Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1169
Neidenstein (Kraichgau)

Burg Neidenstein (2): Eingangstor zur Kernburg

Auch wenn unter den Herren von Venningen die wesentlichen Ausbauarbeiten an Burg Neidenstein stattfanden und die Burg seit dem 14. Jh. ununterbrochen in ihrem Besitz ist, handelt es sich nicht um ihren Stammsitz. Das ist Wenningen bei Döffingen in Schwaben. Obwohl die Burg teilweise Ruine ist, ist sie nie erobert worden, was einem Wunder gleichkommt bei den vielen Kriegen im 16. und 17. Jh. Vielmehr hat Vernachlässigung und Desinteresse zum Verfall geführt, insbesondere als Eichtersheim repräsentative Residenz wurde und sich niemand mehr für die Burg interessierte. Erst 1897 begann man mit der Sicherung des Bauwerks, eine weitere Sicherung erfolgte 1961, wobei auch der Palas wieder bewohnbar gemacht wurde.

Auf der Fläche des Erkers prangt das Vollwappen der Freiherren von Venningen: In Silber 2 rote, schräggekreuzte Lilienstäbe oder Glevenstäbe. Helmzier eine silberne Bischofsmütze, oft rot eingefaßt, die Mütze mit den schräggekreuzten beiden roten Lilienstäben oder Glevenstäben belegt, zwischen den beiden Zipfeln der Mütze mit einem Busch schwarzer Hahnenfedern besteckt. Die Helmdecken sind rot-silbern.

Detailaufnahmen des Gußerkers über dem Eingangstor. In der Mitte das Venningen-Wappen, rechts und links die mit Fabelwesen geschmückten, schmalen Konsolsteine. An der Unterseite der Wappenplatte ist die Datierung zu finden: 1533.

Burg Neidenstein (3): Ackertor

Zwei Tortürme ließ Erasmus von Venningen errichten, zuerst den kleineren, innen offenen Eingangsturm zur Kernburg, später den höheren Turm des Ackertores, wo sich die prächtigen Wappendarstellungen befinden, die im folgenden beschrieben werden. Das Ackertor ist besonders hübsch wegen des auf einem Rundbogenfries vorkragenden Obergeschosses. Hier ist eine Pechnase nur in Resten als Ansatz erhalten, man darf annehmen, daß sie ähnlich der am Eingangsturm zum Kernburg gestaltet war.

Wir sehen über dem äußeren, nach Westen gerichteten Torbogen ein Allianzwappen von Venningen / von Frundsberg. Dazu die genealogischen Hintergründe: 1500 heiratete der berühmte Feldherr Georg von Frundsberg in erster Ehe Katharina von Schrofenstein; nach ihrem Tod am 24.02.1517 oder 1518 vermählte sich Georg am 11.09.1519 zum zweiten Mal, dieses Mal mit Anna von Lodron, dieser Ehe entstammt Siguna von Frundsberg, geb. 1522, verheiratet mit Erasmus von Venningen (gest. 1589, kurpfälzischer Hofrichter, Sohn von Conrad von Venningen, badischer Rat und Landhofmeister, und dessen Frau Maria von Hirschhorn), Bauherr dieses Tores wie auch des Eingangstores zur Kernburg. Dieses bautätige Paar hat heraldische Spuren nicht nur in Neidenstein, sondern auch in Königsbach und in Eichtersheim hinterlassen. Ihr Sohn war Ottheinrich, dessen Renaissance-Freisäulen-Epitaph in der evangelischen Dorfkirche steht. Mit Ottheinrich starb der Neidensteiner Zweig der Herren von Venningen 1611 aus.

Wappen von Venningen: In Silber 2 rote, schräggekreuzte Lilienstäbe oder Glevenstäbe. Helmzier eine silberne Bischofsmütze, oft rot eingefaßt, die Mütze mit den schräggekreuzten beiden roten Lilienstäben oder Glevenstäben belegt, zwischen den beiden Zipfeln der Mütze mit einem Busch schwarzer Hahnenfedern besteckt. Die Helmdecken sind rot-silbern.

Auf der Seite der Ehefrau haben wir das Wappen der von Frundsberg (Freundsberg, Fronsberg, Frunsperg). Das Wappen ist geviert: Feld 1 und 4: in Schwarz ein goldener Strauß mit Hufeisen mit Schnabel, hier einwärtsgewendet. Feld 2 und 3: In Gold ein schwarzer, schwebender Fünfberg, unten rund ausgeschlagen. Zwei Helme: Helm 1: zwei goldene, außen mit silbernen Lindenzweigen (oder bei der Bewegung klingelnde Kleestengel, hier bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert) besteckte Büffelhörner, mit roten Schnüren verbunden. Helm 2: aus der Helmkrone wachsend ein goldener Schwan. Decken bei beiden Helmen schwarz-golden. Zur vergleichenden Diskussion des Wappens und zur Familiengeschichte vgl. Schloß Eichtersheim und Burg Neidenstein.

Direkt unter dem Allianzwappen befindet sich die Bauinschrift: "IN GOT(T)ES GNADEN, HAND VND NAMEN STEHE DISE / EH(E)LICHE ALTE STAM(M)EN DER WEL(LE) I(H)N(EN) SCHVTZ VND SEGE(N) / GEBEN AL(L)ZEIT VND DORT DAS EWIG LEBEN AMEN".

Das Ackertor ist auf dem Torbogen inmitten von zwei Steinmetzzeichen auf 1569 datiert und fällt in die Herrschaft des Erasmus von Venningen. Er war es auch, der den oberen Torturm erbauen ließ, das Eingangstor zur Kernburg (1533). Die Neidensteiner Linie der Freiherren von Venningen starb 1611 aus. Dies war das Ende der Bautätigkeit an der Burg.

Wappen von Venningen: In Silber 2 rote, schräggekreuzte Lilienstäbe (Glevenstäbe).

Übrigens greift das seit 1901 geführte kommunale Wappen der Gemeinde Neidenstein das Familienwappen mit einer kleinen Änderung auf: In Silber drei verschränkte rote Lilienstäbe, der mittlere gestürzt.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau, Verlag Regionalkultur 1997, ISBN 3-929366-51-7
Zwischen Fürsten und Bauern - Reichsritterschaft im Kraichgau, hrsg. von Clemens Rehm und Konrad Krimm, Heimatverein Kraichgau, Sinsheim 1992, 2. Auflage 1993, ISBN 3-921214-04-1
Informationstafeln vor Ort
Badische Wanderungen:
http://www.badischewanderungen.de/Burg-Neidenstein.htm
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 353
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden, hrsg. von Franz Xaver Kraus, Band 8,1: Adolf von Oechelhäuser: Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Sinsheim, Eppingen und Wiesloch (Kreis Heidelberg), Tübingen, 1909 - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm8bd1, S. 66 ff.

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