Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 798
"Schönborn-Barock": Schloß Bruchsal - Teil (1)

Schloß Bruchsal, Übersicht über das Schloß und die Position der Wappen

Die historischen Rahmenbedingungen
Welchen Umständen verdanken wir die Entstehung dieses barocken Ensembles, das nicht nur Schloß ist, sondern ein städtebauliches Konzept mit vielen Nebengebäuden, die um das Schloß herum eine ideale Anordnung von Regierungs- und Verwaltungsbauten aufbauen? Versetzen wir uns in die Geschichte des späten 17. Jh.: Drei Faktoren kamen zusammen.

Das Bistum Speyer löste sich 1711 aus der Abhängigkeit von Mainz und Trier. Vorher war es rund ein Jahrhundert in Personalunion regiert worden, und damit eigentlich nur eine Provinz eines bedeutenderen Bistums. Das änderte sich erst 1711 mit der Wahl von Freiherr Heinrich Hartard von Rollingen zum Bischof von Speyer: Man war wieder selbständig.

Warum Bruchsal und nicht Speyer? Schon Freiherr Heinrich Hartard von Rollingen zog nach Bruchsal. Zum einen, weil seine Familie dort ein Anwesen besaß, das sich als Interims-Sitz eignete, zum andern, weil die Bürger der Reichsstadt Speyer den Bischöfen und Landesherren das Leben mit blutigen Aufständen schwergemacht hatten. Die Bürger von Speyer belagerten sogar den neuen Bischof in seiner Wohnung, und er mußte sich durch ihm ergebene Bauern befreien lassen, welche Schmach. Deshalb verzichtete man auf die Wiederherstellung des alten Bischofssitzes in der Stadt Speyer und begab sich lieber in sichere Entfernung von der aufmüpfigen Reichsstadt. Mit der Etablierung einer Residenz fernab des eigentlichen Bischofssitzes stehen die Bischöfe von Speyer nicht alleine da, man vergleiche Konstanz / Meersburg, Köln / Bonn und Brühl etc.

General Duras hatte im Pfälzischen Erbfolgekrieg am 28.1.1689 die Stadt Bruchsal mit schwerer Artillerie beschossen und eingenommen. Nur wenige Häuser hatten den Sturm auf die Stadt, den Brand derselben und die Vernichtung durch französische Dragoner 1690 überstanden. Im Grunde war Bruchsal eine Ruine. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der sog. „Türken-Louis“, gelang es schließlich, die französischen Truppen zurückzudrängen, und der Frieden von Rijswijk gab schließlich den Weg frei für den Wiederaufbau der Stadt. Man konnte frei planen, denn die Stadt existierte praktisch nicht mehr, sondern war faktisch "tabula rasa".

Heinrich Hartard von Rollingen (1711 - 1719), der Bischof, der das Bistum Speyer wieder selbständig machte, war bereits in fortgeschrittenem Alter, so daß ihm auf kaiserliche Empfehlung zu seiner Entlastung der Mann zur Seite gestellt wurde, der Bruchsal wie kein anderer vor oder nach ihm prägen sollte: Am 21.7.1716 wurde Damian Hugo von Schönborn vom Domkapitel einstimmig zum Coadjutor cum iure succedendi gewählt - Hilfsbischof mit dem Recht auf Nachfolge. Schönborn versuchte erneut, in der Stadt Speyer Fuß zu fassen, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Der Blick auf die Bauprojekte anderer Landesherren in der Nachbarschaft wie

und das stets vorhandene große Vorbild französischer Herrschaftsarchitektur insbesondere in Versailles machten die Entscheidung leicht, in Bruchsal einen neuen, zeit- und standesgemäßen Anfang zu suchen, was ihm von der Bruchsaler Bevölkerung leicht gemacht wurde, die ihre Stadt für das Vorhaben andiente.

Alle diese Faktoren führten dazu, daß Hugo Damian von Schönborn (reg. 1719 - 1743) hier in Bruchsal einen der großartigsten barocken Schloßkomplexe planen und realisieren konnte.

Abb.: Blick von Süden auf Corps de logis (links), nördlichen Zwischenbau (Mitte) und Kammerflügel (rechts)

Konzept einer barocken Anlage
Betrachten wir die gesamte Anlage einmal unabhängig von der Entstehungszeit im Einzelnen, so ergibt sich eine nahezu ideale Anordnung der einzelnen Gebäude. Das Herzstück ist natürlich der Dreiflügelbau, in der Mitte das Corps de logis mit den Repräsentationsräumen, seitlich Kammerflügel und Kirchenflügel. Die beiden letzteren sind durch kleinere Verbindungsbauten vom Hauptbau abgesetzt, durch die jeweils ein Tordurchgang zum Park führt.

