Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 805
"Schönborn-Barock": Schloß Bruchsal - Teil (8)

Schloß Bruchsal, Wappen 7: Forstamtsgebäude

Das Forstamtsgebäude steht östlich der Schönbornstraße gegenüber dem Hofzahlamt und ist äußerlich baugleich mit dem nördlichen Pendant, der Kommandantenwohnung. Es wurde 1722-1725 errichtet. Was vor allem bei dem Bruchsaler Gesamtkonzept auffällt, ist die Zuordnung einzelner kleiner Bauten zu einzelnen Verwaltungsfunktionen, in der ein ganz eigenes, für die damalige Zeit revolutionäres Verwaltungskonzept zutage tritt. In der Tat war eine der größten Leistungen von Damian Hugo von Schönborn die Reform und Reorganisation der Zentralbehörden, die Zahlkassenordnung und die Kammerordnung. Eine straffe Organisation, die unweigerlich bei ihm selbst als oberster Instanz endete, aber auch eine effektive Verwaltung war es, die er schuf, bestehend aus der Kammer, dem Geheimen Rat und den nach Sachgruppen eingeteilten Fachämtern (auch Departement oder Deputation genannt), wofür er das Prinzip der strikten Trennung der Sachgebiete, der Referatsbildung festlegte.

So konnte es sein, daß er eines der gigantischsten Bauprojekte des Barocks finanzierte und das Land beim Ende seiner Amtszeit dennoch wirtschaftlich wesentlich besser dastand als vorher, woran auch das unermüdliche persönliche Engagement des Landesherrn selber, der am liebsten trotz steter Arbeitsüberlastung alles selbst kontrollierte, nicht unwesentlich beitrug. Damian Hugo hatte als Verwalter der beiden Balleien des Deutschen Ordens viel Erfahrung in Verwaltung sammeln können, dies kam ihm jetzt zugute. Nach der Säkularisierung war hier im Forstamtsgebäude ab 1803 die Dienstwohnung der Großherzoglich Badischen Domänenverwaltung untergebracht.

Abb.: Blick von Osten auf die Rückseite des Forstamtes. Das Wappen befindet sich über dem Eingang der repräsentativen Vorderseite der Schönbornstraße zugewandt.

Das Wappen ist darstellungsgleich mit dem an der Kommandantenwohnung. Bestes Licht für's Photographieren: spätnachmittags.

Das Prunkwappen am Forstamt:
Auf schlichtem, unregelmäßig geformten, weiß mit goldener Bordierung gestrichenen Untergrund werden unter einem roten Kardinalshut mit jeweils zu einem Achtknoten (aber nicht korrekt gesteckt) verschlungenen Schnüren und beiderseits 10 (1:2:3:4, teilweise verdeckt) roten Fiocchi drei einzelne Wappenschilde zusammengestellt, die beiden äußeren stark asymmetrisch verzogen, der untere oben in der Mitte mit je einer Kette an die beiden äußeren Schildkartuschen angekettet, hinter den Schilden ein Vortragekreuz und ein Krummstab auf den geistlichen Rang und ein Schwert auf die Landesherrschaft verweisend. Oberhalb der Schilde, aber unterhalb des Kardinalshutes ist ein roter, hermelinverbrämter Fürstenhut zu sehen. Hinter den Schilden, aber eine Ebene vor dem Vortragekreuz liegt außerdem noch ein riesiges schwarzes, silbern bordiertes Tatzenkreuz des Deutschen Ordens.

Abb.: Grundriß der Gesamtanlage mit Position des besprochenen Wappens.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher (insbesondere Band Bistümer)
Kurt Lupp: Schloß Bruchsal, Bau, Zerstörung und Wiederaufbau, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 21, Verlag Regionalkultur, 2003, ISBN 3-89735-263-X
Stephan Mauelshagen, Ordensritter - Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN 3-89735-173-0
Informationstafeln an den Gebäuden
Hans Leopold Zollner, Damian Hugo von Schönborn und seines "Lebens Arbeit", Beiträge zur Landeskunde, regelmäßige Beilage zum Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, Nr. 6, Dez. 1975
Kurt Andermann, Otto B. Roegele, Residenzen der Bischöfe von Speyer: Speyer - Udenheim - Bruchsal, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 5, Verlag Regionalkultur, 1989
http://www.schloss-bruchsal.de/de/schloss-bruchsal
http://www.schloesser-magazin.de/de/saekularisation/Schloss-Bruchsal/236276.html
http://www.belle-alliance.com/bruchsal/bruchsal.html
Hans Huth: Schloss Bruchsal. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer (Langewiesche-Bücherei). 3. Auflage. Langewiesche, Königstein 1990, ISBN 3-7845-0311-X
Hajo Rheinstädter: Schloß Bruchsal. Führer. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Staatsanzeiger für Baden-Württemberg/Brausdruck, Heidelberg 1996, ISBN 3-932489-02-0
Artur Hassler: Der Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses - Sonderbeilage der BNN 28.2.1975 zur Schloßeinweihung
Thomas Moos: Bruchsal, ein Rundgang durch Geschichte und Gegenwart, Verlag Regionalkultur, ISBN 3-89735-202-8
Hans Huth: Der Wiederaufbau des Schlosses in Bruchsal - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 4/1975, S. 143-148

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