Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 87
Wiesentheid in Franken - Teil 2

Das Schloß von Wiesentheid

Das Schloß Wiesentheid wurde in den Jahren 1711-1720 umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das große Doppelwappen über dem Hauptportal mit Tordurchfahrt zum Innenhof im Osten. Das Wappen ist fast das gleiche wie an der Kirche St. Mauritius, nämlich das Ehewappen Schönborn/Hatzfeld-Gleichen.

Heraldisch rechts ist das Wappen von Rudolph Franz Erwein von Schönborn (23.10.1677-22.9.1754), mit dem in Rot auf drei silbernen Spitzen schreitenden goldenen Löwen mit blauer Krone der Grafen von Schönborn im Herzschild inmitten seiner Titel und Besitztümer. Er heiratete am 14.11.1701 Maria Eleonore Gräfin von Dernbach, geborene von Hatzfeld-Gleichen, deren Wappen wir heraldisch links sehen.

Deren Ehegeschichte illustriert, durch wieviele Hände Wiesentheid ging, ehe es 1701 in den Besitz der Grafen von Schönborn kam: 1547 kauft Valentin Fuchs von Dornheim Wiesentheid von den Grafen von Castell. Dessen Nachfahr Georg Adolf Fuchs von Dornheim heiratete Anna Maria Voit von Rieneck. Die verwitwete Anna Maria, nun Fuchs von Dornheim, ehelichte 1676 den Freiherren und späteren Grafen Johann Otto von Dernbach (1658-1697). So kam Wiesentheid in den Besitz derer von Dernbach. Johann Otto Graf von Dernbach (gest. 29.5.1697) etablierte Wiesentheid als reichsständische Grafschaft mit Sitz und Stimme im fränkischen Reichskreis. Dessen dritte Gattin, Maria Eleonore Gräfin von Dernbach, geborene von Hatzfeld-Gleichen (6.9.1679 - 1718, Tochter von Heinrich Graf v. Gleichen und Hatzfeld (gest. 1683) und Catharina Elisabeth v. Schönborn (1.5.1652 - 1707)), heiratete als Witwe in zweiter Ehe schließlich Rudolph Franz Erwein von Schönborn (1677 - 22.9.1754).

Das Wappen der Grafen von Schönborn hat insgesamt 10 Elemente. Begonnen haben die Grafen von Schönborn mit einem Wappen, das dem hiesigen Herzschild entspricht, dem Stammwappen. Aus späterer Zeit kennen wir aus den Schönborn-Städten wie Mainz oder Würzburg die Kombination mit ihren Amtswappen, z. B. mit dem Bamberger Löwen, dem Fränkischen Rechen, der Würzburger Standarte oder dem Mainzer Rad etc. Dieses Schönborn-Wappen hier ist ein relativ spätes, das nur Titel und Ansprüche, aber keine Ämter zeigt. Es handelt sich um das reine Familienwappen, deswegen finden wir es auch übergreifend an vielen Schlössern der Schönborns. Viele der Besitztümer, Ansprüche und Titel in den übrigen Feldern kamen erst im späten 17. und frühen 18. Jh. zur Familie. Im einzelnen sind das:

Um das Schönborn-Wappen ist noch eine korrodierte Ordenskette mit Elementen aus doppelten Feuerstählen gelegt.

Das ritterbürtige Geschlecht derer von Hatzfeld stammt aus Oberhessen. Das Stammhaus ist Hatzfeld bei Battenburg an der Eder. Sie sind alte hessische Landsassen und Vasallen. Der älteste bekannte Stammvater ist Craft von Hatzfeld, 1301 urkundlich erwähnt.