Abb.: Symmetriekonzept der barocken Anlage

Ganz besonders faszinierend ist in Bruchsal die Anordnung der Nebengebäude, die neben dem Hauptbaukörper, der Dreiflügelanlage, ein städtebaulich interessantes Konzept schaffen, das zwei sich kreuzenden Symmetrieachsen folgt. Vor und neben dem Schloß und gegenüber der Schönbornstraße entstehen viele Verwaltungsgebäude, die der gleichen Symmetrieachse wie die Dreiflügelanlage folgen und konzeptionelle Elemente der Anordnung auf der Schloßseite auf der anderen Straßenseite invers widerspiegeln. Im einzelnen entstehen folgende paarig errichtete Nebengebäude, die alle der durch den Dreiflügelbau verlaufenden Achsensymmetrie untergeordnet sind:

Unpaarig angeordnet sind die Bauten, die in der Hauptachse liegen:

Abb.: Blick auf das Corps de logis

Eine weitere Achse, senkrecht zur Hauptachse, wird entlang der Schönbornstraße aufgebaut. Auch hier ergeben sich paarig angeordnete Bauten:

Die Achse wird durch einen symmetrischen Einzelbau abgeschlossen, dem Damianstor im Norden.

Daneben gibt es Einzelbauten, die sich nicht dem großen Achsenkonzept unterordnen, z. B.

Abb.: Blick entlang der Schönbornstraße in Richtung auf das Damianstor

Position der Wappen
Der Ehrenhof ist das zentrale Element der gesamten Anlage. Jeder der drei Flügel öffnet sich mit einem Prunkportal zum Ehrenhof, jedes wappengeschmückt. Stellt man sich gar vor das Tor mitten auf die Schönbornstraße auf den Schnittpunkt beider Symmetrieachsen, erblickt man insgesamt 13 Wappen von 22 in der gesamten Anlage, wenngleich die weiter entfernten (Nr. 11 und 12) eher theoretisch wahrgenommen werden können. Lediglich das parkseitige Giebelwappen, das ebenfalls dort befindliche Brüstungswappen und das Wappen auf der Feldseite des Damianstores sowie die an den 6 Torpfosten bleiben dem Betrachter verborgen. Die Zahl 13 kommt zustande, weil an Position 3 zwei übereinander sind, neben der gleich konzipierten gartenseitigen Rückseite der einzige Ort, an dem dies so ist, den wichtigsten Punkt der ganzen Anlage derartig betonend.

Abb.: Grundriß der Gesamtanlage mit Position aller hier besprochenen Wappen. Insgesamt kommen wir auf 22 Wappendarstellungen an 16 verschiedenen Stellen.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher (insbesondere Band Bistümer)
Kurt Lupp: Schloß Bruchsal, Bau, Zerstörung und Wiederaufbau, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 21, Verlag Regionalkultur, 2003, ISBN 3-89735-263-X
Informationstafeln an den Gebäuden
Kurt Andermann, Otto B. Roegele, Residenzen der Bischöfe von Speyer: Speyer - Udenheim - Bruchsal, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 5, Verlag Regionalkultur, 1989
http://www.schloss-bruchsal.de/de/schloss-bruchsal
http://www.schloesser-magazin.de/de/saekularisation/Schloss-Bruchsal/236276.html
http://www.belle-alliance.com/bruchsal/bruchsal.html
Hans Huth: Schloss Bruchsal. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer (Langewiesche-Bücherei). 3. Auflage. Langewiesche, Königstein 1990, ISBN 3-7845-0311-X
Hajo Rheinstädter: Schloß Bruchsal. Führer. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Staatsanzeiger für Baden-Württemberg/Brausdruck, Heidelberg 1996, ISBN 3-932489-02-0
Artur Hassler: Der Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses - Sonderbeilage der BNN 28.2.1975 zur Schloßeinweihung
Thomas Moos: Bruchsal, ein Rundgang durch Geschichte und Gegenwart, Verlag Regionalkultur, ISBN 3-89735-202-8
Hans Huth: Der Wiederaufbau des Schlosses in Bruchsal - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 4/1975, S. 143-148
Ausstellungskatalog "Die Grafen von Schönborn. Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene", Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1989

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