Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 881
Offenbach (Main): Eine Perle der Renaissance

Das Isenburger Schloß in Offenbach
Rechtes Treppenturmportal

Am östlichen Treppenturm finden wir ein zweites Renaissance-Portal, das konzeptionell dem westlichen ganz ähnlich ist. Einziger Unterschied: In den Bogenzwickeln befinden sich keine Putten wie am Westturm, sondern zwei Büsten, vermutlich die des Bauherrn und seiner Frau, Ludwig III. Graf v. Isenburg-Büdingen (30.5.1529 - 7.2.1588), vermählt mit Anna Sibylle v. Schwarzburg-Blankenburg, deren Allianzwappen den prächtigen Schmuck des Portales bildet.

Was man beim Vergleich dieser beiden Portrait-Medaillons sieht: Von der originalen Bauplastik ist fast nichts mehr erhalten. So gut wie alle Reliefdarstellungen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ausgewechselt. Nur wenige Platten wurden gerettet, der Großteil der beschädigten Platten wurde damals einfach fortgeworfen. Aber selbst wenn die kunsthistorisch bedeutsame Bausubstanz so gut wie komplett ausgetauscht wurde, so ist es zwar kein originales Kunstwerk mehr, vermittelt aber immer noch den hohen künstlerischen und gestalterischen Anspruch des Bauherrn und illustriert eines der aufwendigsten Konzepte der Renaissance-Schloßbaukunst.

Noch etwas fällt auf: Die tatsächliche Heirat fand erst am 24.6.1571 statt, aber das Portal ist auf 1570 datiert - offenbar war damals schon alles beschlossene Sache. Die Heimführung der Braut erfolgte sogar erst 1572, erst in das Stammschloß Büdingen, dann nach Offenbach, wo das neue Schloß inzwischen bezugsfertig war.

Das Isenburg-Wappen zeigt in Silber zwei schwarze Balken. Helmzier ein mit goldenen Lindenblättern bestreuter schwarzer Flug. Helmdecken schwarz-silbern.

Wappen der Linie Isenburg-Büdingen etc.:

ältere Isenburg-Grenzau-Cleeberger Linie (erloschen 1439 im Mannesstamme), Grafen und später Fürsten von Isenburg-Büdingen: In Silber zwei schwarze Balken. Helmzier ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug. Helmdecken schwarz-silbern.

Dieses Wappen führte auch die Linie Isenburg-Philippseich, desgleichen die Linie Isenburg-Büdingen-Wächtersbach, die 1725 erloschene Unterlinie Isenburg-Büdingen-Marienborn, sowie die Fürsten Isenburg-Büdingen zu Büdingen. Bei der Erhebung in den Fürstenstand wurden die bisherigen Stammwappen beibehalten, lediglich Prunkstücke kamen hinzu.

Bevor sich die beschriebene Helmzier ab 1455 durchsetzte, gab es vielfältige abweichende Kleinode: Heinrich II führt einen mit einem Balken belegten Köcher, 1263 oben ausgezackt, 1261 oben glatt und mit Pfauenfedern gefüllt. Ludwig I (Heinrichs Sohn) führt 1272 Kolbenstäbe, oben mit Pfauenfedern besteckt. Lothar (oder auch Luther genannt, Ludwigs Sohn) führt 1303 einen mit drei Pfauenfedern verzierten Eisenhut auf einem kurzen Schaft und 1332 fünf bzw. 1337 sechs kreisförmig gestellte Fähnlein mit den Balken. Philipp (Sohn Lothars) führt 1341 diesen Hut rechts und links mit je zwei Adlerfedern. Heinrich (Sohn Lothars) führt 1344 einen Hut mit nur zwei langen Federn, auf jeder Seite eine. Eberhard (Sohn Philipps) führt 1371 zwei Büffelhörner, deren obere Enden mit kleinen Federn besteckt sind. Philipp II siegelt 1346 mit einem Flug als Helmzier. 1455 führt Dietrich (Dieter) von Isenburg den schwarzen Flug mit deutlich erkennbaren (goldenen) gestürzten Lindenblättchen (oder Herzchen). Bei Ludwig II von Isenburg-Büdingen sind sie 1463 ebenfalls vorhanden, sogar die Schwungfedern sind von den Blättchen/Herzchen überzogen. Im Scheiblerschen Wappenbuch ist ebenfalls eine Abbildung mit sehr vielen Blättchen. Im folgenden setzte sich die Zahl 7 für die Blättchen/Herzchen je Flügel durch, alternierend 1:2:1:2:1

Dieses Beispiel illustriert, wie wenig gebunden man in der formativen Periode der frühen Heraldik war, und daß man die Helmzier noch als ein relativ personengebundenes Zeichen ansah, das variiert werden konnte. Erst in späterer Zeit setzte sich die Auffassung durch, daß die Helmzier ebenso verbindlich ist wie der Schildinhalt und zur unveränderlichen Charakteristik eines Familienwappens dazugehört.

