Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 817
Burgen und Schlösser in Franken: Rabenstein

Burg Rabenstein

Hoch über dem Ailbachtal liegt auf einem Felsensporn eine der malerischsten Burgen der Fränkischen Schweiz: Burg Rabenstein, Gemeinde Ahorntal, zwischen Pottenstein und Waischenfeld. Entlang einer schmalen Felsnase zieht sich die Burg bis über den Felsabsturz, viermal so lang wie breit. Sie beeindruckt mehr durch die Lage als durch Authentizität der Substanz. Vor allem aus dem Tal erst wird die abenteuerliche Lage so richtig deutlich.

Die Burg Rabenstein ist vermutlich eine Gründung der Edelfreien von Waischenfeld (vor 1188 AD). Um 1188 wird ein Eschwin de Rabenstein erstmalig urkundlich erwähnt, ein Ministerialengeschlecht, Dienstmannen der Waischenfelder Dynasten, das sich jetzt erstmalig nach der Burg benannte und als redendes Wappen den Raben führte. Im 13. Jh. aber zog sich die Familie ins Ahorntal zurück. Die Burg Rabenstein selbst aber taucht erst 1307 als "purch ze dem Rabenstein" in den Urkunden auf anläßlich der Übergabe durch Konrad von Schlüsselberg an das Ministerialengeschlecht Groß von Trockau (stammesverwandt mit den Rabensteinern), welche sich nun hier Groß von Rabenstein nannten. Als die Dynasten von Waischenfeld ausstarben, wurden sie 1219 von den Schlüsselbergern beerbt, die jetzt Dienstherren der Rabensteiner werden. Als Konrad II von Schlüsselberg, Sohn von Eberhard III. v. Schlüsselberg, am 14.9.1347 auf Burg Neideck stirbt und der Welt drei Töchter hinterläßt, fällt der Rabenstein an die Burggrafen von Nürnberg, die es nacheinander verschiedenen Familien zu Lehen gaben.

Im Jahre 1400 veräußert Johann III Burggraf von Nürnberg den Rabenstein an Konrad von Aufseß unter der Bedingung des Wiederaufbaus, genauer der Investition einer bestimmten Summe in Baumaßnahmen, denn die Burg war 1388 im Städtekrieg zwischen dem Schwäbischen Städtebund und den bayerischen Herzögen (1387 - 1389) stark beschädigt worden. Anlaß dieses Krieges war 1387 ein Bündnis zwischen dem Schwäbischen Bund und dem Erzbistum Salzburg, das Friedrich Herzog von Bayern nicht hinnehmen wollte. Er nahm daraufhin kurzerhand Pilgrim, Erzbischof von Salzburg, gefangen und versuchte dadurch die Auflösung des Bündnisses zu erpressen. Der wahre Grund aber war die Auseinandersetzung zwischen aufstrebenden Landesherrschern und den Städten um Einfluß auf die Reichspolitik. Der Reichskrieg gegen Bayern wurde beschlossen. Der die unmittelbare Kriegsgefahr abwendende Vergleich von 1388 wurde nur von den Städten eingehalten, nicht von den Herzögen, weitere Übergriffe auf Städte folgten. Viele Adlige ergriffen die Partei der Herzöge, Nürnberg kam eine vermittelnde Rolle zu. Es kam zu Kriegshandlungen beider Parteien auch in Franken, bis am 5.5.1389 in Eger der Landfrieden geschlossen wurde und den Krieg beendete. Doch kaum aufgebaut, den Hussitenkrieg hatte man ohne Schäden überlebt, wurde Rabenstein schon wieder 1460-1462 im Markgräflerkrieg (Fürstenkrieg) zwischen dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg und Herzog Ludwig von Bayern-Landshut et al. zerstört; 1463 werden die Reste abgebrochen. Es bleibt nur eine Ruine, die Konz von Wirsberg 1489 zu Lehen erhält, wieder unter der Bedingung des Wiederaufbaus, was er auch innerhalb von 8 Jahren bewerkstelligte, was eine Vertragsbedingung war. Es war nicht viel übrig von der alten Burg, denn Hauptburg, Vorburg, beide Zwinger und die Türme am Westzwinger mußten wiedererrichtet werden. Dazu paßt auch die Jahreszahl im Sturz des Hauptportals, 1495, 6 Jahre nach Übernahme der Burg und Beginn der Bauarbeiten.

Erstmals wurde die ganze Burg in Stein ausgeführt. Zwischenzeitlich werden die Stiebar Besitzer der Burg. 1557 kommt die Burg Rabenstein an Wolf von Rabenstein zu Kirchahorn. Endlich hat das Geschlecht, das den Namen der Burg trägt, seine Stammburg wieder als Lehen in seinem Besitz. Ein weiterer wichtiger Besitz der Rabensteiner ist die nahe gelegene Burg Rabeneck. Weitere Besitzungen der Familie sind Adlitz, Trautenberg, Kirchahorn, Wirsberg, Weyer, Hirschaid und Tüchersfeld.

