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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 67
Würzburg
- ein heraldischer Leckerbissen
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Dom zu Würzburg, südliches Seitenschiff
In die Wand des südlichen Seitenschiffes eingelassen sind zwei Wappensteine des 15. Jh mit typisch spätgotischen Helmdecken.

Wappen des Bischofs Rudolf II von Scherenberg (1466-1495). Geviert. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 2 und 3: Stammwappen von Scherenberg, in Gold eine rote nach oben geöffnete Schere. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Helmzier eine Kombination aus den Helmzieren aller drei Wappen. Die Scherenberg-Helmzier ist ein rotgekrönter und rotgezungter silberner Löwenrumpf (Kopf und Hals), die Standarten und Federn gehören zum Hochstift Würzburg, die Büffelhörner zum fränkischen Rechen. Hier wurde bei der Wappenvereinigung eine Kombinations-Helmzier gebastelt. Zu späterer Zeit wurden stattdessen drei Helme nebeneinander auf den Schild gesetzt. Helmdecken von Scherenberg rot-golden.
Die Familie von Scherenberg ist ein uraltes fränkisches Reichsrittergeschlecht, das bereits 1212 erwähnt wird (Hartmut von Scherenberg). Das Geschlecht hat verschiedene Linien (Scherenberger, Zabelsteiner, Donnersdorfer). Die Stammburg war schon 1436 zerstört. Der einzige bedeutende Vertreter der Familie ist der Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg, der auf dem väterlichen Besitz in Frankenwinheim geboren wurde. Mit ihm starb das Geschlecht aus. Die Familie hatte Grundbesitz im Grenzbereich Unterfranken/Oberfranken (Donnersdorf, Eberbrunn, Eberhartsbrunn, Altmannsdorf, Frankenwinheim, Dingolshausen, Oberschwappach, Bimbach, Neuses, Kleingressingen etc.).

Wappen des Bischofs Johann III. von Grumbach (1455-1466). Geviert. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 2 und 3: Stammwappen von Grumbach, in Gold ein schwarz gewandeter oder je nach Darstellung unbekleideter Mohr, der in seiner ausgestreckten rechten Hand drei rote Blumen hält. Die linke Hand ist in die Hüfte gestützt. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Helmzier eine Kombination aus den Helmzieren des Bistums Würzburg, die Standarten und Federn gehören zum Hochstift Würzburg, die Büffelhörner zum fränkischen Rechen. Die Helmzier von Grumbach wäre ein flacher roter Turnierhut, silbern oder mit Hermelin gestulpt, darin ein geschlossener Flug, meist schräg von schwarz und gold geteilt, aber auch ganz schwarz, hier nicht (mehr?) repräsentiert. Helmdecken von Grumbach schwarz-golden.
Die von Grumbach sind eines der bekanntesten fränkischen Rittergeschlechter, weil sie als Unter-Erbschenken ein typisches Vasallengeschlecht der Würzburger Bischöfe waren, und weil sie einst eine der wohlhabendsten Familien waren. Der Stammsitz ist Burggrumbach, sie waren Dienstmannen der Dynasten von Grumbach oder Ministerialen des Klosters Kitzingen. Ihr Besitz lag verstreut zwischen Würzburg und Schweinfurt, dazu gehörten z. B. Estenfeld, Rimpar, Burggrumbach; Schwanfeld, Unterpleichfeld, Bergtheim, Gramschatzer Wald (letztere anteilig). Als typische Vasallen in vererbbarem Ehrenamt war die Familie eng mit Würzburg verbunden, so wundert es nicht, daß sie eine hohe Zahl von Klerikern und zwei Würzburger Bischöfe stellte, Wolfram von Grumbach 1322-1333 und Johann von Grumbach 1455-1466. Berühmte Vertreter der Familie im Dienste des Deutschen Ordens sind Hartmann von Grumbach, Landmeister des Deutschen Ordens in Preußen 1258 und Andreas von Grumbach, Deutschmeister, gest. 1500. Andere berühmtere Familienmitglieder sind Konrad von Grumbach, Ritterhauptmann im Kanton Rhön-Werra im 16. Jh., Weiprecht von Grumbach, Reichsvogt in Schweinfurt im 15. Jh. Die berühmteste Grumbach-Geschichte ist aber die der "Grumbachschen Händel", in deren Folge Wilhelm von Grumbach in Opposition zum Hochstift Würzburg geriet und 1567 hingerichtet wurde. Diese Affäre ruinierte die von Grumbach politisch und wirtschaftlich. Die Estenfelder Linie erlosch 1682 als letzte im Mannesstamm.
Beim Wappen fällt die Ähnlichkeit zu dem der Wolfskeel auf, diese sind Stamm- und Wappengenossen derer von Grumbach.
Man beachte, daß das Silber der Würzburger Standarte in beiden Wappen durch die Zeit vollständig schwarz geworden ist.
Kurzgefaßte Geschichte des Würzburger Domes
689 Märtyrertod des irischen Missionars Kilian gemeinsam mit seinen Begleitern Totnan und Colonat. Sie hatten den christlichen Glauben nach Franken gebracht und gelten als die drei Frankenapostel.
742 Gründung des Bistums Würzburg durch den angelsächsischen Benediktinermönch Bonifatius. Burkard, sein Schüler, wird zum ersten Bischof Würzburgs ernannt.
