
Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 761
Lich
(Oberhessen)

Lich:
Evangelische Marienstiftskirche (4)
Dreiteiliges Grabdenkmal
Das größte und
spektakulärste Grabmonument in der Marienstiftskirche nimmt fast
die gesamte Breite des Chores ein und besteht aus drei Teilen. An
drei Grafenpaare wird hier gleichzeitig erinnert. In der Mitte
der Stifter mit seiner Frau, zur optisch Linken, auf dem aus
heraldischer Sicht besseren Platz, seine Eltern, zur optisch
Rechten sein Bruder mit Frau. Die Sterbedaten sind 1544, 1524,
1522, 1525, 1562, 1586. Der Auftrag zur Fertigung erfolgte 1545,
also ein Jahr nach dem Tod des Vaters, aber die Ausführung ließ
auf sich warten; erst 1562, im Todesjahr des Stifters, wurde es
vollendet. Angefertigt wurde es vom Mainzer Künstler Dietrich
Schro, der auch bedeutende Grabdenkmäler für den Mainzer Dom
schuf. Die Formensprache ist die der Renaissance, markante Rahmen
gliedern die Fläche, die langen Elemente und die Reihung von
sechs freistehenden Wappen auf dem oberen Sims sowie die Reihung
von 3x 2 Figuren schaffen eine starke Betonung der Horizontalen.
Die Bemalung brachte Jörg Ritter auf.

Erstes
Grafenpaar
Das im linken Teil abgebildete
Paar ist:
- Philipp Graf zu Solms-Hohensolms-Lich
(geb. 15.8.1468, 1478 als Student in Heidelberg
immatrikuliert, 1480-1482 Student zu Erfurt, 1506
kursächsischer Rat und Pfleger zu Coburg, 1537 Herr zu
Sonnenwalde, nach 1548 wird er Herr zu Pouch, zu Lich,
Hohensolms, Laubach und zu Assenheim, am 21.3.1537 kauft
er Pouch und Sonnenwalde für 40000 Gulden von den
Minckwitz, gestorben am 3.10.1544 in Frankfurt am Main)
- Adriana v. Hanau-Münzenberg
(1.5.1470, Hanau - 12.4.1524)
Aus dieser ersten Ehe des Philipp Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich (15.8.1468-3.10.1544) entsprossen folgende
Kinder:
- Walpurgis zu Solms-Lich (1490 - vor
10.4.1527)
- Reinhard I. Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich (12.10.1491 - 1562) - das ist der
Stifter des Grabdenkmals
- Dorothea zu Solms-Lich (25.1.1493 -
8.6.1578)
- Anna zu Solms-Hohensolms-Lich
(12.4.1494 - ca. 1509/10)
- Elisabeth zu Solms-Hohensolms-Lich
(19.5.1495 - nach 1502)
- Otto I. Graf v. Solms-Laubach
(11.5.1496 - 14.5.1522) - diesen finden wir ganz rechts
im dritten Teil des Denkmals
- Kuno zu Solms-Hohensolms-Lich
(29.3.1497 -)
- Ursula zu Solms-Hohensolms-Lich
(28.6.1498 - nach 1517)
- Johann zu Solms-Hohensolms-Lich
(30.11.1499 - nach 3.7.1500)
- Apollonia zu Solms-Hohensolms-Lich
(11.11.1502 - nach 12.11.1518)
- Maria zu Solms-Hohensolms-Lich
(1.2.1504 - 1504)
- Katharina zu Solms-Hohensolms-Lich
(4.9.1507 - nach 12.11.1518)
Danach schloß Philipp Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich eine zweite Eheverbindung mit Walpurga
Lindenlaub und hatte mit ihr folgende Kinder:
- Wilhelm zu Solms-Hohensolms-Lich
- Philipp zu Solms-Hohensolms-Lich (-
4.9.1560)
- Johann zu Solms-Hohensolms-Lich
- Berta zu Solms-Hohensolms-Lich
- Ernst zu Solms-Hohensolms-Lich
- Kuno zu Solms-Hohensolms-Lich

Eltern des Philipp Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich (15.8.1468-3.10.1544):
- Kuno Graf zu Solms-Hohensolms-Lich (-
1477)
- Walpurga v. Dhaun (- 1493)
Eltern der Adriana v. Hanau-Münzenberg
(1.5.1470 - 12.4.1524):
- Philipp I. Graf v. Hanau Herr v.
