Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 717
Paderborn (Westfalen)

Paderborn: Altes Rathaus

Das Paderborner Rathaus ist ein Musterbeispiel der Weserrenaissance und eines der Wahrzeichen der Stadt Paderborn. Es entstand 1613-1620 über quadratischem Grundriß unter Verwendung eines Vorgängerbaus (Inschriftenstein von 1473). Das Rathaus wurde auf Veranlassung Dietrichs von Fürstenberg von der Stadt Paderborn errichtet, der Fürstbischof, der auch das Theodorianum erbauen und das Schloß Neuhaus fertigbauen ließ und wesentlich zum Renaissance-Gesicht Paderborns beitrug. Der Baumeister ist Hermann Baumhauer aus Wewelsburg.

Charakteristisch ist die Schaufassade zum Marktplatz mit ihrem hohen Giebel und den beiden seitlichen Ausluchten mit laubenartigen Untergeschossen und eigenem Giebel, was die dreigiebelige Fassade dynamisch im Raum staffelt. Jeweils drei dorische Säulen tragen das Obergeschoß der Luchten, und der zurückspringende Teil der Fassade besitzt ebenfalls drei Säulen. Die Arkaden greifen hier eine ältere, mittelalterliche Tradition auf, und sie tauchen auch an vielen Vergleichsbauten auf. Diese Arkadenhallen dienten einst als Gerichtslaube. Beim zurückspringenden mittleren Fassadenteil sind die Abstände zwischen den Säulen geringer, ferner stehen die Basen aufgrund der Treppenstufen höher, was eine optische Illusion größerer Entfernung und Tiefe hervorruft, geschickte architektonische Ausnutzung zentralperspektivischer Gesetze. Es sei angemerkt, daß das Portal erst 1872 symmetrisch umgestaltet wurde. Auch das Treppenhaus wurde im 19. Jh. umgebaut.

Besonders markant ist das Fensterband im ersten Obergeschoß, wo schmalhochrechteckige Fester und ionische Säulen alternieren und so eine durchgehende Fensterzone ohne Wandflächen dazwischen bilden. Das Hauptgeschoß wird dadurch so weit wie möglich in Fenster aufgelöst. Jede vierte Säule, d. h. an der Ecke der Ausluchten bzw. in der Mitte derselben, tritt stärker aus der Wandfläche hervor als die übrigen und betont die Mittelachse des Giebels in Verlängerung der mittleren Säule im Erdgeschoß, aber die Höhe der Säulen stimmt mit der der Fenster immer überein.

Abb.: Rathaus Paderborn. Die vielen goldenen Engel sind eine künstlerische Installation.

Die Giebelflächen sind wiederum anders gestaltet: Auf Lücke stehende Doppelfenster überziehen den gesamten großen Mittelgiebel mit Rhythmus, und das Element der Doppelfenster ziert jeweils einmal die kleineren Giebel der Ausluchten. Bei den Giebeln gibt es ein hochinteressantes, manieristisches Gliederungsmotiv: Säulchen hängen vom darüber befindlichen Gesims herab und werden mit Simsstücken mit den Fensterbänken verbunden, so daß sie einen hängenden Rahmen für das Fenster bilden, der oben und unten mit den Simsen des Fensters abschließt, rechts und links desselben aber freie Wandfläche einschließt. Der Giebel hat außen eine lebhaft geformte Kontur, wellenförmig ausschwingende Voluten verbinden die einzelnen stark hervortretenden Gesimse, an deren Enden kleine Obelisken stehen. Und zwischen den Simsen greifen Hörner aus der Kontur heraus (Schweifwerk).

Und dennoch wirkt der Baukörper nicht überladen, weil genügend ruhige Wandflächen vorhanden sind, um die Gestaltungselemente zur Geltung kommen zu lassen. Wir haben es hier mit einer räumlichen Gliederung vor allem durch die Baumasse selbst zu tun, während die Gliederung durch Dekor zurückhaltend eingesetzt ist und die markantesten Gliederungelemente Rhythmen aus Säulen und Gesimsen sind. Dies erzeugt die harmonische Gesamtwirkung des Baus, die in sich ruhende Schönheit und Harmonie des Rathauses.

Die Ausfluchten nehmen das Gliederungssystem des giebelständigen Kernbaus auf und schaffen durch die Zitierung der formalen Elemente eine enge Anbindung der beiden teilselbständigen Luchten an den Hauptbau. So ist allen drei Giebeln das Fensterband, die Gliederung der Fenster und der Volutengiebel gemeinsam. Dadurch entsteht eine Staffelung des Baukörpers im Raum, der dennoch als Einheit wahrgenommen wird.

Stadtwappen am Hauptgiebel unterhalb des Fensterbandes.

Längst wird das Paderborner Rathaus nicht mehr als Behördensitz genutzt, lediglich das Standesamt hat hier noch seinen Platz, ist es doch gern gewählte Kulisse für Hochzeiten. Weiterhin ist das Gebäude Arbeitssitz der Ratsversammlung und Ort offizieller Feierlichkeiten und Empfänge.

