Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 662
Wappen an Bauten der Weser-Renaissance

Lemgo: Papenstraße 24, Stadtpalais, Kerssenbrock'scher Hof

Bei dem hier vorgestellten Bauwerk handelt es sich um den Kerssenbrock'schen Hof in Lemgo, im 16. Jh. für Franz von Kerssenbrock erbaut. Franz von Kerssenbrock II war als Söldnerführer in Frankreich reich geworden. 1565 lieh er dem Grafen zu Mansfeld eine stattliche Summe und bekam dafür als Pfandschaft Kloster Helfta mit dem Amt Eisleben. Die giebelständige Fassade mit dem typischen Streifenputz besitzt einen wunderschönen, zweigeschossigen Renaissance-Erker, dessen Schauseite mit erhöhtem Mittelteil von drei Halbkreisaufsätzen bekrönt wird. Der Erker geht nicht bis auf Straßenniveau herunter, sondern ruht auf drei gewaltigen Kragsteinen des Sockels. Zwischen beiden Geschossen ist die Wappenzone. Die Vorderseite zeigt vier Wappen, die Seitenteile je eines, und ein weiteres ist anschließend auf jeder Seite des Erkers auf die Streifenputzfassade gelegt.

In der Mitte optisch zur Linken finden wir das Familienwappen des Hausbesitzers, rechts und links davon weitere 7 Ahnenwappen. Leider sind alle acht Wappen ohne Namen - glücklicherweise existiert aber in der nah benachbarten Lemgoer Nicolai-Kirche ein Epitaph für Franz von Kerssenbrock (gest. 1576), dessen 16 Wappen alle namentlich zugeordnet sind und im Vergleich auch die Zuordnung dieser Wappen ermöglicht. Heute befindet sich in diesem Anwesen das Hotel und Restaurant "Stadtpalais".

Photohinweis: Zum Photographieren steht die Fassade ungünstig nach Norden ausgerichtet, optimales Photolicht hat man also frühmorgens für die eine Seite und abends für die andere Seite.

Wappen von Marenholz, Freiherren von Marenholz (auch Marenholtz und Marenholt): Von Rot und Schwarz geteilt und belegt mit einer silbernen Rose. Auf dem rot-silbern-schwarz bewulsteten Helm ein Busch roter, schwarzer und silberner Federn (auch 5 Straußenfedern, rot-schwarz-silbern-schwarz-rot tingiert, später auf Siegeln des 18. Jh. auch mal sieben Straußenfedern in den Farben rot-rot-schwarz-silbern-schwarz-rot-rot. Große Variationsbreite hinsichtlich Art, Anzahl und Farbe der Federn des Busches, folgt stilistisch recht frei den Zeitströmungen). Helmdecken rot-silbern-schwarz. Als Schildhalter waren goldene Frauenrümpfe in Gebrauch, aus goldenen Füllhörnern wachsend. Devise: Bene sperando nec male habendo. Dieses Wappen illustriert, daß die Farbregel auch mal verletzt werden kann, daß dann ein Nebeneinander von zwei Farben weniger schlimm ist als ein Aufeinander, so ist die gemeine Figur ein Metall, während der Schild von zwei Farben geteilt ist. Da die Rose relativ füllend dargestellt werden kann, ist so die Verstoßgrenze klein und akzeptabel. Ältere Siegel zeigen übrigens ein ungeteiltes Feld. Die Familie Marenholz ist ein Lüneburgisches Geschlecht und ist im Hannover'schen, Braunschweigischen und in Sachsen begütert. Sie ist seit dem 13. Jh. bekannt. Seit 1454 hatten sie in Adenbüttel ein Kirchenlehen. In Gut Warxbüttel errichteten sie 1850 ein Wasserschloß. Groß-Schwülper gehörte seit dem Mittelalter zum Besitz derer von Marenholz. Das Gut Schwülper wurde 1604 von Asche von Marenholz erworben, der die jüngere Linie des Hauses Schwülper begründete. Am 26.6.1667 wurde die Familie in Person des Kurbrandenburgischen Reichstagsgesandten Conrad Asche von Marenholz in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Die selbe Würde erhielt am 2.11.1682 Asche Christoph von Marenholz, der Stammvater der späteren von Marenholz. Eine Linie wurde in der Mitte des 17. Jh. in der Mark Brandenburg ansässig (Rittergut Carwe bei Ruppin). Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit "Marenholt" bezeichnet.