Durch Heirat des Johann von Hatzfeld (1354-1407) mit der Schwester des letzten Edelherrn von Wildenberg an der Sieg (auch Wildenburg, gest. 1420), Jutta, kam die Familie Hatzfeld in den Besitz dieser reichsunmittelbaren Herrschaft. Das Wappen derer von Hatzfeld ist nun geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzer Maueranker (altes Stammwappen von Hatzfeld). Felder 2 und 3: in Silber 3 (2:1) rote Mispelblüten mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern. Die Mispelblüten sind das Stammwappen derer von Wildenberg/Wildenburg. Ihr gemeinsamer Sohn, Godhard von Hatzfeld (gest. 1420) ist der erste, der die beiden Bestandteile im Schild führen kann. Diese beiden Elemente sind hier im rechten Wappen in den Feldern 3 und 5 zu sehen. Dazu gehört als Helmzier zwischen einem goldenen und jeweils mit einem schwarzen Maueranker belegten Flug (Stammkleinod) ein wachsender schwarz gewandeter graubärtiger Männerrumpf ohne Arme, mit goldenem Kragen und 8 goldenen Knöpfen, mit einem schwarzen niederen Hut mit silbernem Aufschlag.

Sebastian von Hatzfeld (gest. 1630) stieg in den Freiherrenstand auf. Sebastians Sohn, Melchior von Hatzfeld zu Wildenberg, wurde 1639 zusammen mit seinem Bruder von Kurmainz nach Aussterben der Grafen von Gleichen mit Graf Johann Ludwig 1631 mit der Burg Gleichen, dem Ort Wandersleben und der Herrschaft Blankenhain in Thüringen belehnt.

1632 wurde Melchior von Hatzfeld zu Wildenberg von den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach mit der Herrschaft Rosenberg (ebenfalls verwaist) in Franken belehnt.

1635 wurden zwei Linien der von Hatzfeld in den Grafen- bzw. Reichsgrafenstand erhoben. Als Grafen von Hatzfeld-Gleichen ist das Wappen ab 1639 umfangreicher gestaltet. Das komplette Wappen der Grafen von Hatzfeld-Gleichen hat 6 Felder:

Das Verwaltungsgebäude gegenüber dem Schloßpark

Über der Tordurchfahrt des gegenüber dem Schloßpark liegenden Verwaltungsgebäudes prangt das Schönborn-Wappen alleine, von zwei mächtigen kauernden Löwen ungleicher Größe flankiert. Man beachte ferner die Ordenskette mit Elementen aus Feuerstählen.

Das Rathaus von Wiesentheid

Über dem Rathauseingang haben wir zwei Wappen, direkt über dem gemauerten Bogen das Stadtwappen von Wiesentheid mit dem goldenen Löwen und den 3 Ähren (Abbildung ganz unten), etwas höher an der Fassade das Schönborn-Stammwappen (in Rot auf drei silbernen Spitzen schreitenden goldenen Löwen mit eigentlich blauer Krone, hier mitvergoldet):

Das Wappen ist zwar prinzipiell das Schönborn-Stammwappen, doch hier ist ein spezielles Detail wichtig: Die Wappenkartusche ist noch innerhalb des Rokoko-Rollwerks eingefaßt von der goldfarbenen Ordenskette des Ordens vom Goldenen Vlies, abwechselnde Kettenelemente aus doppelten Feuerstählen und flammenbesetzten Elementen, unten das "Vlies", das Schafsfell. Diese Ordenskette läßt uns das Wappen auch einem bestimmten Grafen von Schönborn zuordnen - der Graf Franz Erwein von Schönborn (geb. 1677, gest.1754, Regierungszeit 1701/1704 - 1754) bekam sie nämlich im Jahre 1732 verliehen, eine der höchsten Ehren im alten Reich. Das Rathaus wurde 1742 vollendet, also läßt sich das Wappen in die Zeit 1742-1754 datieren, in schönstem mainfränkischen Rokoko.

Wiesentheider Gemeindewappen

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbuch, Aschaffenburger Wappenbuch, http://www.wiesentheid.de
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Siebmachers Wappenbuch, Die Fürsten des Heiligen Römischen Reiches A-L, Fürsten A 1,3,3A, s. 94 ff.
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn
Das Feld für die Grafschaft Gleichen und seine Verbreitung in deutschen Adelswappen

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