Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 908
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Kloster Michaelsberg

Nördlich des Bamberger Domes liegt auf einem Hügel ein ehemaliges Benediktinerkloster, das ebenso sehr mit seinen Kirchentürmen das Stadtbild prägt wie der Dom selbst. Der Gründungsbau wurde 1021 geweiht, aber schon 1117 durch ein Erdbeben vernichtet. Der zweite Klosterbau wurde 1121 geweiht, dies war unter Otto d. Hl., der Restaurator des Klosters, der auch die Hirsauer Reform einführte und selbst im Kloster begraben liegt (phantastische Tumba unter dem Chor). Dieser zweite Bau war schon eine dreischiffige Kreuzbasilika mit 3 Apsiden und zumindest zwei Westtürmen, vielleicht auch schon mit Ostürmen (Hirsauer Schema). In der Folgezeit wurde dieser Otto-Bau vielfach verändert. Weitgehend erneuert wurde die Kirche nach einem Brand von 1610, und vom Otto-Bau konnte nur wenig übernommen werden. Die westlichen Türme werden komplett neu aufgemauert, und das Langhaus wird bis 1614 mit einem nachgotischen Netzrippengewölbe versehen.

Dem Außenbau wird im Barock eine zeitgemäße Fassade vorgeblendet, ab 1696 wird sie von Leonhard Dientzenhofer errichtet. Die neue Fassade übergreift die beiden Untergeschosse der Westtürme. Sie stehen erst in ihren drei oberen Geschossen frei. Die kräftig bewegte Fassade kontrastiert mit den einfachen kubischen Mauerwürfeln der Türme im oberen Bereich. 1723 erbaut dessen Bruder Johann Dientzenhofer die vor- und zurückschwingende Terrasse und die Freitreppe vor der Westfassade.

Über dem Haupteingang zur Kirche befindet sich eine Gruppe von drei Wappenkartuschen. Die unteren beiden sind heraldisch rechts das Klosterwappen, ein zu einer ein Kreuz haltenden Hand ausgezogener Adlerflügel in Blau, daneben befindet sich heraldisch links in Blau die doppellagige Rose der von Guttenberg. In der Lücke zwischen den drei Kartuschen trägt ein Puttenkopf eine Inful, daneben befinden sich leicht nach außen geneigt die den beiden unteren Kartuschen zugehörigen Helme, heraldisch rechts ein zu einer ein Kreuz haltenden Hand ausgezogener Adlerflügel für das Klöster Michaelsberg, heraldisch links ein hermelingestulpter roter Hut, aus dem fünf Rohrkolben wachsen, die Guttenberger Helmzier. Abt Christian Ernst von Guttenberg (reg. 1689-1715) war der Bauherr für die Barockisierung der Fassade durch Leonhard Dientzenhofer. Unter seiner Herrschaft entfaltete sich das klösterliche Leben zu einer letzten großen Blüte. Er war einer der bedeutendsten Bauherren seiner Zeit, dem wir auch die Klostergebäude zu verdanken haben, die das Areal umgeben. Obendrüber in der dritten Kartusche befindet sich das Wappen des damals amtierenden Bamberger Fürstbischofs, Lothar Franz von Schönborn (reg. 1693-1729). Sein Wappen ist geteilt und zweimal gespalten, mit Herzschild:

Auf der Schildkartusche ruht der Kurfürstenhut, der dem zweifachen Fürstbischof als Erzbischof von Mainz zustand, anstelle der Kaiserkrone. Hinter dem Schild Schwert und Krummstab schräggekreuzt. Die gesamte Komposition wird von zwei seitlich knienden Engeln als Schildhaltern begleitet.

Die Hänge und Böschungen unterhalb des Klosters Michaelsberg wurden unter den beiden letzten Äbten Ludwig Dietz (1743-1759) und Gallus Brockard (Abt 1759-1799) angelegt, terrassiert und mit mehreren Rokoko-Pavillons versehen. Hier ist eine Klosterlandschaft entstanden, die fernab von den kasernenartigen Großbauten eine heitere Mischung von Kunst und Natur erzeugt. Einer dieser Pavillons (im Bild) sitzt der Stützmauer zur nördlich vorbeiziehenden Unteren Sandstraße auf, auf die damals modische Art "chinesisch" bedacht, wahrscheinlich aus der Zeit 1751/1752, vermutlich von Küchel errichtet. Zwei weitere flankieren als architektonische Fixpunkte (points de vue) die Terrassen, diese Terrasse und die Gärten entstanden vermutlich nach 1759. Die beiden Achteckpavillons von L. Fink nehmen den Garten zwischen sich.

Detail: Das Wappen am Pavillon über der Stützmauer an der Unteren Sandstraße. Es ist geviert, in den Feldern 1 und 4 befindet sich das Klosterwappen, ein zu einer ein Kreuz haltenden Hand ausgezogener Adlerflügel, Feld 2 zeigt einen Greifen, Feld 3 hat in geteiltem Feld 3 (2:1) sechsstrahlige Sterne, diese Komponenten sind dem Abt Ludwig Dietz (1743-1759) zuzuordnen. Über dem mit ausgreifenden Rocaille-Ornamenten gerahmten Schild trägt ein Puttenkopf eine Inful, Vortragekreuz und Abtsstab sind hinter dem Schild schräggekreuzt.

Zwei Dinge sind bei der Klosterkirche St. Michael besonders bemerkenswert: Zum einen ist das Deckengewölbe mit ca. 580 Pflanzendarstellungen ausgemalt, die es zu einem beispiellosen gemalten Herbarium machen (Vollendung 1617). Zum anderen sind hier die Epitaphien der Bamberger Bischöfe aufgestellt, die hier eigentlich gar nicht hingehören und vollkommen fehl am Platze wirken. Tatsächlich sind sie erst 1833 hierhingekommen, als man das Innere des Domes reromanisieren wollte und die Werke der Renaissance und des Barocks entfernen wollte und die Michaelskirche als Aufstellungsort wählte. Nichtsdestotrotz handelt es sich um teilweise hochrangige künstlerische Arbeiten mit exquisiten heradischen Details.

Literatur und Quellen:
Reclams Kunstführer Bayern
Siebmachers Wappenbücher.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4

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