Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 907
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Weitere Höfe und Palais in Bamberg

Domherrenhof
Dieses Wappen befindet sich an einem Domherrenhof in der Domstraße. Es gehört Christoffel Truchsess von und zu Pommersfelden und seiner Ehefrau Elisabeth Truchsessin von und zu Pommersfelden, geborene von Rabenstein. Das Wappen der Truchsessen von Pommersfelden zeigt in Silber einen blauen Löwe, golden gekrönt, belegt mit zwei roten Balken, hier gewendet. Helmzier ein blauer Löwe wachsend, golden gekrönt, belegt mit zwei roten Balken (hier nur einer). Helmdecken blau-silbern. Die Herren von Rabenstein führen in Gold einen schwarzen Raben, auf einem grünen (hier) oder schwarzen Dreiberg stehend. Der heraldisch stilisierte Dreiberg wurde in späterer Zeit auch durch einen natürlichen Felsen ersetzt. Die Helmzier der Rabensteiner ist der schwarze Rabe, später auch auf einem Nest mit Jungen stehend. Helmdecken schwarz-golden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des besprochenen Wappens befindet sich am Anwesen Domstraße 11 an einem am Torbogen auf 1566 datierten Domherrenhaus dieses Wappen der Familie von Jahrsdorf aus dem Jahre 1589. Das Wappen ist geviert von Rot und Kürsch. Kürsch wird hier durch die schuppenartig überlappenden Fellstückchen dargestellt. Helmzier ein gestulpter hoher Spitzhut, von Rot und Kürsch geviert, Stulp von rot und Kürsch gespalten, oben mit einer hahnenfederbesteckten Kugel besetzt. Helmdecken rot-silbern. Das Vollwappen Jahrsdorf (Iarstorff) wird in den vier Ecken begleitet von vier Wappenschilden der Ahnenprobe.

Laut Inschrift handelt es sich hier um den Domherren namens Alexander von Jahrsdorf (19.10.1545-13.2.1604/1606), der im Kapitelhaus Bamberg Grab und Metallplatte besitzt sowie ein Epitaph in Eichstätt. Seine Eltern waren Hans Diepold von Jahrsdorf und Magdalena von Neipperg. Seine Großeltern väterlicherseits waren Theobald von Jahrsdorf (heraldisch rechts oben, wie das Hauptwappen) und dessen Frau Barbara vom Stain zum Rechtenstein (heraldisch rechts unten, in Gold drei schwarze Wolfsangeln bzw. Wolfsanker übereinander, die Spitzen abwärts). Die Großeltern mütterlicherseits waren Ludwig von Neipperg (heraldisch links oben, in Rot drei (2:1) silberne Ringe) und Katharina von Stockheim (heraldisch links unten, geteilt, oben golden, unten in Schwarz ein goldenes Schräggitter). In Eichstätt gibt es im Mortuarium des Domes ein Gewölbefeld, das ebenfalls an diesen Domherrn erinert, wobei die dortige Ahnenprobe jedoch zur Hälfte unzutreffend restauriert wurde. Alexander von Jahrsdorf wurde Domsänger und Domherr zu Augsburg, 1559 Domizellar in Würzburg, 1571 Domkapitular und Domscholaster zu Bamberg und 1573 Kanonikus in Eichstätt. Am 12.4.1580 sehen wir ihn wiederum als Domherrn in Bamberg. Die Familie hatte ihren Stammsitz in Jahrsdorf, heute ein Ortsteil der Stadt Hilpoltstein, Landkreis Roth, Mittelfranken. In Hilpoltstein existiert noch das Jahrsdorfer Haus als Stadtsitz. Später saß die Familie auf der Niederungsburg Zell, heute ebenfalls in die Stadt Hilpoltstein eingemeindet. Ab 1588 saß die Familie auch zu Oberstotzingen.

Das dritte Wappen am gleichen Anwesen ist ein Redwitz-Wappen, in Blau drei silberne Balken (hier eine Trennlinie weniger), belegt mit einem roten schrägrechten Wellenbalken. Helmzier Kopf und Hals eines wachsenden roten Einhorns. Helmdecken rot-silbern.