In Blau ein silberner und rot gezäumter Pferdekopf. Helmzier ebenfalls der bez. Pferdekopf. Helmdecken blau-silbern. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit "Mollenbech" bezeichnet. Im Rietstap findet sich das beschriebene Wappen unter "Mollenbeck".

Silbern-rot geteilt und mehrfach gespalten, Helmzier ein Busch abwechselnd roter und silberner Federn, Helmdecken rot und silbern. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit "Busck" bezeichnet. "Busch" oder "Büschen" wird im Rietstap, Band 1, Tafel CCCLVIII erwähnt. Es handelt sich um die Familie von dem Bussche-Gesmold, dem Osnabrücker Adel zugehörig.

Wappen Klencke: In Silber ein schwarzes Kammrad. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein aufrecht stehendes schwarzes Kammrad, oben mit einem Pfauenwedel besteckt. Das Kleinod kann variieren, so kann sich auch das Kammrad zwischen schwarz-silbern oder silbern-schwarzen übereck geteilten Büffelhörnern befinden (Stammbuchblatt des Dyderich Klencke um 1570), auch kann das Kammrad vor einer silbernen, mit Pfauenfedern besteckten Säule vorkommen, so bei Ludolf Klencke 1607 AD. Die Linie zu Hämelschenburg führt nur das Kammrad, mit Pfauenfedern besteckt; die Linie zu Thedinghausen das Kammrad zwischen zwei silbernen Stierhörnern. Hier ist nur eine Art Säule oder Stiel für das Kammrad wiedergegeben, aber keine Pfauenfedern. Die Familie Klencke ist Uradel im Gebiet von Hannover, der Grafschaft Hoya und des Herzogtums Lüneburg, wo sich Gutsbesitz seit dem 13. Jh. nachweisen läßt. Weiterhin ist sie im Calenbergischen und Braunschweigischen ansässig und begütert. In Hannover gehörten sie zur Calenberg-Grubenhagen'schen Ritterschaft. Die Klencke zu Thedinghausen gehörten zur Ritterschaft von Hoya-Diepholz. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit "Klenken" bzw. "Klencken" bezeichnet. Auch dort ist zweimal eine Helmzier mit Stiel und ohne Pfauenfedern gewählt worden.

Wappen Kerssenbrock: In Gold ein blauer Schrägbalken, mit drei roten, golden besamten Rosen belegt. Helmzier ein offener Flug, beiderseits wie der Schild tingiert. Die Helmdecken werden in verschiedenen Bänden des Siebmachers als rot-golden (Ost), blau-golden (Preußen) sowie auch gold/blau/rot beschrieben (Hannover). Hier ist die goldene Farbe der einst rot-goldenen Decken wie auch im Schild bis auf die Grundierung mit Ausnahme winziger Reste abhandengekommen. Als Schildhalter wurde von der Familie später auch ein goldener Löwe verwendet. Devise: "Tugent für allem adel get". Die von Kerssenbrock sind westfälischer Uradel, aus dem Ravensbergischen. Bereits 1298 werden sie als Burgmannen der Burg Ravensberg bei Minden erwähnt. Der älteste Sitz ist Gröneburg. Sie gehörten auch zur eingewanderten Lüneburgischen Ritterschaft und sind im Raum Hannover begütert. Das Rittergeschlecht ist Erbauer des zwischen 1577 - 1588 errichteten Renaissanceschlosses in Barntrup, das heute noch in Familienbesitz ist. Ein berühmtes Familienmitglied ist Rembert von Kerssenbrock, Bischof von Paderborn 1547-1568, geb. 1474, gest. 1568, verantwortlich für die nachreformatorische katholische Erneuerung im Bistum. Es gibt eine livländische Linie, für die im Siebmacher (Ost) neben der oben beschriebenen Helmzier noch eine abweichende beschrieben wird: Zwischen einer blauen und einer roten Straußenfeder eine rote, golden besamte Rose. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen ebenfalls vertreten und wird mit "Kassenbrock" bezeichnet, die Helmdecken dort sind rot-golden.

