Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 95
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Das alte Bamberger Rathaus

DAS Wahrzeichen von Bamberg ist das alte Rathaus mitten im Fluß, mit zwei Brücken (Obere Brücke und Untere Brücke) mit beiden Ufern verbunden. Es ist eines der bedeutendsten, einzigartigsten und bekanntesten Bauwerke Bambergs. Die Legende erzählt, daß der regierende Bischof den Bürgern keinen Fußbreit Bodens abtreten wollte für ihr Rathaus, worauf diese Pfähle in die Regnitz rammten und ihr Rathaus darauf errichteten. Wie dem auch sei, Tatsache ist, daß der Fluß Regnitz die Grenze zwischen der Bischofsstadt rund um den Domberg einerseits und der Bürgerstadt zwischen beiden Regnitzarmen andererseits war. Entsprechend findet man zwei verschiedene Wappen auf beiden Seiten des Durchgangs. Wenn man sich von der Stadtseite der südwestlich gelegenen Bischofsstadt nähert, grüßt oben das Wappen des Fürstbischofs, der im Amt war zur Zeit der Vollendung des Rathauses in seiner heutigen Form, Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757). Umgekehrt stimmt einen auf dem Weg über die Brücke nach Nordosten das Stadtwappen auf die Bürgerstadt ein. Beide Wappen wurden von Jos. Bonaventura Mutschele geschaffen.

Detail: Wappen des Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757). Die Grafen von Stadion sind ein altes graubündnerisches Rittergeschlecht, die später in Schwaben seßhaft geworden sind. Schon 1270 wird ein Walther de Stadegun erwähnt. 1686 wurden sie Freiherren, 1705 Reichsgrafen. Im Herzschild das alte Stammwappen der Grafen von Stadion, in Schwarz drei goldene Wolfsangeln (Wolfsanker) gestürzt und pfahlweise. Dieser Herzschild liegt einem gevierten Schild auf, der in den Feldern 1 und 4 in Schwarz 3 (2:1) goldene Tannenzapfen (Thannhausen, 1708) und in den Feldern 2 und 3 in Silber ein rotes Kreuz hat. Zu diesem Wappen gehören drei Helme mit folgenden Helmzieren: goldener Tannenzapfen (von Thannhausen), ein schwarzes, golden gestreiftes Kissen, darauf eine goldene Wolfsangel (ein goldener Wolfsanker), mit dem Ring aufwärts, in dem ein Pfauenstoß steckt (von Stadion), ein schwarzer Flug. Decken schwarz-gold, schwarz-gold, rot-silber. In den vierfeldrigen Schild der Grafen von Stadion und Thannhausen sind hier ein Feld 2 und ein Feld 5 eingeschoben worden, jeweils der scharze Bamberger Löwe in goldenem Feld, überdeckt von einer silbernen Schrägrechtsleiste, sodaß der Stadioner Herzschild jetzt auf einem sechsfeldrigen Schild zu liegen kommt. Damit lautet der korrekte Aufbau wie folgt:

Geteilt und zweimal gespalten, darüber ein Herzschild.

Ganz oben die Kaiserkrone. Besonders interessant ist die asymmetrische Anordnung der weiteren Herrschaftsinsignien wie Schwert und Krummstab, die normalerweise einfach hinter dem Schild gekreuzt wurden, hier aber sehr phantasie- und wirkungsvoll vordergründig in Szene gesetzt werden.

Das Bamberger Rathaus mit seiner bunt bemalten Fassade, dem Brückenturm und dem alten schnuckeligen Fachwerkhaus inmitten tosender Wassermassen wird 1387 erstmals erwähnt. Zwischen 1461 und 1467 wurde es grundlegend renoviert und erhält das heute vertraute Aussehen der Baukörper. 1744 bis 1756 gestaltete Michael Küchel das Rathaus im Stile des Rokoko um, aus dieser Zeit stammen auch die riesigen plastisch-phantasievollen Wappenkartuschen, die mit einem alten Reiterschild auch nicht mehr die entfernteste Ähnlichkeit haben.

Blick auf das der Bischofsstadt zugewandte Wappen, das Bamberger Stadtwappen. Es zeigt in Rot einen stehenden Ritter in silberner Rüstung mit einem roten Kreuz auf der Brust, in der Rechten eine Lanze mit silbernem Fähnlein, darauf ein rotes Kreuz, die Linke gestützt auf einen blauen Schild mit silbernem Adler. Um es noch einmal deutlich hervorzuheben: Der Ritter ist kein Schildhalter, sondern Bestandteil des Wappens, und der hinter dem goldenen Lanzenschaft in Streifen durchbrochene Hintergrund ist Schildfläche. Und der über den Rand der Kartusche herausragende Adlerschild ist ebenfalls Inhalt desselben. Die Lanze hat die Begrenzungen der Schildfläche ebenfalls weit hinter sich gelassen. Die beiden Putten gehören jedoch definitiv nicht zum Schildinhalt.

Wie schwungvoll und dynamisch diese Rokoko-Interpretation des Stadtwappens ist, nimmt man erst richtig wahr, wenn man es mit einem schlichten, modernen Aufriß des Stadtwappens vergleicht:

Dieses Stadtwappen befindet sich auf dem Ärmel der Jacke eines Bamberger Ordnungshüters. Es ist noch die alte Version, denn die neuere Version ist mehr ein Bamberg-Logo. Beim direkten Vergleich wird auch deutlich, daß es sich bei obigem Stadtwappen am Rathausturm beim Ritter nicht um einen Schildhalter, sondern um einen Schildinhalt handelt.

Die beschriebene Form des Stadtwappens ist schon auf Siegelabdrücken aus dem Jahr 1279 überliefert. Wen stellt der Ritter dar? Die Vermutung liegt nahe, daß es der Heilige Georg sein soll, der Patron des Domkapitels. Der Adlerschild mit den Farben Blau und Silber könnte eine Anspielung auf die Andechs-Meranier sein. Die Bamberger Bischöfe Ekbert (1203 - 1237) und Poppo (1237 - 1242) entstammten beide dieser Grafenfamilie, das wäre möglicherweise eine Erklärung. Zwischenzeitlich wurden aber wieder ganz andere Siegel geführt, im späten 14. Jh. z. B. eine Halbfigur des Bistumsgründers Heinrich II., im 15. und 16. Jh. auch der Bamberger Löwe, der ja eigentlich nicht das Stadtwappen, sondern das Wappen des Hochstifts ist. So setzte sich danach auch wieder ab dem frühen 17. Jh. der Hl. Georg mit Adlerschild wieder durch, wobei statt Adler auch mal ein Löwe verwendet wurde. Der Schild konnte auch ganz wegfallen. 1953 wurde das dem frühesten Siegelbild entsprechende Wappen wieder angenommen.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:

Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)
Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609-1622)
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633)
Franz von Hatzfeld (1633-1642)
Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653)
Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672)
Peter Philipp von Dernbach (1672-1683)
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729)
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)
Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753)
Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757)
Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779)
Franz Ludwig von Erthal (1779-1795)

Literatur:
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbücher.
http://www.hdbg.de/gemeinden2/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9461000

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