787/788 Weihe des Salvatordomes, des ersten Würzburger Domes, unter Bischof Berowelf (768/69 - 800) in Gegenwart Karls des Großen. Der Bauplatz dieses Vorgängerbaus war etwas nördlicher, dort, wo heute das Neumünster steht. Er war einer der größten Kirchenbauten seiner Zeit.
855 Vernichtung des Salvatordomes durch Blitzschlag und Brand. Danach Einsturz der Mauern nach heftigen Regenfällen.
855-892 Neubau des Domes als spätkarolingische dreischiffige Basilika unter Bischof Arn (855 - 892)
918 zweiter Dombrand
1040 Baubeginn des salischen, zweiten Dombaus unter Bischof Bruno (1034 - 1045) als Ersatz für den abgebrannten Salvatordom unter Verwendung älterer Bauteile. Entstehung des östlichen Teiles der Doppelkrypta.
1045 Bischof Adalbero wird neuer Bischof von Würzburg und setzt den Dombau fort
1075 Abschluß der Bauarbeiten. Der salische Dom ist wegen seiner Dimensionen und seiner künstlerischen Qualität eines der bedeutendsten Bauwerke seiner Zeit. Charakteristika: kräftige kreuzförmige Anlage, strenge Gestaltung des 103 m langen Langhauses, hoher Chor, breites Querhaus, schlanke Westtürme.
1133 und folgende: Mehrfacher Umbau des Domes. Bischof Embricho (1127 -1146) läßt Baumeister Enzelin (der übrigens die erste Würzburger Mainbrücke aus Stein erbaut hat) im Dom vorhandene Schäden reparieren, die Westtürme erhöhen und den Chor umgestalten.
1187/1188 Weihe des romanischen Domes. Drei Altarweihen krönen den Abschluß der Bauarbeiten unter Bischof Gottfried von Spitzenberg (1186 - 1190).
1225 Errichtung der Osttürme unter Bischof Hermann von Lobdeburg (1225 - 1254)
1237 Die ursprünglich niedrigeren Osttürme (Chorflankentürme) werden aufgestockt. In deren achteckigen Obergeschossen und Helmen kündigt sich schon der Stil der Gotik an.
1420-53 spätgotischer Domkreuzgang an der Südseite des Domes
1458-66 Kapitelhaus mit Sepultur (Grablege der Domherren).
1500 Umgestaltung der Seitenschiffe, Ausstattung mit Tonnengewölben mit tief einschneidenden Stichkappen, netzartigem Rippenwerk mit Wappenschlußsteinen. Einbau spätgotischer Fenster in die Wand des nördlichen Seitenschiffes, Vorsetzen einfacher Strebepfeiler.
1608 Einwölbung des Hauptschiffes, des Querschiffes und der Vierung unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573 - 1617) durch Lazaro Augustin Maler wie Wolf Eisenmann und Michael Heussler gestalten die Gewölbe.
1610 Bau der Kanzel in der Mitte der südlichen Langhausseite, vom Würzburger Stadtrat in Auftrag gegeben, von Michael Kern geschaffen, 1700 am heutigen Standort aufgestellt.
1619 Entfernung des Lettners unter Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen (1617 1623)
1655 Abbruch von Pfarraltar und Chorschranken, Vereinheitlichung des Innenraums
1701-1704 Pietro Magno, ein aus Mailand stammender Stuckateur und Architekt, stattet unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau (1699 - 1718) die Tonne des Langhauses und des Querhauses mit Stuck aus. Im Zuge der Barockisierung wird der Chor aus der Vierung heraus nach Osten verlegt.
1721-1736 Balthasar Neumann baut an die Nordwand des Querhauses die Grabkapelle für die Bischöfe aus dem Hause Schönborn im barocken Stil.
1749 Balthasar Neumann baut um die Sockel der Osttürme je einen unauffälligen Barockbau für die Sakristei und die Ornatkammer.
1879-1885 Neoromanische Umgestaltung der Westfassade und der Westtürme. Diese Veränderungen wurden beim Wiederaufbau nach 1946 rückgängig gemacht.
16.3.1945 Zerstörung im WK II: Fliegerbomben zerstören Würzburg zu 85%, auch den Dom, der vollständig ausbrennt.
1946 Einsturz der nördlichen Pfeilerreihe, des nördlichen Seitenschiffs und Langhausgewölbes als Spätfolge des Bombenangriffs. Nur die Vierung, das Querschiff und der Chorraum bleiben stehen.
1956 Abtragung der südlichen Wand wegen statischer Gefährdung
1960-1967 vereinfachende Wiederherstellung: Die hohe Tonne, 1701-1704 von Pietro Magno stukkiert, wird durch eine schlichte hölzerne Flachdecke von Fritz Nagel ersetzt. Die schlichte Struktur des salischen Baues wurde wieder herausgearbeitet. Die neoromanischen Veränderungen am Westwerk werden rückgängig gemacht. Verlegung des Hauptaltars in die Vierung. Einrichtung des Chors als Presbyterium.
1987 Umgestaltung des Chorraumes und moderne Fassung des Altarraums
Literatur
und Links:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/bwo/dcms/sites/bistum/index.html
Geschichte des Bistums: http://www.bistum-wuerzburg.de/bwo/dcms/sites/bistum/bistum/portait/geschichte/index.html
Bistum Würzburg bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
St. Kilians-Dom: http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe.
Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer
Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger
Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Der Dom zu Würzburg, Schnell
Kunstführer Nr. 232, 11. Auflage 1997, Verlag Schnell &
Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4194-3.
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont
Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
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Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariates, Presse- und Informationsstelle, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, vom 24.01.2007.
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