Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 892
Darmstadt

Darmstadt: Schloß (2) - Glockenflügel

Im Osten des Glockenhofes befindet sich als relativ isolierter Gebäudeteil der Glockenbau. Er ist viergeschossig und auf 1663 datiert. Eigentlich war da die Renaissance schon vorbei, doch dieser Bau greift deren Formen noch auf und harmoniert gut mit den anderen Renaissanceflügeln. Der Fassade vorgelagert ist der namengebende Glockenturm, 1663 bis 1671 nach Plänen des Architekten Johann Wilhelm Pfannmüller errichtet, rechts und links von einer Terrasse mit Balustrade auf einstöckigem Vorbau begleitet. Der Turm hat sieben Geschosse unter dem Glockenstuhl. Im Erdgeschoß des Turmes befindet sich ein auf 1664 datiertes rustiziertes Rundbogenportal, auch dieses von großer stilistischer Nähe zu den Renaissance-Portalen der Tordurchfahrten in den anderen Flügeln. Dieses größere Portal wird von zwei kleineren flankiert. Der Architekt ist nach den Bauurkunden Johann Wilhelm Pfandmüller.

Abb.: Glockenbau von Westen. Bestes Photolicht nachmittags.

Das mittlere Portal hat ein prächtiges Allianzwappen, von zwei Löwen gehalten. Darunter die Inschrift: "LUDOVICUS VI D(EO) G(RATIA) HASSIAE LANDGRAVIUS PRINCEPS HERSFELD". Über den beiden Seitenportalen ist jeweils eine von prächtigen Voluten gerahmte und gekrönte Kartusche mit den zusammengezogenen Initialen LME - Ludwig und Maria Elisabeth. Ludwig VI. Landgraf v. Hessen-Darmstadt (25.1.1630 - 24.4.1678) hatte in erster Ehe 1650 in Gottorp Maria Elisabeth Herzogin v. Schleswig-Holstein-Gottorp (6.6.1634 - 17.6.1665) geheiratet, die Tochter von Friedrich III. Herzog v. Schleswig-Holstein-Gottorp (22.12.1597 - 10.8.1659) und dessen Frau Maria Elisabeth Herzogin v. Sachsen (22.11.1610 - 24.6.1684) und Enkelin von Johann Adolf Herzog v. Schleswig-Holstein-Gottorp (27.2.1575 - 31.3.1616) und Augusta von Dänemark (8.4.1580 - 5.2.1639). Deren beider Allianzwappen sehen wir hier. Nach der Geburt von 10 Kindern verstarb sie 1665 bei der Geburt des letzten Kindes, das diesen Tag auch nicht überlebte. In zweiter Ehe heiratete Ludwig VI. Landgraf v. Hessen-Darmstadt (25.1.1630 - 24.4.1678) am 5.12.1666 Elisabeth Dorothea Herzogin v. Sachsen-Gotha-Altenburg (8.1.1640 - 24.8.1709), Tochter von Ernst I. Herzog v. Sachsen-Gotha-Altenburg (25.12.1601 - 26.3.1675) und Elisabeth Sophia Herzogin v. Sachsen-Altenburg (10.10.1619 - 20.12.1680), mit der er noch einmal 9 Kinder hatte, darunter auch ernst Ludwig, den Erbauer des Neuschlosses.

Das heraldisch rechte Wappen ist das von Hessen-Darmstadt, wie es 1642/1659-1736 geführt wurde. Im Vergleich zur Vorgängerversion neu sind die Elemente Hersfeld und Schaumburg, dazu Isenburg-Büdingen - ein Unterscheidungsmerkmal zum Wappen von Hessen-Kassel, welches dieses Feld nicht besaß. Georg II von Hessen-Darmstadt hatte 1642 die Anwartschaft auf die Grafschaft Isenburg erworben, das Recht, Wappen und Titel zu tragen, eingeschlossen. Dieses ist ein Anspruchswappen. Die Isenburger Balken kommen nur bei Hessen-Darmstadt und Hessen-Homburg als dessen Abspaltung, nicht aber bei Hessen-Kassel vor. Das Wappen hat einen Herzschild und einen gespaltenen und zweimal geteilten Hauptschild, wobei Feld 5 noch einmal geteilt ist:

Das Wappen auf der linken Seite ist das der Maria Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf (1634-1665), Tochter von Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, die Landgraf Ludwig VI am 24.11.1650 geheiratet hatte, es ist geviert mit eingeschobener Spitze und mit Herzschild.

Abb.: Detailvergrößerung

Abb.: Position der beschriebenen Wappen

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Landesfürsten
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Schloß Darmstadt:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/024_Darmstadt_Schloss.xml
Grundriß:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/Bilder/Slides/024_SL_07_DAS_PLAN_017N.jpg und http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/Bilder/Slides/024_SL_08_DAS_PLAN_018N.jpg
Schloßmuseum Darmstadt:
http://www.schlossmuseum-darmstadt.de/start.htm
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Jürgen Reiner Wolf, Louis Remy de la Fosse, 1980.
Darmstädter Geschichte:
http://www.darmstadt.de/kultur/geschichte/index.html

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