Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 834
Wappenkunst in Schwäbisch Hall

Heraldische Denkmäler an St. Michael zu Schwäbisch Hall - Teil (7)

Grabplatte Nr. 17: Johann Friedrich Wibel
Die Inschrift dieses an der Nordseite von St. Michael aufgestellten Steines lautet: "Hier ruhet der getreue Statt= und Landes=Vatter, Tit. Herr Joh:(ann) Friderich Wibel. J.(uris) U.(triusque) L.(icentiatus) Stättmeister, Steuer Herr, Consist:(orialis) Schol:(archats) et Cancell:(ariae) Director, welcher a(nn)o 1645 zu Pfortzheim gebohren, auff Universitaeten, Speier und Wien großen ruhm und wissenschafft erlangt, zu Gottes Ehr, und dieser Statt nutzen rühmlich gelebet und voll Ehren a(nn)o 1702 den 29. May in Iesu seelig eingeschlaffen, hinderlassend eine Eintzige Frau Tochter, welche auß Kindlicher liebe ihrem seeligen Herrn Vatter dießes grab und Ehrenmal auffgerichtet"

Das schwarz-silberne heutige Erscheinungsbild täuscht: Das Wappen der Familie Wibel zeigt nach Siebmacher in von Rot und Silber gespaltenem Schild eine aufsteigende Spitze, der Schild belegt mit 3(2:1) Ringen, alles in verwechselten Farben. Helmzier eine Greifenklaue, belegt mit einem schräggestellten, wie der Schild bez. Schildchen. Helmdecken rot-silbern. Vgl. Siebmacher Bg3, Seite 34, Tafel 39 (Wibel) und Bg1, Seite 32, Tafel 40 (Wiebel).

Johann Friedrich Wibel war ein Sohn des Johann Georg Wibel, Superintendant. Er wurde in Pforzheim geboren. 1647 zog die Familie nach Schwäbisch Hall. In Straßburg studierte Johann Friedrich Wibel Theologie, wechselte aber auf Anweisung (!) des Rats das Fach und wurde Jurist. Er schloß seine Studien mit der Lizentiatenwürde ab. In Speyer und Wien, beide in der Inschrift erwähnt, machte er Praktika. 1672 wurde Johann Friedrich Wibel in den Rat der Stadt Hall gewählt. Er heiratete am 29.4.1673 Susanne Marie Seiferheld (1655-1693), die Tochter von Georg Friedrich Seiferheld, einem wichtigen Stättmeister. 1687, als sein Schwiegervater starb, rückte Johann Friedrich Wibel auf dessen Platz als Stättmeister auf. Die Familie wohnte im Seiferheldhaus am Markt, heute Ratskeller. Die erwähnte Tochter, die dieses Grabmal stiftete, ist Susanne Katherine Wibel (1676-1746), verheiratet mit Johann Georg von Grüneisen (1659-1726), kaiserlicher Rat und Oberkommissar.

In vier Medaillons über dem Wappen befinden sich weitere kurze Sinnsprüche.

Grabplatte Nr. 18: Johann Peter Hetzel
Diese Platte trägt folgende Inschrift: "Symbolum: Dominus Providebit" (oben in der Kartusche unter der Krone) - Der Herr wird sorgen. "Hiernächst ruhet in Gott der Hoch Edle und gestrenge Herr Johann Peter Hetzel, 25jähriger hochverdienter Städtmeister und Steuerherr, auch Consistorii und Collegii Scholarcharum Director etc: welcher den 22. Febr: 1638 gebohren: Mit Frau Martha Catharina Bonhöfferin in 47jähriger Ehe erzeigt 14 Kinder, davon noh 4 Söhn(e) und 4 Töchter bey Leben / und endlich den 23. Nov: A(nn)o 1711 im 74. Jahr seines alters Ehrenvoll und Lebenssatt Seelig entschlaffen"

Das Wappen Hetzel zeigt in Rot einen rückwärtssehenden, silbernen Widder auf einem grünen Dreiberg. Helmzier der silberne Widder wachsend, ebenfalls nach rückwärts blickend. Helmdecken rot-silbern. Vgl. Siebmacher Bg2, Seite 26, Tafel 45, dort allerdings ohne Tinkturangaben. Die Tinkturen können drei Abbildungen auf einer Stiftertafel im Innern der St. Michaels-Kirche entnommen werden (Johann Christopf Hetzel, Mitglied des Inneren Rats 1654, Schultheiß Simon Hetzel 1662, Christian Heinrich Hetzel 1681).

