Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 694
Fränkische Schweiz: Gößweinstein

Gößweinstein: Mengersdorf-Epitaph (1. Teil)

An der Ostseite des Chores steht außen das Mengersdorf-Epitaph, 1588 vom Bischof Ernst von Mengersdorf zum Andenken an seine Eltern gestiftet. Der obere Teil enthält unter einem von drei Säulen getragenen Dreiecksgiebel die elterlichen Wappen. Der untere Teil zeigt im Zentrum einen Gekreuzigten, der von den rechts und links davon knienden Stiftern angebetet wird. Darüber sieht man in Wolken Gottvater mit einer Weltkugel, umgeben von einer Schar Engel. Der Stil ist Renaissance, der Bildhauer ist Hans Werner (ca. 1560-1623) aus Bamberg. Das Epitaphium befindet sich unter einem weit vorkragenden hölzernen Schutzdach, was es aber nicht vor der mutwilligen Zerstörung schützt; die vielen in den Sandstein der Wappenschilde gekratzten Initialen zeugen leider von der Ignoranz und Respektlosigkeit etlicher Besucher.

Blick auf den dreiflächig geschlossenen Chor der Wallfahrtskirche Gößweinstein mit den angrenzenden Kapellen. Unter dem Chorfenster befindet sich das Mengersdorf-Epitaphium.

Die Familie von Mengersdorf gehört zum alten fränkischen Adel und erlosch ca. um 1630. Sie ist eigentlich ziemlich unbedeutend, in der Reichsritterschaft finden sich kaum Belege für hervorhebenswerte Ereignisse in Zusammenhang mit der Familie. Überhaupt gibt es erst ab dem 16. Jh. konkrete Angaben. Davor finden um 1315/16 ein Domherr Otto von Mengersdorf aus der Familie unbestätigte Erwähnung, 1341 ein Konrad von Mengersdorf als Domherr zu Bamberg und Eichstätt, 1360 Friedrich von Mengersdorf als Domherr zu Bamberg, um 1390 Herrmann von Mengersdorf, 1415 Kunigunde von Mengersdorf im Kloster Himmelkron und um 1450 ein Peter von Mengersdorf, der als Stammvater gilt und mit Elisabetha von Littwang verheiratet war. Von seinen Nachkommen werden erwähnt Otto 1476 Domherr zu Bamberg, 1500 Friedrich Chorherr in St. Burkard in Würzburg, Margaretha 1500 Klosterfrau in St. Theodor in Bamberg, Johann Heinrich 1548 Domherr in Würzburg und Bamberg. Das Stammgut Mengersdorf an der Trubach wurde von der Familie von Aufseß übernommen, als es 1601 die Witwe von Pankratz von Mengersdorf verkaufte. Nach einer Phase konfessioneller Auseinandersetzungen (cuius regio, eius religio) - die von Mengersdorf waren überzeugte Anhänger des Katholizismus gewesen, die von Aufseß waren protestantisch - kam das Stammgut Mengersdorf an die Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Eine kurze Präsenz in der überlieferten Geschichte hatte die Familie durch mehrere Domherren in Bamberg und Würzburg (siehe oben) und diesen einen Bamberger Bischof zur Zeit der Gegenreformation. Der Bischof Ernst von Mengersdorf war für seinen Würzburger Kollegen Julius Echter von Mespelbrunn, der die Wahl begünstigte und ihn auch zum Bischof weihte, Garant für eine starke Hand der Gegenreformation im benachbarten Bistum. Entsprechend setzte Mengersdorf auch die Beschlüsse des Tridentinums durch, führte den Gregorianischen Kalender ein, gestaltete die Festtags- und Fastenordnungen neu und errichtete ein Priesterseminar. Weiterhin baute Ernst von Mengersdorf die Festungen Forchheim und Kronach aus und stabilisierte insgesamt sein Bistum in schwierigen Zeiten. Der Letzte seines Stammes war Johann Ernst von Mengersdorf, Bamberger und Würzburger Domkapitular. Einer der für das geistliche Amt bestimmten Domherren, Otto Sebastian von Mengersdorf, resignierte 1616 aus dem Würzburger Domkapitel und heiratete, um den Fortbestand des unbedeutenden Geschlechtes zu sichern, aber erfolglos.