Münzenberg (Sept. 1449 - 26.8.1500)
- Adriana v. Nassau-Dillenburg (7.2.1449
- 11.6.1477)
Großeltern des Philipp Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich (15.8.1468-3.10.1544):
- Johannes (V) Graf zu Solms-Lich (-
1457)
- Elisabeth v. Cronberg-Rödelheim
(-15.7.1438)
- Johann IV. Wild- und Rheingraf zu
Dhaun u. Kyrburg (vor 1422 - 30.6.1476)
- Elisabeth v. Hanau (1416 - 20.2.1446)
Großeltern der Eltern der Adriana v.
Hanau-Münzenberg (1.5.1470 - 12.4.1524):
- Reinhard III. (IV) Graf v.
Hanau-Münzenberg (22.4.1412 - 20.4.1452)
- Margarete Pfalzgräfin bei Rhein zu
Mosbach (geb. 2.3.1432)
- Johann IV. Graf v. Nassau-Dillenburg
(1.8.1410 - 3.2.1475)
- Maria v. Loen-Heinsberg (1424 -
20.4.1502)
Urgroßeltern des Philipp Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich (15.8.1468-3.10.1544):
- Otto I. v. Solms-Braunfels (-
1409/1410)
- Agnes v. Falkenstein und Münzenberg
(- 1409)
- Frank XII. v. Cronberg (ca. 1397 -
5.3.1461)
- Katharina v. Isenburg-Grenzau (vor
13.1.1413 - 21.12.1465)
- Johann III. Rheingraf v. Stein und
Wildgraf v. Dhaun (ca. 1371 - April 1428)
- Adelheid v. Kyrburg u. Schmidtburg (-
6.10.1438)
- Reinhard II. (III) Graf v. Hanau (ca.
1370 - 26.6.1451, Hanau)
- Katharina v. Nassau-Beilstein (-
6.9.1459)
Urgroßeltern der Eltern der Adriana v.
Hanau-Münzenberg (1.5.1470 - 12.4.1524):
- Reinhard II. (III) Graf v. Hanau (ca.
1370 - 26.6.1451, Hanau)
- Katharina v. Nassau-Beilstein (-
6.9.1459)
- Otto I. Pfalzgraf bei Rhein zu Mosbach
Herzog v. Bayern (-5.7.1461, Reichenbach)
- Johanna v. Bayern (1413 - 20.7.1444)
- Engelbert I. Graf v. Nassau-Dillenburg
(ca. 1380 - 3.5.1442)
- Johanna v. Wassenaer (10.1.1392 -
15.5.1445)
- Johann II. Herr v. Jülich, Heinsberg,
Löwenberg und Gennep, Dalenbroich (vor 1384 - 24.6.1438)
- Anna v. Solms-Braunfels (- 1433)

Das Wappen von Philipp Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich (geb. 15.8.1468, gestorben am 3.10.1544)
ist geviert:
- Feld 1 und 4: In Gold ein blauer
Löwe. Das ist das Stammwappen Solms. In
sehr alten Wappen des 13. und 14. Jh. wird der Löwe noch
von Schindeln begleitet, die fielen später ab dem
ausgehenden 14. Jh. weg.
- Feld 2 und 3: Erst ein goldenes Feld
mit rotem Schildhaupt. Mit der Zeit (insbesondere in
vermehrten Wappen) rutschte die Trennlinie immer tiefer
und wurde zur rot-goldenen Teilung. Hierbei handelt es
sich um das Wappen von Falkenstein, das geführt wurde,
seit Graf Otto von Solms (gest. 27.10.1409) Agnes, die
Tochter von Philipp VIII von Falkenstein und
Münzenberg und Erbin beider Herrschaften
geheiratet hatte.
Das Solmser Wappen trägt hier
zwei Helme:
- Helm 1: Kleinod Solms:
Sitzend ein blauer Löwe. Helmdecken blau-golden.
