Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 902
Gemünden am Main (Unterfranken)

Gemünden, Huttenschloß

Die Stadt Gemünden entwickelte sich im Spannungsfeld zwischen den Grafen von Rieneck und dem Hochstift Würzburg. Die Scherenburg über der Stadt gehörte ihnen (den Namen hat sie aber später wohl von dem Würzburger Bischof Scherenberg bekommen, der Gemünden zurückkaufte). Sie kontrollierte den Zusammenfluß von Sinn, Fränkischer Saale und Main und den wichtigen Flußübergang. Hier verlief zudem der alte Heer- und Handelsweg, die Birkenhainer Straße nach Hanau. Von Bauernkrieg und 30jährigem Krieg und anderen politischen Stürmen blieb die Burg verschont, so daß sie erst im 18. Jh. verlassen wurde. Heute ist sie eine Ruine in malerischer Lage. 1243 gibt es einen Vergleich zwischen beiden Konkurrenten, Würzburg und den Grafen von Rieneck, in dem Gemünden zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird: Adelheid von Rieneck unterstellt zwei Drittel der Burg und die Hälfte der Ansiedlung zu Füßen des Burgberges der Lehenshoheit der Würzburger Fürstbischöfe. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. ist Gemünden schon Stadt und gänzlich in den Händen der Fürstbischöfe. Nur einmal wurde Gemünden von einem klammen Bischof wieder verkauft, allerdings mit Rückkaufsrecht, und 1466/1469 kamen Stadt und Burg endgültig an das Hochstift zurück. Bis zur Auflösung der geistlichen Fürstentümer blieb Gemünden nun Besitz des Würzburger Hochstiftes, es war ein strategisch bedeutsamer Punkt gegen die Konkurrenz in Fulda und in Mainz.

Im Ortsteil Kleingemünden steht das barocke Huttenschloß, ein dreistöckiger Bau von langrechteckigem Grundriß mit zwei viereckigen, kuppelbedeckten Ecktürmen zur Straße hin. Im oben genannten Vergleich war Kleingemünden zwar den Grafen von Rieneck zugesprochen worden, aber zu Anfang des 18. Jh. kaufte Amtmann Stern von Nostiz deren Hofgut am Saaleufer und erbaute dort sein Schloß. Eigentlich müßte es daher einen anderen Namen tragen, aber der bezieht sich darauf, daß der Würzburger Fürstbischof Christoph Franz von Hutten im Jahre 1726 das Anwesen kaufte und gleich sein eigenes Wappen anbringen ließ.

So kommt es, daß der Türsturz zwar die Jahreszahl 1711 als Erbauungsjahr nennt, aber darüber das Wappen eines Fürstbischofs angebracht ist, der erst 1724 an die Macht kam. Das Schlößchen diente ihm als Amtshaus; hier hatte der fürstbischöfliche Amtmann seinen Sitz.

Umfassungsmauer und Toreinfahrt sind nicht mehr vorhanden, und der Bau leidet durch die unmittelbare Nähe der modernen Straßenführung. In den 80ern wurde das Huttenschloß saniert. Hier ist heute das Unterfränkische Verkehrsmuseum Gemünden untergebracht, wie schon die große Dampflokomotive neben dem Schloß ankündigt.

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten (1724-1729) ist geviert:

Das Wappen ist hier mit drei Helmen abgebildet:

Rechts und links des Schildes in die Helmdecken teilweise eingeschlagen sehen wir Krummstab und Schwert.

Phototip: Bestes Photolicht ist spät nachmittags bis früh am Abend. Das Wappen befindet sich auf der Nordwestseite des sich in NO-SW-Richtung erstreckenden Gebäudes, und wegen Turm und Baum besteht nur ein enges Zeitfenster ohne Schatten. Idealerweise muß die Sonne genau im Westen stehen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X, S. 74-75
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Die Entwicklung der Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

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