Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 681
Beilstein an der Mosel

Beilstein: Zehnthaus

Im Zentrum des zwar winzigkleinen, aber malerischen Moselortes Beilstein liegt der historische Marktplatz, den Johann von Braunshorn 1322 anlegen ließ. Die Herren von Braunshorn waren die früheren Besitzer von Ort und Burg, schon 1268 war die Burg Besitz der Herren von Braunshorn. Sie starben im Jahre 1363 aus, Ort und Burg kamen über Lise von Braunshorn (Brunshorn) als Erbschaft in den Besitz von Cuno von Winnenburg, jetzt Cuno von Winnenburg und Beilstein. Das den Marktplatz beherrschende Gebäude ist das alte Zehnthaus, das 1577 erbaut wurde. Der heute düstere, weitgehend unverputzte Schieferbau mit roten Sandsteingewänden und polygonal vorgebautem Treppenturm wurde von Philipp I. Freiherr v. Winnenburg u. Beilstein, römisch-kaiserlicher Reichs-Hofratspräsident, errichtet, um hier Wein und Getreide zu lagern, das die Bauern als Zehnten abzuliefern hatten. Wie die historischen Reste eines ursprünglich hellen Kalksteinputzes im geschützen Bereich unter den Dachüberständen und rings um das Wappen zeigen, vermittelte das Gebäude früher einen ganz anderen Eindruck, nämlich hell mit abgesetzten roten, ursprünglich auch farbig gefaßten Sandsteingewänden, was erheblich repräsentativer und herrschaftlicher gewirkt haben muß als heute. Der Keller diente im 19. Jh. als Kelterraum. Heute wird der Bau als Museum genutzt.

An der Schieferfassade befindet sich hoch oben ein prächtiges Allianzwappen im Stile üppiger Renaissance, durch ein kleines geschiefertes Dach vor den Witterungseinflüssen geschützt. Es ist das Wappen von Philipp I. Freiherr von Winnenburg und Beilstein (gest. 16.3.1583), 1549 Trierer Landhofmeister, 1551 Freiherr, 1561 Kammergerichtspräsident zu Speyer, 1563 kaiserl. Reichshofratspräsident, und seiner Frau, Ursula Gräfin von Rietberg.

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Die Inschrift unter dem Wappen lautet: "PHILIPS D(E)R ELTER FREYHERR ZV WINNENBERG / VND ZV BEIHELSTEIN (DES) RO(EMISCHEN) KAY(SERS) MA II REICHS HOFFRATHS / PRESIDENT HAIT ANNO 1577 DISZ WERCK / IM WIEDVMBSTANDT AVFGEBAVET VND VOLNFVERT / MORS VLTIMA LINEA RERVM". Zu Zeiten, als Philipp Reichshofratspräsident sein konnte, hießen die Kaiser Ferdinand (1556-1564), Maximilian (1564-1576) und Rudolph (1576-1612). Auf den ersten Blick lesen wir für den Kaiser die Buchstaben "MATT", was an Kaiser Matthias denken lassen könnte. Jener regierte allerdings später, 1612-1619, jener Philipp war also rein zeitlich nicht sein Reichshofratspräsident. Über dem "AT" befindet sich ein langer Strich, ein Auslassungszeichen wie über dem "DMI" für DOMINI etc. Zwischen MA und TTHIAS kann man nichts auslassen, wohl aber zwischen MA und (XIMILIAN) II. Daher ist die korrekte Lesart nicht "MATT", sondern "MA II" für Maximilian (1564-1576), was zeitlich zur Bauzeit des Zehnthauses (1574-77) paßt. Dieser Philipp wird bereits als "der Ältere" bezeichnet, in Unterscheidung zu seinem erstgeborenen (1538) Sohn, ebenfalls Philipp mit Namen, aber der Jüngere. Erwähnt wird, daß Philipp das Werk im Witwerstand ("IM WIEDVMBSTANDT") vollendet hat, dies - vor allem in Kombination mit dem Totenkopf und der Inschrift "mors ultima linea rerum" deutet darauf hin, daß hier seine Frau, die im Allianzwappen noch präsent ist, nicht mehr unter den Lebenden weilte, als ihr Mann das Haus erbauen ließ.

Wappen der Herren von Winnenberg und Beilstein:
Das Stammwappen der Herren von Winnenburg (Winneberg, Winnenberg, Winneburg) ist: In Rot ein schrägrechter, staffelförmiger, silberner Balken (silberner schrägrechter Zickzackbalken), oben und unten begleitet von je drei goldenen Kreuzchen. Manchmal ist die Anzahl der Kreuzchen erhöht. Kleinod ein von Schwarz und Silber gespaltener Steinbocksrumpf mit goldener Bewehrung. Decken rot-silbern. Später wurde es mit dem Braunshorn-Beilsteiner Wappen geviert:

Zwei Helme:

Winneburg war eine reichsunmittelbare Herrschaft. Die Herren von Winneburg nannten sich nach der Stammburg Winneburg in einem Seitental bei Cochem. 1362 erlangten sie in weiblicher Erbfolge die Herrschaft Beilstein. Später fand das Wappen der Herren von Winneberg und Beilstein Eingang in das Wappen der Grafen und Fürsten von Metternich-Winneberg-Beilstein. Diese hatten 1652 die Reichsherrschaften Winneberg und Beilstein an der Mosel erworben. Die Freiherren von Winneberg und Beilstein waren bereits nach 1634 mit Philipp III. Freiherr von Winnenburg und Beilstein, Burggraf von Alzey, ausgestorben, und ihre reichsständischen Herrschaften waren als Reichsafterlehen dem Erzstift Trier 1637 heimgefallen. Lothar von Metternich, seit 1599 Erzbischof und Kurfürst von Trier, kaufte diese Herrschaften und belehnte damit seine Neffen.