Anmerkung: Das Kleinod Solms hat eine lange Entwicklung
hinter sich. Es sind frühe Darstellungen bekannt, da
wurden von Reinbold Graf von Solms-Königsberg zwei mit
je drei "Kleestengeln" besteckte Büffelhörner
geführt (13. Jh.). Im 14. Jh. findet man einen
wachsenden Löwen bei Johann Graf zu Solms, einen
wachsenden Löwen mit Fisch im Maul und erstmalig 1398
den sitzenden blauen Löwen zwischen einem goldenem Flug,
der sich dann als spätere Familienhelmzier durchsetzte.
Hier ist die Helmzier jedenfalls noch ohne Flug, könnte
evtl. verloren gegangen sein.
- Helm 2: Falkenstein-Münzenberg:
ein roter flacher Hut mit Hermelinaufschlag, oben mit
einer goldenen Kugel und einem natürlichen Pfauenstoß
besteckt. Helmdecken rot-golden. Von dieser Helmzier ist
eine zweite Variante bekannt, bei der im Stulp zwei
rot-golden geteilte Fähnchen an goldenem Schaft stecken,
könnten hier verloren gegangen sein.
Das Wappen Adriana v. Hanau-Münzenberg
(1.5.1470, Hanau - 12.4.1524) ist geviert:
- Feld 1 und 4: in Gold drei rote
Sparren. Das ist das Stammwappen der Grafen von
Hanau.
- Feld 2 und 3: Erst ein goldenes Feld
mit rotem Schildhaupt. Mit der Zeit (insbesondere in
vermehrten Wappen) rutschte die Trennlinie immer tiefer
und wurde zur rot-goldenen Teilung. Hierbei handelt es
sich um das Wappen von Münzenberg).
Das Hanauer Wappen trägt hier zwei Helme:
- Helm 1: Kleinod Hanau:
ein in den meisten Darstellungen auffliegender, hier aber
ohne Flügel dargestellter (verlorengegangen?) silberner
Schwan. Decken rot-silbern (Scheiblersches Wappenbuch)
oder rot-golden.
- Helm 2: Münzenberg:
ein roter flacher Hut mit Hermelinaufschlag, oben mit
einer goldenen Kugel und einem natürlichen Pfauenstoß
besteckt. Helmdecken rot-golden.
Zweimal
Münzenberg? Ein Exkurs über die Geschichte von Münzenberg
Münzenberg ist eine Burg in
der Wetterau, die wegen ihrer Anlage mit doppeltem Bergfried
unter Burgenkundlern als Besonderheit (neben Thurandt) bekannt
ist. Erbaut wurde sie von den Herren von Münzenberg, die eine
Zwischenstellung zwischen Ministerialen und Freien einnahmen.
Einerseits waren sie Ministerialen, damit eigentlich unfreie
Dienstmannen, andererseits werden sie in den Urkunden auch als
"liberi imperii" geführt und sind reichsunmittelbar.
1165 war die Burg bezugsfertig. Seit 1155/56 ist die Herrschaft
Münzenberg (Minzenberg) bezeugt. Nach 1170 kam dazu ein Teil der
Grafschaft Nürings/Nuringen. Die Herren von Münzenberg
(Minzenberg) blühten nur in drei Generationen. In ihrem Gebiet
hatten sie die Grafschaftsrechte inne, namentlich die höhere
Gerichtsbarkeit und das Münzrecht. Der letzte Münzenberger im
Mannesstamm war Ulrich II von Münzenberg. Als mit ihm die Herren
und Reichsministerialen von Münzenberg im Mannesstamme
ausstarben, wurde die Herrschaft 1255 aufgeteilt:
- Den größten Teil bekamen die Herren
von Falkenstein (40/48), nach Aufkauf der Anteile der
Herren von Weinsberg (1270 von den Miterben Engilbertus
et Cunradus fratres de Winsberg) und der Herren von
Pappenheim (1286 von Miterbe Heinricus marscalus de
Pappinheim) und Schönberg (1272 von den Miterben Cuno et
Bertholdus fratres de Sconenburg). Philipp von
Falkenstein hatte damit den größten Teil des Gebietes
und die namengebende Burg mit dem Reichskämmereramte.
