Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 707
Paderborn (Westfalen)

Paderborn: Universitäts-Kirche

Mit der Universität- und Marktkirche haben wir eine weiter Ordenskirche in Paderborn, diesmal eine der Jesuiten. 1580, nur 40 Jahre nach der päpstlichen Bestätigung als Orden, ließen sich die ersten Jesuiten in Paderborn nieder. Treibende Kraft hinter ihrer Ansiedlung war der Dompropst Dietrich von Fürstenberg (nicht sein Wappen sehen wir hier, sondern das seines Großneffen). Für ihn waren die Jesuiten wichtig als gegenreformatorische Kraft und von Bedeutung zur Durchsetzung innerkirchlicher Reformen nach den Forderungen des Trienter Konzils. Das Domkapitel war konfessionell gespalten, und Dietrich von Fürstenberg wollte Paderborn wieder dem Katholizismus zuführen. Ein Jesuit wurde ab 1580 als ständiger Domprediger eingesetzt. Die Jesuiten übernahmen ferner 1585 die Domschule. Als Dietrich von Fürstenberg zum Bischof gewählt wurde, gründeten die Jesuiten ein Kolleg. Die Jesuiten-Niederlassung wurde ab 1596 am Kamp errichtet, wo ihnen der Bischof das Gelände des ehemaligen Minoritenklosters geschenkt hatte. Als erste Kirche nutzten sie die Reste der vorhandenen, die 1604 neu geweiht werden konnte.

Unter Ferdinand von Fürstenberg, ein Großneffe von Dietrich von Fürstenberg, wurde die neue Jesuitenkirche in barockem Stil errichtet. 1682 war Grundsteinlegung. Erste Entwürfe lieferte der Würzburger Architekt Antonio Petrini, diese wurden 1682 wegen zu hoher Kosten abgelehnt. Baumeister war dann schließlich Anton Hülse (1615-1712), ein Jesuiten-Laienbruder. Die Kölner Jesuitenkirche (ab 1618) gilt als Vorbild.

Ferdinand von Fürstenberg, der Stifter der neuen Kirche, erlebte ihre Fertigstellung nicht mehr. Er starb 1683. 1686 war der Rohbau der barocken Kirche fertig, aber die weihe konnte erst 1692 vollzogen werden, denn Geldmangel hatte die Fertigstellung verzögert, das usprüngliche Stiftungskapital war vollständig verbaut worden.

Die Fassade ist zweigeschossig und wird durch Pilaster gegliedert. Auf dem durch ein hohes Maßwerkfenster durchbrochenen Hauptgesims erhebt sich die Giebelzone, seitlich eine Attika, auf der die den Giebel flankierenden Voluten liegen.

Der großzügige Vorplatz vor der Kirche wurde 1709-1714 vom Jesuitenbruder Martin Iber gestaltet. Eine doppelte Terrassenanlage mit Balustraden und je 3 Treppen steigert die Wirkung der Fassade. Die bunte Farbigkeit der Platten heute ist hoffentlich temporärer Natur.

Der Jesuitenorden wurde 1773 aufgelöst, die Kirche wurde dann als Marktkirche genutzt. Zerstörung 1945 bis auf die Umfassungsmauern, Wiederaufbau bis in die 50er Jahre. Zuletzt wurde 2004 der einzigartige Hochaltar von 1694-1696 wegen seiner Einzigartigkeit und Bedeutung für das Raumbild rekonstruiert.

Das Hauptportal ist rundbogig abgeschlossen, darüber wird der Segmentgiebel von korinthischen Säulen gestützt. Die stellenweise stark abgekürzte Inschrift liest sich wie folgt: "D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) S(ACRUM) FERDINANDUS DEI ET A(POSTOLICAE) S(EDIS) G(RATIA) EPISC(OPUS) PADERB(ORNENSIS) ET MON(ASTERIENSIS) BURGGR(AVIUS) STROM(BERG) S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) P(RINCEPS) COMES PYRMONT DOM(INUS) IN BORKLO L(IBER) B(ARO) DE FURSTENBERG AD FIDEI ET PIETATIS INCREMENTUM ET SERVATAE VITAE MEMORIAM HANC AEDEM D FRAN XAVERIO VOTAM SUAE IN DEUM RELIGIONIS IN S INDIA APOSTOLUM GRATITUDINIS IN SOCIETATEM IESU STUDII MONUMENTUM EREXIT MDCLXXXII". Die Kirche ist dem Hl. Franz Xaver geweiht. Die Inschrift drückt auch den Grund der Stiftung aus: Nicht nur zur Vertiefung des Glaubens und der Frömmigkeit, sondern auch zur Erinnerung an die Errettung seines Lebens, denn er hatte nach der Heilung von einer Krankheit gelobt, eine Kirche zu errichten. Als dieses Wappen 1682 kurz vor seinem Tode entstand, war Ferdinand Freiherr von Fürstenberg Bischof von Paderborn und von Münster und damit Burggraf von Stromberg und Herr zu Borkelo, dazu Graf von Pyrmont; er führte jetzt alle Titel im Wappen.

Ferdinand von Fürstenberg war zu dieser Zeit bereits zweimaliger Fürstbischof, von Paderborn (1661-1683) und von Münster (1678-1683). Als solcher führte er sein drittes Amtswappen:

Dabei gehören Borckelo und das Burggrafentum Stromberg zum Hochstift Münster, während Pyrmont als Anspruch dem Hochstift Paderborn zuzuordnen ist.

Hinter dem Schild sind schräggekreuzt Schwert (heraldisch links) und Krummstab (heraldisch rechts) als Zeichen weltlicher und geistlicher Herrschaft.

Zu Lebensdaten dieses Fürstbischofs und zur Entwicklung seines Amtswappens siehe die Seite zur Busdorfkirche.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

Dina van Faassen, Manfred Köllner, Roland Linde: Paderborn von A bis Z, Bonifatius GmbH Druck Paderborn 2006, ISBN 978-3-89710-332-0
Ansgar Köb, Universitäts- und Marktkirche Paderborn, Schnell & Steiner Verlag Regensburg, 1. Auflage 2005, ISBN 3-7954-6568-0

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