Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 951
Oppenheim am Rhein

Oppenheim, Katharinenkirche (4)
Epitaph des Friedrich Kämmerer von Worms und der Katharina von Gemmingen

Dieses Epitaph steht an der Nordwand des nördlichen Querschiffs. Hier wird an Friedrich Kämmerer von Worms, genannt Dalberg (Bürgermeister von Oppenheim, gest. 1506) und seine Frau Katharina von Gemmingen (gest. 1517) erinnert. Eine klare Gliederung teilt die Platte in vier Felder, unten links Friedrich in Rüstung, zu seinen Füßen ein Löwe, unten rechts Katharina, fast vollständig von Umhang und Haube verhüllt, zu ihren Füßen ein treuer Hund. Oben links (optisch) das Kämmerer-Wappen, als Vollwappen ausgeführt, oben rechts (optisch) das Gemmingen-Wappen, nur der von zwei exquisit gearbeiteten Engeln präsentierte Schild. Die Grabmäler von Friedrichs Vater Wolf und seines Bruders Wolf d. J. sind übrigens ebenfalls erhalten.

Zur Genealogie: Friedrich Kämmerer v. Worms gen. v. Dalberg (10.2.1459 - 12.11.1506) ist der Sohn der hier ebenfalls mit einem Epitaph vertretenen Wolff(gang) Kämmerer v. Worms gen. v. Dalberg (4.9.1426 - 20.9.1476) und Gertrud Greiffenclau v. Vollrads (- 10.8.1502), Enkel von Johann Kämmerer v. Worms gen. v. Dalberg (- 2.7.1431) und Anna v. Helmstatt (- 10.4.1466) und Urenkel der hier gleichfalls besprochenen Johann (Hennichin) Kämmerer v. Worms gen. v. Dalberg, Ritter (- 9.10.1415) und Anna v. Bickenbach (- 22.5.1415). So eng hängen die Epitaphien in dieser Kirche zusammen.

Das Wappen der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg zeigt unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms). Helmzier: Ein wie der Schild bez. Flug. Hier ist der Flug etwas stiefmütterlich behandelt worden, eigentlich sind es nur zwei lange Federn. Helmdecken blau-golden. Nachweise: Siebmacher Band: Bad Seite: 47 Tafel: 28, Band: Bay Seite: 30 Tafel: 27, Band: Bö Seite: 56 Tafel: 40, Band: FstC Seite: 78 Tafel: 118-119, Band: He Seite: 7 Tafel: 6, Band: Mä Seite: 22 Tafel: 15, Band: NÖ1 Seite: 62 Tafel: 32, Band: Pr Seite: 39 Tafel: 47, Band: Na Seite: 5 Tafel: 6, Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c), Folio 354, Zobel Tafel 70, Held S. 105.

Die Freiherren von Gemmingen führen in Blau zwei goldene Balken. Als Helmzier führen sie zwei wie der Schild mit zwei goldenen Balken belegte blaue Büffelhörner. Helmdecken blau-golden. Nachweise: Siebmacher Band: Bad Seite: 8 Tafel: 6, Band: Bay Seite: 36 Tafel: 33, Band: Els Seite: 9 Tafel: 11, Band: Erg Seite: 47 Tafel: 28, Band: He Seite: 10 Tafel: 9, Band: NÖ1 Seite: 119 Tafel: 59, Band: Pr Seite: 44 Tafel: 54, Band: PrE Seite: 80 Tafel: 67, Band: Sa Seite: 10 Tafel: 9, Band: Un Seite: 194 Tafel: 155, Band: Wü Seite: 7 Tafel: 8, Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c), Folio 65, Zobel Tafel 112, Held S. 77. Anmerkung: In der Züricher Wappenrolle ist ein abweichendes Wappen abgebildet: In Gold drei blaue Balken, Kleinod ein armloser Mannesrumpf mit aufgesetzter spitzer Kapuze, die goldene Kleidung belegt mit den drei blauen Balken. Dieses Wappen wird nicht mehr geführt, sondern ausschließlich das oben beschriebene.

