Kunst maßgeblich.

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 2: Das Schönborn-Zeitalter
Beginnen wir neu mit dem letzten der obigen Reihe, dem Stammvater der "mega-erfolgreichen" Schönborns. Faszinierend an diesen verwandtschaftlichen Verflechtungen ist nicht nur, daß hier sechs Kirchenfürsten aus der gleichen Familie engstens zusammenkommen, daß zeitweise Reichskanzler und Reichsvizekanzler aus der selben Familie kamen, sondern daß auch vier Brüder Kirchenfürsten wurden und drei von deren Schwestern Mütter von drei weiteren Fürstbischöfen (Seinsheim, Ostein, Limburg-Styrum) wurden, abgesehen von weiteren hohen und höchsten Ämtern in der Familie:

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 3: Drei Linien
Beginnen wir neu mit Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn-Wiesentheid, dem Stammvater der drei Linien, die sich bildeten:

Kurzgefaßte Geschichte des Würzburger Domes

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Der Dom zu Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 232, 11. Auflage 1997, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4194-3.
St. Kilians-Dom: http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Stephan Mauelshagen, Ordensritter - Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN 3-89735-173-0
Hartmut Platte: Das Haus Schönborn, Grafen, Fürstbischöfe und Mäzene, Börde-Verlag Werl, 2006, Reihe Deutsche Fürstenhäuser Heft 13, ISBN 3-980 9107-3-3
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hermann Maué, Sonja Brink (Hrsg.), Ausstellungskatalog "Die Grafen von Schönborn. Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene", Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg vom 18. Februar bis 23. April 1989
Das Haus Schönborn:
http://www.schoenborn.de/
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
Aschaffenburger Wappenbuch
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariates, Presse- und Informationsstelle, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, vom 24.01.2007.

Dom, Johann Philipp Echter von Mespelbrunn - Dom, Sebastian Echter von Mespelbrunn - Dom, Bernhard von Solms - Dom, Schlußsteine der Seitenschiffe - Dom, Dechantaltar und Propstaltar

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Bamberg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein - Der Bamberger Löwe
Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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