Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 88
Pommersfelden in Franken

Schloß Weißenstein in Pommersfelden

Franken - Schönbornland! Diesmal begeget uns hier wieder Lothar Franz von Schönborn, ein Neffe Johann Philipp von Schönborns. Lothar Franz wurde mit 34 Jahren Präsident der Bamberger Hofkammer, mit 38 Fürstbischof von Bamberg und mit 40 Jahren Mainzer Kurfürst, dazu vertrat er als Erzkanzler Wien gegenüber die Belange der Reichsstände - wieder ein Schönborn der Superlative, bei dem man sich fragt, ob er eher als großer Bauherr oder als großer Kirchenfürst in die Geschichte eingegangen ist. Wie so viele Schönborns teilte er das architektonische Repräsentationsbedürfnis seiner Zeit und insbesondere seiner Familie.

An der Fassade befindet sich ein gewaltiges Schönborn-Wappen mit zwei gekrönten Löwen als Schildhaltern. Im Herzschild ist das Stammwappen der Reichsgrafen von Schönborn zu sehen: In Rot ein auf drei silbernen Spitzen schreitender goldener Löwen mit blauer Krone. Der Herzschild trägt noch eine Rangkrone.

Das Wappen der Grafen von Schönborn hat insgesamt 10 Elemente. Es handelt sich um das reine Familienwappen, deswegen finden wir es auch übergreifend an vielen Schlössern der Schönborns. Viele der Besitztümer, Ansprüche und Titel in den übrigen Feldern kamen erst im späten 17. und frühen 18. Jh. zur Familie. Im einzelnen sind das:

Im Vergleich zum Schönborn-Wappen z. B. in Wiesentheid sind hier die Felder 4 und 6 vertauscht. Man beachte auch, daß der Erbauer dieses Schlosses keine Ordenskette hat, ein weiterer Unterschied zu den Schönborn-Wappen in Wiesentheid.

Schloß Weißenstein ließ Lothar Franz von Schönborn zwischen 1711 und 1718 errichten. Man fragt sich: Warum baut ein Mainzer und Bamberger Kirchenfürst hier in diesem kleinen Dorf, das zum Großteil nur aus dem Schloß besteht? das von seinen nächstliegenden Amtsgeschäften in Bamberg drei Karossenstunden entfernt liegt? In der Tat sollten hier auch keine Amtsgeschäfte abgehalten werden: Schloß Weißenstein war eine rein private und vergnügliche Sommerresidenz, auch wenn der Vergleich mit einer Datsche von Otto Normalverbraucher eher schwer fällt. Das Schloß ist übrigens bis heute in Privatbesitz der Grafen von Schönborn.

Die pompöse Anlage, deren Dächer schon von weitem bei der Anfahrt grüßen, gilt als Gründungsbau des fränkischen Barocks. Die beteiligten Baumeister sind Johann Dientzenhofer und z. T. auch - zumindest bei den Planungen - der Wiener Hofbaumeister Johann Lukas von Hildebrandt. Als Erbauer des wegen seiner Außergewöhnlichkeit besonders hervorzuhebenden Marstalls ist Maximilian von Welsch bekannt.

An den beiden seitlichen Flügeln des vor den Ehrenhof gebauten Marstalls befinden sich weitere Schönborn-Wappen, gleichen Inhalts, doch in einer einfachen barocken Kartusche und ohne Schildhalter.

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 1: Der Aufstieg
Der Aufstieg der Familie Schönborn ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Einst ein reichsritterschaftliches Geschlecht aus dem Taunus und dem Westerwald, Burgleute und Amtmänner, schafften sie es in bedeutende Regierungspositionen und an die Spitzen bedeutender geistlicher Fürstentümer und prägten ihre Zeit nachhaltig. Man ist direkt geneigt, von einer Schönbornzeit zu sprechen, denn rund ein halbes Jahrhundert prägen die Schönborns die Geschichte des Reiches, der katholischen Kirche und der Kunst maßgeblich.

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 2: Das Schönborn-Zeitalter
Beginnen wir neu mit dem letzten der obigen Reihe, dem Stammvater der "mega-erfolgreichen" Schönborns. Faszinierend an diesen verwandtschaftlichen Verflechtungen ist nicht nur, daß hier sechs Kirchenfürsten aus der gleichen Familie engstens zusammenkommen, daß zeitweise Reichskanzler und Reichsvizekanzler aus der selben Familie kamen, sondern daß auch vier Brüder Kirchenfürsten wurden und drei deren Schwestern Mütter von drei weiteren Fürstbischöfen (Seinsheim, Ostein, Limburg-Styrum) wurden, abgesehen von weiteren hohen und höchsten Ämtern in der Familie:

Die Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 3: Drei Linien
Beginnen wir neu mit Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn-Wiesentheid, dem Stammvater der drei Linien, die sich bildeten:

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Stephan Mauelshagen, Ordensritter - Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn, Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN 3-89735-173-0
Hartmut Platte: Das Haus Schönborn, Grafen, Fürstbischöfe und Mäzene, Börde-Verlag Werl, 2006, Reihe Deutsche Fürstenhäuser Heft 13, ISBN 3-980 9107-3-3
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Ausstellungskatalog "Die Grafen von Schönborn. Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene", Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 1989
Das Haus Schönborn:
http://www.schoenborn.de/
Aschaffenburger Wappenbuch
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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