Die Freiherren von Gemmingen sind schwäbischer Uradel, reichsunmittelbar, stammen aus dem Kraichgau, sind benannt nach dem gleichnamigen Ort daselbst und gehören zu den ältesten und angesehendsten reichsritterlichen Familien in Schwaben. Seit dem 25.5.1182 gehören sie dem Reichsfreiherrenstand an (Ulrich und Bernolph wurden auf dem Reichstag in Worms in den Reichsfreiherrenstand erhoben). Als erster Namensträger ist Heinrich von Gemmingen 1165 faßbar als Besucher des Turniers in Zürich, weiter 1233 Hertlieb und Albert von Gemmingen in Hirsau. Ein Johann von Gemmingen wird 1259 als kaiserlicher Landvogt in Sinsheim erwähnt - er gilt als Stammvater der heute lebenden Gemmingen.

Die Freiherren von Gemmingen sind in vier Hauptstämme unterteilt:

Eine Abspaltung sind die Herren von Gemmingen-Massenbach, die aber das gleiche Wappen wie die Hauptlinien führen. Auch heute blüht das Geschlecht derer von Gemmingen, die einen Familienverband gegründet haben und zweijährlich auf Familientreffen den Zusammenhalt fördern.

Die Freiherren von Gemmingen waren im schwäbischen Ritterkreis und im Ritterkanton Odenwald tätig. Bedeutende Familienmitglieder sind die vier Ritterhauptleute im Ritterkanton Odenwald: Weiprecht von Gemmingen (gest. 1680), Reinhard von Gemmingen (1652), ein zweiter Reinhard von Gemmingen (1717-1750) sowie Philipp von Gemmingen (1777-1785). Berühmt ist Wolf von Gemmingen, der 1648 bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück die gesamte Reichsritterschaft vertrat. Sein Ziel, der Reichsritterschaft Sitz und Stimme im Reichstag zu verschaffen, scheiterte jedoch an der Wahrnehmung der Reichsritterschaft als eigenen Stand. Reinhard von Gemmingen (1675-1707) war badischer Oberhofmarschall, Geheimrat und Regierungspräsident.

Im Dienste der Kirche gibt es drei Bischöfe und einen Fürstabt: Johann Konrad von Gemmingen war 1595-1612 Fürstbischof von Eichstätt, Johann Otto von Gemmingen war 1591-1598 Bischof von Augsburg, Uriel von Gemmingen war 1508-1514 Erzbischof von Mainz und Kurfürst, und schließlich war Andreas von Gemmingen 1316-1320 Fürstabt des Klosters Hersfeld.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Evangelische Kirchengemeinde, Katharinenkirche Oppenheim
http://www.katharinen-kirche.de
Dr. Dagmar Gilcher: Ein Denkmal und seine Pflege: Die Katharinenkirche in Oppenheim, aus: Die Rheinpfalz vom 08.09.07,
http://www.katharinen-kirche.de/pdf/katharinenkirche.pdf
Oppenheim am Rhein, Rheinische Kunststätten Heft 3-4 / 1972, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.).
Martin Held, Die Katharinenkirche in Oppenheim:
http://www.katharinen-kirche.de/pdf/diekatharinenkircheinoppenheimmitbildern.pdf
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gemmingen: Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Förderverein Katharinenkirche:
http://www.foerderverein-sankt-katharinen.de/
Oppenheimer Geschichtsverein:
http://www.oppenheimer-geschichtsverein.de/
Martin Held: Oppenheimer Wappenbuch, Eigenverlag, Oppenheim 2011
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.

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Verwendung der Aufnahmen aus der Katharinenkirche zu Oppenheim mit freundlicher Erlaubnis von Frau Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator vom 19.06.2008 (http://www.katharinen-kirche.de)

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