Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 705
Paderborn (Westfalen)

Paderborn: Franziskaner-Kirche

Die Franziskanerkirche ist ein barocker Saalbau, kreuzgewölbt. Die Fassade zur Westernstraße ist ein Werk von Antonio Petrini, dem fürstbischöflichen Architekten aus Würzburg. Entsprechend zeigt die Fassade charakteristische Züge römisch beeinflußten Barocks. Der Sockel mit doppelläufiger Treppenanlage ist relativ hoch, darüber erhebt sich eine durch vier riesige Wandvorlagen mit Kompositkapitellen gegliederte Fassade, über derem mächtig vorkragendem Gesims sich der geschwungene Giebel erhebt. Für einen Bettelorden (Franziskaner) ist diese Fassade ungewöhnlich theatralisch. Die Franziskaner kamen im 17. Jh. nach Paderborn. 1655 bekamen sie ein Grundstück an der Westernstraße geschenkt, so daß sie bereits 1658 dort einziehen konnten. Die Franziskaner wurden besonders durch den Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg gefördert, der auch in dieser Kirche begraben wurde (Grabmal im WK II zerstört). Das angrenzende Kloster war 1672-1969 Studienhaus der Sächsischen Ordensprovinz. 1893-1971 stellten die Franziskaner den Domprediger in Paderborn. 1944/45 brannten Kloster und Kirche vollständig aus. Die Wiederherstellung erfolgte 1946-1948.

Hier haben wir ein Wappen des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg, das erstmals Pyrmont zeigt. Nach dem Aussterben der Grafen von Gleichen 1631 ist die Grafschaft Pyrmont als Lehen heimgefallen. Sie ging durch einen vorher 1625 geschlossenen Erbvertrag an die Grafen Christian und Wolrad von Waldeck. Dies führte zu einem langanhaltenden Streit mit dem Bistum Paderborn, aber 1668 entschied das Reichskammergericht endgültig zugunsten der Grafen. Ihren Anspruch bekräftigten die Paderborner mit der Aufnahme des Ankerkreuzes in ihr Wappen. Dabei gibt es neben der bekannten silbern-roten auch eine rot-goldene Variante des Pyrmonter Ankerkreuzes. Aufbau des zweiten Wappens:

Zu diesem Wappen gehören vier Helme:

Hinter dem Schild sind schräggekreuzt Schwert (heraldisch links) und Krummstab (heraldisch rechts) als Zeichen weltlicher und geistlicher Herrschaft.

Die stellenweise stark abgekürzte Inschrift in der engelsgeschmückten Kartusche unter dem Prunkwappen liest sich wie folgt: "D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRVM) FERDINAND(VS) D(EI) G(RATIA) EPISCOP(VS) PADERBORN(ENSIS) COADIVTOR MONASTERIEN(SIS) S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) PRINCEPS COM(ES) PYRMONT L(IBER) BARO DE FVRSTENBERG IN HONOREM S(ANCTI) IOSEPHI DEI PARAE VIRGINIS SPONSI TEMPLVM CVM MONASTERIO PP(ATRIS) FRANCISCANORVM STRICT OBSERVANT A FVNDAMENTIS EXTRVXIT AN(NO) MDC LXXI". Als dieses Wappen 1671 entstand, war Ferdinand von Fürstenberg Bischof von Paderborn und von Coadjutor von Münster und Graf von Pyrmont, führte jetzt schon Paderborn und Pyrmont im Wappen.

Zu Lebensdaten dieses Fürstbischofs und zur Entwicklung seines Amtswappens siehe die Seite zur Busdorfkirche.

Die Paderborner Farben
Bezüglich der Farben des Wappens des Fürstbistumes Paderborn gibt es immer wieder Unklarheiten. Und das vorhandene Material ist uneinheitlich. Einigkeit herrscht darüber, daß es sich um ein Kreuz handelt, welches seit dem 13. Jh. belegt ist. Die ursprünglichen Farben sind die eines roten Kreuzes in Silber. Dies ist das Landeswappen, und so findet es sich auch heute noch im Schildhaupt des Landkreises Paderborn. Erst später wechselten die Farben, und seitdem wird ein goldenes Kreuz in rotem Feld geführt. Über die mir unbekannten Gründe mag man spekulieren. Ebenso findet sich das rote Pyrmonter Ankerkreuz sowohl in Silber als auch in Gold. Tatsache ist, daß wir für bischöfliche Paderborner Wappen folgende Evidenz haben:

Wir haben also eine Übergangszeit im späten 17.-18. Jh., in der sich der Farbwechsel vollzog. Am Ende des 18. Jh. wird das Paderborner Kreuz jedenfalls bevorzugt golden in Rot geführt. Diese Farben blieben dann bis zur Annexion durch Preußen das Wappen des Fürstbistums. Und so führt es das Bistum Paderborn noch heute. Brandt/Hengst bilden zwar alle Wappen der Fürstbischöfe ab, wobei Egon Franz von Fürstenberg als erster das goldene Kreuz auf rotem Grund benutzt, seine drei Nachfolger wieder ein silbernes Kreuz auf rotem Grund und erst Konrad Martin wieder das goldene Kreuz auf rotem Grund benutzen, aber erstens stimmt auch dies nicht mit der sichtbaren Realität überein und zweitens geben die Autoren keinen plausiblen Grund für den Wechsel an. In der neueren Literatur wird dieser Farbwechsel ebenfalls oft nicht berücksichtigt, so bildet Gatz durchgehend alle Paderborner Wappen mit den neuen Farben ab, dadurch entsprechen die in seinem Werk abgebildeten Wappen ebenfalls nicht der sichtbaren Wirklichkeit, und sie widersprechen damit den Abbildungen aus der Paderborner Wappenchronik von 1774. Dem Anschein nach müssen wir hier einfach eine gewisse Variationsbreite akzeptieren. Der Vorteil der neuen Farben war natürlich die geringere Verwechslungsmöglichkeit mit anderen Bistümern, denn die Bistümer Trier und Konstanz führten ebenfalls in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz. Die Stadt Paderborn führt wiederum im roten Schildhaupt ein goldenes Kreuz, aber auch dies war nicht immer so.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

Dina van Faassen, Manfred Köllner, Roland Linde: Paderborn von A bis Z, Bonifatius GmbH Druck Paderborn 2006, ISBN 978-3-89710-332-0
Hans-Jürgen Brandt, Karl Hengst: Die Bischöfe und Erzbischöfe von Paderborn, Paderborn 1984
Freundliche Auskunft von Herrn Dr. A. Otto, Erzbistumsarchivar des Erzbistums Paderborn, vom 8.11.2007

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