Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 97
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Das Haus zum Goldenen Wappen in Bamberg

Das Wappen von Johann Gottfried von Aschhausen (1609-1622), das von der Nachmittags- und Abendsonne vergoldet über der Altstadt von Bamberg schimmert, was dem Haus in herrlicher Lage am Oberen Stephansberg 1 seinen Namen "Haus zum Goldenen Wappen" verliehen hat, ist das eines Fürstbischofs, an dessen Händen das Blut des Hexenwahns klebt. Er und sein Nachfolger Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633) sind verantwortlich für zahlreiche Morde im Namen des Hexenwahns: 1612/1613 und 1617/1618 waren unter der Herrschaft von Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen (1609-1622) die schlimmsten Jahre: Im Bereich des Hochstiftes Bamberg starben ca. 300 Personen auf den Scheiterhaufen des Hexenwahns. Bamberg wurde zu einem der Kerngebiete der Hexenverfolgungen. Allein 1617 wurden 102 der Hexerei verdächtigte Menschen im Hochstift in fingierten Prozessen hingerichtet. Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen, 1593 Dechant in Comburg und im Würzburger Stift Haug, 1609 Bischof von Bamberg, 1610 Dompropst zu Würzburg, 1617 Bischof von Würzburg, gestorben 1622, ist Symbol für das blutige Zurückschlagen der katholischen Kirche gegen Reformation und Gedankenfreiheit: Nicht nur etliche Hexenverfolgungen gehen auf sein Konto, ebenso ließ er Protestanten verfolgen und rief 1610 die Jesuiten nach Bamberg. 1617 wurde Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen auch Fürstbischof von Würzburg, wo daraufhin ähnlich massive Hexenverfolgungen Einzug hielten und sich seine Blutspur durch Franken vergrößerte.

Die Familie von Aschhausen ist erstmalig um 1230 in einer Urkunde des Klosters Schöntal nachgewiesen; ihre Stammburg liegt in der Nähe. Diese Familie Aschhausen darf nicht verwechselt werden mit einem gleichnamigen Ministerialengeschlecht aus Krautheim (führten einen Adlerkopf im Schilde). Unsere von Aschhausen waren im Dienste der Grafen von Hohenlohe, der Bischöfe von Würzburg oder von Mainz. Die Burg Aschhausen wurde im Jahre 1315 dem Erzstift Mainz zu Lehen aufgetragen. Wichtige Familienmitglieder waren als kurmainzische Amtmänner tätig. Die Rolle der Familie Aschhausen in der Reichsritterschaft ist als eher unbedeutend einzuschätzen. Wichtigere Ämter im Heiligen Römischen Reich bekleideten sie nicht. Mit Johann Gottfried von Aschhausen starb die jüngere Linie aus; die ältere Linie derer von Aschhausen war schon 1615 mit Hans B. von Aschhausen erloschen.

Das Haus wurde im Jahre 1618 errichtet, deshalb enthält der gevierte Schild schon die Symbole beider Kirchenämter, Bamberg und Würzburg. Das Wappen ist geviert mit Herzschild:

Dazu gehören folgende Helmzieren:

Interessant die plastische Darstellung, wie der Löwe die Leiste quasi "erklettert", eine phantasievolle Umsetzung der Leiste. Aber:

Wir haben hier einen lagenweisen Aufbau: Zuunterst kommt das goldene Feld, dann der schwarze Löwe, dann als dritte, oberste Lage die silberne Schrägleiste. Drei Ebenen übereinander, wobei zwischen erster und zweiter sowie zwischen zweiter und dritter Ebene ein Wechsel zwischen Metall und Farbe bzw. zwischen Farbe und Metall stattfindet, gutem heraldischen Stil entsprechend. Nur in den beiden äußeren Bereichen, dem rechten Obereck und dem linken Untereck in Schildrandnähe stößt damit Metall an Metall. Da es unvermeidbar ist, ist es legitim. Gutem heraldischen Stil entspricht ebenso, die Figuren, also den Löwen so raumfüllend wie möglich darzustellen, dadurch werden die besagten Bereiche minimal, und das Silber der Schrägleiste ist größtenteils vom Gold des Feldes durch den als Mittelebene dazwischen liegenden Löwen separiert.

Diesem Lagendenken entspricht, auch die Schrägleiste wirklich gänzlich über den Löwen zu legen. Es handelt sich nicht um eine silberne Schrägleiste in goldenem Feld, auf der kauernd oder reitend sich ein müder Löwe ausruht, zwei Beine rechts, zwei Beine links der "Stange" herabhängend. Heraldisch ist das zentrale Motiv der Löwe, variiert durch die Schrägleiste, daher kommt die graphisch obendrauf und wird nicht von Teilen des Löwen überdeckt, sondern geht über Hinterleib, über die Beine, den Bauch hinweg. Eine Darstellung als "Stangenreiter" ist nicht korrekt, auch wenn sich genügend historische Beispiele dafür finden lassen.

Das Hauptmotiv ist der Löwe, variiert durch die Schrägleiste, nicht umgekehrt. Daher ist die Schrägleiste als modifizierendes Element auch dünn - es handelt sich nicht um einen Schrägbalken. Ein Schrägbalken würde plus minus ca. 2/7 der Schildbreite als Eigenbreite haben, viel zu breit und dominant für ein modifizierendes Element. Korrekt ist eine Breite einer Leiste oder eines Fadens, also maximal plus minus ca. die Hälfte einer Balkenbreite.

