Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 711
Paderborn (Westfalen)

Paderborn: Schloß Neuhaus

Residenz der Paderborner Fürstbischöfe
Schloß Neuhaus bezeichnet sowohl einen nördlich gelegenen Stadtteil Paderborns als auch das im selbigen befindliche Schloß der Paderborner Fürstbischöfe. Es ist eine regelmäßige Vierflügelanlage mit vier Eckbastionen in einer wassergefüllten Gräfte, von Anlage und Dekoration Weserrenaissance par excellance. Von 1370 bis 1803 regierten die Bischöfe und Fürstbischöfe von Paderborn ihr Bistum von diesem Schloß aus.

Neuhaus wird schon 1036 urkundlich erwähnt. Schon früh rückte Neuhaus ins Blickfeld der Paderborner Bischöfe, nämlich als es mal wieder Streit zwischen dem Fürstbischof und der Stadt Paderborn gegeben hatte, wie so häufig, man vergleiche den Auszug der Konstanzer Fürstbischöfe nach Meersburg nach ebensolchem Streit u.ä. Auch andere Bischöfe bevorzugten den Frieden einer ländlichen Residenz, so Speyer/Bruchsal, Köln/Brühl etc. Doch so einfach konnte man nicht mit dem Bau einer bischöflichen Burg beginnen, 1257 erteilt Papst Alexander IV Bischof Simon I zur Lippe (1247-1277) das Recht, Burgen zu bauen und Befestigungen anzulegen. Nördlich der Siedlung von Neuhaus ließ Bischof Simon im sumpfigen Gelände zwischen den Flüssen Alme und Lippe (Schloßinsel) eine erste Wasserburg erbauen, wobei der erste Bau von der Paderborner Bürgerschaft zerstört wurde und neu errichtet werden mußte.

Das Wappen am Eckturm
Dietrich von Fürstenberg führt hier ein vereinfachtes Wappen als Fürstbischof von Paderborn, das Bistumswappen mit dem Familienwappen als Herzschild belegt:

Ein Meisterwerk in fünf Bauphasen
Ganz so einheitlich, wie sich das Schloß uns heute mit seiner Regelmäßigkeit präsentiert, ist die Baugeschichte nicht. Die Baugeschichte währte im wesentlichen von 1370-1597 und umfaßt 5 verschiedene Bauphasen. Jede Bauphase bzw. jeder Baukörper wird als Haus nach dem Erbauer benannt. Schloß Neuhaus gilt als die erste wirklich bedeutende Bauaufgabe der Renaissance in Norddeutschland.

Das Wappen des Vollenders
An der Hofseite des zweistöckigen Westflügels ist das fürstbischöfliche Wappen im unteren Geschoß des Zwerchgiebels angebracht. Die Inschrift unter dem Wappen lautet: "HANC STRVIT AERE SVO THEODORVS EPISCOPVS AVLAM EX FVRSTENBERGIS STEMMATE NATVS AVIS ANNO MILLENO QVINGENTENO NONAGENO TALIS AB ELECTO PRINCIPE QVINTVS ERAT" Dietrich von Fürstenberg hat dieses Schloß also 1590 im 5. Jahr nach seiner Wahl zum Fürstbischof errichten lassen.

Das fürstbischöfliche Wappen ist in einem flachovalen Lorbeergewinde untergebracht, und in den vier sich zum rechteckigen Rahmen ergebenden Ecken sind vier Putten mit jeweils einem kleinen Wappenschild.

Dietrich von Fürstenberg (zu Lebensdaten dieses Fürstbischofs siehe die Seite zum Theodorianum) führt hier ein Wappen als Fürstbischof von Paderborn. Es ist geviert:

Zu diesem Wappen gehören drei Helme:

Hinter dem Schild sind schräggekreuzt Schwert (heraldisch rechts) und Krummstab (heraldisch links, verloren gegangen) als Zeichen weltlicher und geistlicher Herrschaft.

