Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1164
Altwiesloch (Wiesloch, Kraichgau)

Herrenhof / Bürgerhaus in Altwiesloch

Einst gab es in Altwiesloch eine Wasserburg an der Stelle des heutigen Schloßhofes, davon ist aber nichts mehr zu sehen. Die Herren von Wiesloch sind uns vor allem aufgrund des Minnesängers "von Wissenlo" in der Manessischen Liederhandschrift ein Begriff. Er führt dort als Wappen einen goldenen Schild mit einem blauen, mit zwei Rosen belegten Balken und als Helmzier einen wie der Schild bez. Beutelstand. Diese edelfreien Herren von Wiesloch oder Wissenloch hatten vermutlich die erste Burg erbaut, die aber bald den Besitzer mehrfach wechseln sollte, erst kamen die Herren von Weinsberg (1269 im Besitz), dann die Kurpfalz (1277 im Besitz), schließlich die Herren von Sickingen (Verpfändung 1405, endgültiger Verkauf an die Sickinger 1414), gefolgt von den von Neipperg, von Sturmfeder, von Bettendorff, den Grafen von Sparre-Kroneberg. Die Burg verschwand Ende des 19. Jh. 1888 stürzte der Wohnturm aus dem 12. Jh. ein, und der Torturm wurde 1898 abgetragen.

Was wir jedoch haben, ist ein Renaissancebau in der Nachbarschaft, gleich unterhalb der ehemaligen Burgkapelle: Das heutige Bürgerhaus von Altwiesloch ist ein 1575-1580 erbauter ehemaliger Herrenhof, dessen Maueranker an der Schmalseite mit den Zahlen 1738 einen späteren Umbau anzeigen. Im 19. Jh. wurde er als Rathaus und Schulhaus verwendet. 1980-82 wurde der hübsche Bau aus der Renaissance renoviert.

An der Südseite befindet sich über dem über eine Freitreppe zu erreichenden Renaissance-Portal - das einzig erhaltene aus dieser Zeit in Wiesloch - ein Allianzwappen Frauenburg / Nippenburg, dem Ehepaar Hans Jörg von Frauenburg und Maria von Nippenburg zuzuordnen.

Das Wappen der von Frauenberg ist von Rot und Silber schräggeteilt. Hier ist es in allen drei vorliegenden Fällen gewendet. Auf dem Helm eine wie der Schild von Rot und Silber schräggeteilte Inful. Helmdecken rot-silbern. Der Stammsitz der Familie liegt bei Stuttgart, ihre abgegangene Burg war bei Feuerbach. Bereits im Jahre 1251 waren sie württembergische Ministerialen. 1638 sind sie ausgestorben. Ihr letzter Sitz war Thalheim bei Heilbronn. Mit den bayerischen Frauenberg (zum Hag) haben sie übrigens überhaupt nichts zu tun.

Stammwappen von Nippenburg: In Blau zwei silberne Flügel. Auf dem Helm ein blau gewandeter Frauenrumpf, an Stelle der Arme zwei silberne Flügel. Helmdecken blau-silbern. Schwäbisches Geschlecht mit Besitz in Backnang, Illingen und Ensingen sowie bei Vaihingen. 1515 erhält Philipp von Nippenburg das Erbschenkenamt von Herzog Ulrich von Württemberg. Mit diesem Aufstieg ging eine Veränderung des Wappens einher, das neue Wappen ist geviert aus dem Stammwappen in Feld 1 und 4, in den Feldern 2 und 3 in Schwarz ein goldener Schenkenbecher, manchmal auf einem goldenen Dreiberg. Helm 1 trägt einen blau gewandeten Frauenrumpf, an Stelle der Arme zwei silberne Flügel. Helmdecken blau-silbern. Helm 2 trägt den goldenen Schenkenbecher, Helmdecken schwarz-golden. Die Familie ist 1646 erloschen. Hier sehen wir das Stammwappen.

Man beachte die sehr schlichten, aber in der Mitte fast ornamental miteinander verschlungenen Helmdecken. Der Türsturz selbst ist auf 1575 datiert. Dabei ist es auf den ersten Blick irreführend, daß die einzelnen Ziffern durch ein umgekehrt s-förmig gebogenes und mit einer Mittelsprosse versehenes Leerzeichen und in der Mitte durch das Steinmetzzeichen voneinander getrennt sind. Der Wappenstein trägt die Jahreszahl 1580. Die Inschrift lautet: "Dieses Haus stett in Gottes Hanndt der es hat lossen Bau wen Hanns Jorg von frauwen Burg Ist Ers genandt" - Dieses Haus steht in Gottes Hand, der es hat erbauen lassen von Hans Jörg von Frauenberg.

Undatierter Wappenstein mit einem weiteren Allianzwappen Frauenburg / Nippenburg über dem Bogen des Kellereingangs an der Schmalseite des Hauses.

Auf 1575 datierter Wappenstein mit einem dritten Allianzwappen Frauenburg / Nippenburg über dem Bogen des Kellereingangs an der Südseite des Hauses zum Schulhof hin.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau, Verlag Regionalkultur 1997, ISBN 3-929366-51-7
Zwischen Fürsten und Bauern - Reichsritterschaft im Kraichgau, hrsg. von Clemens Rehm und Konrad Krimm, Heimatverein Kraichgau, Sinsheim 1992, 2. Auflage 1993, ISBN 3-921214-04-1

Altwiesloch (Wiesloch, Kraichgau): ehem. Burgkapelle

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