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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 830
Wappenkunst in
Schwäbisch Hall
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Heraldische Denkmäler an St. Michael zu Schwäbisch Hall - Teil (3)
Grabplatte
Nr. 5: Volkart Egen
Angebracht auf der Südseite
von St. Michael. Inschrift: "A(nno) D(omi)ni MCCCLXXXXVIIII
starb der Erber und Vest Volkart Egen". Das Datum ist also
1399. Aus stilistischen Überlegungen wird aber in der Literatur
ein späteres Fertigungsdatum angenommen.

Die Familie Egen ist ein altes und begütertes Geschlecht von Schwäbisch Hall, eines der ersten Geschlechter des ansässigen Haller Stadtadels, und seit dem 14. Jh. auch in Dinkelsbühl ansässig, wo Hans Egen 1470 Bürgermeister wird. Seit 1277 sind Vertreter der Familie bekannt. Eine alternative Schreibweise ist Ega oder Egin. Sie führen ein Heroldsbild als Wappen: Der Schild ist im Kreuzzinnenschnitt, im Kreuzzinnen-Stufengiebel-Schnitt, im Kreuzzinnen-Zinnen-Schnitt (so auf einer Tafel im Innern der Kirche) oder im Stufengiebelschnitt von Silber und Rot geteilt. Hier ist es der Kreuzzinnenschnitt. Das ist ein gutes Beispiel für die unterschiedliche Sichtweite heute und damals: Heute verlangen wir Wappeneindeutigkeit und eine möglichst präzise und eindeutige Darstellung und Blasonierung, den Erfordernissen der Abgrenzung einer stetig wachsenden Anzahl Wappen voneinander Rechnung tragend. Damals war die Variationsbreite dessen, was noch unbeanstandet als ein und dasselbe Motiv empfunden wurde, deutlich größer. Auf dem Stechhelm wird ein wachsender Brackenkopf geführt, dessen Hals wie der Schild geteilt ist. Helmdecken rot-silbern. Im Schweiggerschen Stammbuch und im alten Siebmacher werden jeweils ein vermehrtes Wappen Eger abgebildet.
Unter dem Vollwappen Eger befindet sich ein Schild der Familie Eberhart/Eberhardt. Es steht für Guta Eberhart, das Wappen der Ehefrau von Volkart Egen. Es ist eine rot-silberne Schneckenvierung. Die Richtung der Schnecke kann wechseln, so sind im Innern der Kirche auf der selben Tafel Eberhardt-Wappen mit einmal rechtsgebogenen, einmal linksgebogenen Linien, wovon die links auf der Tafel gewendet sind, der Drehsinn aber damit genau andersherum ist als hier außen auf der Platte. Auch hier gilt das oben zur tolerierten Variationsbreite Gesagte. Nach diesen Tafeln innen in St. Michael die Farben und das Oberwappen: Helmzier ein roter, rot gestulpter hoher Hut, oben mit Hahnenfedern besteckt, zwischen zwei silbernen Büffelhörnern. Helmdecken rot-silbern.
Ganz unten links (optisch) ist noch ein weiterer Wappenschild zu sehen: Es ist der Schild der Herren von Vellberg / von Velberg. Die Mutter des Volkart Egen war eine von Vellberg, eine Tochter von Volkart von Vellberg, daher auch der Vorname. Das Velberg-Wappen zeigt in Blau einen silbernen Adlerflügel, im vorderen Obereck ein goldenes Freiviertel. Helmzier ein silberner Flug. Helmdecken blau-sibern. Nach dem Wappenbuch des Hans Ingeram ist der Flug der Helmzier rechts schwarz, links silbern.
Auf einer Tafel im Innern der Kirche ist übrigens ein ganz ähnliches Wappen der Familie Menger, dort sind die Farben aber anders verteilt und das Freiviertel liegt links, nicht zu verwechseln.
Grabplatte
Nr. 6: Agatha Schanz
Angebracht auf der Südseite
von St. Michael. Inschrift: "ANNO D(OMI)NI 1559 AM TAG
CATHEDRA PETRI VERSC(H)IED DIE EDEL VND TVGENTSAM WITFRAW AGATA
SCHENKZIN GEBORNE BVSCHLERIN DER SEEL GOT GNAD AMEN" und auf
einem um die vor einem Kruzifix knieende Frauengestalt im streng
gefalteten Gewand geschlungenen Schriftband die Worte: "O
HER IHESV CRISTE ERBARM DICH VBER MICH".