ältere Linie Isenburg-Grenzau, Eberhard von Isenburg 1257/1267 (Balduineum): In Silber zwei schwarze Balken, darüber ein roter, vier- oder fünflätziger Turnierkragen. Hier wird die Linie erst durch ein Beizeichen differenziert, was später nicht mehr nötig war und aufgegeben wurde. Vgl. auch Siegel von Philipp d. Ä. zu Grenzau 1341. Helmzier ein Hut, beiderseits mit zwei langen Hahnenfedern besteckt.
Grafen und später Fürsten von Isenburg-Büdingen: In Silber zwei schwarze Balken, in blauem Herzschild ein goldener, rot gezungter und ebenso bewehrter doppelschwänziger Löwe. Helmzier auf ungekröntem Helm ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug, dazwischen ein goldener, rot gezungter und bewehrter sitzender Löwe, meist mit erhobenen Vorderpranken dargestellt. Helmdecken schwarz-silbern.

Fürsten zu Isenburg-Birstein, Reichsfürstendiplom vom 23.3.1744, Linie Isenburg-Büdingen zu Ronneburg, nach dem kaiserlichen Diplom vom 12.11.1547, Graf Heinrich zu Ysenburg-Keltersbach. Die Linie Isenburg-Büdingen führte diesen Schild nur zeitweise, ansonsten den einfachen Stammschild ohne Herzschild. Die im Fürstendiplom verwendeten Prunkstücke sind ein hermelingefütterter roter Wappenmantel, oben ein Fürstenhut, zwei goldene, doppelschweifige Löwen als Schildhalter.

Im Siebmacher findet sich eine einzige abweichende Darstellung, Decken rechts schwarz-silbern, links blau-golden.

Linie Isenburg-Meerholz: In Silber zwei schwarze Balken. Herzschild Schenk von Limpurg, geviert, Feld 1 und 4: In Rot vier aufsteigende silberne Spitzen, Feld 2 und 3: In Blau 5 (3:2) aufrechte silberne Heerkolben. Wird mit Fürstenhut (nur mit Vorderbügel und Reichsapfel) geführt, sowie mit zwei widersehenden, goldenen Löwen als Schildhalter. Karl Friedrich von Isenburg-Meerholz (gest. 1774) vermählte sich mit Eleonore Friederike Juliane, Tochter von Ludwig Heinrich von Solms-Rödelheim und Wilhelmine Christine von Limpurg-Schmiedelfeld, dadurch erwarb er Mitbesitz an der Herrschaft Limpurg-Gaildorf.

Die Linie führte diesen Schild nur zeitweise, ansonsten den einfachen Stammschild ohne Herzschild.

Das Schwarzburger Wappen hat das Wappen zur Grundlage, das sich Günter Graf von Schwarzburg am 9.3.1548 von Kaiser Karl V in Augsburg bestätigen ließ, allerdings mit ein paar Veränderungen.

Drei Helme:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Landesfürsten
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/111_Offenbach_Schloss.xml Cave - die getroffenen Zuordnungen der Wappen sind nicht alle korrekt.
Perle der Renaissance - das Isenburger Schloß in Offenbach am Main, herausgegeben von Praeludium Förderkreis Musik im Zentrum Offenbachs e.V., 1. Auflage 2006, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg, ISBN 3-7954-1808-9. Achtung - die getroffenen Zuordnungen der Wappen sind nicht alle korrekt.
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Christa Hirschler und Ulrich Hahnemann: Das Fürstliche Haus Schwarzburg-Sondershausen, Deutsche Fürstenhäuser Heft 10, Börde-Verlag Werl 2004, ISBN 3-980 9107-0-9
Hessische Kulturdenkmäler:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=78315&session=913&event=Query.Details

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Haus Isenburg und Isenburg-Büdingen

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