Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 953
Oppenheim am Rhein

Oppenheim, Katharinenkirche (6)
Grabplatte des Conrad von Hanstein

Im Chor der Katharinenkirche befindet sich die Grabplatte des Conrad von Hanstein, gest. 23.03.1553. Er war kaiserlicher Kriegsrat und Oberst. Unter alten Urkunden findet sich vom 1.8.1537 ein Paß für den kaiserlichen Leutnant Conrad von Hanstein. Vom 10.11.1541 datiert ein Bestallungsbrief des Landgrafen Philipp von Hessen für den Oberfußknechthauptmann Conrad von Hanstein. Vom 12.06.1548 datiert ein Bestallungsbrief von Maria von Burgund zum Oberst eines Regimentes deutscher Fußknechte.

Sein Epitaph hängt vor der südlichen Turmhalle, ein prachtvolles Hochrenaissance-Meisterwerk, vermutlich von Dietrich Schro, welches den bärtigen Ritter in voller Rüstung in hervorragender Plastizität modelliert. Das Hanstein-Wappen allerdings findet sich hier auf der Platte im Chor der Katharinenkirche. Das Beispiel zeigt den Unterschied zwischen Grabplatte und Epitaph - letzteres ist eine Gedenktafel für einen Verstorbenen, die unabhängig vom tatsächlichen Begräbnisort des Verstorbenen angebracht werden kann und meist an gut sichtbarer Stelle wirkungsvoll an denjenigen erinnert, während das eigentliche Grab woanders liegt.

Die von Hanstein sind ein uradeliges Geschlecht aus dem Eichsfeld, von den Vitzthum von Apolda abstammend, wo sie Vicedome der Erzbischöfe von Mainz auf der Burg Rüsteberg (gerüsteter Berg, Rusteburg, ehemalige Mainzische Burg bei Göttingen, Mitte des 18. Jh. abgebrochen) waren. Der Name Hanstein kommt von Hagen, Hag = Einhägung, Einhegung. Weitere frühe Varianten des Namens sind Hanenstene, Haninstein, Hanenstein, Hagenstein, Hansteyn etc., wovon die abgeschliffene Form Hanstein sich letztendlich durchsetzte. Der erste des Geschlechtes, der urkundlich erscheint, ist Theodoricus I. im Jahre 1121, dann 1122 Lamberdus vicedominis in Rusteberge. Das Wappen ist zuerst nachweisbar auf einem Siegel des Heidenreich von Hanstein (Heithenricus de Hanenstene) aus dem Jahre 1244. Die Burg Hanstein liegt in der Nähe der Rusteburg. Ab Anfang des 13. Jh. erscheint die Familie als Burgmannen und Vicedome im Dienste der Mainzer Erzbischöfe auf Burg Hanstein, zuerst der genannte Heidenreich von Hanstein, der als Stammvater des Geschlechts gilt.

Die nächste Stufe zur eigenen Herrschaft kam im Jahre 1308, am 4.10.: Heinrich d. Ä. und Lippold von Hanstein schlossen einen Vertrag mit Peter von Aspelt, Erzbischof von Mainz, des Inhalts: Sie, die von Hanstein, erbauen die baufällig gewordene Burg komplett neu mit ihrem eigenen Kapital, und dafür bekommen sie und ihre Nachkommen das Recht, für immer Erbburgmänner auf derselben zu sein. Und so blieb die Burg Hanstein durchgehend in ihrem Besitz, bis sie zur Ruine wurde. Auch heute noch ist die bei Bornhagen (Thüringen) gelegene Burg eine der größten und beeindruckendsten Ruinen Mitteldeutschlands.

Das wohlhabend gewordene Geschlecht ließ sich aber immer mehr auf umliegenden Ritterhöfen nieder, in Besenhausen, Bornhagen, Werleshausen, Wahlhausen, Ershausen, Oberelle, Henfstedt, Geismar, schließlich war im Jahre 1683 die Stammburg „wüst und unbewohnt“ und diente nur noch familiären Zusammenkünften des Familienverbandes.

Im Laufe der Zeit verzweigte sich die Familie in viele Linien, nach Thüringen, Sachsen, Preußen, Hessen, und mehrere Adelserhebungen sind verzeichnet, so am 10.7.1706 die Erhebung in den Reichsfreiherrenstand für Johann von Hanstein, Generaladjutant der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande, am 31.1.1840 der preußische Freiherrenstand für Karl von Hanstein, kurfürstlich hessischer Staatsminister, am 31.1.1819 der preußische Freiherrenbrief für Emil von Hanstein, kurhessischer Minister a. D. und am 16.2.1891 die Anerkennung des Freiherrenstandes in Sachsen-Meiningen für Albert von Hanstein et al.

Das Wappen der von Hanstein ist einer großen Variationsbreite unterworfen.