- Die Grafen von Hanau bekamen ebenfalls
einen Anteil (8/48)
So kam das Wappen der Herren von
Münzenberg in die gevierten Wappen der Herren von Falkenstein
und der Grafen von Hanau. Da die Grafen von Solms die Herren von
Falkenstein 1418 nach deren Erlöschen beerbten, kam das Wappen
von Münzenberg auch in das der Grafen von Solms, die zuletzt
20/48 der ehemaligen Herrschaft Münzenberg hatten. Ein weiterer
Erbe der Falkensteiner waren die Grafen von Eppstein, die
ebenfalls 20/48 hatten. Also ist die neue Aufteilung:
- Grafen von Hanau: 8/48 der Herrschaft
Münzenberg
- Grafen von Solms: 20/48
- Grafen von Eppstein: 20/48
Die Eppsteiner teilten sich 1433 in eine
Linie Eppstein-Münzenberg und eine Linie Eppstein-Königstein.
Als die Eppsteiner 1535 in den Hauptlinien Münzenberg und
Königstein ausstarben, wurden 1581 deren Anteil an Münzenberg
zwischen Stolberg und dem Hochstift Mainz zu gleichen Teilen
aufgeteilt. Die neue Verteilung der ehemaligen Herrschaft
Münzenberg sah wie folgt aus:
- Grafen von Hanau: 8/48 der Herrschaft
Münzenberg
- Grafen von Solms: 20/48
- Grafen von Stolberg: 10/48
- Erzstift Mainz: 10/48
Der Anteil von Mainz kam 1684 an die Grafen
von Hanau, die jetzt 18/48 innehatten. Dieser Teil kam mit dem
Erbe der Grafen von Hanau 1736 an Hessen-Kassel. Der Anteil fiel
1810 über Frankreich an Hessen-Darmstadt. Die Solmser Güter
kamen im frühen 18. Jh. direkt an Hessen-Darmstadt.
Was war aber mit dem Wappen?
Interessanterweise finden sich redende Siegel, z. B. von 1220,
die auf einem Dreiberg drei beblätterte Pflanzenstengel mit
jeweils einer Blüte tragen, traditionell als Minze (Münzenberg
= Minzenberg!) gedeutet. Alternative Siegelbilder zeigen auf
einem Dreiberg zwei durch eine Mauer verbundene Türme,
dazwischen ein Pflanzenstengel. Diese redenden heraldischen
Symbole, die auch auf den Münzenberger Münzen Anwendung fanden,
verschwinden mit dem Aussterben des Mannesstammes. Stattdessen
führen die Erben der Herrschaft Münzenberg das beschriebene
Heroldsbild, erst ein goldenes Feld mit rotem Schildhaupt, dann
mit einer rot-goldenen Teilung.
So kommt es, daß hier beide Ehepartner,
der eine aus dem Hause Solms, der andere aus dem Hause Hanau, das
Symbol für Münzenberg im gevierten Schild führen.
Zweites
Grafenpaar
Das im rechten Teil
abgebildete Paar ist:
- Otto I. Graf v. Solms-Laubach
(11.5.1496, Lich - 14.5.1522)
- Anna v. Mecklenburg
(14.9.1485 - 12.5.1525)
Anna von Mecklenburg ist übrigens
Urgroßmutter Gustav Adolfs von Schweden.
Eltern des Otto I. Graf v.
Solms-Laubach (11.5.1496 - 14.5.1522)
- Philipp Graf zu Solms-Hohensolms-Lich
(geb. 15.8.1468, gestorben am 3.10.1544 in Frankfurt am
Main)
- Adriana v. Hanau-Münzenberg
(1.5.1470, Hanau - 12.4.1524)
Eltern der Anna v. Mecklenburg (14.9.1485 -
12.5.1525):
- Magnus II. Herzog v.
Mecklenburg-Schwerin (1441 - 20.11.1503)
- Sophia v. Pommern-Wolgast (ca. 1458 -
26.4.1504)
Großeltern des Otto I. Graf
v. Solms-Laubach (11.5.1496 - 14.5.1522):
- Kuno Graf zu Solms-Hohensolms-Lich (-
1477)
- Walpurga v. Dhaun (- 1493)
- Philipp I. Graf v. Hanau Herr v.