Blick auf das gesamte Ensemble in der Domstraße 11, von links nach rechts die Wappen Redwitz, Jahrsdorf, Truchsess von Pommersfelden, Rabenstein.

Redwitz-Kurie
An der Kreuzung von Karolinenstraße und Roppeltsgasse zu Füßen des Domberges befindet sich an einer Mauerecke ein Redwitz-Wappen. Das Wappen zeigt in Blau eigentlich drei silberne Balken (hier nicht hinreichend vom Steinmetz aufgelöst), belegt mit einem roten schrägrechten Wellenbalken. Helmzier Kopf und Hals eines roten Einhorns. Helmdecken rot-silbern. Stilistisch Rokoko mit stark verzerrter asymmetrischer Rocaille-Kartusche, einem mit Rosenblüten besetzten Rahmen aus geschweiften Elementen und typisch zu klein geratenem Oberwappen. Bei dem Anwesen, zu dem die Mauer gehört, handelt es sich um eine Redwitz-Kurie.

Domplatzbrüstung
Ein weiteres, stark beschädigtes Redwitz-Wappen befindet sich an der Balustrade, die den Domvorplatz zur ansteigenden Straße hin abstützt, eingepaßt zwischen zwei Maßwerkfelder. Das Wappen ist beschädigt, die Bügel des Bügelhelmes fehlen, desgleichen Gesicht und Horn des Einhornes, aber die Proportionen sind erheblich besser als bei dem Wwappen an der Redwitz-Kurie, die schräg gegenüber liegt.

Aufseßstraße
Der nächste Wappenstein ist in eine Mauer an der Kreuzung Aufseßstraße/Michelsberger Straße vermauert. Es handelt sich um den Wappenschild des Fürstbischofs Johann Gottfried I. von Aschhausen (reg. 1609-1622), und zwar als Bischof von Würzburg und Bamberg (1617-1622 hatte er beide Bistümer inne): Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Hauptschild: Feld 1 und 4: In Gold ein schwarzer Löwe rotgezungt und rotbewehrt, darüber ein silberner Schrägrechtsfaden, Hochstift Bamberg. Feld 2: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Herzschild: In Rot ein silbernes, fünfspeichiges Rad, das eigentliche Stammwappen derer von Aschhausen. Hier ist das Wappen ohne Oberwappen dargestellt.

Palais in der oberen Karolinenstraße
Auf der Südseite der oberen Karolinenstraße steht ein dreistöckiges Gebäude mit Mansarddach und Dreiecksgiebel in der Mitte.

Über der Tordurchfahrt befindet sich eine vergoldete Kartusche, mit dem Oberwappen des Bamberger Hochstifts, nämlich Inful, Vortragekreuz und Bischofsstab, aber ohne Kaiserkrone. Der Inhalt der Kartusche ist kein fürstbischöfliches Wappen, sondern zeigt die beiden Stifterfiguren Heinrich und Kunigunde, die gemeinsam ein Modell des Bamberger Domes halten, ein beliebtes Motiv, das an die kaiserliche Stiftung des Bistums erinnert.

Im Dreiecksgiebel aber befindet sich ein Wappen der Freiherren von Rotenhan. Es zeigt in Silber einen schrägrechten roten Wellenbalken, oben links begleitet von einem roten (meist fünfstrahligen) Stern. Helmzier ein roter Hahn (redendes Wappen). Helmdecken rot-silbern. Die Helmzier - der rote Hahn - ist zwar eine redende, die den Familiennamen bildlich illustriert, doch ist das nur vordergründig zutreffend, denn der Familienname leitet sich von "Rotenhagen", "Rotenhag", "Rotenhain", "Rottenhain" oder "Rodenhain" ab - vom Roden des Waldes und Urbarmachen des Geländes. Als die Helmzier - recht spät übrigens - gewählt wurde, war die ursprüngliche Bedeutung nicht mehr bewußt.

Literatur und Quellen:
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbücher.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise zur Genealogie des Alexander von Jahrsdorf an Frau Irmgard Prommersberger, Landkreisbibliothek, Landratsamt Roth, Hilpoltstein.
Genealogie Jahrsdorf: Johann Octavian Salver, Proben des hohen Teütschen Reichs Adels, oder Sammlungen alter Denkmäler, Tabelle XIV

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