Wappen von Alten: In Silber 6-9, typischerweise 7, hier 6 schrägbalkenförmig aneinandergestellte, schräglinksgestellte, rote Wecken (Rauten), in der Mitte jeweils mit einer kleinen goldenen Kugel (Nagelkopf, Tropfen) belegt. Auf dem rot-silbern bewulsteten Helm sieben schwarze, linksgebogene Hahnenfedern, jede mit einem kleinen roten Schaft befestigt. Helmdecken rot-silbern. Anzahl der Wecken und der Hahnenfedern können variieren. Eine Helmkrone statt Wulst kommt vor. Die Familie der Freiherren von Alten ist Uradel des Fürstentums Calenberg und im Lüneburgischen. Sie waren im Braunschweigischen bedienstet. Weiterhin finden wir die Familie im Oldenburgischen. Urkundliche Erwähnung finden wir 1183 und in der 1. Hälfte des 13. Jh. Am 7.8.1815 wurde Carl von Alten aus dem Hause Wilkenburg, Generalleutnant im Königreich Hannover, von Prinzregent Georg IV in den Grafenstand erhoben. Diese Würde ging 1840 nach seinem Tode auf seinen Neffen über, Generalleutnant Victor Curd von Alten. Die Grafenwürde wird nach dem Erstgeborenenrecht vererbt. Das gräfliche Wappen ist identisch mit dem hier vorgestellten, lediglich ein Hannover'scher Garde-Jäger und ein Füsilier (Schütze vom 1. leichten Bataillon der englisch-deutschen Legion und ein kurhannoverscher Gardist zu Fuß) wurden zusätzlich als Schildhalter verwendet, zur Erinnerung an die Schlacht bei Waterloo, wo der General ebendiese Regimenter befehligte. Devise: Pro patria. Die Linien zu Goltern und zu Dünau verwenden als Schildhalter zwei schwarze Hähne, golden bewehrt, mit roten Zungen, Kämmen und Kehllappen. Devise: Sola nobilitat virtus. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit "Alten" bezeichnet.