Grabplatte Nr. 19: Johann Michael Hartmann
Diese Platte auf der Nordseite von St. Michael trägt folgende Inschrift: "Hier ruhen die gebeine des weyl(and) Hoch Edelgeb(orenen) H(er)rn Johann Michael Hartmanns I(uris) C(onsul)ti bey allhiesiger Freyen Reichs Stadt hochverdient gewesenen älteren Städtmeisters, Steuer Herrn, Consist(orialis) et Scholarch(arum) Directoris, und der Kirchen auf dem Land Visitat(oris) perpetui. Er kam von vornehmen Eltern auf die Welt den 13. Decemb(ris) 1670 A(nn)o 1696 den 21. Apr(il) wurde er mit S(ine) T(itulis) Frauen Christina Magdalena einer geb.(orenen) Bäurin von Stuttgard ehel(ich) getraut, er zeugte mit ihr 11 Kinder, davon noch ein einziger H(er)r Sohn als hiesiger Raths Consulent und 2 glücklich verheyrathete Fr(auen) töchter bey leben von welchen er 16 Enckel gesehen. Nachdem er mit aller treue das beste der Stadt gesuchet, starb er seelig den 25. Ian.(uar) 1744 aetat(is) 73 jahr 1 mon(at) 12 tag. Jesu, die verklärten beine einstens mit dem Geist vereine."

Zu den vornehmen Eltern: Sein Vater Georg Michael Hartmann war Sohn eines armen Schulmeisters aus Michelfeld und selbst als Schreiber angestellt. Die Mutter ist Margarete Gräter, eine Pfarrerstochter. Johann Michael Hartmann studierte in Straßburg, Jena und Tübingen. In Stuttgart heiratete er die Tochter des Oberrats Dr. Johann Jakob Baur. Johann Michael Hartmann war der Aufsteiger der Familie, in Schwäbisch Hall wurde er Advokat des Rats, Konsulent, Ratsherr 1724, Stättmeister 1734. Bis 1735 wurde unter seiner Regierung das neue Rathaus gegenüber von St. Michael im Rokokostil erbaut.

Das Wappen Hartmann zeigt einen aus dem linken Schildrand kommenden Arm, der einen Palmzweig in der Hand hält. Helmzier ein wachsender Mannesrumpf, in der Rechten einen Hammer schwingend. Ohne Beleg, keine Quelle für die Farben.

Der Sohn von Johann Michael Hartmann, Dr. Johann Friedrich Hartmann (1705-1778) war ebenfalls Ratsherr in Hall. Zwei Töchter waren ebenfalls mit Ratsherren vermählt.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Gerd Wunder: Personendenkmale der Michaelskirche in Schwäbisch Hall, Verlag Haller Tagblatt 1987
Gerd Wunder, Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802 (Forschungen aus Württembergisch Franken, Bd. 16), Sigmaringen, Jan Thorbecke, 1980
Gerd Wunder u. Georg Lenckner: Die Bürgerschaft der Reichsstadt Hall von 1395 - 1600 (Württembergische Geschichtsquellen, Bd. 25), Stuttgart (Kohlhammer) 1956
Eduard Krüger: Schwäbisch Hall - Ein Gang durch Geschichte und Kunst, Eppinger-Verlag Schwäbisch Hall 1990
Die Michaelskirche in Schwäbisch Hall, ein Begleiter durch die mittelalterlichen Kirchen St. Michael, St. Katharina und Urbanskirche, hrsg. von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall, 2. Auflage 2004
Der freundlichen Dame am Bücherstand von St. Michael ein herzliches Dankeschön für Literatur-Einsichtnahme.

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