Münzenberg (Sept. 1449 - 26.8.1500)
- Adriana v. Nassau-Dillenburg (7.2.1449
- 11.6.1477)
Großeltern der Anna v. Mecklenburg
(14.9.1485 - 12.5.1525):
- Heinrich IV. Herzog v.
Mecklenburg-Werle (ca. 1417 - 9.3.1477)
- Markgräfin Dorothea v. Brandenburg
(9.2.1420 - 19.1.1491)
- Erich II. Herzog v. Pommern-Wolgast
(ca. 1425 - 5.7.1474)
- Sophia v. Pommern-Stargard (ca.
1435/1437 - ca. 1494/1497)
Urgroßeltern des Otto I. Graf v.
Solms-Laubach (11.5.1496 - 14.5.1522):
- Johannes (V) Graf zu Solms-Lich (-
1457)
- Elisabeth v. Cronberg-Rödelheim
(-15.7.1438)
- Johann IV. Wild- und Rheingraf zu
Dhaun u. Kyrburg (vor 1422 - 30.6.1476)
- Elisabeth v. Hanau (1416 - 20.2.1446)
- Reinhard III. (IV) Graf v.
Hanau-Münzenberg (22.4.1412 - 20.4.1452)
- Margarete Pfalzgräfin bei Rhein zu
Mosbach (geb. 2.3.1432)
- Johann IV. Graf v. Nassau-Dillenburg
(1.8.1410 - 3.2.1475)
- Maria v. Loen-Heinsberg (1424 -
20.4.1502)
Urgroßeltern der Anna v. Mecklenburg
(14.9.1485 - 12.5.1525):
- Johann II. (IV) Herzog v.
Mecklenburg-Schwerin (- 16.10.1422)
- Katharina v.
Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg
- Friedrich I. Kurfürst v. Brandenburg
(1371 - 1440)
- Elisabeth Herzogin v. Baiern (1383 -
13.11.1442)
- Wartislaw IX. Herzog v.
Pommern-Wolgast (ca.1400 - 1457)
- Sophie v. Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg
(-1462)
- Bogislaw IX. Herzog v.
Pommern-Stargard (- 7.12.1446)
- Maria v. Masowien

Über der Darstellung der beiden Personen
freistehend auf dem Gebälk die zugehörigen Wappen. Das Solmser
Wappen zur optisch Linken ist von Aufbau her identisch mit dem
oben beschriebenen. Das Mecklenburger Wappen zur
optisch Rechten ist wie folgt aufgebaut:
- Hauptschild: geviert
- Feld 1: Herzogtum Mecklenburg.
In Gold ein schwarzer hersehender Stierkopf mit
silbernen Hörnern, mit Halsfell, goldener
Lilienkrone, aufgerissenem roten Maule und
ausgestreckter roter Zunge, weißen Zähnen und
Augen.
- Feld 2: Grafschaft Rostock. In
Blau ein goldener Greif.
- Feld 3: Grafschaft Stargard.
In Rot ein silberner rechter Arm, aus einer
silbernen Wolke (ursprünglich wohl ein
Puffärmel) wachsend, mit Armbinde (erst am
Unterarm, später am Oberarm), einen goldenen
Ring mit blauem Juwel haltend.
- Feld 4: Fürstentum Wenden. In
Gold ein schwarzer hersehender Stierkopf ohne
Halsfell mit silbernen Hörnern, goldener
Laubkrone, weißen Zähnen und Augen und roter
Zunge
- Herzschild: Grafen von Schwerin.
Geteilt, eigentlich rot über gold, hier gold-rot. Die
Farben wurden zwischenzeitlich umgesetzt, später aber
wieder in den Urzustand korrigiert.
Zwei Helme führt das
herzoglich-mecklenburgische Wappen:
- Helm 1: Auf einem hermelin-gestülpten
roten Hut ein natürlicher Pfauenfederstoß
(Stettin/Pommern)
- Helm 2: auf gekröntem Helm hinter
einem Schirmbrett aus grün-golden-rot-golden-schwarz
tingierten "Palisaden" ein wachsender,
schwarzer, golden gekrönter Stierkopf vor einem
natürlichen Pfauenfederbusch (Mecklenburg)
Zur Geschichte der mecklenburgischen
Helmzier(en): Diese durchläuft eine ziemliche Entwicklung:
- 1300, Sekretsiegel von Heinrich I und
Heinrich II, ein fächerförmiges Schirmbrett, dahinter
Pfauenfedern gesteckt. Dazwischen ein kleines Schildchen
mit dem Stierkopf.
