Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 807
"Schönborn-Barock": Schloß Bruchsal - Teil (10)

Schloß Bruchsal, Wappen 9: Kommandantenwohnung

Die Kommandantenwohnung steht östlich der Schönbornstraße gegenüber dem Hofkontrollamt und ist äußerlich baugleich mit dem südlichen Pendant, dem fürstbischöflichen Forstamt. Das Wohnhaus wurde 1725 fertiggestellt.

Nach der Säkularisierung waren hier ab 1803 Privatwohnungen eingerichtet, zeitweilig wurde das Gebäude von der Großherzoglich Badischen Domänenverwaltung genutzt. Heute ist hier das Amtsgericht, genauer das Familiengericht untergebracht.

Das Prunkwappen am Kommandantenwohnhaus:
Auf schlichtem, unregelmäßig geformten, weiß mit goldener Bordierung gestrichenen Untergrund werden unter einem roten Kardinalshut mit jeweils zu einem Achtknoten (aber nicht korrekt gesteckt) verschlungenen Schnüren und beiderseits 10 (1:2:3:4, teilweise verdeckt) roten Fiocchi drei einzelne Wappenschilde zusammengestellt, die beiden äußeren stark asymmetrisch verzogen, der untere oben in der Mitte mit je einer Kette an die beiden äußeren Schildkartuschen angekettet, hinter den Schilden ein Vortragekreuz und ein Krummstab auf den geistlichen Rang und ein Schwert auf die Landesherrschaft verweisend. Oberhalb der Schilde, aber unterhalb des Kardinalshutes ist ein roter, hermelinverbrämter Fürstenhut zu sehen. Hinter den Schilden, aber eine Ebene vor dem Vortragekreuz liegt außerdem noch ein riesiges schwarzes, silbern bordiertes Tatzenkreuz des Deutschen Ordens.

Das Wappen ist darstellungsgleich mit dem am Forstamt. Bestes Licht für's Photographieren: spätnachmittags. Hier eine morgendliche Aufnahme.

Das gleiche Wappen im goldenen Licht des Sonnenuntergangs.

Warum ist Weißenburg im Wappen?
Der Fürstbischof von Speyer war gleichzeitig auch Propst des Stiftes Odenheim und Fürstpropst des Stiftes Weissenburg.
Odenheim war eine 1122/1123 gegründete Benediktinerabtei, später Chorherrenstift im Nordosten von Bruchsal, und seit dem 16. Jh. galt diese Personalunion zwischem dem Bischof von Speyer und dem Propst von Odenheim, ein in Damian Hugos Amtszeit nicht einfaches Verhältnis zwischen Abtei und Fürstbischof.
Die gefürstete Propstei Weissenburg (im nördlichen Unterelsaß nahe der deutsch-französischen Grenze gelegen, Wissembourg) kam 1545/46 in die Personalunion mit Speyer. Automatisch war der jeweilige Bischof auch Fürstpropst der im 7. Jh. gegründeten Benediktinerabtei, die früher ein bedeutendes Kulturzentrum der fränkischen Könige war. Die Abtei war sogar reichsunmittelbar und ranggleich mit Fulda, Prüm oder der Reichenau. Durch den sog. salischen Kirchenraub verlor die Abtei große Teile ihres Besitzes. Seit dem 13. Jh. war der Abt Reichsfürst. 1525 wurde die mittlerweile völlig verarmte Abtei unter dem letzten Abt, Rudigerus (1500 - 1545), in ein Kollegiatstift umgewandelt, schließlich mit dem Hochstift Speyer vereinigt. Politisch war das für den Fürstbischof von Speyer eine Gratwanderung, denn Teile der Kloster-Ländereien gehörten faktisch zu Frankreich, denn 1672 wurde Weißenburg zusammen mit dem Elsaß von Frankreich annektiert, die ursprünglich weißenburgischen Ämter Dahn, Lauterburg und Madenburg bildeten jedoch wichtige linksrheinische Gebiete des Landesterritoriums. 1789 wurde die Abtei aufgelöst. Von 1871 bis 1918 gehörte die Stadt Weissenburg wieder zum Deutschen Reich, 1918-1940 wieder zu Frankreich, 1940-1945 wieder zum Deutschen Reich, ab 1945 war sie wieder französisch.

Abb.: Blick auf das Hofkontrollamt (links, diesseits der Straße) und Kommandantenwohnhaus (rechts, jenseits der Straße)

Abb.: Grundriß der Gesamtanlage mit Position des besprochenen Wappens.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher (insbesondere Band Bistümer)
Kurt Lupp: Schloß Bruchsal, Bau, Zerstörung und Wiederaufbau, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 21, Verlag Regionalkultur, 2003, ISBN 3-89735-263-X
Stephan Mauelshagen, Ordensritter - Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN 3-89735-173-0
Informationstafeln an den Gebäuden
Hans Leopold Zollner, Damian Hugo von Schönborn und seines "Lebens Arbeit", Beiträge zur Landeskunde, regelmäßige Beilage zum Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, Nr. 6, Dez. 1975
Kurt Andermann, Otto B. Roegele, Residenzen der Bischöfe von Speyer: Speyer - Udenheim - Bruchsal, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 5, Verlag Regionalkultur, 1989
http://www.schloss-bruchsal.de/de/schloss-bruchsal
http://www.schloesser-magazin.de/de/saekularisation/Schloss-Bruchsal/236276.html
http://www.belle-alliance.com/bruchsal/bruchsal.html
Hans Huth: Schloss Bruchsal. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Speyer (Langewiesche-Bücherei). 3. Auflage. Langewiesche, Königstein 1990, ISBN 3-7845-0311-X
Hajo Rheinstädter: Schloß Bruchsal. Führer. Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Staatsanzeiger für Baden-Württemberg/Brausdruck, Heidelberg 1996, ISBN 3-932489-02-0
Artur Hassler: Der Wiederaufbau des Bruchsaler Schlosses - Sonderbeilage der BNN 28.2.1975 zur Schloßeinweihung
Thomas Moos: Bruchsal, ein Rundgang durch Geschichte und Gegenwart, Verlag Regionalkultur, ISBN 3-89735-202-8
Hans Huth: Der Wiederaufbau des Schlosses in Bruchsal - Denkmalpflege in Baden-Württemberg 4/1975, S. 143-148

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