Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 83
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Würzburg, Grafeneckart

Dieses Dreierwappen ist an der Fassade des alten Grafeneckarts zur Domstraße hin angebracht. Im Zentrum das Wappen des Fürstbischofs Konrad III. von Bibra (1540-1544) aus dem Jahre 1544. Geviert. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 2 und 3: Stammwappen von Bibra, in Gold ein steigender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz, rot bewehrt. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Das Wappen wird begleitet von zwei weiteren Wappen, eines der Fränkische Rechen des Herzogtums zu Franken, das andere das Stadtwappen Würzburg, man beachte die unterschiedliche Tingierung im Vergleich zum Bischofswappen, jeweils von drallen Engeln gehalten.

Die fränkischen Bibra standen früher in den Diensten der Henneberger, eventuell waren sie auch Ministerialen der Klöster Hersfeld und Fulda. In Würzburg bekleideten die von Bibra traditionell das Amt des Erb-Untermarschalls, erst im Wechsel mit den von der Kere (Kehr, Keer), später nach deren Erlöschen ab 1654 alleine. Eine zweite Ehrenstellung erlangte die Familie von Bibra ab 1721: Sie hatten dann auch das Amt der Erbtruchsesse im Hochstift Bamberg inne, ein Amt, das früher die Truchseß von Pommersfelden bekleideten, nach deren Aussterben gingen Besitz und Wappen der Truchsessen von Pommersfelden an die Schönborns, das Amt aber an die von Bibra. Vertreter der Familie sind eng mit dem Hochstift Würzburg verbunden und leisteten diesem wichtige Dienste. In kirchlicher oder ritterlich-kirchlicher Hinsicht ist die Familie von Bibra eines der bedeutendsten fränkischen Geschlechter: Zwei Bischöfe von Würzburg (Lorenz und Konrad), ein Fürstbischof von Fulda (Heinrich von Bibra), in Hersfeld Äbte und Pröpste, dsgl. in Veßra und Rohr, sechs Ritter des Deutschen Ordens, zwischen 1394 und 1790 achtzehn Mitglieder des Domkapitels zu Würzburg, in Bamberg vierzehn Domherren - der Name Bibra steht in Franken für beispiellosen Einsatz für kirchliches Geschehen in Franken. Heute existieren von der Familie Bibra aus dem Valentinischen Stamm die Linie Adelsdorf (Euerheim) und Gleicherwiesen, aus dem Bernhardischen Stamm die Linien Brennhausen, von und zu Bibra und Irmelshausen.

Das Wappen von Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698 am ehemaligen "Haus zum Goldenen Roß" von 1688, als Spolie eingemauert in die Wand des Hauses "beim Grafeneckart 2". Das Stammwappen derer von Guttenberg findet sich in den Feldern 2 und 3. Es zeigt in Blau eine goldene Rose mit goldenem Butzen. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Anm.: Das Wappen derer von Guttenberg wird häufiger mit doppelter Blattlage dargestellt. Die drei Helmzieren sind von Guttenberg (Mitte, ein niederer hermelingestülpter roter Hut, daraus 5 rotbraune (natürliche) Rohrkolben wachsend), an Position 2 zwei im Spitzenschnitt rot-silbern geteilte Büffelhörner (gehören zum Fränkischen Rechen und zum Herzogtum zu Franken) sowie an Position 3 drei Straußenfedern auf einem Hut zwischen zwei wie im Schild bez. Standarten (Hochstift Würzburg). Helmdecken rot-silbern.

Die von Guttenberg sind eine der wichtigsten und prominentesten Familien Frankens, die stets eine Rolle als Bischöfe, Kanoniker, Gelehrte, Diplomaten und Heerführer gespielt haben. Und sie sind auch eine der ältesten Familien, sie stammen wie auch die Künsberg von den von Blassenberg (Plassenburg) ab, einem Ministerialengeschlecht der Andechs-Meranier, einst Vögte auf der Plassenburg bei Kulmbach. Die von Guttenberg gaben sich den neuen Namen mit dem Bau ihrer Stammburg, die ebenfalls in der Nähe von Kulmbach liegt. Im Kanton Gebirg stellten sie mit Achatz v. G., 1607, Georg Enoch v. G. 1660 und Marquard Carl Ludwig v. G. 1743 drei Ritterhauptleute. Mitglieder der Familie waren im Dienste von Kurmainz, Würzburg, Bamberg, Pfalz-Sulzbach und Brandenburg-Kulmbach tätig. Neben dem herausragendsten Mitglied der Familie, dem Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg, gab es viele kirchliche Würdenträger, Deutschordensritter, Malteserritter. Christoph Ernst v. G. tritt als Abt von St. Michael in Bamberg (1653-1729) hervor. Zwischen 1454 und 1847 stellten sie allein in Würzburg 26 Domherren. Sie waren ferner Erbmarschälle des Herzogtums Ostfranken. Die Burg Salzburg bei Neustadt ist heute im Besitz der Familie, wobei das angrenzende Rhön-Klinikum dem Engagement der Familie sehr viel verdankt.

Wappen am Flügel von 1659. Das linke Wappen ist das der Faust von Stromberg. Gold-rot geschacht, im rechten Obereck (im ersten goldenen Schachfeld) ein schwarzer Stern, Helmzier ein roter Turnierhut, in dessen Hermelinaufschlag zwei gold-rot geteilte Fähnchen stecken, und der oben mit einem Stern besetzt ist. Helmdecke gold/rot.
Das rechte Wappen ist das des Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn (1642-1673), er war zugleich Erzbischof von Mainz und führt das Mainzer Rad im Wappen in den Feldern 1 und 4 zum fränkischen Rechen in Feld 2 und der Hochstifts-Standarte in Feld 3, im Herzschild befindet sich das Stammwappen der Grafen von Schönborn. Später führte Johann Philipp auch den Wormser Schlüssel, der hier am Grafeneckart aber noch nicht auftaucht.

Wappen am Flügel von 1659. Links wieder Johann Philipp von Schönborn, rechts möglicherweise von Rosenbach. Leider optisch erheblich beeinträchtigt durch Taubenabwehrmaßnahmen, aber durch Kot zerfressener Sandstein wäre noch schlimmer.

Über dem Eingang zur Gaststätte "Ratskeller" in einer prachtvollen barocken Kartusche: Stadtwappen Würzburg, in Schwarz eine schräggestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte rot-golden gevierte Standarte mit silbernem Schaft. Man beachte die farbliche Abweichung zum Rennfähnlein der Bischöfe: Sie führen die rot-silbern gevierte schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft in Blau als altes Lehens-Banner des Hochstifts Würzburg. Hier am Rathaus liegt das Stadtwappen jedoch näher als das Bistumswappen, zumal das Rennfähnlein selten allein, sondern immer in Kombination mit dem Fränkischen Rechen geführt wird.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Würzburg: Stift Haug - Hof Neulobdenburg - Hof z. Hl. Gallus - Haus Conti - alte Mainbrücke - Hof Erhard von Liechtenstein - Juliusspital - Festungstore 1 - Festungstore 2 - Festung Marienburg: Scherenberg - Festung Marienburg: Bibra, Wirsberg - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 1 - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 2 - Alte Universität - Hofgarten - Neumünster - Residenz - Palais 1 - Palais 2 - Neubaukirche - Bürgerspital - Stadtbefestigung - St. Peter - Priesterseminar - Grafeneckart

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein
Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

Ortsregister Photos von Wappen - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2006, 2009
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de