Agatha Schanz war die Tochter von Hermann Büschler, ein berühmter Stättmeister, und dessen erster Frau Anna Hornburg aus Rothenburg. Agatha Büschler heiratete 1545 Wolf Schanz, Amtmann in Wertheim. Als Witwe starb sie am 22.2.1559. Kathedra Petri ist ein bestimmter Tag im katholischen liturgischen Jahr und steht für den 22. Februar. Das Fest erinnert an die Übernahme des römischen Bischofsstuhls = Kathedra durch den Petrus, den ersten Bischof Roms.

Von den vier Wappenschilden steht das optisch links oben für die Familie Büschler/Buschler, in Blau zwei goldene, schräggekreuzte Schaufeln, die Schaufelfläche dreieckig, die krückenförmigen Handgriffe nach unten. Helmzier zwei Büffelhörner, rechts golden, links blau (so auf einer Tafel im Innern der Kirche) oder umgekehrt, an den Mündungen mit Hahnenfedern in verwechselten Farben oder in Schwarz besteckt (auf den Tafeln im Innern der Kirche sind sie schwarz). Helmdecken blau-golden (vgl. Siebmacher, Bg1, Seite 21, Tafel 2, WüA, Seite 38, Tafel 30).
Das zweite Wappen steht für die Familie Hornburg(er) aus Rothenburg und zeigt in Silber einen ledigen schwarzen Zinnenturm, darüber ein querliegendes rotes Horn. Helmzier ein wachsender rot gewandeter Mohrenrumpf oder ein wachsendes Weib ohne Arme, beiderseits am Kopf einen schwarzen Drachenflügel. Helmdecken nach Siebmacher WüA, Seite 52, Tafel 36 schwarz-silbern, nach dem Schrag'schen Rothenburger Wappenbuch schwarz-rot (!).
Das dritte Wappen ist stark zerstört (ohne Abb.), das vierte zeigt einen schräg aufgehängten Pfeil, Zuordnung unbekannt.
Grabplatte
Nr. 7: Heinrich Winkelhofer
Angebracht auf der Südseite
von St. Michael. Inschrift: "An(n)o d(omi(ni) MCCCCLXXXV auf
Sant Walpurgen Tag starb der ersam und wolgeborne Meister
Heinrich Winkelhofer von Eningen, Statschreiber diser stat."
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Heinrich Winkelhofer kam aus Ehingen, ist 1468 als Schulmeister in Nördlingen bekannt, heiratete Veronika Bonner aus Wangen. Ab 1479 war er als Stadtschreiber in Schwäbisch Hall tätig, wo er am 1.5.1485 verstarb. "Sant Walpurgen Tag" ist der Tag nach der Walpurgisnacht, also der 1. Mai. Das Wappen Winkelhofer ist das Lilienwappen.
Literatur,
Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Gerd Wunder: Personendenkmale der Michaelskirche in Schwäbisch
Hall, Verlag Haller Tagblatt 1987
Gerd Wunder, Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer
Reichsstadt 1216-1802 (Forschungen aus Württembergisch Franken,
Bd. 16), Sigmaringen, Jan Thorbecke, 1980
Gerd Wunder u. Georg Lenckner: Die Bürgerschaft der Reichsstadt
Hall von 1395 - 1600 (Württembergische Geschichtsquellen, Bd.
25), Stuttgart (Kohlhammer) 1956
Eduard Krüger: Schwäbisch Hall - Ein Gang durch Geschichte und
Kunst, Eppinger-Verlag Schwäbisch Hall 1990
Die Michaelskirche in Schwäbisch Hall, ein Begleiter durch die
mittelalterlichen Kirchen St. Michael, St. Katharina und
Urbanskirche, hrsg. von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde
Schwäbisch Hall, 2. Auflage 2004
Der freundlichen Dame am Bücherstand von St. Michael ein
herzliches Dankeschön für Literatur-Einsichtnahme.
Karl Borchardt, Rothenburger Wappenbuch. Patrizier und Ehrbare: Die Wappen im
Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag
(17031780) zu Rothenburg ob der Tauber. J. Siebmachers
großes Wappenbuch, Neue Folge: Die Familienwappen deutscher
Landschaften und Regionen, Bd. 3; 2007. 208 S. mit 402 farb. und
1 s/w-Abb., Festeinband, ISBN: 978-3-87947-117-1
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