Wappen Alvensleben: In Gold zwei rote Balken, der obere mit zwei silbernen Rosen belegt, der untere mit einer. Auf dem Helm ein dreimal stumpf geasteter Baumstamm (oder richtiger ein dreimal bedornter Stengel), rot-golden oder auch golden-rot gespalten, der oben eine silberne Rose trägt. Helmdecken rot-golden oder auch rot-golden/rot-silbern. Das Gold ist hier bis auf die türkisfarbene Grundierung verlorengegangen. Eine abweichende Form der Helmzier ist ein hoher roter Spickel oder Hut, oben mit einer silbernen Rose besteckt. Die ältesten Siegel zeigen einen dreimal geteilten Schild, im mittleren Feld und im Schildfuß mit 3 (2:1) Rosen belegt und auf dem Helm nur die Rose ohne Stengel. Eine seltene Variante bildet das Stammbuch von Gebhard Werner von Alvensleben 1625 ab: In Gold ein roter Balken, begleitet von 3 (2:1) roten Rosen, Helmzier ein mehrfach geasteter, rot-golden geteilter Stamm, oben mit einer rot-golden geteilten Rose besteckt. Von einer Richtigkeit dieser Darstellung kann nicht ausgegangen werden, jedenfalls ist sie singulär. Als Schildhalter sind seit dem 18. Jh. zwei goldene, widersehende Löwen in Gebrauch. Die Familie gehört zum Uradel der Mark Brandenburg und war im Altmärkischen und in der Magdeburger Gegend ansässig. Ihr Stammgut Alvensleben liegt im Kreis Neuhaldensleben. Wichard von Alvensleben wird erstmalig 1163 und 1175 als Ministeriale des Bistums Halberstadt erwähnt. Es gibt seit dem Mittelalter drei verschiedene Linien: Die weiße, die rote und die schwarze. Davon ist die rote Linie schon früh erloschen und wurde von den beiden anderen überlebt. Gegen Ende des 15. Jh. wurde ein Zweig in Mecklenburg (Güter Subzin und Groß- und Klein-Lantow) ansässig, erlosch aber 1522 AD. In zwei Linien wurde die Familie 1798 resp. 1840 gegraft. Bei dieser Standeserhebung wurde eine zweite Helmzier mit dem schwarzen königlich-preußischen Adler hinzugefügt. Berühmte Familienmitglieder sind beispielsweise Philipp Karl Graf von Alvensleben (1745-1802), preußischer Staats- und Kabinettsminister, Ludolf X. von Alvensleben (1511-1596), Staatsmann, Johann Friedrich II. von Alvensleben (1657-1728), Hannoverscher Minister, Albrecht Graf von Alvensleben (1794-1858), preußischer Finanzminister, Busso VIII. von Alvensleben († 1493) und Busso X. von Alvensleben (1468-1548), beide Bischöfe von Havelberg. Besitz der Familie war oder ist in folgenden Orten: Ballenstedt, Eichenbarleben, Halberstadt, Polvitz, Schochwitz, Schollene, Vienau, Tankow, Wittenmoor, Woltersdorf, Calbe, Calvörde, Letzlingen, Randau u.v.a.m. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit " Alvensleve" bezeichnet. Kleine Besonderheit am Rande: Nach der Familie von Alvensleben ist sogar ein Asteroid (Nr.6996) benannt.

Geteilt, oben in Silber ein aus der Teilung wachsender roter Löwe, unten in Rot zwei silberne Balken. Helmzier ein Federstoß, wahrscheinlich Pfauenfedern. Helmdecken rot-silbern. Am Kerssenbrock-Epitaph in der Nikolaikirche ist dieses Wappen mit "Weige" bezeichnet. Vgl. das Wappen "Weihe" im Rietstap, Band 5, Tafel CLII, sowie im Alten Siebmacher, Band 1, Tafel 176, unter "Märckische", unterste Zeile ganz links, allerdings dort mit einem roten Flug als Helmzier.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher (Lippe, Hannover, Braunschweig, Anhalt, Mecklenburg, Thüringen, Preußen etc. )
G. Ulrich Großmann, Renaissance entlang der Weser, Du Mont Buchverlag Köln, 1989, ISBN 3-7701-2226-7
Ein herzliches Dankeschön an Mitglieder der Foren von GwF und HiN für wertvolle Hinweise
http://www.von-alvensleben.com/
http://www.schlosshotel-stadtpalais.de/
http://www.schlosshotel-stadtpalais.de/hotel/hotel_shsp_bauform.htm
Kerßenbrock-Krosingk, Dedo von: Die Höfe des Franz von Kerssenbrock und der Anna von Canstein in Lemgo und Barntrup, in: Zweckverband Weserrenaissance-Museum Schloß Brake (Hrsg.): Der Adel in der Stadt des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Beiträge zum VII. Symposion des Weserrenaissance-Museum Schloß Brake vom 9. bis zum 11. Oktober 1995. Marburg 1996; S. 169-178;
Stöwer, Herbert: Heraldisch-genealogische Denkmäler der Familie von Kerssenbrock in Lippe, Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Band 25, Detmold 1959.
Stöwer, Herbert: Die Familie von Kerssenbrock. Mit besonderer Berücksichtigung der lippischen Linien, Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Band 27, Detmold 1958, S. 162-185.
Meiner Mutter Ursula Peter ein herzliches Dankeschön für umfangreiche Vorarbeit
Herrn Claus von dem Bussche ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

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