Ober Teil des Epitaphs mit den Wappen beider Eltern des Fürstbischofs. Was die Plastizität der Darstellung und die Tiefe des architektonischen Rahmens betrifft, ist das eines der mutigsten Werke der Renaissance-Bildhauerkunst, leider auch ein empfindliches, wie die vielen abgebrochenen Teile der Helmdecken zeigen. Auch sind nur beim heraldisch rechten Helm noch die reich geschmückten Bügel vorhanden. Im Dreiecksgiebel lagert eine Figur mit den Symbolen menschlicher Vergänglichkeit, Totenschädel und Stundenglas.

Das Wappen heraldisch rechts ist das Wappen von Mengersdorf, dem Vater des Fürstbischofs gewidmet. Der Schild ist silbern-rot-blau halbgespalten und im Zahnschnitt geteilt, mit drei (2:1) Rosen belegt in blau, silbern und rot. Die Helmzier besteht aus einem offenen Flug, insgesamt belegt mit der Schildfigur, wobei die dritte Rose zwischen die beiden Flügel gestellt ist. Die Qualität der Bildhauerarbeit wird besonders deutlich an den reich verzierten Helmbügeln und den äußerst plastisch herausgearbeiteten doppellagigen Rosenblüten.

Das Wappen heraldisch links ist das Wappen von Würtzburg, der Mutter des Fürstbischofs gewidmet. Der Schild zeigt in Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes, rechtsgewendet, schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag, an der Spitze ein roter sechszackiger Stern. Helmzier aus einer Krone hervorkommens ein Stoß Pfauenfedern, außen je zwei besonders tingierte umgebogene Hahnenfedern oder Straußenfedern: rechts gold und schwarz, links schwarz und golden. Helmdecken schwarz-golden. Die Virtuosität des Bildhauers kommt besonders gut an den Hahnenfedern der Helmzier und dem fein gearbeiteten Haar- und Bartwuchs des Mannsbildes zum Ausdruck.

Blick auf den unteren Teil des Epitaphs. Auf den beiden Pfeilern rechts und links die Ahnenprobe, jeweils aus acht Wappenschilden bestehend. Um das zentrale Bildnis des Gekreuzigten gruppiert sich die ganze Familie Mengersdorf in Andacht, aufgeteilt in die Männerseite zur Linken und die Frauenseite zur Rechten, wobei die größere Anzahl, geringere Größe der Figuren und weniger individuelle Ausarbeitung und allgemein flachere Darstellung schon eine gewisse Bevorzugung der Männerseite beweist.

Alle Personen tragen die zu der Zeit modische gefältelte Halskrause, was bei den Herren zur Kampfesrüstung besonders kontrastiert. Zwei der Herren sind in Rüstung, einer im Bischofsornat, alle drei haben ihre Kopfbedeckungen abgelegt.

Ein Detail: Die abgelegte Bischofsmütze mit Krummstab und Kreuz vor dem damaszierten Gewand, alles mit großer Liebe zum Detail gemeißelt.

Die Inschrift lautet: "CLAVSVS OTTO TENVI CVBAT HIC ERHARDVS IN VRNA MENGERSDORFFIACAE CLARA PROPAGO DOMVS ILLIVS HAC IVXTA QVOQVE CONDITVR INCLYTA CONIVX FOEMINA NON HVMILI QUAE FVIT ORTA LOCO QVAM WVERZBVRGA DOMVS GENEROSO PROTVLIT ORTO ET TVA VITA SOROR MAXIME PRAESVL ERAT PRAESVL AT ERNESTVS MOTVS PIETATE PARENTEM HOC STATVIT MOESTI DOLORIS OPVS 1589".

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher.
Fritz Kestel: Die Wallfahrtsbasilika Gößweinstein, BVB Bayerische Verlagsanstalt Bamberg, 2. Auflage 2003, ISBN 3-89889-027-9
Ursula Pechloff: Wallfahrtsbasilika Gößweinstein, Herausgeber: Kath. Pfarramt Gößweinstein, Peda-Kunstführer Nr. 146/2002, ISBN 3-930102-51-X
Reclams Kunstführer Bayern, Philipp Reclam Verlag Stuttgart, 1956
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
http://www.gutshof-mengersdorf.de/geschichte.php
Meinem Vater Dr. Oswald Peter ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

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