Abstammung von Philipp I. Freiherr von Winnenburg und Beilstein
1. Cuno de Winesberg (- nach 1249), verheiratet mit Juliane von Bagheim
2. Daniel von Winnenburg, verheiratet mit Elisabeth von Waldeck
3. Wirich von Winnenburg, Ritter (gest. nach 1321)
4. Cuno I. von Winnenburg (- 12.11.1338), verheiratet mit Lise v. Braunshorn (- nach 20.9.1368), Tochter von Gerlach Herr von Braunshorn (auch Brunshorn), Ritter (- ca. 1361/62) und Johannette von Ouren Frau von Reuland (- 1335/36). An dieser Stelle beerben die Winnenburg 1362 die Braunshorn-Beilstein.
5. Gerlach von Winnenburg und Beilstein, verheiratet mit Luccardis von Brohl (- nach 1375)
6. Johann I. von Winnenburg und Beilstein (- nach 1444), verheiratet mit Irmesind von Elter (- nach 1414)
7. Johann II. von Winnenburg und Beilstein (- nach 1470), verheiratet mit Catharina? von Schöneck (- vor 1453)
8. Johann III. von Winnenburg und Beilstein (-1463/1468), verheiratet mit Irmgard Vogt von Hunolstein (- nach 1478)
9. Conrad III. von Winnenburg und Beilstein (- ca.1525), verheiratet mit Barbara von Manderscheid
10. Philipp I. Freiherr von Winnenburg und Beilstein (vor 1525 - 16.3.1583), 1549 Trierer Landhofmeister, 1551 Freiherr, 1561 Kammergerichtspräsident zu Speyer, 1563 kaiserlicher Reichshofratspräsident, verheiratet mit Ursula von Rietberg

Kinder:
1. Philipp II. Freiherr von Winnenburg und Beilstein, Burggraf von Alzey (13.12.1538-8.9.1600). Er zeichnete 1563 als Burggraf von Alzey für Wonsheim die "Vergleichung zur Holzverteilung" mit Stein-Bockenheim. Sein Sohn, Philipp III. Freiherr von Winnenburg und Beilstein Burggraf von Alzey, war der letzte lebende männliche Nachkomme des Geschlechtes Winnenburg.
2. Johann Daniel von Winnenburg und Beilstein (-13.7.1582)
3. Johann von Winnenburg und Beilstein (-nach 1602)
4. Conrad (Cuno) Freiherr von Winnenburg und Beilstein (vor 1577 - ca. 1605)
5. Anna von Winnenburg und Beilstein

Wappen der Grafen von Rietberg:
Ursula von Rietberg heiratete am 4.3.1538 Philipp Herrn zu Winnenburg und Beilstein. Der Schild zeigt in Rot einen goldenen Adler, Helmzier auf gekröntem Helm ein Adler mit goldenem Kopf und Hals (Kopf hier abgebrochen) zwischen zwei roten Federn (hier eher Palmwedeln ähnelnd). Helmdecken rot-golden.

Abstammung von Ursula von Rietberg
1. Konrad II. Graf von Rietberg (vor 1269 - 1303/1313), verheiratet mit Mechtild ? (-1303)
2. Otto I. Graf von Rietberg, verheiratet mit Alheidis von Hallermund (-23.2.1342)
3. Konrad III. Graf von Rietberg (vor 1342 - nach 1365), verheiratet mit Irmeswinde von Reifferscheidt (-nach 1358)
4. Otto II. Graf von Rietberg (vor 1358 - 18.7.1389), verheiratet mit Adelheid zur Lippe (- nach 11.6.1392 / nach 1394)
5. Konrad IV. Graf von Rietberg (-1431), verheiratet mit Beatrix von Bronckhorst
6. Konrad V. Graf von Rietberg (-1449/1481), verheiratet mit Jakobäa von Neuenahr (ca.1430-)
7. Johann I. Graf von Rietberg (ca.1450-16.2.1516), verheiratet mit Margareta zur Lippe (ca.1452 - nach 3.4.1527)
8. Otto III. Graf von Rietberg (-18.12.1535), letzter Graf von Rietberg, verheiratet mit Anna Elisabeth von Sayn (1494-16.1.1523)
9. Ursula von Rietberg, verheiratet mit Philipp I. Freiherr von Winnenburg und Beilstein (vor 1525 - 16.3.1583)

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher.
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 7. Auflage 2004, Degener Verlag ISBN 3-7686-2512-5
Ein herzliches Dankeschön an
Herrn Rainer Vitz, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereines Beilstein e.V. und Historischer Stadtführer Beilstein, für wertvolle Hinweise, ebenso an Herrn Ulrich Kleine-Hering, Alzey.
www.stadtfuehrungen-beilstein.de

Beilstein (Mosel): Zehntkeller - Metternicher Hof

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