In der Geschichte der Fürstbistümer Würzburg und Bamberg kam es häufiger vor, daß beide einen gemeinsamen Fürstbischof in Personalunion hatten. Das Bistum Würzburg ist von beiden das ältere, es wurde 741 von Bonifatius gegründet, 266 Jahre vor Bamberg. Und das Bistum Bamberg wurde nicht nur "erst" 1007 gegründet, sondern die beiden älteren Bistümer Würzburg und Eichstätt mußten Gebiet dafür zur Verfügung stellen, neben kaiserlichen Schenkungen, die den Grundstock für das wirtschaftliche Überleben des neuen Bistums bildeten. Also sowohl Alter als auch Geschichte müßten Würzburg einen höheren Rang als Bamberg einräumen. Und doch ist es anders:

Wenn in einem Wappen Elemente beider Hochstifte kombiniert werden, finden wir immer und grundsätzlich die Symbole für Bamberg in den höherwertigen, angeseheneren Feldern im Schild, so z. B. Feld 1 und 4 im gevierten Schild, während die Symbole für Würzburg auf die "billigen Plätze" kamen, Feld 2 und 3 in geviertem Schild. Das eigentliche Familienwappen des Bischofs kam dann wie hier in einen Herzschild.

Was ist der Grund? Zum einen war Bamberg eine kaiserliche Stiftung, ein kaiserliches Hochstift, weshalb die Bischofswappen auch die Kaiserkrone zeigen. Würzburg war eine Gründung von Bonifatius, seines Zeichens Missionar und Kirchenreformer, nicht Kaiser. Zum anderen war das Bistum Bamberg exemt, also aus der kirchenrechtlichen Zuständigkeitsstruktur ausgegliedert und Rom unmittelbar unterstellt, was ihm eine weitreichende Eigenständigkeit ermöglichte, ohne einem Erzbistum unterstellt zu sein. Diese Exemtion war ein besonderen Privileg, das z. B. auch das Kloster Fulda besaß. Würzburg, obwohl älter und mächtiger, hatte dieses Privileg nicht. Würzburg wurde gegen Ende des 8. Jh. Suffraganbistum des von Karl dem Großen zum Erzbistum erhobenen Bistums Mainz. Auch auf Reichstagen nahm der Bamberger Bischof einen höheren Rang ein als der Kollege aus Würzburg.

Eine Inschrift unter dem Wappen verkündet: D.O.M.- V.E.M. SANCTIS PATRONIS STEPHANO HENRICO - KUNIGUNDI Rmvs ET ILLmvs PRINCEPS ET DOVS D. IOAN: GODEFRI EPS. BAMBER. ET WIRTZ: FRANCIAE ORIENTALIS DVX HANC DOMVAD EXCITANDA FAMULORVM ERCA DOMP. NOS SVOS FIDELITATEM ET GRATITUDINEM PROPRIO AERE EX FVNDAMENTIS ET STRVXIT ANNO SALVTIS M - DC . XVIII. Diese Inschrift und die Korrektur ihrer Fehler ist übrigens auf www.bamberga.de hervorragend erläutert. Ihre Übertragung ins Deutsche lautet: Zu Ehren Gottes, dem größten und besten, der seligsten Jungfrau Maria sowie den heiligen Schutzpatronen Stefan, Heinrich und Kunigunde hat der hochwürdigste und durchlauchtigste Herr und Fürst Johannes Gottfried, Bischof von Bamberg und Würzburg und Herzog von Ostfranken dieses Haus im Jahre des Heils 1618 von Grund auf errichten lassen für seine Dienstboten, um dadurch ihre Treue und Dankbareit ihrem Herrn gegenüber hervorzurufen.

Dieses einstige Kanonikerhaus hat viele Namen. Der Vorgängerbau war als "Curia ad salices" - das Haus zu den Weiden bekannt und geht vermutlich auf das Jahr 1278 zurück. Es war zu Anfang des 17. Jh. baufällig geworden, und Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen stiftete im Jahre 1618 den Neubau. Es sollte ein sog. Ehehaltenhaus werden, ein Haus für kranke Dienstboten. Der Ehehalt(e), lat. famulus (siehe Inschrift) ist ein Hausgenosse, Diener oder Dienstbote. Soweit kam es aber nicht, der Tod des Bauherrn kam dieser Verwendung zuvor. Das Haus wurde wieder ein Kanonikatshof des Stiftes Bamberg; die Dienstboten kamen woanders unter ("Haus zum Pelikan" im unteren Sand).

In diesem zweiflügeligen Bau mit einem ummauerten Innenhof, der sich uns heute in frühbarocken Formen präsentiert, wird noch mehr Geschichte lebendig: Der historische Faust, Johannes Faust (1480-1536), umherziehender Theologe und Alchimist, hat in diesem Haus der Legende nach übernachtet. Der Schriftsteller E.T.A. Hoffman lernte hier seine spätere Gesangsschülerin Julia Marc kennen, die er vielfach literarisch verewigt hat.

Insgesamt macht die Fassade des Anwesens heute (2006) den Eindruck, daß sie sich über eine Renovierung freuen würde, das wird sicher auch bald folgen, der Schwerpunkt der bisherigen Restaurierungsarbeiten waren Fenster, Dach und Innenräume.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:

Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)
Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609-1622)
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633)
Franz von Hatzfeld (1633-1642)
Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653)
Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672)
Peter Philipp von Dernbach (1672-1683)
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729)
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)
Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753)
Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757)
Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779)
Franz Ludwig von Erthal (1779-1795)

Literatur:
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch. Siebmachers Wappenbuch.
Artikel über das Ehehaltenhaus im "Fränkischen Tag"
www.bamberga.de
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

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