Variante 1: In Silber 3 (2:1) zunehmende (Spitzen also heraldisch rechts, optisch links) schwarze Mondsicheln. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken eine oben mit einem Busch schwarzer Hahnenfedern besteckte silberne Säule (ein silberner Schaft), die (der) in seiner Mitte von zwei auswärts gekehrten schwarzen Mondsicheln beseitet ist (also heraldisch rechts zunehmend, heraldisch links abnehmend). Dies ist das Stammwappen, wie es auch an der Burgruine Hanstein zu sehen ist (ungekrönter Helm). Genau so wurde das Wappen auch von der Familie von Hanstein aus Hanstein-Rimbach am 20.9.1990 in die Deutsche Wappenrolle eingetragen (Nr. 9279/90), aber mit gekröntem Helm. Ebenso im Siebmacher Band: Bad Seite: 104 Tafel: 61, Band: He Seite: 12 Tafel: 12, Grote, NWR Niedersächsische Wappenrolle 2-950.
Variante 2: In Silber 3 (2:1) abnehmende (Spitzen also heraldisch links, optisch rechts) schwarze Mondsicheln, ansonsten wie oben beschrieben. Dies war das in nachmittelalterlicher Zeit bevorzugt geführte Wappen, dem wir auch in Oppenheim begegnen. Helmzier wie oben. Nachweise: Zobel Tafel 130, Held S. 85, Siebmacher Band: Bad Seite: 104 Tafel: 61.
Variante 3: In Silber 3 (2:1) schwarze Mondsicheln, die oberen mit ihren Spitzen nach außen, die untere mit ihren Spitzen nach unten gekehrt. Helmzier wie oben. Nachweis: Siebmacher Band: Bad Seite: 104 Tafel: 61.
Variante 4: In Silber 3 (2:1) schwarze Mondsicheln, die oberen mit ihren Spitzen nach außen, die untere zunehmend. Helmzier wie oben.

Diese Variationsbreite illustriert, daß man die Identität eines Wappens in früheren Zeiten breiter definierte als heute. Heute bevorzugen wir eine präzise Blasonierung, die Angabe der Lage (rechtsgekehrt, abgewandt, gestürzt, liegend etc.) erachten wir heute als zwingend zur Garantie einer Wappeneindeutigkeit. Bei Werken früherer Jahrhunderte scheint der Toleranzbereich wesentlich weiter gefaßt zu sein. Das mag daran liegen, daß man sich weniger an schriftlich niedergelegten Definitionen, wie sie Blasonierungen darstellen, orientierte, sondern daran, ab wann eine Darstellung so weit verändert wäre, daß sie im Empfinden der heraldiktragenden Schicht als ein separates, anderes Wappen wahrgenommen wird. Und da fallen Unterschiede wie Öffnung nach rechts oder links weniger ins Gewicht, zumal man auch mit der steten Präsenz aus Courtoisie gewendeter Wappen lebte. Für uns heute ist es manchmal schwer, diese Variationsbreite zu akzeptieren, vor allem wenn wir selber die historischen Befunde exakt und vergleichbar beschreiben wollen, damals war es wohl eine akzeptierte Unschärfe, die wir mangels anderer Erklärungen so formulieren müssen.

Es gibt auch Varianten mit einer Helmzier ohne Schaft, wo der Federbusch direkt aus der Helmkrone hervorkommt, und aus den Hahnenfedern können in einigen Darstellungen Straußenfedern werden, und die Federn können nicht ganz schwarz, sondern schwarz-silbern-schwarz-silbern-schwarz sein. Die Helmkrone kann vorhanden sein oder entfallen oder durch einen Wulst ersetzt werden, je nach Quelle und Linie. Heutzutage ist der DWR-Eintrag als verbindlich anzusehen, mit Helmkrone, mit Schaft, mit durchweg schwarzen Hahnenfedern.

Das Wappen in der Katharinenkirche wird oben von zwei kleinen Schilden der Eltern begleitet, stark verwittert, oben rechts die Hansteiner Mondsicheln, oben links ein Vogelbein. Die Helmzier des vorliegenden Beispieles ist gegenüber der Stammhelmzier um zwei große Straußenfedern rechts und links der Säule erweitert.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Evangelische Kirchengemeinde, Katharinenkirche Oppenheim
http://www.katharinen-kirche.de
Dr. Dagmar Gilcher: Ein Denkmal und seine Pflege: Die Katharinenkirche in Oppenheim, aus: Die Rheinpfalz vom 08.09.07,
http://www.katharinen-kirche.de/pdf/katharinenkirche.pdf
Oppenheim am Rhein, Rheinische Kunststätten Heft 3-4 / 1972, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.).
Martin Held, Die Katharinenkirche in Oppenheim:
http://www.katharinen-kirche.de/pdf/diekatharinenkircheinoppenheimmitbildern.pdf
Burg Hanstein:
http://syntheticex.homepage.t-online.de/syntheticex/Site/index.htm, http://www.vg-hanstein-rusteberg.de/index.php?id=burgruine_hanstein, http://www.burgruine-hanstein.de/
Burg Rusteberg:
http://www.vg-hanstein-rusteberg.de/index.php?id=rusteberg
Förderverein Katharinenkirche:
http://www.foerderverein-sankt-katharinen.de/
Oppenheimer Geschichtsverein:
http://www.oppenheimer-geschichtsverein.de/
Martin Held: Oppenheimer Wappenbuch, Eigenverlag, Oppenheim 2011
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Dr. H. Grote: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
Niedersächsische Wappenrolle Gesamtausgabe 1910-2012, ISBN 978-3-00-041404-6

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Verwendung der Aufnahmen aus der Katharinenkirche zu Oppenheim mit freundlicher Erlaubnis von Frau Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator vom 19.06.2008 (http://www.katharinen-kirche.de)

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