- Linie Werle: Kleinod der Grafen von
Anhalt, zwei gekreuzte Pfauenwedel
- Linie Werle: Ein halber Stierkopf
direkt auf den Helm gesetzt. Bsp.: Siegel von Balthasar
von Mecklenburg, Herr zu Werle
- Linie Rostock: Grind mit Krone und
Hörnern eines Stierkopfes, die Hörner mit Pfauenfedern
besteckt, Bsp.: Siegel von Nikolaus von
Mecklenburg-Rostock
- Die Streifen des Schirmbrettes
("Palisaden") dürften ursprünglich
schwarz-golden gewesen sein (Stammfarben des
Mecklenburgischen Wappens). Nach dem Wiedererwerb von
Schwerin nahmen sie die Farben von Schwerin an (golden
und rot). Im 16. Jh. wurde das Schirmbrett bunt
gestreift.
- Als weitere Helmzier kam der Flug von
Schwerin hinzu, der später fälschlicherweise die Farben
von Rostock erhielt.
- Als weitere Helmzier kamen die Hörner
von Rostock ins Wappen, später erhielten sie
fälschlicherweise die Farben von Schwerin.

Drittes
Grafenpaar
Im mittleren Teil (ohne
gesonderte Abb.) ist das Denkmal für den Stifter selbst,
Reinhard I. Graf zu Solms-Hohensolms-Lich, geb. 12.10.1491, gest.
Sept.1562, und seine am 13.1.1524 in Hachenburg geehelichte Frau,
Maria v. Sayn (4.4.1506 - 31.5.1586). Reinhard I. Graf zu
Solms-Hohensolms-Lich ist der Bruder von dem im rechten Teil
abgebildeten Otto I. Graf v. Solms-Laubach (11.5.1496 -
14.5.1522) und der Sohn des im linken Teil abgebildeten Philipp
Graf zu Solms-Hohensolms-Lich (geb. 15.8.1468, gestorben am
3.10.1544).
Das Solmser Wappen ist von Aufbau her
identisch mit dem oben beschriebenen. Das Wappen der Grafen zu
Sayn zeigt in Rot einen goldenen Löwen; die Helmzier ist aber
nicht wie erwartet ein nach rechts gebogenes, goldenes
Widder-Horn (Sayn), sondern ein blauer sitzender Löwe,
offensichtlich ein Fehler, vielleicht später falsch aus den
einzelnen Teilen zusammengesetzt. Helmdecken nicht mehr
vorhanden.
Literatur,
Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage
2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897,
Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die
deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H.
Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Evangelische
Marienstiftsgemeinde Lich www.marienstiftsgemeinde-lich.de
Ausführliche Beschreibung der Kirche: http://www.marienstiftsgemeinde-lich.de/images/dokumente/MARIENSTIFTSKIRCHE%20ZU%20LICH%20Oberhessen.pdf - Text identisch mit dem Kirchenführer im Schnell
& Steiner Verlag, aber ohne die dortigen Abbildungen
Herbert Kammer, Evangelische Marienstiftskirche Lich/Oberhessen,
Schnell Kunstführer Nr. 666, 1957, 2. Auflage 1982, Verlag
Schnell & Steiner, München/Zürich.
H. Roth, Die plastischen Bildwerke in der Marienstiftskirche, in:
Licher Heimatbuch, Lich 1950
W. Küther: Das Marienstift Lich im Mittelalter, Lich 1977

Marienstiftskirche: J. v. Solms - Solms/Cronberg - F. v. Cronberg - Solms/Hanau/Sayn/Mecklenburg
Wappen der Grafen und Fürsten von Solms
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Marienstiftsgemeinde Lich (www.marienstiftsgemeinde-lich.de) und Herrn Pfarrer Lutz
Neumeier vom 10.12.2007, an dieser Stelle ein herzliches
Dankeschön.
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