Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 77
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Johann von Brunn, Epitaph

Das Epitaph des Fürstbischofs Johann II. von Brunn steht an einem Langhauspfeiler des Würzburger Domes. Der aus dem Elsaß stammende Johann studierte Ende des 14. Jh. in Prag und Heidelberg, und 1390 erhielt er seine ersten Pfründen als Domherr in Bamberg und als Propst von St. Stephan in Bamberg. Drei Jahre später bekam er auch einen Platz als Domherr in Würzburg. Auch in Speyer war er Domherr, hatte ein Domkanonikat in Mainz, war als Propst an St. Jakob in Bamberg etc. Diese vielen Posten dienten der Absicherung von Auskommen und Karriere, er studierte weiterhin in Prag und Wien. 1410 wurde er zum Pfleger des Hochstifts Bamberg bestellt. Doch der große Ruf kam aus Würzburg: Am 8.12.1411 wurde er, ein nichtfränkischer Außenseiter, vom Würzburger Domkapitel zum Bischof gewählt. 1419 sollte er auch noch in Bamberg Coadjutor werden, doch das zerschlug sich. Sein Epitaph zeigt ihn in klassischer gotischer Manier in vollem Ornat frontal fast die gesamte Fläche der Platte einnehmend, mit einem Löwen zu seinen Füßen, in der Rechten das Schwert, in der Linken den Krummstab, beide etwas steif und parallel haltend. Die beiden Lücken rechts und links des Kopfes werden von seinem Amtswappen und der Krümme des Bischofsstabes geschlossen. Die Inschrift ist stark fragmentiert und schwer zu entziffern, weil sie sich auf dem äußeren Rand in Form eines spiralförmig gewundenen Schriftbandes dreidimensional entlangzieht: "ANNO DOMINI MCCCCXL DIE SABBATHI POST EPIPHANIAM DOMINI OBIIT REVERENDUS PATER DOMINUS JOANNES DE BORN EPISCOPUS HUIUS ECCLESIAE".

 

In der heraldisch oberen rechten Ecke ist das fürstbischöfliche Amtswappen, welches nur als Schild ohne Oberwappen wiedergegeben wird. Das komplette Wappen ist gewendet. Der Schild ist - richtig herum dargestellt - geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Silber ein roter, mit der Biegung nach oben gelegter Angelhaken, Stammwappen derer von Brunn (hier gewendet!), Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Dieses Wappen ist ein typisches Beispiel für das Entstehen von Fehlfarben. Hier ist das Silber in allen 4 Feldern komplett im Laufe der Zeit geschwärzt. Solche Wappen werden von Laien gerne als Beispiel für die Mißachtung der Regel, daß Farbe nur an Metall stoßen darf, angeführt. In der Tat folgt aber dieses Wappen bis auf wenige Grenzlinien der Standarte der Farbregel sehr wohl, außerdem sind die Farben Rot und Silber für von Brunn hinreichend in anderen Beispielen belegt.

 

Das Epitaph ist mit einer 3-er-Ahnenprobe ausgestattet, anscheinend wurde der väterliche Stamm, ein niederadeliges Geschlecht aus dem elsässischen Niederbronn, durch das in der optisch oberen linken Ecke dargestellte Amtswappen als abgedeckt betrachtet. Der Schild heraldisch oben links ist kaum zu erkennen, er besitzt eine Teilung oder einen Balken (nach Octavian Salver von Rathsamhausen). Von den beiden unteren Wappen kann das heraldisch rechte mit dem Kelch als das Wappen der Staufenberg identifiziert werden. Des Bischofs Vater war Wilhelm von Brunn (-1401), Schultheiß zu Gengenbach, der Großvater väterlicherseits Caspar von Brunn, der eine Frau aus dem Geschlecht der von Staufenberg geheiratet hatte. Des Bischofs Schwester Susanne heiratete übrigens den Letzten im Mannesstamm der von Elm. Das gleiche Wappen mit dem Kelch kann übrigens auf der Burg Staufenberg bei Durbach (Ortenaukreis) wiedergefunden werden. Andere Quellen ordnen die Frau von Staufenberg bereits dem Wilhelm von Brunn zu, was aber aufgrund der Anordnung der Schilde auf dem Epitaph nicht sein kann, denn weil der Schild optisch unten links steht, muß es die Großmutter väterlicherseits sein. Die Mutter des Bischofs war nach Octavian Salver Gutta von Rathsamhausen, und deren Vater hatte eine von Apfenthal geheiratet, und zu dieser Großmutter mütterlicherseits würde der letzte Schild (Abb. oben rechts) gehören, in Rot ein schwarzer, mit drei silbernen Kugeln belegter Balken (Rietstap, Siebmacher Band: BayA2 Seite: 7 Tafel: 4, Band: BayA1 Seite: 3 Tafel: 1). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Mannesrumpf, auf dem Kopf ein roter Hut mit schwarzem, laubkronenartigem, mit drei silbernen Kugeln belegten Stulp, an der Spitze aus goldener Krone ein schwarzer Hahnenfederbusch (Wappenbuch des churbayrischen Adels, BSB Cgm 1508, Image 47). Im Ingeramschen Wappenbuch ist der Balken silbern, die Kugeln sind rot, der Spitzhut ist ganz silbern, der Stulp ist mit drei roten Kugeln belegt, im Rumohrschen Wappenbuch wird es genauso dargestellt.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Gerhard von Schwarzburg 1372-1400
Johann I. von Egloffstein 1400-1411
Johann II. von Brunn 1411-1440
Sigismund von Sachsen 1440-1443
Gottfried IV. Schenk von Limpurg 1443-1455
Johann III. von Grumbach 1455-1466
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642

Literatur und Links:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Siglinde Buchner, Anna von Rossau und Bischof Johann von Brunn.
Fr. Siglinde Buchner ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.
Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariates, Presse- und Informationsstelle, Domerschulstraße 2, 97070 Würzburg, vom 24.01.2007.
Johann II. von Brunn: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_II._von_Brunn
Franz Xaver von Wegele, Johann II. von Brunn, Bischof von Würzburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 445-450, online: http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Johann_II._%28Bischof_von_W%C3%BCrzburg%29
Alfred Wendehorst, das Bistum Würzburg Teil 2 - die Bischofsreihe von 1254 bis 1455, Germania Sacra, Neue Folge 4, Berlin 1969, ISBN 3-11-001291-X, S. 142-164, online:
http://personendatenbank.germania-sacra.de/books/view/12/154 - http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16E3-3
Alfred Wendehorst, Johann II. von Brunn, in: Neue Deutsche Biographie, Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 545, online:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz45857.html
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 269-270

Dom, Otto II. von Wolfskeel - Dom, Albrecht II. von Hohenlohe - Dom, Johann I. von Egloffstein - Dom, Gottfried Schenk von Limpurg - Dom, Johann von Grumbach - Dom, Rudolf von Scherenberg - Dom, Lorenz von Bibra

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Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

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