Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 677
Oestrich-Winkel im Rheingau

Schloß Vollrads: Der Wohnturm

Ältester Teil der Anlage ist ein wuchtiger Wohnturm, der als Weiherhaus auf einer quadratischen Insel im Wasser steht und über eine kleine Brücke zu erreichen ist. Der wohl besterhaltene Wohnturm der Region stammt aus dem ersten Drittel des 14. Jh. Er hat 5 Stockwerke und 21 m Höhe. Er wurde mehrfach umgebaut. Der polygonale Treppenturm, der den Wohnturm flankiert, wurde 1471 angebaut. Der lichte Erker mit Blick nach Süden über Weinberge und Rheintal ist eine Zutat von 1620 ff. Das barocke Dach erhielt der Wohnturm unter Johann Erwein von Greiffenclau. Der Erker wurde 1907/1908 aufgestockt.

 

Das Prunkwappen am Wohnturm
Am Wohnturm befindet sich das Prunkwappen der von Greiffenclau-Vollrads. Der Schild ist geviert:

Oberwappen: Eine goldene Greifenklaue mit silbern-blauer Befiederung. Helmdecken blau-silbern im Stammwappen und rechts blau-silbern, links schwarz-silbern im vermehrten Wappen. Zwei Greifen als Schildhalter. Interessant ist, wie innig die beiden Greifen das Wappen umklammern: Die eine Vorderpranke greift jeweils nach dem Bügelhelm, die andere nach der Schildoberkante. Jeweils ein Hinterbein greift auch noch nach dem Schild, so daß beide Greifen auf nur einem Hinterbein balancieren und das Wappen von insgesamt 6 Pranken ergriffen wird. Der Helm sitzt nicht direkt dem Schild auf, sondern hinter dem Schild hervorkommend sind Riemen zum Aufhängen desselben zu sehen. Die Greifenkralle verkrallt sich direkt in das Tuch der Helmdecke, eine Cachierung des Übergangs mit Wulst oder Krone entfällt. Oben ist das Greifenbein mit seinen Federn fast pluderhosenartig zu mehr Volumen aufgebläht, um angemessene Proportionen zu erreichen.

Abb.: Prunkwappen am Wohnturm. Bestes Photolicht nachmittags. Gute Sicht von der zur Insel führenden Brücke.

Eine rheinische Familie im Dienste der Hochstifte
Die Familie von Greiffenclau zu Vollrads (auch Greiffenklau und Vollraths) ist ein uraltes rheinisches Rittergeschlecht im Dienste der rheinischen Stifte. Seit 1337 sind sie als Besitzer von Vollrads (Vollraths) am Rhein nachgewiesen. Durch Heirat kamen weitere Güter hinzu, so um die Wende zum 15. Jh. durch Heirat der Erbtochter die Herrschaft Ippelbrunn, worauf der Schild geviert wurde. Im 18. Jh. kamen die Güter der Freiherren von Dehren hinzu, ebenfalls durch Heirat. Weiterer Grundbesitz liegt in Franken, v. a. im Kanton Baunach, mit Schloß in Gereuth. Den Domkapiteln waren die Greiffenclau zu Vollraths sehr verbunden, allein in Würzburg stellten sie zwischen 1666 und 1805 vierzehn Mitglieder desselben. Ähnlich aktiv sind sie in den Hochstiften Mainz, Speyer, Trier, Worms, Bamberg. Nach der Reformation blieben die Greiffenclau zu Vollraths den Stiften treu und erlangten noch einen Bedeutungszuwachs, indem sie viele vakant gewordene Stellen einnahmen. Bedeutende Vertreter der Familie sind Richard von Greiffenclau, Erzbischof zu Trier (1511-1531), Georg Friedrich von Greiffenclau, Fürstbischof in Worms (1616-1629) und Mainz (1616-1629), Johann Philipp II von Greifenclau, Fürstbischof in Würzburg (1699-1719) sowie in gleicher Position Karl Philipp von Greiffenclau (1749-1754). Mit Johann Erwein Freiherr von Greiffenclau zu Vollraths hat die Familie einen Erbtruchseß des Erzbistums Mainz, er stieg zum kurmainzischen Geheimrat und Vicedomus im Rheinland auf, weiterhin war er Ritterhauptmann im Kanton Mittelrhein und Burggraf zu Friedberg (gest. 1727).

