Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 825
Burgen und Schlösser in Franken: Gereuth

Schloß Gereuth

Zur Gemeinde Untermerzbach nördlich von Bamberg in Unterfranken gehören gleich drei Schlösser: Im Ortsteil Untermerzbach liegt das Schloß der Familie Rotenhan, im Ortsteil Gleusdorf das Schloß der Abtei Banz und schließlich in Gereuth das 1705-1710 vermutlich von Valentin Pezzani (ein Vertrag von 1705 nennt ihn) erbaute Wasserschloß für Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau, 1664 Domherr zu Mainz, 1666-1699 Domherr zu Würzburg, 1686-1695 Domcantor zu Mainz, 1692 Domherr zu Trier, 1695-1699 Domdechant zu Mainz, 9.2.1699 schließlich Fürstbischof von Würzburg.

Die Familie von Greiffenclau kam wie folgt an diesen Ort: Christoph Ernst Graf Fuchs v. Bimbach u. Dornheim (gest. 1719) hatte das Anwesen 1703 von den Freiherren von Hendrich gekauft. Er war mit Maria Rosina Greiffenclau v. Vollrads (20.3.1669 - 5.8.1708) verheiratet. Jene war die Tochter von Georg Philipp Freiherr Greiffenclau v. Vollrads (20.8.1620 - 6.7.1689) und Anna Margaretha v. Buseck (gest. 8.12.1696), also eine Halbschwester des Fürstbischofs, denn der stammt aus der ersten Ehe des Georg Philipp Freiherr Greiffenclau v. Vollrads (20.8.1620 - 6.7.1689) mit Rosina v. Oberstein (1623 - 20.5.1658). Christoph Ernst Graf Fuchs v. Bimbach u. Dornheim verkaufte den Besitz Gereuth 1705 an den Halbbruder seiner Frau weiter. Dieser begann noch im selben Jahr mit dem Bau eines repräsentativen Schlosses. Hier vor den Toren Bambergs ein repräsentatives Schloß des Würzburger Fürstbischofs, das war zugleich ein gebauter Anspruch, gebauter Ausdruck von Macht, die man dem Nachbarbistum gegenübersetzte. Es wurde eine sich nach Nordnordwesten öffnende dreigeschossige Dreiflügelanlage auf einer rechteckigen Plattform, ringsum vom Wassergraben umgeben, der bis ins 19. Jh. noch mit Wasser gefüllt war, doch dann wurden die Futtermauern abgerissen und ein Landschaftspark angelegt. Nur im Norden ist der beidseitig gemauerte Graben mit der steinernen Brücke noch gut erhalten. Vier kleine Pavillons markieren heute noch die Eckpunkte des Areals.

Der Ehrenhof wird durch ein Tor mit Dreiecksgiebel betreten, in dem das Wappen Greiffenclau-Vollrads prangt, das reine Familienwappen, nicht das fürstbischöfliche Wappen. Es ist geviert, Feld 1 und 4: Greiffenclau-Vollraths, silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad, Feld 2 und 3: Ippelbrunn, in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken. Zwei Greifen dienen als Schildhalter. Bestes Licht zum Photographieren ist der späte Nachmittag.

Insgesamt wurde es ein mustergültiges Ensemble für eine adelige Landherrschaft, denn gegenüber ergänzte der Besitzer 1714 ff. noch auf einer Terrasse die höhergelegene Kirche und das Pfarrhaus.

Mit dem Ende der geistlichen Fürstentümer war der Besitz finanziell nicht mehr zu halten. 1815 wurde das Schloß vom letzten Besitzer, Philipp Carl Franz Anton Ignaz Freiherr Greiffenclau v. Vollrads (3.8.1735 - 15.2.1823), ehemals fürstbischöflich-würzburgischer Kammerherr, Geheimrat, k.k. wirklicher Geheimrat, Ritterrat des Kantons Baunach, an den Bankier Jakob von Hirsch verkauft. Er besaß auch die Herrschaft Hermanniesticz in Böhmen, die verkaufte er gleichfalls, an Fürst Kinsky. Ferner besaß Philipp Carl Franz Anton Ignaz Freiherr Greiffenclau v. Vollrads die Rittergüter Hassenbreitbach und Gundheim und das Zehntgut Burgbernheim in Franken. 1812 erbte er die Kellerei Vollrads. Die oben erwähnten Georg Philipp Freiherr Greiffenclau v. Vollrads (20.8.1620 - 6.7.1689) und Anna Margaretha v. Buseck (gest. 8.12.1696) waren übrigens seine Urgroßeltern.

Für Schloß Gereuth folgten mehrere Besitzerwechsel, zuletzt 2000. Die neuen Besitzer sind Birgit Richter und Rupert Fechner, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Schloß zu erhalten und zu sanieren, wobei sie vom Förderverein "Freunde Schloss Gereuth e.V." unterstützt werden, der am 20. Januar 2001 gegründet wurde.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hassberge - ein Kunst- und Kulturführer durch den Landkreis”, herausgegeben vom Landkreis Haßberge
Rahrbach, Schöffl, Schramm: Schlösser und Burgen in Unterfranken. Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X.
Schloß Gereuth:
http://www.schloss-gereuth.de/, Geschichte: http://www.schloss-gereuth.de/html/geschichte.html,
Ulrike Götz, Gereuth, Schloß- und Kirchenführer, Erlangen 1998, ISBN 3-925325-21-2
Volker Rößner: Schlossbau des 18. Jahrhunderts im Ritterkanton Baunach (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte: Reihe 8, Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte; Bd. 12). Neustadt a. d. Aisch 2000, ISBN 3-7686-9272-8
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X

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