Die Zeit zwischen 1530 und 1620 war eine Blütezeit der Rathausneubauten, deren krönenden Abschluß dasjenige von Paderborn bildet:

Gemeinsam ist den meisten Rathausbauten ihre zentrale Lage am Marktplatz, wenn es machbar war, das Baumaterial Stein, zumindest für die unteren Geschosse, und eine Konzeption hinsichtlich Aufbau und Einteilung der Räume in der Tradition der zeitgleichen Bürgerhäuser (Diele/Saal). Die Funktionen der Rathäuser waren vielfältig, so war es nicht nur Amtssitz der Stadtoberen, sondern auch Archiv und Festsaalgebäude sowie Gerichtssitz (Gerichtslaube).

Am Rathaus Paderborn findet sich allgegenwärtig das Stadtwappen. Dieses zeigt unter rotem Schildhaupt mit durchgehendem goldenen Kreuz darin in Rot vier goldene Pfähle, so wie es heute festgelegt ist. Die historischen Darstellungen sind manchmal abweichend.

Paderborner Stadtwappen am Schlußstein eines bogenförmigen Portalsturzes, Nordwand. Man beachte das Beschlagwerk im Stile der Renaissance.

Paderborner Stadtwappen am Schlußstein eines bogenförmigen Portalsturzes, Nordwand. Man beachte die blütenartigen Knöpfe im Zentrum des Beschlagwerks.

Ein drittes Paderborner Stadtwappen am Schlußstein eines bogenförmigen Portalsturzes, Südfassade.

Das ältere Stadtsiegel Paderborns zeigt eine stilisierte Stadtsilhouette mit einer Stadtbefestigung und der Marktkirche. In dieser Form ist es 1222 erstmals nachgewiesen. Es wurde bis ins 18. Jh. verwendet.

Das Stadtwappen mit dem Kreuz im Schildhaupt und den Pfählen ist im 14. Jh. als Gegenstempel auf Münzen zu sehen, zuerst 1370. Woher das Motiv genau kommt, ist ungeklärt. Tatsache ist die gleichzeitige Verwendung des Motivs als Wappen der Adelsfamilie Bulemast-Stapel, zuerst 1305. Für diese Familie ist das Motiv auf Siegeln des frühen 14. Jh. nachgewiesen, z. B. 1328 in einem Bannersiegel des Ministerialen und städtischen Bannerträgers Heinrich Bulemast. Stammvater der Familie Bulemast ist der Ritter Ludwig Bulemast (erwähnt 1245-1274). Sein Enkel Werner Bulemast nahm den Namen Stapel an. Die Familie Bulemast-Stapel führte ein geteiltes Wappen, oben in Silber ein rotes Kreuz, unten mehrfach von Rot und Gold gespalten, und starb ca. 1550 aus.

Die Farben des Paderborner Stadtwappens änderten sich im Laufe der Zeit mehrfach, die Festlegung auf Rot und Gold und vier Pfähle erfolgte durch Magistratsbeschluß im Jahre 1931, der 1962 durch die Hauptsatzung der Stadt bestätigt wurde. Bis ins 18. Jh. war das Kreuz im Schildhaupt aber rot auf silbernem Grund, während die Pfähle unten schon rot-golden waren, wenn auch mal rot auf goldenem Grund und auch mal nur drei an der Zahl und mal mehrfach gespalten. Auch die genaue Lage der Trennlinie variiert bei den historischen Darstellungen, mal ist es eine Teilung, mal ein Schildhaupt.

Blick auf die Westfassade. Unter dem Fensterband befindet sich das nachfolgend vergrößerte Stadtwappen. Zu beiden Seiten ist ein Hohenzollern-Wappen, daran erinnernd, daß hier der Eingangsbereich im 19. Jh. umgestaltet wurde.

Ausschnittsvergrößerung, Stadtwappen unter dem Fensterband in der Mitte der Westfassade.

Auf 1726 datiertes Stadtwappen im Hauptgiebel, dort anläßlich einer Renovierung eingefügt.

Stark verwitterter Wappenstein mit dem Paderborner Stadtwappen und einer helmdeckenartigen Einfassung, aber ohne Helm. Man beachte die abweichende Form des Kreuzes.

Geneigtes Stadtwappen an der Rathauswand, auf 1473 datierter Stein. Trennlinie hier sehr tiefliegend.

Stadtwappen unter einem Fenster, das zum Arkadengang weist.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Dina van Faassen
, Manfred Köllner, Roland Linde: Paderborn von A bis Z, Bonifatius GmbH Druck Paderborn 2006, ISBN 978-3-89710-332-0
Michels Paul: Baugeschichte des Paderborner Rathauses. Paderborn 1962
G. Ulrich Großmann, Renaissance entlang der Weser, Du Mont Buchverlag Köln, 1989, ISBN 3-7701-2226-7
http://deu.archinform.net/projekte/11031.htm
Joseph Decku: Deutsche Länder- und Städte-Wappen, Bonn 1960

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