Um 1570 wird die Burg Rabenstein unter Daniel von Rabenstein, dessen Wappen das Hauptportal ziert, umgebaut. Aus dem Verteidigungsbau wird eine dreiflügelige wohnliche Anlage im Vorburgbereich, aus der Burg wird ein Wohnschloß. Vor allem aber faßte er beide Teile der Burg baulich zu einem Ganzen zusammen, die Vorburg und die dahinter auf der Felsnase gelegene Hauptburg, wozu der Zwischenraum zwischen beiden Felsen verfüllt wurde. Aus dieser Zeit stammt das Renaissance-Portal im Norden der Anlage mit den Wappen von Daniel von Rabenstein und seiner Ehefrau Margarete von Kerpen.

Dabei unterscheiden wir zwei rheinische Geschlechter mit dem Namen "von Kerpen": Die Edlen Herren von Kerpen führen in Silber einen roten Zickzackbalken (Sparrenbalken). Helmzier ein wie der Schild bezeichneter Köcher, aus dem ein roter Fuchs wächst. Helmdecken silbern-rot. Dagegen führen die Freiherren von Kerpen, und um die handelt es sich hier, in Silber einen roten Zickzackbalken (Sparrenbalken). Helmkrone. Helmzier ein wie der Schild bezeichneter offener Flug. Helmdecke rot-silbern. Beide Familien unterscheiden sich also nur durch das Oberwappen.

Die Herren von Rabenstein führen in Gold einen schwarzen Raben, auf einem grünen oder schwarzen Dreiberg stehend. Der heraldisch stilisierte Dreiberg wurde in späterer Zeit auch durch einen natürlichen Felsen ersetzt. Die Helmzier der Rabensteiner ist der schwarze Rabe, später auch auf einem Nest mit Jungen stehend. Eine solche freistehende Figur ist schnell beschädigt, so auch hier, und bei einer der vielen Wiederherstellungen hat man statt des Rabens drei Federn genommen, eine phantasielose Allerweltshelmzier.

Die Familie von Rabenstein stellte mit Wolf Wilhelm von Rabenstein 1623, Christian Friedrich von Rabenstein 1652, Hans Christoph von Rabenstein1654, Christoph Friedrich von Rabenstein und Peter Johann Albrecht von Rabenstein insgesamt 5 Ritterhauptleute des Kantons Gebirg.

Die dritte Zerstörung von Burg Rabenstein kommt schon 1634, als die Waischenfelder die Burg im 30jährigen Krieg niederbrennen, denn Hans Christoph von Rabenstein stand auf schwedischer Seite, und als die Schweden abgezogen waren und ihren Parteigänger schutzlos zurückließen, beglich das katholische Landvolk offene Rechnungen aus der Zeit des Leidens. Nur notdürftig wurden einige Gebäude danach hergerrichtet, der Wirtschaftshof, der ja Einkünfte der Familie sicherte, wurde wieder instandgesetzt, aber die Rabensteiner zogen aus der Stammburg wieder aus und ließen die Ruine liegen. Sie zogen nach Kirchahorn und Weiher. Peter Johann Albrecht von Rabenstein wird mit der nahe gelegenen Burg Rabeneck belehnt. 1742 starben die Rabensteiner mit dem Ritterhauptmann Peter Johann Albrecht von Rabenstein aus. Es kommt kurz darauf zu einem weiteren Besitzwechsel auf dem Rabenstein: Die Käufer sind die Grafen von Schönborn-Wiesentheid. Zu Beginn des 19. Jh. ist die Burg unbewohnt und in schlechter Verfassung. 1829 erwacht wieder das Interesse am Rabenstein, anläßlich des Besuches von König Ludwig I von Bayern mit seiner Gemahlin Theresia im Jahre 1830 werden durch Graf Franz-Erwein von Schönborn-Wiesentheid Umbauten vorgenommen, auch werden als "störend" empfundene Mauerreste abgebrochen, damals sah man Denkmalpflege eben etwas anders. Weitere Umbauten unter Verlust authentischer Substanz werden anläßlich der Einrichtung eines Hotels und eines Restaurants vorgenommen. Schließlich verkauften die Grafen von Schönborn die Burg an ein Reiseunternehmen, und es erfolgt eine historisierende Neugestaltung. Seit 2004 befindet sich die Burg in der Hand der Burg Rabenstein Event GmbH. Heute kann Burg Rabenstein als Museum besichtigt werden; die Räumlichkeiten können aber auch für Tagungen, Hochzeiten, Familien- und Firmenfeiern angemietet werden, ferner stehen 22 Hotelzimmer zur Verfügung.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Gustav Voit, Brigitte Kaulich, Walter Rüfer: Vom Land im Gebürg zur Fränkischen Schweiz - Eine Landschaft wird entdeckt. Verlag Palm & Enke Erlangen 1992.
Burg Rabenstein: http://www.burg-rabenstein.de/
Geschichte der Burg Rabenstein:
http://www.fraenkische-schweiz.com/burgen/burg_rabenstein.html
Falknerei der Burg Rabenstein:
http://www.falknerei-rabenstein.de/
Gustav Voit, Heinz Stark, Volker Alberti: Burgen, Ruinen und Herrensitze der Fränkischen Schweiz, 1998, ISBN 3924158347
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
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