 

Ein Allianzwappen am Wohnturm
Seitlich im "Erdgeschoß" befindet sich ein schmuckloses Allianzwappen, datiert auf 1589, versehen mit den Initialen D.G.V.V. und A.V.R. Diese Initialen stehen für Dietrich (Dieter) Greiffenclau von Vollrads (17.10.1549-28.7.1614) und Apollonia von Reiffenberg (1553-11.7.1601). Das Reiffenberg-Wappen zeigt in Silber drei rote Schrägrechtsbalken. Das sind die Eltern des späteren Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Georg Friedrich von Greiffenclau-Vollrads (8.9.1573-6.7.1629). Weitere Kinder der beiden Wappenträger sind Johann (8.8.1575-1.6.1646), Johann Georg (1576-25.12.15802), Heinrich (30.10.1577-29.5.1638), Magdalena (30.10.1578-9.7.1612), Philipp (13.11.1579-19.10.1625), Maria Margarete (10.3.1581-(10/20).7.1661), Anna Elisabeth (30.3.1582-30.11.1663), Felicitas (ca. 1583-nach 1587), Johann Eberhard (ca. 1584-nach 1587), Elisabeth (geb. 10.7.1586), Amalia (1588-1616), Catharina (ca.1590-1590), Johann Marsil (18.3.1591-2.9.1624), Reichard (ca.1594-1594) sowie Maria Magdalena (22.4.1595-27.2.1678). Dietrich von Greiffenclau-Vollrads selbst ist wiederum der Sohn von Richard/Reichard von Greiffenclau zu Vollrads, gest.1.1.1558, der 1541 mit dem von Georg von Bechel erkauften Burglehen zu Lahnstein belehnt wurde und kurtrierischer Amtmann zu Stromberg war, und seiner Gemahlin Anna von Schönenberg. Cave: Der Name Richard taucht in der Familie häufiger auf, es handelt sich hier nicht um den gleichnamigen Trierer Kurfürsten.

Abb: Wappen am Wohnturm. Bestes Photolicht: Nachmittags.

Ein Amtswappen am Erker des Wohnturmes
Am Erker des Wohnturmes befindet sich das Wappen von Georg Friedrich von Greiffenclau-Vollrads, 1626-1629 Erzbischof und Kurfürst des Bistums Mainz und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches, dazu seit 1616 Bischof von Worms. Das Wappen besteht aus dem Hauptschild mit den kirchlichen Amtswappen und Herzschild mit dem Familienwappen.

 

Abb.: Erker des Turmes. Bestes Photolicht morgens, wegen des Gartens und des Wassergrabens ist es nur auf relativ große Entfernung sichtbar.

Oberwappen: Vortragekreuz senkrecht hinter dem Schild, Schwert und Krummstab hinter dem Schild gekreuzt, 4 Helme:

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher.
http://www.schlossvollrads.de/index2.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Vollrads
http://www.stefanbaldi.de/rheingau-chronik.de/Menschen/Familien/Grafen%20zu%20Greiffenclau.php
http://www.stefanbaldi.de/rheingau-chronik.de/Bauwerke/Schloesser_und_Burgen/Schloss%20Vollrads.php
http://www.rheingau.de/sehenswertes/vollrads
http://cognac-cognac.com/pages/tree.htm
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 7. Auflage 2004, Degener Verlag ISBN 3-7686-2512-5
Weingut Schloß Vollrads: http://www.schlossvollrads.com/

Oestrich-Winkel (Rheingau): Schloß Vollrads, Wohnturm - Schloß Vollrads, Herrenhaus - Schloß Vollrads, Nebengebäude

Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (1) - Teil (2)
Die Wappen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Greiffenclau zu Vollraths - eine rheinische Familie im Dienste der Hochstifte

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