Das Interessanteste an diesem Wappen ist der Umgang mit den Helmen: Bei drei Helmen auf einem Schild wird der Platz schnell begrenzt, und die Helme müssen proportional kleiner werden. Sie stehen eng nebeneinander, und die Helmdecken knüllen zwischen ihnen und kommen nicht zur Geltung. Meist schiebt man die äußeren Helme sogar ein bißchen über die Schildecke hinaus, um die Helme nicht unnatürlich klein werden zu lassen und darstellerische Probleme zu bekommen. Hier ist eine kreative Möglichkeit gefunden worden, die Helme gut nebeneinander zu positionieren: Die beiden äußeren Helme ruhen auf goldenen, rot verzierten Säulen, die neben den Schild gestellt sind, heraldische Hutständer sozusagen. Das hat hier den Vorteil, daß man das in großer Höhe befindliche Wappen noch in allen Details befriedigend erkennen kann.

Architektonisch richtungsweisend
Entstanden ist ein Schloß der Renaissance, das gleich mehrere Besonderheiten für seine Zeit hat und architektonisch und stilistisch richtungsweisend wurde:

An der Dekoration lassen sich viele Eigenheiten der Weserrenaissance nachvollziehen:

Von Clemens August bis heute
Eine letzte Bauphase erlebte das Schloß unter Kurfürst Clemens August von Bayern. Er veränderte am Schloß etwas, so ließ er den Eingangsflügel umbauen, verbreiterte den vorderen Schloßeingang, ließ 1730-1734 die hintere Durchfahrt zum Garten und die dortige Gräftebrücke errichten. Die wesentlichen Zutaten unter seiner Regierung waren aber Wache, Marstall und Barockgarten.

Nur einmal erlitt das Schloß in kriegerischen Handlungen Schaden, das war während des siebenjährigen Krieges 1756 - 1763.

In der nachfürstbischöflichen Zeit fällt Schloß Neuhaus 1803 mit der Annexion des Fürstbistums an Preußen. Das Schloß wird von preußischen Truppen besetzt, der Bischof verlor sein Amt als Landesfürst. Das Inventar wurde versteigert. Erster neuer Nutzer war ein Zuchthaus. Um 1820 wird im Schloß eine Garnison für Kavallerieeinheiten und das 8. westfälische Husarenregiment eingerichtet. Ein Jahrhundert dient das Schloß militärischen Zwecken.

Eine letzte bauliche Veränderung gab es 1881/82: Der alte Wohnturm von 1370 im Westflügel war früher höher, dieses dritte Geschoß wurde jetzt endlich abgetragen, um die Harmonie der Vierflügelanlage perfekt zu machen.

1919-45 beherbergt das Schloß das 15- Preußische Reiterregiment. 1945 kommt das Schloß unter britische Militärverwaltung. Erst 1964 kommt es nach Freigabe durch Großbritannien ins Eigentum der Gemeinde, die das ganze Schloßgelände zum symbolischen Preis von 1 Mark vom Bundesvermögensamt erwirbt. Die Stadt nennt sich 1957 Schloß Neuhaus. 1975 wird sie im Rahmen der Gebietsreform ein Stadtteil von Paderborn. Seit 1967 ist das Schloß Realschule. 1994 wurde das Schloß anläßlich der Landesgartenschau grundlegend restauriert.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
G. Ulrich Großmann, Renaissance entlang der Weser, Du Mont Buchverlag Köln, 1989, ISBN 3-7701-2226-7
Dina van Faassen, Manfred Köllner, Roland Linde: Paderborn von A bis Z, Bonifatius GmbH Druck Paderborn 2006, ISBN 978-3-89710-332-0
Informationstafel auf dem Schloßgelände
http://www.i-basis.de/firmen/marstall-paderborn/haupt.phtml?a_id=1099011
Walter Becker: Schloß Neuhaus. Das ehemalige Wohngebäude der Paderborner Bischöfe. Paderborn 1982

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