Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 770
Echternach (Großherzogtum Luxemburg)

Echternach: Abtei, Konventsgebäude

Echternach, im Osten des Großherzogtums Luxemburg direkt an der Sauer gelegen, besitzt eine Abtei mit uralten Wurzeln. Hier kam gegen Ende des 7. Jh. der Hl. Willibrord an, ein angelsächsischer Friesenmissionar. Um 658 war er in Northumberland geboren worden. Seine Erziehung erfuhr er im englischen Kloster Ripon. In Irland empfing er die Priesterweihe, und um 690 begann er, das europäische Festland zu missionieren. Er wurde Bischof von Utrecht. In enger Zusammenarbeit mit den Merowingern machte er sich daran, eine kirchliche Institution in Zentraleuropa aufzubauen. Die Trierer Äbtissin Irmina von Oeren schenkte ihm anläßlich seines Besuches 698 einen Teil des Gutes Echternach, wo sich einst ein römischer Gutshof befand, der im 5. Jh. durch die Barbareneinfälle zerstört wurde. An der Stelle, wo sich heute eine gigantische Klosteranlage erstreckt, errichte Willibrord die erste Kirche und gründete eine Ordensgemeinschaft, die nach der Benediktinerregel lebte. Er besaß zuerst nur einen Teil des einstigen römischen Gutes, bekam den Rest aber von Plektrudis von Oeren geschenkt, der Tochter von Irmina und Gattin Pippins II.

Am 7.11.739 starb Willibrord in seinem Kloster, wo sich alsbald die entsprechende Heiligenverehrung und Wallfahrten einstellten. Die Pilger waren der Antrieb zur Vergrößerung der Abtei und auch die Quelle des Wohlstandes. Um 800 wurde schon die zweite, größere Kirche notwendig. Unter Kaiser Karl dem Großen wurde Echternach kaiserliche Abtei. Die Abtei war reichsunmittelbar und erhielt 992 von Kaiser Otto dem Großen sogar das Recht, eigene Münzen zu prägen. 1031 wurde die dritte Kirche erbaut, nachdem der zweite Bau 1016 einem Brand zum Opfer fiel. Diese romanische Basilika mit ihrem berühmten Stützenwechsel ist heute zu sehen, ergänzt durch mehrere angebaute barocke Kapellen. Im 13. Jh. wurde die romanische Kirche mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe eingewölbt. Die bürgerliche Ansiedlung rings um die Abtei erhielt 1236 das Stadtrecht. Aber der Territorialherr von Echternach blieb der Abt, der auch die hohe Gerichtsbarkeit innehatte.

Abb.: Blick auf das Konventsgebäude, rechts im Bild zwei der vier Türme der Abteikirche

Anders das angrenzende Konventsgebäude. Jenes war zu Beginn des 18. Jh in beklagenswertem Zustand, so daß ein kompletter Neubau überfällig wurde. Baumeister ist Leopold Durand (1666-1749), der hier ein schloßartiges neues Konventsgebäude als Vierflügelanlage um einen rechteckigen Hof erschuf im Stile des klassischen französischen Barocks. Entstanden ist eine Architektur, die sich ohne weiteres mit zeitgenössischen französischen Schlössern messen kann, zwei Stockwerke, ein Sockel- und ein Mezzanin-Geschoß, kraftvoll hervortretende zweiachsige Eckrisalite mit Segmentbogengiebel unter dem Dachaufsatz, flacherer, dreiachsiger Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel und vorgebauter doppelläufiger Freitreppe.

Abb.: Im Dreiecksgiebel des Mittelrisalits des Konventsgebäudes ist das unten beschriebene Wappen zu erkennen.

Die altehrwürdige Abteikirche sollte ursprünglich auch durch einen barocken Bau ersetzt werden, glücklicherweise blieb sie erhalten, weil die Pläne nicht zur Ausführung kamen. Bis 1794 währte die äbtliche Herrlichkeit. Dann wurde Echternach von den Revolutionstruppen Frankreichs erobert und geplündert. 1797 wurde der gesamte Klosterbesitz versteigert; das Kloster aufgehoben. Die Abteikirche wurde Fabrik, wurde jedoch später mühevoll gerettet und repariert. Doch damit ist der Leidensweg der Abtei noch nicht zu Ende, 1944 wurde der Westteil von deutschen Truppen gesprengt. Erst 1953 war der Wiederaufbau abgeschlossen, dabei mußten alle vier Türme und der komplette Westteil erneuert werden; nur der Chor und die Krypta sind noch originale romanische Bausubstanz. Die Abteigebäude haben nicht ganz so viele Schäden davongetragen, so daß die Bausubstanz noch weitgehend authentisch barock ist. 1988 zum Willibrordsjahr wurde die Instandsetzung abgeschlossen.

Hier im Dreiecksgiebel des Mittelrisalites haben wir zwei Wappenkartuschen, die in der Art eines Allianzwappens nebeneinanderstehen. Zwei auf schrägen Podesten sitzende Engel flankieren das Wappen, und die Inful sowie Abtspedum und Schwert hinter der barocken Kartusche markieren den fürstlichen Rang der Äbte. Insgesamt haben wir drei verschiedene Komponenten:

Literatur, Quellen und Links:
Freundliche Auskunft von Frau Martine Wielkowolsky, Guide officiel, Echternach, vom 20.8.2007, wofür ihr an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Alex Langini, Echternach, Grand-Duché de Luxembourg, Peda-Kunstführer Nr. 072/1993, ISBN 3-927296-79-1, Kunstverlag Peda Passau, 1993
M. Schmitt, die Bautätigkeit der Abtei Echternach im 18. Jh., Luxembourg 1970.

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