Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 693
Fränkische Schweiz: Gößweinstein

Gößweinstein: Das Papstwappen am Tor der Basilica minor

Die Wallfahrtskirche von Gößweinstein wurde 1948 zur Basilica minor erhoben. Diesen Titel teilt sie übrigens in Franken mit Vierzehnheiligen. Die Erhebung einer Kirche zur Basilica minor ist ein Ehrentitel, der vom amtierenden Papst verliehen wird. Der Titel sagt nichts darüber aus, ob die Kirche einer basilikalen Form in ihrer Architektur folgt - ein häufiges Mißverständnis. Kriterien für die Vergabe des Ehrentitels sind beispielsweise die Bedeutung einer Kirche für das Umland. Typischerweise erfüllen Wallfahrtskirchen wie Gößweinstein oder Vierzehnheiligen diese Bedingung besonderer regionaler Bedeutung. Charakteristisches Zeichen für eine Basilica minor ist, daß am Tor (oder an einer anderen prominenten Stelle) das Wappen des jeweils amtierenden Papstes angebracht ist, hier von Papst Benedikt XVI. Mit dem Amtswechsel in Rom wird jeweils auch das Wappen an der Kirche ausgewechselt, im Gegensatz zu dem fürstbischöflichen Wappen des Bauherrn obendrüber. Weitere fakultative Erkennungszeichen sind die gekreuzten Petrusschlüssel oder ein Schirm aus abwechselnd goldenen und roten Seidenstreifen, das sog. Padiglione oder Ombrellino bzw. lat. Umbraculum im Innern. Während es weltweit fast 1500 Basilicae minores gibt, wurde der Titel einer Basilica major nur siebenmal vergeben.

Blasonierung: In Gold eine eingebogene rote Spitze, darin eine gestürzte goldene Jakobsmuschel, vorn ein natürlicher Mohrenkopf, rot gekrönt und mit rotem Kragen (Freisinger Mohr), hinten ein natürlicher Bär, mit einem roten Packsattel, der dem Bären mit schwarzen Riemen angeschnallt ist (Korbiniansbär). Hinter dem Schild schräggekreuzt ein aufrechter silberner und ein goldener Schlüssel, mit den Bärten auswärts gekehrt, überhöht von einer Mitra, die mit einem Zeichen aus drei goldenen, in der Mitte verbunden Balken belegt ist, mit herabhängenden roten Bändern, golden befranst und mit je einem goldenen Kreuz belegt. Unter dem Schild hervorschauend ein silbernes Pallium mit drei roten Kreuzen und schwarz abgeteiltem, herabhängenden Endstück.

Dieses Wappen wurde entworfen von Andrea Kardinal Cordero Lanza di Montezemolo, Erzpriester der Patriarchalbasilika St. Paul vor den Mauern und emeritierter vatikanischer Diplomat. Er hat dabei Elemente des früheren Wappens übernommen, das Joseph Ratzinger als Erzbischof von München geführt hatte, ein Entwurf von Claus Bleisteiner. Ratzinger führte vor seinem Ruf nach München noch kein Wappen. Ratzingers erzbischöfliches Wappen zeigte in einem gevierten Schild in den Feldern 1 und 4 in Gold den Freisinger Mohr, in Feld 2 in Blau einen goldenen Korbiniansbären mit silbernem Packsattel; Feld 3 dagegen war von Blau und Silber im Wellenschnitt geteilt, auf der Teilungslinie belegt mit einer von Gold und Blau ebenso geteilten gestürzten Jakobsmuschel. Bei seiner Ernennung zum Kardinal blieb der Schildinhalt unverändert; das Oberwappen wurde entsprechend der Hierarchie angepaßt.

Interessant ist an der ansonsten recht gewöhnlichen Graphik, daß Benedikt XVI keine Tiara mehr im Wappen führt, sondern eine Mitra. Seine beiden Vorgänger, Johannes Paul I und II haben zwar nie Tiara getragen, diese aber noch im Wappen geführt. Die Darstellung der Mitra mit den drei goldenen Bändern erinnert aber dennoch an die Symbolik einer Tiara mit ihren drei Kronen, die früher für die weltliche, geistliche und moralische Autorität standen, heute aber eher als Symbole für die Gewalten des Weiheamts, der Jurisdiktion und des Lehramts interpretiert werden. Insofern sind die durch eine Tiara ausgedrückten Ansprüche nicht aufgehoben, sondern nur uminterpretiert und etwas dezenter dargestellt. Die drei Bänder sind in der Mitte miteinander verbunden, um die Einheit in der selben Person aufzuzeigen.

Die gekreuzten Schlüssel Petri sind ein typisches Symbol in päpstlichen Wappen. Ungewöhnlicher ist hier die Darstellung eines Palliums, eines typischen liturgischen Zeichens des Papstes, der es an Metropoliten (Erzbischof mit eigener Kirchenprovinz) verleiht. Der Papst selbst ist natürlich auch mit dem Recht ausgestattet, das Pallium zu tragen. Historisch war es einst ein Lammfell, später ein aus Lammwolle gewebtes Band, das mit schwarzen Kreuzen bestickt war. Benedikt XVI änderte diese in purpurrote Kreuze um.

Literatur, Quellen und Links:
http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/elezione/stemma-benedict-xvi_ge.html
http://www.heraldik-wappen.de/viewtopic.php?t=2675&postdays=0&postorder=asc&start=30
http://www.heraldik-wappen.de/viewtopic.php?t=2675&postdays=0&postorder=asc&start=15

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